Polka in Kreuztal

Geht der ab!

Bevor das Jahr zu Ende geht, möchten wir noch einen kulturellen Report nachreichen.

Vor 3 Jahren ging der Familie Popolski auf große Abschiedstournee, weil sie dachte, die Geschichte des Opas und der Erfindung der Popmusik sei nun zur Genüge in die Welt getragen. Da dies offensichtlich doch noch nicht der Fall ist, zieht das Familienoberhaupt Pawel Popolski seit geraumer Zeit alleine durch die Kulturhallen der Republik.

 

Nun kam er, zusammen mit Cousinechka Dorota, seit längerem noch einmal in unsere direkte Nachbarschaft und lockte uns in die Stadthalle nach Kreuztal.
In letzterer waren wir tatsächlich an diesem Freitag zum 3. Mal im November zu Gast, und von allen drei Malen war dieser Abend mit Abstand am besten besucht. Voll mit Polka- und feierlustigen Menschen, die von Anfang an bei der Sache waren.

Ursprünglich war das Programm „Der wissen der wenigste“ als Lesetour (zum gleichnamigen Buch) mit ein bißchen Musik am Rande konzipiert. Innerhalb von zwei Jahren hat es sich jedoch komplett verändert, wie wir im Vergleich (zu Dortmund 2015) erfahren konnten. Der erste Teil ist nach wie vor buchstäblich eine One-Man-Show ohne Buch, denn Pawel Popolski bestreitet die erste Hälfte bis zur Pause alleine.

Selbstredend führt er die Ahnungslosen in das Ritual des Wodka-Kippens ein und die Kreuztaler Helferinnen reichen die 4 Tabletts tatsächlich so herum, dass wir in Reihe 5 noch Pinnchen bekommen und endlich noch einmal selbige ungehemmt mit einem lauten „Sterre!!“ über die Schulter werfen dürfen. Pawel posiert für die örtliche Presse, erklärt die moderne polnische Videotechnik sehr ausführlich und nimmt viel Kontakt mit dem Publikum auf, wie z.B. zu „Piotr“, den Schlagzeuger im Publikum. Zwischendurch wird dieser immer wieder nach seiner Meinung gefragt.

Pawel nimmt an diesem Abend nicht ein einziges Mal das Buch zur Hand. Vielmehr erklärt er ausführlich Aufbau und Funktion seines Kofferschlagzeugs und führt dessen Funktionen dem Publikum vor. Eine kleine Musikstunde ist inklusive, denn es wird ausführlich der Polka-Rhythmus erklärt, und auch wieso eben dieser anderen, wie Jazz, Mambo und Walzer überlegen ist.
Zwischendurch wird via Skypek nach Zabrze geschaltet, wo der jungste Bruder eine direkte Leitung hergestellt hat und wie gehabt lebensfroh und locker vor der Kamera agiert.

Im zweiten Teil ist Pawel nicht mehr alleine auf der Bühne, denn Dorota unterstützt ihren Cousin gerne. Gewohnt charmant und sexy in rot verzaubert sie die Kreuztaler Männer. Ihre Gedankenwelt kreist nach wie vor überwiegend um das andere Geschlecht und vor allem deren finanziellen Status. Diesem setzt sie mit „Zloty“ ein musikalisches Denkmal, zur Melodie von „Blurred Lines“. Generell wird die zweite Hälfte des Programms mit dem Erscheinen von Dorota um einiges musikalischer, was auch die (vorher schon) gute Stimmung noch steigert.

Dorota wirft sich im knappen Outfit ihre rote Stratocastri um und beweist, dass sie nicht nur wunderbar singen, sondern auch ordentlich in die Saiten hauen kann.
Viele neue Stücke haben ihren Weg in das Programm gefunden, wie z.B. ein weiteres sehr leises Lied der Pop-Geschichte (nach „Let’s get loud“), nämlich „Enjoy the silence“, bei dem Pawel sich fast bis zum Chexenschuss verrenkt, als er selbiges so leise wie möglich am Keyboard begleitet. Bei „I’ve got the Polka“ wird es hingegen wieder rockiger und die Leute erheben sich von ihren Plätzen.

Ein kurzweiliger Abend geht schnell zu Ende und am Schluß, wenn eben zur Polkamusik die gesamte Halle steht und den Polkaschritt tanzt, kommt fast wieder das alte Gefühl auf, dass wir vor 3 Jahren das letzte Mal erlebt haben.
In den Momenten jedoch, in denen Pawel die Taste des Kassettenrekorders drückt, und andere Instrumente vom Band kommen, wird einem bewußt, dass der Familie fehlt. Unweigerlich fragt man sich, wie die neuen Songs wohl mit dem Rest im Hintergrund klingen würde. Daher läßt uns der Abend mit gemischten Gefühlen zurück. Das Konzept ist einfach mittlerweile ein anderes: Der Kabarettcharakter überwiegt nun dem Konzertcharakter, trotz der zweiten Hälfte, die mehr Songs im Gepäck hatte.
Für der Familie sind wir durch die Republik gereist. Auf Pawel und Dorota warten wir dann eher, bis sie wieder in unsere direkte Nachbarschaft kommen – aber entgehen lassen wir uns den Besuch auf gar keinen Fall.

Knipst du der

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