Liveelexier

Rock in der Dunkelkammer

Der Beginn war für 19.30 Uhr angesetzt und pünktlich tat sich etwas auf der Bühne: der Roadie stimmte die Instrumente. Ich weiß nicht, ob es eine Tradition oder Aberglauben ist oder sie einfach dem Fan, der im Stau steht, die Möglichkeit geben wollen, den Beginn zu erleben, aber Selig Konzerte beginnen immer mit ein paar Minuten Verspätung. Was aber in keinem Fall zu Lasten der Spielzeit geht, denn das Konzert in Köln ging gute zwei Stunden. Aber ich greife vor.

Mit zehnminütiger Verspätung betraten die vier Hamburger also die Bühne und begannen das Konzert mit den ersten beiden Stücken vom neuen Album. Dabei legten sie von Anfang an eine große Spielfreude an den Tag. Jan tänzelte die ganze Zeit dazu über die spärlich beleuchtete Bühne. Das Licht kam nicht von Scheinwerfen an der Decke, sondern von Lichtern, die hinter der Band standen und sorgten das ganze Konzert über für ein leises Fluchen neben mir. Für Fotos war die indivduelle, dunklere Ausleuchtung denkbar schlecht, für die Atmosphäre hingegen großartig. Genauso gut aufgelegt wie die Band, war das Publikum. Es hing Jan an den Lippen und trug ihn wortwörtlich auf Händen. Was ihm vor allem bei seiner Stagediving-Aktion zu Gute kam. 🙂

Bei einem Lied gab es Startprobleme, die Jan lachend damit abtat, daß es ich um ein neues Stück handelte. Später kündigte er großmundig ein Lied zum Tanzen an, wurde aber von Christian Neander korrigiert, weil er sich in der Setlist vertan hatte. Dazwischen immer wieder bekannte Stücke aus allen Phasen der Band. Die gelunge Mischung aus alten Hits und neuen Stücken nahm das Publikum dankbar an. 
Jan überließ an dem Abend mehrfach seinen Mitmusikern die Bühne, um sich an ihren Instrumenten auszutoben. Die Chance haben die drei genutzt und zusammen gerockt, was das Zeug hielt. „Wir werden uns wiedersehen“ versprachen sie mit dem letzten Lied.

Natürlich hielten sie Wort und nach wenigen Rufen sah man die Band wieder vereint auf der Bühne, als sie drei Lieder von ihrem Debut spielten. Alle sangen bei den alten Liedern noch lauter mit, wenn das möglich war. Mit diesen Liedern hat alles angefangen, auch die Liebe vieler anwesender Fans, die der Band in der Zeit die Treue hielt, als es Selig nicht gab.

Nach den drei Hits gingen erneut alle von der Bühne ab, nur um mit dem Titeltrack des aktuellen Albums zurückzukommen. Damit schafften es alle Lieder des neuen Werks in die Setlist, ohne viele Wünsche offen zu lassen. Eine beachtliche Leistung. Die „Kashmir Karma“-„So träum ich“-Kombination, sollte nicht das letzte Lied des Abends werden. Diese Ehre ging an „Regenbogenleicht“, zu dem sich alle vier Bandmitglieder vor einem Mikro am Bühnenrand versammelten. Mit diesem ruhigen Kleinod ging ein grandioses Konzert zuende. Die Hoffnung auf eine weitere Zugabe wurde durch das angehende Saallicht zunichte gemacht, aber ich bin sicher, daß kein Zuschauer der Live Music Hall unzufrieden nach Hause gegangen ist. Was Selig hier über zwei Stunden lang geboten haben war eines der besten Rockkonzerte, die wir besucht haben.

Die blogeigene Fotografin ist aufgrund der unbefriedigeneden Lichtsituation mit der Ausbeute nicht zufrieden. Zur Musik meinte sie aber, Selig hätten noch nie so gerockt. Sie sah sogar die Grenze zum Metal überschritten. Was soll ich dazu noch sagen?

Alles ist Pics

Bei dem großartigen Auftritt der Band war nicht nur die Menge außer sich, daher haben wir eine kleine Bonus Galerie vorbereitet: StroboJan
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Der Doctor und das liebe Vieh

TIMELASH III – Doctor Who-Convention


Zum dritten Mal habe ich mich an einem Oktoberwochenende auf eine Reise durch Raum und Zeit gemacht. Denn als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, waren wir ganz woanders und es war auch viel später. 😉 So geht es dem Doctor auf seinen Reisen doch auch immer, wenn er aus der TARDIS tritt. Wobei ich an dem Wochenende gelernt habe, daß der Doctor gar nicht wirklich durch die Zeit reist, sondern durch Genres. Die These hat Toby Hadoke aufgestellt und entwickelte sich zu einem Running Gag auf der Doctor Who Convention.

Ich muß leider zugeben, daß mir kleinem Murmeltier der große Wortschatz fehlt, um jedes Panel entsprechend zu beschreiben.  Wenn Nüsse meine Worte wären, sähe das sicherlich anders aus, so hoffe ich, daß ihr mir nicht böse seid, wenn ich Euch dieses Jahr nur einen kurzen Gesamtüberblick über die Convention und deren Gäste verschaffe.

Die Organisatoren haben es zum dritten Mal in Folge geschafft, Gäste einzuladen, die dem Doctor in irgendeiner Form beistehen. Rob Ritchie hätte an dem Wochenende eigentlich an der neuen Veröffentlichung einer alten Folge sitzen sollen. Er ist für die Animationen verschollenener Abenteuer des Doctors zuständig. Sein letztes Projekt war die erste Folge des zweiten Doctors „The Power of the Daleks.“ Die neuen Animationen betreffen die fehlenden Stellen von „Shada“, einer Geschichte des vierten Doctors.

Will Brooks erzählte am Sonntag dann von seiner Arbeit an Covern für Doctor Who Comics und wie er sich nebenbei das größte Archiv an Fotos zugelegt hat. Die Suche nach manchen Bildern erwies sich als fast so aufwendig, wie die Suche nach verschollenen Folgen. Er beschrieb auf sympathische Art, was ihn inspiriert und gab ein paar Beispiele, wie die Cover entstehen. Auf dem Endprodukt ist es nicht ersichtlich, aber mit dessen Hilfe hat er den Doctor frankensteinartig aus verschiedenen Fotos zusammengesetzt.
Das sind beides Bereiche, mit denen ich mich vorher nicht beschäftigt habe. Die sympathische Art, mit der die beiden Briten ihre Arbeit näherbrachten, fand ich aber sehr interessant. Das Whoniverse ist halt sehr groß. Bestimmt innen größer als außen.

Wenn man vor seiner Lieblingsserie sitzt vergißt man oft, daß die Menschen dahinter die eigene Begeisterung nicht immer teilen. Für viele ist es ein Job. Heutzutage finden sich viele Fans, die mit dem Doctor aufgewachsen sind, an den Schalthebeln und produzieren oder schreiben Teile der Serie. Oder spielen die Hauptrolle, wie Peter Capaldi. Philip Hinchcliffe dagegen übernahm die Produktion Mitte der Siebziger, als Tom Baker seine siebenjährige Reise in der TARDIS antrat. Für ihn war es nur ein Job und er erzählte, daß ihm erst durch Conventions bewußt wurde, wie viel seine Arbeit den Menschen bedeutet.
Auch Philip Hinchcliffe beantwortete alle Fragen sehr freundlich und steuerte ein paar interessante Geschichten aus seiner Zeit bei.

Genau wie Philipp Hinchcliffe sieht man John Leeson in der Serie nicht, aber man hört ihn, denn er ist die Stimme des Roboterhundes K9, der den vierten Doctor auf vielen Reisen begleitet hat. Da K9 einen Auftritt in der „neuen“ Serie hat, gehört er damit zu den wenigen Personen, die den neuen Doctoren begegnet sind. John Leeson schien seine Zeit sehr zu genießen. Er lachte viel und und erzählte lebhaft von seinen Erlebnissen in der Serie oder amüsante Anekdoten von Conventions. Es schien ihm sichtlich zu gefallen, daß K9 es ihm ermöglicht, durch die Welt zu reisen und Fans zu treffen.24366

Annette Badland und Naoko Mori waren bei der Neuauflage der Serie involviert. Annette Badland spielte die Gegenspielerin des Doctors. Der damalige Produzent war so begeistert, daß er extra eine weitere Folge schrieb, in der sie in die Haut des Slitheen schlüpfen konnte. Naoki Mori verkörperte eine Ärztin, die  Rolle sollte sie später im Spin-off „Torchwood“ wieder aufnehmen und bis heute in Hörspielen sprechen. Die herzliche Japanerin erzählte, sehr zur Belustigung der Anwesenden, daß sie die Serie nicht kannte und nicht wußte, was eine TARDIS ist. Erwähnung fand selbstredend auch das Space Pig, ein Schwein in einem Astronautenanzug, welches in der Folge kurz durchs Bild lief. Finde die Szene sehr unrealistisch. Ein Murmeltier in einem Astronautenanzug wäre glaubhafter gewesen, aber gut. Das nächste Mal.
Daneben erzählte beide Frauen wie es war, als die neuen Folgen entstanden und wie viele Gedanken sich Christopher Eccleston machte, der die britische Ikone wieder zum Leben erwecken sollte. Heute weiß man, daß es gut gegangen ist, denn Weihnachten übernimmt der fünfte Doctor nach ihm die Kontrolle über die berühmte blaue Box.

Eine Frau, die ebenfalls nicht viel vom Doctor wußte, bevor sie mit ihm zusammen spielte, war die Amerikanerin Daphne Ashbrook. Die Schauspielerin spielte den Companion des achten Doctors in seiner einzigen wirklichen Folge, da der Pilotfilm nicht zu einer neuen Serie führte. Eigentlich traf sie auf zwei Doctoren, denn im Film wurde die Regeneration von Doctor Nummer sieben (Sylvester McCoy) zu Doctor Nummer Acht (Paul McGann) gezeigt. Ein historischer Moment, der auf ihre blonde Kappe geht, denn genaugenommen hat sie den siebten Doctor umgebracht.
Daphne erzählte gut gelaunt von ihrem Einstieg in die Welt des Doctors und über witzige Convention-Anekdoten. Daneben sprach sie von ihrer Arbeit als Regisseurin und Sängerin. Nette Person, die, eigentlich wie alle Stars, viel Spaß zu haben schien und gerne mit den anwesenden Fans plauderte.

Toby Hadoke hat die Besucher auf der dritten TimeLash nicht am ersten Abend mit einem Stand-Up-Programm in den Abend entlassen. Den Part hätte locker Kai Owen übernehmen können, aber der macht kein Stand-up. Dafür hat Toby dieses Jahr die Moderation einiger Panels übernommen und Ralph entlastet. Ansonsten hat sich zu den Vorjahren nicht viel verändert. Allerdings scheint es sich herumgesprochen zu haben, daß die Besucher alle gut Englisch können. Keiner der Gäste hatte mehr Bedenken, verstanden zu werden.

Besuchte letztes Jahr Gareth David-Lloyd die TimeLash, hielten dieses Jahr Naoko Mori und Kai Owen die „Torchwood“-Fahne hoch. Die Serie spielte im Doctor Who-Universum. Am Samstag hatten beiden ein gemeinsames Panel, bei dem Naoko die Bühne mit einer Affenmaske betrat und Ralf sie spontan als Gast aus „Planet der Affen“ begrüßte.

Den Vortrag am Sonntag sollte Kai alleine halten, holte sich jedoch die Unterstützung von Scott Handcock, dem Produzenten der „Torchwood“-Hörspiele. Und weil direkt am Anfang Naoko das Panel mit einer lustigen Geräuschebox störte, holte Kai sie neben sich auf die Bühne, um sie besser im Griff zu haben. Was nicht ganz gelang, denn immer wieder hielt sie das Spielzeug ans Mikro. Dafür spielte Kai Owen an seinem Smartphone herum, um das Panel aufzunehmen, was Scott Handcock mit einem „Wie meine Großmutter mit einer Fernbedienung“ kommentierte.

Die Panels mit Kai waren die lebhaftesten. Er machte immer viele Späße, u.a. versuchte er einer Besucherin im Publikum Süßigkeiten in den Mund zu werfen oder bot intime Fotos von John Barrowman zum Kauf an. Die Geschichten, die beide über die Dreharbeiten erzählten, kamen, sehr zur Freude des Publikums, ebenfalls nicht ganz ohne pikante Details des Hauptdarstellers aus. Darüber hinaus  schienen sich alle drei gut zu verstehen und hatten zusammen bei der Serie und in Kassel sichtlich Spaß. 

Im „Doctor Who in Deutschland“-Panel, in dem es hauptsächlich um deutsche Veröffentlichungen, wie Comics, Bücher, DVDs und Hörbücher geht, ging der, für mich, interessanteste Gast leider etwas unter. Aus diesem Grund hoffe ich, daß es gibt nächstes Jahr wieder ein reines Synchron-Panel gibt, damit Herr Schwarzmeier und Kollegen (vielleicht mit Lutz Riedel?) mehr über ihre Arbeit sprechen können. Zwar wirkt ein Synchron-Panel auf einer Convention, auf der fast durchweg Englisch gesprochen wird, etwas widersprüchlich, aber schließlich ist das ein faszinierendes Handwerk, was kaum gewürdigt wird. Und ich schaue sehr gerne Sachen auf Deutsch. Gut, nicht den Doctor, aber allgemein. 😉

Darüber hinaus hat eigentlich nichts geändert. Es stehen viele Requisiten herum, mit denen ich einige Fellfies geschossen habe. Die familiäre Atmosphäre, die diese Convention scheinbar auszeichnet, ist erhalten geblieben und gefällt Besuchern und Gästen gleichermaßen. Nicht die Abfertigung von Fanwünschen steht im Vordergrund, sondern das Miteinander, so hat jeder Gast Zeit für die Fans und ein nettes Gespräch zwischen den Panels. Ich bekomme selten ein Wort raus, aber bei Toby und Rob Shearman habe ich mich getraut, nach einem gemeinsamen Foto zu fragen.

Rob Shearman habe ich nicht nur wegen des Fotos mit ihm ins Herz geschlossen, er ist einfach ein sehr freundlicher und lustiger Zeitgenosse. Auch bei den anderen Fans ist der Autor aufgrund der Geschichten, die er dem Doctor auf den Leib geschrieben hat, sehr beliebt. Zum zweiten Mal besuchte er die TimeLash und erzählte fröhlich von seiner Arbeit. Privates ließ er auch nicht außen vor und berichtete auf amüsante Art und Weise, wie er seine Doctor Who-Abhängigkeit vor seiner Frau verheimlichte und wie er dann aufflog. Als eine Freundin seiner Frau zu Besuch war, die, wie sollte es anders sein, ein Companion des dritten Doctors spielte. Das Whoniverse ist ein Dorf, sagt ja schon der Volksmund. 🙂

Letztes Jahr bestritt er mit Peter Harness ein Panel, dieses Jahr saßen mehr Menschen auf der Bühne und erzählten von ihren Arbeiten an den Big Finish Hörspielen, die die Welt des Doctors erweitern. Dabei kam zum Tragen, daß das wichtigste Mitglied der Big Finish-Familie der Koch Toby ist, in dessen Verantwortung die Verkostung der Mtarbeiter steht. Schwierige Szenen werden daher immer vor der Mittagspause eingesprochen. Sollte dieser Toby mal auf die TimeLash kommen, muß ich ihn fragen, ob er ein gutes Rezept für ein Nussgericht hat.

Ich weiß gar nicht, wie viel fünfzig Jahre in Murmeltierjahren sind, aber so lange ist es her, daß Wendy Padbury und Frazer Hines den zweiten Doctor, Patrick Troughton, auf seinen Abenteuern begleiteten. Für mich zählen der zweite Doctor und Jamie (Hines) zu meinen Lieblings-TARDIS-Teams, daher habe ich mich sehr gefreut, ihn live zu sehen. Während seiner Panels schien es ihm schwer zu fallen, auf dem Stuhl zu bleiben, immer wieder stand er auf und erzählte lebhaft aus seinem Leben in der TARDIS und danach. Er gab sogar eine Imitation von Patrick Troughton zum besten.
Wendy Padbury versuchte ihre Erinnerungen anhand ihrer Schwangerschaften einzuordnen. Beide haben sich ihren jugendlichen Charme und die Energie bewahrt, denn die grauen Haare waren das einzige Merkmal, daß sie schon länger im Whoniverse unterwegs sind. Wobei graue Haare nie aus der Mode kommen, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Ian McNeice war für mich eine der Überraschungen des Wochenendes. Der gewichtige Engländer spielte neben Matt Smith Winston Churchill. Eine Rolle, die er zuvor bereits im Theater spielte und die er inzwischen auch bei Big Finish übernommen hat. Eigentlich eine kleine Rolle, aber irgendwie scheint es bei „Doctor Who“ keine kleinen Rollen zu geben. Mir war Ian McNeice vorher kein Begriff und auch neben dem Doctor hat er keinen großen Eindruck hinterlassen, aber trotzdem waren seine Panels sehr sympathisch. Einige Gäste überraschen einen einfach, wie dieser mächtige Brite. Er machte einen sehr netten Eindruck, als er aus seinem langen Berufsleben erzählte und hatte sichtlich Spaß. Er lachte viel auf der Bühne, dabei mußte er an dem Wochenende viele Scherze von Kai Owen aushalten, der die Autogramme von Ian McNeice in bester Marktschreier Manier anpries. Oder am Sonntag, als er mit seinem Scooter zur Bühne für und Kai Owen die Zuschauer aufrief aufzustehen, für Ian McNeice und dabei den Trauermarsch anstimmte. Der schwarze Inselhumor. Köstlich.

Ich hatte mich eigentlich auf Sylvester McCoy gefreut, aber die Veranstalter haben weiter runter gezählt und nach Doctor Nummer Acht und Sechs, Nummer Fünf eingeladen. Wie seine Vorgänger (Nachfolger?) war auch er sehr sympathisch. Am zweiten Tag wirkte er noch gelöster auf der Bühne als am Samstag.
Bevor der die Kontrolle über die TARDIS übernahm, praktizierte er Medizin in der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“. Im Original „All creatures great and small“. Er hat also viel Erfahrung mit Tieren in allen Größen und Formen, als ich zum Fotoshoot kam. Obwohl ich den Eindruck nicht los wurde, sein erstes Murmeltier gewesen zu sein.
Es drehten sich einige Fragen um diese Serie, die ich nicht kenne. Dazu gab er einige amüsante und interessante Einblicke in die Produktion. Ich möchte nur soviel verraten, nicht alles im Fernsehen ist gestellt. Manchmal haben Schauspieler auch ihre Arme in echten Kühen.
Der Hauptteil der Fragen drehte sich selbstverständlich um seine Rolle als Timelord. So erzählte er, wie er zu der Rolle kam und gab ein paar lustige Anekdoten zum Besten. Zum fünfzigsten Jubiläum von „Doctor Who“ drehte er, zusammen mit den anderen klassischen Doctoren, einen eigenen Beitrag, der sich im Fandom großer Beliebtheit erfreut. Er erzählte, wie aus der nicht ganz ernst gemeinten Bemerkung auf einer Convention, „The Five(ish) Doctors Reboot“ immer größer wurde. Und in Kassel hat er, mehr oder weniger versprochen, zum sechzigsten Jubiläum etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Ich würde mich freuen. Nicht gefreut, habe ich mich, daß seine Biographie so schnell ausverkauft war. Gerne hätte ich mir ein zweites Autogramm geholt. So muß das Bild mit ihm reichen. Drei Doctoren und ein Murmel. 🙂
Bei der Abschlußzeremonie trug er eine Pappmaske von David Tennant, zehnter Doctor und Schwiegersohn von Davison und bedankte sich bei den anwesenden Zuschauern für eine kleine Zeitreise. Die TimeLash erinnerte ihn an die kleinen, familiären Conventions der Achtziger.

Bevor die dritte deutsche Doctor Who-Convention offiziell beendet wurde, gab es, wie im letzten Jahr, ein kleines Spiel. Toby Hadoke versammelte zwei Teams aus verschiedenen Gästen auf der Bühne und stellte ihnen verschiedene Fragen, die immer irgendeinen Zusammenhang zum Doctor hatten. Im Gegensatz zu den Teilnehmern spielte die Technik nicht immer mit. Dafür waren die acht Mitspieler, vor allem bei der Scharade, mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Ein unterhaltsamer Abschluß eines gelungenen Wochenendes. Danach kamen nochmal alle anwesenden Gäste auf die Bühne und bedankten sich unter tosendem Applaus für die zwei tollen Tage in Deutschland. Die Organisatoren ließen es sich natürlich nicht nehmen, auf die TimeLash IV hinzuweisen. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei.

Denn mein drittes Wochenende in Kassel hielt wieder viele unterhaltsame Panels und besondere Begegnungen für mich parat. Als ich 2007 in London und Cardiff auf den Spuren des Doctors unterwegs war, hätte ich nie gedacht, daß ich mal mein drittes Foto mit einem echten Doctor in den Pfoten halten könnte. Dafür habe ich mich bei Simone, einer der Organisatoren der Convention, persönlich bedankt. Jetzt heißt es ein Jahr ausharren, bis die Tore des Kulturbahnhof den Weg ins Whoniverse wieder freigeben.

All pictures great and small (Samstag)

The Space Pics (Sonntag)

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Best of Becker

Von Hakenkreuzen und Kalbsrouladen

Die Figur Heinz Becker ist seit mittlerweile 30 Jahren eine feste Größe in Deutschlands Komiklandschaft. Zusammen mit seinem Familienanhang Hilde und Stefan besucht er einen im heimischen Wohnzimmer mit laufenden Wiederholungen im SWR und den übrigen dritten Programmen. Die Folge „Alle Jahre wieder“ ist das Weihnachts-Pendant zu „Dinner for one“ und jedes Jahr erneut am Heiligabend rauf- und runter im Fernsehen zu sehen. Millionen erfreuen sich am umfallenden Weihnachtsbaum und der langsam eskalierenden Diskussion um die „Christbaumspitz“.

Familiär ist in den letzten Jahren nichts neues gekommen, was man jedoch von Heinz Becker solo nicht behaupten kann. Sein Schöpfer Gerd Dudenhöffer ist eine Konstante bezüglich Kabarettprogrammen und kontinuierlich auf den Bühnen der Republik unterwegs. Grund genug, nach 30 Jahren einmal zurück zu schauen und aus dem großen Repertoire beliebte Szenen und Geschichten im Rahmen eines Best-Of Programms zusammenzustellen.

Wie gewohnt im karierten Hemd und Batschkapp kommt Heinz ohne viel Kulissen aus und nimmt, wie auch bei den letzten Programmen, vor einer simplen Fotowand Platz, die ihn einrahmt. Und beginnt, zu erzählen, auf die ihm ganz eigene Weise. Kein Thema ist für ihn tabu: Ausländer, Homosexuelle und Rechtsradikalismus sind vor allen Dingen Teil seiner Gedankenwelt und man merkt dem Publikum an, dass es manchmal nicht weiß, ob es darüber gerade lachen darf oder entrüstet sein soll. Begleitet werden die geistigen Ergüsse von einzigartiger Mimik und Gestik.

Hierbei hält Gerd Dudenhöffer jedem den Spiegel vor und grübelnd geht man gelegentlich in sich und fragt sich, ob man nicht schon selber einmal eine solche Stammtischparole geäußert, oder zumindest schon einmal gedacht hat.
In jedem kleinen Dörfchen gibt es Heinz’e, die in ihren engstirnigen, spießigen Lebenswelten existieren und viel auf die Meinung anderer geben.

Bekannte Geschichten, wie die von einem schrecklichen Motorradunfall auf der Umgehungsstraße, die er mit einem eigenen tragischen Schicksalsschlag (Tomatensoße auf dem frisch angezogenen Hemd) kombiniert (aus dem Progamm Basta) oder die Geschichte vom „Tanja“, welche eigentlich Rebecca heißt und doch nicht im Fernsehen war, wie Hilde eigentlich dachte (aus dem Programm „Sie müsse entschuldiche“), fügen sich gut in ein stimmiges Programm ein.
Ebenso aktuellere Themen aus den letzten Programmen, die sich um Flüchtlinge und „Schnitzel mit Migrationshintergrund“, denn Zigeuner darf man ja nicht mehr sagen, drehen, dürfen nicht fehlen. Oder waren solche Themen schon jeher immer wieder aktuell und es ändert sich eigentlich nichts? Wenn ein Künstler es schafft, dass der Zuhörer sich dies fragt, hat er als Kabarettist wohl alles richtig gemacht, denn es verdeutlicht die Tiefsinnigkeit, die dahinter steckt.

Absolutes Highlight ist zum Schluss der langsam immer betrunkener werdende Heinz, der über Kalbsrouladen mit Blumenkohl oder Rotkraut schwadroniert (aus dem Programm „WiEderspruch“). Selten hat jemand besser einen „Besoffenen“ so überzeugend gespielt, wie er.
Wir hoffen, dass Gerd Dudenhöffer nicht müde wird, neues Material zu schreiben und live zu präsentieren. An Vorlagenstoff dürfte es ihm angesichts der Themen in den Nachrichten nie mangeln. Manchmal braucht man einfach jemanden, der einem zeigt, wie man nicht sein sollte, um selber besser als das zu sein.

Heinz Becker’s Ansichten

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17 Jahr wieder da

Verliebt in Kreuztal

Da ist der, der im Mai versprochene Bericht zum Konzert. Denn bei unserem zweiten von drei November-Terminen in der Kreuztaler Stadthalle ließen wir uns wieder musikalisch von Götz Alsmann in die vergangenen Tage italienischer Schlager entführen. Inzwischen ist das Album zum aktuellen Programm erschienen, so daß wir etwas textsicherer dem Auftritt entgegengefiebert haben. Allerdings konnten wir nicht mit den älteren Menschen mithalten, die die Lieder aus ihrer Jugend kannten. Gerade bei Götz und einigen Kabarettisten haben wir oftmals den Eindruck, den Altersschnitt nach unten zu ziehen. 🙂

Kommt ein bißchen mit dem breiten musikalischen Spektrum, das wir abdecken. Wie im letzten Bericht erwähnt, war es zehn Jahre her, daß wir Götzi mit Band live gesehen hatten. Aber für die Band war es noch länger her, daß sie vor Ort aufgetreten sind. Laut Bandleader standen sie das letzte Mal vor siebzehn Jahren auf der Kreuztaler Bühne. Wir können uns noch gut an das Konzert erinnern. Da fragt man sich schon, ob der Eindruck mit dem Altersschnitt stimmt. 🙂

Oft werden wir gefragt, warum man sich ein Programm zweimal anschaut. Zum einen, weil uns Künstler und Konzerte interessieren und zum anderen, wie in diesem Fall, ist jedes Konzert anders. In diesem besonderen Fall konnten wir gar nicht anders, denn die Musiker aus dem Münsterland rufen laut nach meiner Mitbloggerin. Auch wenn das Lied nicht für sie geschrieben wurde, fällt es schwer, diesem sympathischen Ruf nicht zu folgen.

Neben „Carina“ standen natürlich wieder bekannte italienische Schlager auf dem Programm, die die fünf Musiker gutgelaunt zum Besten gaben.
Dazwischen erzählte Götz Alsmann auf seine eigene Art kleine Geschichten. Die Italienreise der Band stand einmal im Fokus und Götz beschrieb das, von Ennio Morricone Studio. Prompt stimmte er die Bekannte Sequenz aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ an. Die Erwiderung des Publikums fiel beim ersten Versuch so mager aus, daß er das den ganzen Abend immer wieder als Running Gag einbaute.

Zu „Azzuro“ beschrieb er einen langen zurück liegenden Fernsehauftritt von Adriano Celentano und die Reaktionen innerhalb des Alsmann’schen Haushalts. Das amüsierte Blinzeln in Kombination mit dem schelmischen Schmunzeln lassen die Wahrheitsgehalt dieser Erinerungen nicht erkennen.
Manchmal weiß man gar nicht, wie er beim Sprechen Luft holt, bei seinen Wortkanonaden. Trotz eines Versprechers bei einer Anekdote, bekam er noch die Kurve, mußte aber selber lachen. Solche Aktionen machen ihn einfach noch sympathischer und zeigen, daß die Menschen auf der Bühne Spaß bei der Arbeit haben.

Wobei es sicherlich härter ist, als es aussieht, die Lieder so leicht und unbeschwert zu musikalischem Leben zu erwecken.
Was an dem Abend gefehlt hat, war die Solo-Nummer vom Meister der Percussiongeräte und Geräusche. Traditionell tritt er eigentlich einmal am Abend an den Bühnenrand und übernimmt die Leadvocals. Als Rom noch in Leverkusen lag, trug er eine lustige Nummer über durchschnittlich große Europäer vor. Wobei gefehlt der falsche Ausdruck ist. Vermisst haben wir Herrn Paßlick, gefehlt hat nichts, denn wieder einmal haben uns die charmanten Fünf mit ihren Klängen in eine andere Welt gezogen. Viel zu schnell hieß es an diesem Abend „Arrivederci Roma“.

Die Stimmung in der ausverkauften Halle war, trotz der Startschwierigkeiten der Erwiderung, von Anfang an gut. Die Zuschauer waren über dieses Zusammenkommen nach langer Zeit scheinbar genauso froh, wie die Band. Mehrfach kamen die fünf Musiker wieder hinter dem Vorgang hervor. Die Zugabe mit Baguette-Percussion aus dem „In Paris“-Album wurde ersetzt durch ein weiteres Lied von der neuen Platte.

Als letzte Zugabe gab es ein besonderes Schmankerl; Götz Alsmann setzte sich ans Klavier und improvisierte ein (Liebes-)Lied über Kreuztal. Damit brachte er nicht nur das Publikum zum Lachen, auch seine Mitmusiker konnten sich kaum beherrschen. Besonders bei Ingo Senst schien der Text aufs Zwerchfell einzuwirken. Belohnt wurde das Lied und der ganze Abend mit tosendem Applaus, dann war er aus. Götz Alsmann versprach, die Kreuztaler nicht wieder siebzehn Jahre warten zu lassen. Jetzt hat er bis 2033 Zeit, um sein Versprechen einzuhalten.

Fotos Italiano

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Die drei ??? in der Stadt der Zuckerpuppe

Eine Gute-Nacht-Geschichte für 1000 Menschen

Oliver Rohrbeck ist aus deutschen Ohren nicht wegzudenken. Jeder kennt die markante Stimme des sympathischen Berliners aus Filmen, Serien und Hörspielen. Er spricht nicht nur Gru in den „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filmen und ist die Standardstimme von Ben Stiller, sondern hat in weit über 190 Hörspielen Justus Jonas zum Leben erweckt. Seit 1979 bringen Oliver, zusammen mit Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck in unveränderter Besetzung die Zuhörer mit den Abenteuern der drei ??? in den Schlaf. Und die drei jungen Detektive sind populärer denn je zuvor, was sich auch an diesem Septemberabend in der historischen Stadthalle in Wuppertal zeigt, denn die Termine der Klassikertour, die Oliver mit seinem Lauscherlounge-Label auf die Beine gestellt hat, waren blitzschnell ausverkauft. Obwohl nur ein Fragezeichen live auf der Bühne steht.

Es besteht eine besondere Beziehung zwischen den Hörern und den Sprechern, die in den 38 Jahren gewachsen ist. Oliver bedankt sich bei den Anwesenden, daß sie sich geoutet haben. Eine Zeitlang war es uncool, zuzugeben, daß man als Erwachsener noch Die drei ??? hört, doch das habe sich gewandelt. Heute sähe man überall das berühmte Logo, auch wenn er anklingen ließ, es gäbe zu viel Merchandise. Aber die treuen Zuhörer würden den drei Sprechern ihre Arbeit und auch die persönlichen Treffen der Drei ermöglichen. Ein lebenslanger Kontakt dank akribischer Detektivarbeit. 

Oliver gab einen kurzen Einblick in die Produktion eines Hörspiels und erzählte ein paar Anekdoten. Dann stieß Jörg Klinkenberg zu ihm und nahm hinter den verschiedensten Utensilien Platz, die er brauchte, um die Geräusche live zu erzeugen. Es gab ein kurzes Live-Hörspiel, bei dem die Stimmen von Peter und Bob aus Hörspielen entnommen und eingespielt wurden. Irgendwie waren dann doch alle drei Detektive zusammen. Immer interessant zu sehen, wie die passenden Geräusche mit scheinbar unpassenden Geräten, Werkzeugen und Gemüsen entstehen.

Die Pause nutzte Oliver Rohrbeck, um mit dreizehn Freiwilligen den „Fluch des Rubins“ auf die Bühne zu bringen. Jeder sprach eine Rolle, mehr oder minder überzeugend, während die Rolle des ersten Detektivs natürlich nur von einem gesprochen werden konnte. Es war wirklich faszinierend, Oliver zuzusehen. Er las das Skript mit, achtete darauf, daß niemand seinen Einsatz verpaßte, kümmerte sich um die Technik und sprach auf den Punkt Justus Jonas. Wir haben großen Respekt vor der Arbeit von Synchronsprechern, die Emotionen einfach abrufen können. Vielleicht wissen viele die Synchronarbeit gar nicht zu würdigen, denn sie gehört bei uns zum Alltag und wirkt vielleicht deswegen so selbstverständlich und leicht. Aber wenn man es live erlebt, sei es Michael Schwarzmaier auf der TimeLash oder Oliver Rohrbeck, ist es nochmal etwas Besonderes. Aus dem Stehgreif klingen die Stimmen ganz anders und ziehen einen in die Szene.

Unter großem Jubel wurden die beiden Profis und die dreizehn Hörspiel-Amateure dann von dem Publikum verabschiedet. Die Stimmung war großartig und alle Beteiligten hatten in der besonderen Kulisse Spaß dabei, das fünfte Abenteuer der drei Detektive im Wachzustand zu erleben. Meistens ist man gegen Ende eingeschlafen. 🙂
Wir haben dann hellwach und fröhlich die Heimfahrt angetreten und waren froh, der Einladung der Lauscherlounge gefolgt zu sein.

Historische Fotos

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