Angewandte Tanzmusik

Auf glücklichen Füßen

Der erste Beitrag eines Jahres ist immer schwierig, daher überspringen wir diese Hürde und fangen 2017 einfach mit dem zweiten an. Unglaubliche drei Jahre ist es her, daß wir die vier gutaussehenden Interpreten in vornehmer Kleidung live gesehen haben. Viel zu lange. Und so machten wir uns auf den Weg ins Bochumer Schauspielhaus zu Ulrich Tukur & DIE RHYTHMUS BOYS.

Eigentlich sind Ulrich Tukur & Die Rhtyhmus Boys nur die Vorband für die Hauptband, die aber gar nicht kam. Vermisst hat einen weiteren Act bei den vier kultivierten Musikern allerdings niemand.
Ulrich Tukur, begleitet von den RHYTHMUS BOYS, präsentierten dem Publikum im ausverkauften Schauspielhaus ein interessantes, internationales Repertoire. Mit viel Liebe auf modernsten Instrumenten intoniert und immer mit einer Prise Charme und Witz, entführten sie die Zuhörer auf eine musikalische Zeitreise in vergangene Jahrzehnte des letzten Jahrtausends. Das aktuelle Programm besteht aus Nummern von großen Komponisten wie George Gershwin, Cole Porter, Irvin Berlin und vielen anderen. Der Einstieg ist, wie könnte es anders sein, das titelgebende Stück „Let’s misbehave“. Herr Tukur im edlen Zwirn, seine Mitmusiker nicht. In der ersten Nummer wird schon klar, es wird sich daneben benommen und der Schalk im Nacken übernimmt ab und an die Oberhand.

Und genau das macht den Charme dieser Band aus, die seit nun mehr zwanzig Jahren zusammen musiziert. Die rassigen Rhythmen werden immer wieder durch unerwartete Aktionen oder Scherze unterbrochen, die man von vier seriösen und eleganten Herren nicht immer erwartet hätte. Natürlich kommt die Musik nicht zu knapp und die bestand in der ersten Hälfte aus den Liedern des letzten Albums. Das flotte „The Continental“ vom Vorgängeralbum hat sich ebenfalls noch eingeschlichen. Die Ein- und Überleitungen zu den Titeln übernimmt der Bandleader, indem er mit seinem spitzbübigen Charme (fiktive) Anekdoten oder (schlüpfrige) Witze zum Besten gibt.

Für eine kleine Stepeinlage suchte sich Herr Tukur eine freiwillige Damen aus dem Publikum, die er durch seine Beine ziehen und dann Herrn Märtens auf die Schultern werfen wollte. Dazu kam es nicht, denn der selbsternannte Fred Astaire geriet beim Tanzen ins Straucheln und fiel rückwärts auf die Bühne. Diese ungeplante Einlage erheiterte nicht nur den vollen Saal, sondern nicht minder seine drei Mitmusiker an ihren Instrumenten. Er rappelte sich auf und geleitete die Dame lachend zurück an ihren Platz.

Wie gewohnt fängt die zweite Hälfte immer mit einer ungewöhnlichen Nummer an. Beim akutellen Programm ist es das Techno-Lied „Fliegen“, welches von Herrn Märtens vorgetragen und Herrn Mews tänzerisch untermalt wird. Manche Sachen muß man einfach erlebt haben. Genau wie die zweite Nummer, in der Herr Märtens sein Können unter Beweis stellen kann, denn er kann nicht nur anmutig Kontrabass spielen und verführerisch tanzen, er kann auch bezaubernd ventriloquieren. Sehr zu unserer Freude hatte er seine Bauchrednerpuppe mitgebracht und bot das Lied „Mein fröhlicher Kakadu“ dar. Wieder mit Unterstützung des nicht minder talentierten Schlagzeugers Herrn Mews. Mehr möchten wir an dieser Stelle nicht verraten, denn diese Nummer muß man ebenfalls live gesehen haben. Das Publikum im Schauspielhaus war begeistert. Danach wurde noch vom ersten Album „Von Acht bis um Acht“ gespielt, bevor mit „Happy Feet“ der letzte Titel auf dem Plan stand. Die hingerissenen Zuschauer forderten selbstredend eine Zugabe ein, in der Herr Mayer nochmal sein Können an der Rockgitarre unter Beweis stellen konnte. Im Anschluß folgte eine ruhige Instrumentalversion von „La Paloma“. Durch die in Nebel und blaues Licht getauchte Bühne entsteht eine besondere Atmosphäre. 
Stilbruch gehört einfach zu dieser Kapelle dazu und so verabschiedete sich die Band im Anschluß mit dem flotten und fast rockig dargebotenen „Tanzmusik“ vom restlos entzückten Publikum. Begeistert von dem erstklassigen Refraingesang traten alle Zuschauer auf glücklichen Füßen ihren Heimweg an.

Ein Abend mit diesem einnehmenden Ensemble bietet gleichermaßen etwas für Zwerch- und Trommelfell. Daher mag Miss Otis etwas bedauern, wir bedauern die Fahrt auf keinen Fall. Die kleine, beschwingte Reise ins Ruhrgebiet und in die Welt der Tanzmusik hat sich wieder einmal gelohnt. Die galanten Herren lassen einen gute zwei Stunden lang das Leben leichter erscheinen, mit ihrem musikalischen Ausflug in vergangene Zeiten. Wir fragen uns, wie wir drei Jahre auf solche, gleichermaßen charmante wie amüsante, Liveunterhaltung verzichten konnten. Keine andere Tanzkappelle bringt soviel Schmiss und Pep in den Saal wie Ulrich Tukur & DIE RHYTHMUSBOYS!

Puttin‘ on the Pics

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