Der Klang der Stille

Jan Plewka in Siegen

Ende Januar und das kulturelle Jahr nimmt wieder Fahrt auf!
Es beginnt mit einem Besuch im Siegener Apollo Theater, welches Jan Plewka mit seiner Anwesenheit beehrte. Vor ziemlich genau 4 Jahren machte er bereits mit seinem Programm „…singt Rio Reiser“ hier Station, dieses Mal haben er und seine 4-Köpfige Band Lieder des legendären Duos Simon & Garfunkel im Gepäck. Obwohl wir auf diesem Gebiet nicht so bewandert sind und nur die bekannten Klassiker kennen, haben wir uns nach etwas Überlegung dann doch Karten besorgt – sogar noch in der ersten Reihe. Schließlich reden wir über Jan Plewka, Sänger von Hollys liebster deutscher Band – und seien wir ehrlich: Viel mehr Lieder von Rio Reiser kannten wir auch nicht.

Vor dem musikalischen Teil fand im oberen Foyer des Theaters eine kurze Frage-und Antwort Session statt, moderiert vom stellvertretenden Intendanten des Apollo: Jan Vering. Jan Plewka, Gitarrist Marco Schmedtje und Lieven Brunckhorst berichteten gut gelaunt von der Entstehungsgeschichte des Bühnenprogramms. Leo Schmidthals schaute vom aus Rand zu. Auf die Frage, wie es Jan im Apollo gefallen würde, antwortete dieser gut gelaunt: „Retro – aber geil“.

„Sound of Silence“ ist wohl das bekannteste Stück von Simon & Garfunkel und ganz im Geiste der Stille begann auch der Abend. Nach und nach betraten die Musiker die dunkle Bühne und nahmen bei ihren Intrumenten Platz; Jan an einem kleinen Tisch, fast direkt vor uns. Abwechselnd rezitierten sie eine Strophe des übersetzten deutschen Textes von Sound of Silence; der jeweils Sprechende tauchte sein Gesicht in das Licht eines Feuerzeugs. Simpel, aber durchaus wirkungsvoll, denn auch die schnatternden Frauen hinter uns verstummten und wurden, wie das restliche Publikum ganz von der Stille gefangen.

Im Rhythmus der klickenden Feuerzeuge begann dann der nächste Song „The Boxer“. Nach und nach jedoch setzten die Instrumente ein und auch auf der Bühne wurde es langsam Licht. Allmählich wurde auch klar, was Herr Vering mit seiner kurzen Anprache vor Beginn des Konzerts gemeint hatte: „Für das Jan Plewka – Publikum: Es wird eine moderate Lautstärke heute. Für das Theaterpublikum: Es wird laut!“ Viele Songs bekamen ein rockiges Gewand, allerdings war auch genug Platz für leise, atmosphärische Töne.
Im Licht der Scheinwerfer konnten wir dann auch erfreut feststellen, dass auf der Bühne 3/5 von Selig anwesend waren, denn außer Leo Schmidthals am Bass hatte auch Stoppel Eggert am Schlagzeug platzgenommen!

Bei „Cecilia“, dass in der Version dieses Abends eher in Moll gehalten war, holte sich Jan eine Zuschauerin aus dem Publikum, die er von auf einem Stuhl auf der Bühne verschwinden und hinter dem Schlagzeug wieder auftauchen ließ. Ziemlich früh im Programm folgte ein weiterer großer Hit: „Bridge over troubled water“. Jan fand, er habe schon genug geleistet und sich eine Pause verdient und ließ das Publikum alleine singen. Für die Textunsicheren hielten Leo und Marco Pappschilder mit dem Text hoch und Stoppel gab mit einem Zeigestock das Tempo vor. Schöne Idee und besonders der Chorus klang aus hunderten Kehlen sehr schön.

Jan kam zurück und bahnte sich während „50 Ways to leave your lover“ in einem beige-güldenen Anzug (der die modischen Empfindungen doch sehr spaltete) durch die Reihen des Publikums seinen Weg zur Bühne. Manche Songs bekamen auch einen deutschen Text, wie z.B. „50 Ways…“ oder „Love me like a rock“.  Die Musiker ließen sich zudem für jedes Stück etwas besonderes einfallen. Bei „Feeling Groovy“ setzte sich Instrumentenvirtuose Lieven eine Discokugel auf den Kopf und gab ein Saxophonsolo zum Besten, nebenbei einige geniale Lichteffekte erzeugend. Bei „Old Friends“ setzten sich Jan und Marco auf den Bühnenrand und schafften es, rein akustisch, ohne Mikrofon, eine Lagerfeuerstimmung zu erzielen.

Natürlich durfte eine Dame an diesem Abend auch nicht fehlen: „Mrs. Robinson“. Diese rockte gewaltig los und die Band hatte während des Stücks für Solodarbietungen Gelegenheit. Jan Plewka kommunizierte sogar mit „Mrs. Robinson“, indem auf eine Leinwand Filmausschnitte aus „Die Reifeprüfung“ projiziert wurden (der Film, in dem der Song zu hören war). Eine weitere nette Idee, die das Gesamtbild abrundete. Der Kreis schloß sich, indem als letztes reguläres Stück nochmals „Sound of Silence“ dargeboten wurde – wieder auf eine ungewöhnliche Weise. Jan setzte sich wieder an seinem Tisch und tauchte sein Gesicht in den Schein einer Lampe. Die Strophen sang er, doch die Worte „Sound of Silence“ blieben aus und – eben still. Das Publikum war sich unsicher, ob dies eine Aufforderung war, „Sound of Silence“ zu singen oder die Pause einfach so stehen zu lassen. Ich persönlich glaube, es ist gewollt, dass an diesen Stellen nichts zu hören ist, doch einige im Siegener Publikum bestanden immer wieder darauf, die Worte zu singen.

Jan und Band erhielten völlig zu Recht zum Schluß stehende Ovationen und besangen in den Zugaben noch einmal Mrs. Robinson. Ich glaube, selbst das Theaterpublikum hatten Jan & Co überzeugt (wie das Paar jenseits der 60, das bei den Zugaben vor die Bühne stürmte und ausgelassen tanzte) und es hat sich niemand an der Lautstärke gestört .
Ein einzigartiger Musikabend ging zu Ende. Für mein persönliches Empfinden ist ein Theater auch der richtige Rahmen für „Jan Plewka singt Simon & Garfunkel“, da das Programm so viele theatralische Aspekte beinhaltet, die bei einem „normalen“ Konzert in einer Halle nicht umsetzbar wären. Der Abend machte unheimlich Spaß, da die Musiker Spaß und Freude ausstrahlten und die Musik toll und rockig war. Sehr angenehm fand ich auch, dass der Fluß nicht durch eine Pause unterbrochen wurde. Fazit: Sollte Jan Plewka mit diesem Programm in Eure Nähe kommen: Hingehen!

Dank der freundlichen Genehmigung von Herrn Vering können wir Euch auch eine Galerie präsentieren:

Pics of Silence

Sound of Silence:

 

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3 Kommentare zu Der Klang der Stille

  1. Eva sagt:

    Toller Bericht – stimmungsvolle Bilder – starke Pausen (im Video). Stille zu ertragen, fällt bei Konzerten vielen sehr schwer …

    • Karinsche sagt:

      Vielen Dank liebe Eva!
      Stimmt, wenige wissen mit bewußter Stille etwas anzufangen. Mir gefiel diese Version von Sound of Silence sehr sehr gut, da Jans Stimme auch dazu paßte.

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