Alice im Horrorland

Verbringe die Nacht mit Alice Cooper

Dieser unwiderstehlichen Einladung sind an einem herbstlichen Dienstag viele Besucher in die Frankfurter Jahrhunderthalle gefolgt. Nicht zuletzt machten sich zwei Siegerländer auf den Weg um einem ihrer liebsten Musiker zu lauschen. Letztes Jahr spielte er als Kopf der Hollywood Vampires in Herborn, dieses Mal kam er wieder alleine. Alleine?

Nicht ganz, schließlich hatte er viele beliebte Theaterrequisiten und seine bekannte Band im Gepäck, die ihn schon seit Jahren unterstützt. Neu dabei ist lediglich Nita Strauss an der dritten Gitarre.

Nach einem gesprochen Intro, das die anwesenden Zuschauer zur Nacht mit Alice Cooper einlud, ging die Horrorshow los. Die Band startete und Alice selber betrat zu „Brutal Planet“ die Bühne. Für mich eines der besten Eröffnungslieder überhaupt. Dann folgten drei Klassiker aus den Siebzigern und zu jedem Lied bekam Alice das passende Kostüm gereicht. Frack, Lederjacke, Laborkittel, alles dabei. Die Band rockte energetisch und hart durch die Setlist und ließ dabei die musikalischen Unterschiede aus den verschiedenen Epochen verschmelzen. Die Musiker unterstützten den geschminkten Sänger, posten für die Zuschauer, miteinander oder mit Alice selber. Man merkte allen an, daß sie ein eingespieltes Team bilden und zusammen viel Spaß auf der Bühne haben. Man könnte auch sagen, sie haben die Stimmung im Saal spielend zum Kochen gebracht.

Dazu gab es alles, was man von einer Alice Cooper Show kennt und erwartet. Passend zu den wechselnden Kostümen gab es die entsprechenden Utensilien. Showeinlagen wie der große Frankenalice und die Guillotine durften natürlich nicht fehlen. So gab es zu jedem Lied die passende Showeinlage. Außerdem teilte das Ehepaar Cooper ihr Geheimnis für eine harmonische Ehe mit den begeisterten Konzertbesuchern. Seine Frau Sheryl tanzte über die Bühne, ließ sich in Puppenform verprügeln, nur um ihren Mann danach in eine Zwangsjacke zu stecken und letzlich dem Fallbeil auszuliefern. Ach, muß Liebe schön sein. Kein Wunder, daß Alice eine paranoide Persönlichkeit entwickelt hat.

Im Gegensatz zu Selig, die es geschafft haben, das komplette neue Album in die Setlist zu integrieren, hat es lediglich „Paranoic Personality“ vom aktuellen Langspieler geschafft, Dafür hat Alice einige seltener gespielte Songs wie „The World needs Guts“ aus den Achtzigern eingebaut und insgesamt aus jedem Jahrzehnt Lieder gespielt. Mit 27 Studioalben in der behandschuhten Hinterhand eine beachtliche Leistung. Uns hielt es kaum auf den Sitzen, die Stimmung auf den Plätzen um uns herum war überschaubar, während sie generell in der Halle, und vor allem auf den Stehplätzen vor der Bühne, ausgezeichnet war. Die Menge feierte den Rocker und seine Mannen ab und genoß die Theatralik.

Mit dem Klassiker „I’m eighteen“ beendete Alice den offiziellen Teil . Natürlich ließ er die jubelnde Menge nicht lange warten und sang im weißen Smoking, mit passendem Zylinder, die einzige Zugabe. Wie gewohnt flogen bei „School’s out“ große Ballons über die Köpfe der Zuschauer, die Alice, sobald sie zurück in seine Nähe kamen, platzen ließ. Nachdem die letzten Töne verstummt waren, blieben alle Musiker noch einen Moment auf der Bühne um sich zu von den Zuschauern zu verabschieden.

Wenn man Alice auf der Bühne sieht hat man keine Bedenken, daß er in ein paar Jahren auf der Bühne stehen und „I’m eighty“ singen wird. Hoffentlich sind wir dann noch fit genug, für Konzertbesuch und Blogbericht. Erst einmal kommt er nächsten Sommer mit den All-Star-Vampiren zurück um eine neue Blutspende einzufordern. Das sollten wir schaffen.

The World needs Pics

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