Aschaffenburger Dämonarchie

Bericht zur Vorband Silver Dust
von Karinsche

Normalerweise sind Vorbands, die man nicht kennt, etwas, das man gerne wie in einem Film vorspulen möchte. Nur wenige Bands, die wir bislang als Vorgruppe sehen duften, haben uns nachhaltig beeindruckt.
Bei mir dürfen sich seit dem Konzert in Aschaffenburg Silver Dust in die Reihe von Brainstorm, Sabaton und den Dead Daisies einordnen. Als die Bühne vorbereitet wurde, auch von den Künstlern selbst, wußte man nicht genau, was zu erwarten war. Powerwolf’s Schüler? Angesichts des schwarzen Rüschenhemds des Sängers und dem Kajalbemalten Schlagzeuger? Immer mehr Requisiten wurden aufgebaut, unter anderem ein gigantischer Flatscreen, welcher mit einem Rahmen dekoriert war.

Als Lord Campbell (Gesang, Gitarre), Tiny Pistol (Gitarre), Kurghan (Bass) und Mr. Killjoy (Schlagzeug) in ihren dunklen Kostümen die Bühne betraten fühlte man sich ein wenig in die Serie „Penny Dreadful“ versetzt. In dieser gibt es einen ähnlichen Kleidungsstil und ähnlich war auch die Atmosphäre: Düster, theatralisch und faszinierend. Der Flatscreen untermalte die einzelnen Songs mit hochauflösenden Bildern, die teilweise die Geschichte des jeweiligen Liedes erzählten oder Lord Campbell interaktiv mit dem Gezeigten agieren ließ (u.a. ein musikalischer Wettstreit zwischen einem Phantom an der Orgel und einer Live-Gitarre). Es passierte immer etwas auf der Bühne und man war fasziniert davon.

Musikalisch schwer einzuordnen, doch Lord Campbell schaffte es, zwischen Gesang und Growls mühelos hin und her zu schwenken. Mr. Killjoy hatte eine enorme Bühnenpräsenz und es machte Spaß, seinem Schlagzeugspiel zuzusehen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Band musikalisch bei mir wirklich zündet, oder ob ich das Visuelle dazu brauche. Auf jeden Fall lohnt es sich, die sympathischen Schweizer im Auge zu behalten.                                                               Photos of Decadence

Wo wir eben „Mr. Killjoy“ erwähnten: Wie waren eigentlich LORDI, Holly?

Theaterror im Colos-Saal

Gut, daß Du fragst Karinsche. Denn ist es nicht kaum zu glauben, daß schon wieder anderthalb Jahre vergangen sind, seit wir aus der Scare Force One ausgestiegen sind?

Und schon machen die fünf sympathischen Finnen erneut mit der neuen Monstour die Bühnen dieser Welt unsicher. Wir wollten uns das Gastspiel der kleinen Rabauken nicht entgehen lassen, wie Du weißt. Dieses Mal, passend zur neue Scheibe, waren die Kostüme zweigeteilt. Da wußten wir gar nicht, welches die süße und welches die putzige Seite der Monster ist. Fotogen sind beide, denn wie bei LORDI üblich, wird gleichermaßen etwas für die Ohren und die Augen geboten. Ohrenschmaus und Augenweide in einem. Angst haben muß man vor den Kadaverliebhabern natürlich nicht. Auch wenn sie nur nachts rauskommen, wollen sie doch nur spielen. Und zwar Lieder vom neuen Album.

Ein Special Guest aus Eternia sagte die Monster an und die fünf Racker legten direkt mit  „Let’s go slaughter He-Man (I wanna be the Beast-Man in the Masters of the Universe)“ los. Das Lied ist viel schmissiger als der Titel vermuten läßt und das Publikum fraß den rockenden Finnen direkt aus den Klauen. Die Schlawiner haben gekonnt einen Hit an den nächsten gereiht, wodurch die gute Stimmung im Saal keine Sekunde nachließ. LORDI wissen halt, wie man die Fans bei Laune hält und hatten neben dem Hitfeuerwerk natürlich wieder viele alte und neue Requisiten im Gepäck. Die Roadies schlüpften während der Show in verschiedene Rollen, Das Schlagzeugsolo wurde zum Beispiel von einem Skelett-Ballet unterstützt. Und bei „Down with the Devil“ versuchte ein Bischof den Teufel in Form von Mr. Lordi auszutreiben. Was natürlich nicht gelang, denn der Teufel steckt in jedem. In jedem der anders ist als der „normale“ Musterbürger und Spaß an Monstermusik hat. Auch wenn man es den Schlawinern nicht auf den ersten Blick ansieht, können sie nicht nur Lieder von Phantasiemonstern schreiben. Genaugenommen kommt da durchaus ein bißchen KISS-Spirit durch, denn auch bei den amerikanischen Vorbildern der fünf Rocker geht es darum, an sich zu glauben, egal was andere sagen.

Trotzdem wurde es nicht zu philosophisch und langweilig wird es sowieso nie bei einer LORDI-Show. Dafür sorgen sie mit den abwechslungsreichen Showelementen und ihrer Musik, die nicht aus dem Ohr geht. Die Lieder haben das Publikum den ganzen Abend dazu animiert haben, lauthals mitzusingen und die Rabauken verdient abzufeiern. Als Dank bekamen sie eine Hardcore-Umarmung und Grüße von Herzen, von den Kindern der Nacht.

Vor dem letzten Lied erschien die rockende Mumie auf dem Merchandisestand am Ende der Halle und Mr. Lordi erklärte dem Publikum, daß es der Geburtstag ihres Tontechniker Johann wäre. Der Saal stimmte „Happy Birthday“ an und durfte laut dem Chefmonster entweder Johann oder Fuckface singen. Danach bahnte sich Amen wieder den Weg zurück auf die Bühne um die letzten drei Lieder über selbige zu heizen, wie er es den ganzen Abend gemacht hat. Mit der obligatorischen Frage, ob man einen Monstermann lieben könnte, verabschiedeten sich die fünf erschöpften Supermonstars von dem euphorischen  Zuschauern. Nach der Begeisterung zu schließen, lautete die Antwort auf die gestellte Frage zweifelslos: „Ja.“

Sie kommen zwar vom Polarkreis, den Gästen im Colos-Saal haben sie mit ihrer neuen Show trotzdem ziemlich eingeheizt. Und nicht nur dem Publikum, denn Mr. Lordi sprach einige Male seinen einzigen deutschen Satz: „Es ist scheisse heiß hier“. Was eher der Arbeitskleidung und den Bühnenlichtern zuzuschreiben ist, denn im Zuschauerraum waren die Temperaturen sehr angenehm. Da haben wir schon Schlimmeres erlebt. Unter lautem Jubel und ganz ohne Terror im Theater ging damit die Dämonarchie in Aschaffenburg vorerst zuende. Wobei sich die Fünf bestimmt gut als Herrscher im Schloss Johannisburg machen würden. ;-)

Im Endeffekt sind es nur drei Lieder von der ersten Hälfte des aktuellen Album „Monsterophonic“ geworden. Die zweite Hälfte des Albums besteht aus längeren und etwas härteren Songs, die trotzdem nicht die eingängigen LORDI-Melodien vermissen lassen. Leider hat es von den sechs Songs keiner in die Setlist geschafft, aber bei der Songauswahl ist das wirklich Meckern auf hohem Niveau, schließlich haben die Lausemonster jedes ihrer acht Alben mit mindestens einem Lied berücksichtigt. Mit der „European Monstour“ haben LORDI wieder bewiesen, daß sie zu den Bands gehören, von denen man nie enttäuscht nach Hause fährt.

Eingängige Lieder, abwechslungsreiche Show und lustige Ansagen sind einfach eine unschlagbare Mischung für eine gelungene Abendunterhaltung.
Auf die Rückkehr müssen wir bestimmt nicht warten, bis es in der Hölle schneit. Dafür sind unsere rockenden Lieblingsmonster einfach zu umtriebig. Zum Glück.

The Night The Monsters Sang

Wie Du sicher weißt, war es unser erster Besuch im Colos-Saal, von dem wir schon oft gehört und gelesen hatten. Da wir uns immer mehr Richtung Ruhrpott ausgerichtet haben, haben wir den Weg über die zwei Landesgrenzen vorher nicht gefunden. Letzendlich haben wir uns im Colos-Saal sehr wohl gefühlt und daher wird es bestimmt nicht unser letzter Besuch in dem netten Club sein, indem man „gerockt und nicht geschüttelt“ wird. ;-)

Jetzt zurück an Karinsche für den zweiten Teil unserer finnischen Woche.

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