Audienz nach Noten

Meister der Melodien

Es war die Woche, der seltenen Gäste. Mittwochs gaben sich The B-52’s im E-Werk die Ehre, am Folgetag trat Paul Heaton einige Kilometer entfernt, in der Live Music Hall auf. Zwei Tage darauf bespielte er die Frankfurter Batschkapp.

Paul Heaton war seit 2011 nicht mehr in deutschen Landen aktiv, daher konnten wir uns die Chance nicht entgehen lassen und haben direkt beide Deutschlandtermine in unserem Veranstaltungskalender eingetragen. Das Besondere, er hatte nicht nur seine größten Hits, sondern auch eine großartige Sängerin im Gepäck. Vor sieben Jahren hat er sich wieder mit Jacqui Abbott zusammen getan, die 2000 aus Heaton’s Band The Beautiful South ausgestiegen ist. Gemeinsam haben sie in der Zeit drei Alben veröffentlicht und sämtliche Hallen in Großbritannien ausverkauft. Den Sprung über den Kanal haben sie jetzt erst gemacht, um das neue Best-of Album live vorzustellen. Die Scheibe vereint viele Hits des Briten, aus seiner Zeit bei The Housemartins, The Beautiful South, genauso wie Solo-Songs oder Stücke aus der Heaton/Abbott Phase. Jeder, der meint, wir hätten einen obskuren Musikgeschmack wird beim Konsum der CD eines Besseren belehrt. Denn mit Sicherheit kennt ihr viele der Stücke. Einige vom Hören, andere könnt ihr mitsingen, wette ich. Und schon ist unser Musikgeschmack gar nicht mehr so ungewöhnlich. :- )

Die erste musikalische Audienz fand in der Kölner Live Music Hall statt. Wie schon am Vortag, war dieser Austragungsort bei geschlossenem Tor ebenfalls kaum von einer Sauna zu unterscheiden. Abgesehen davon, daß alle Anwesenden bekleidet waren. Ein Handtuch hätten trotzdem viele gebraucht. Außer dem selbsternannten letzten König des Pop, der das Wetter als Kurze-Hosen-Wetter bezeichnete, aber trotzdem zwei Stunden in langer Hose und obligatorischer Radfahrerjacke auf der Bühne stand. An beiden Tagen. Scheint seine Arbeitskleidung zu sein.

Mit „Old red Eye is back“ begannen die Hitfeuerwerke. Paul und Jacqui versteckten sich leider hinter zwei hohen Monitoren, die den Blick und vor allem Fotos erschwerten. Selbst aus der ersten Reihe heraus. An der musikalischen Qualität gab es allerdings nichts auszusetzen. Paul sprach zwischen den Stück locker und lustig mit den anwesenden Fans und griff bei einem Lied sogar zur Gitarre. Es war toll, ihn und Jacqui endlich wieder live erleben zu dürfen. Die Beiden sind einfach für einander bestimmt. Die Stimmen harmonieren perfekt und haben den ganzen Abend die Popperlen aus Pauls Feder veredelt. Begleitet wurden Paul und Jacqui von einer siebenköpfigen Band, die alle Spaß auf der Bühne hatten. Besonders, als Paul bei der Bandvorstellung in Frankfurt den Schlagzeuger vergaß. Drei The Beautfiul South Lieder durften natürlich nicht fehlen. So beendete der größte Radiohit „Perfect 10“ den offiziellen Teil, während „Song for Whoever“ und „You keep it all in“ im Zugabenblock dargeboten wurden. Lauthals mitgesungen, aus den Kehlen aller Anwesenden.

Jacqui genoß die Konzerte sichtlich, auch wenn man ihr in Köln die Anstrengung aufgrund der hohen Temperaturen ansah. Paul schaute mehrmals besorgt auf seine Kollegin. Aber davon abgesehen lachte sie viel und animierte die Fans zum Mitsingen. Was eigentlich gar nicht erforderlich war, denn das Publikum sang von Anfang an jede Zeile mit. Ausgenommen beim allerletzen Lied, daß den Titel der aktuellen Werkschau trägt, denn das Stück ist bisher noch nicht veröffentlicht worden. Der Stimmung tat das keinen Abbruch, die war beide Male großartig. In Frankfurt waren die Zuschauer sogar noch etwas ausgelassener, was vielleicht an der klimatisierten Halle lag. Dort sorgten nur die Musiker für erhöhte Temperaturen und nicht die Sommersonne. Wir haben es nicht bereut, uns zwei Konzerte anzusehen. Begeistert haben wir mitgesungen und -geschwitzt.

Paul Heaton ist ein echter Pop-Superstar. Nicht, weil er sich so verhält, im Gegenteil. Vor den Konzerten läuft er (in kurzer Hose!) zwischen den wartenden Fans umher und interagiert auf Augenhöhe mit ihnen. Auf der Bühne wirkt er genauso bodenständig. Bei ihm dreht sich alles um seine Lieder, nicht um seine Person. Sein Schaffen aber macht ihn zu einem echten Superstar und vielleicht wirklich zum letzten König des Pop. Denn er hat in über dreißig soviele wunderbare Lieder geschrieben, die einen begleiten und zu unsterblichen Ohrwürmern herangewachsen sind. (Ob man es weiß oder nicht.) Deswegen war es etwas Besonderes, ihn mit seiner Königin zusammen, nochmal live erleben zu dürfen. Wir hoffen, daß sie die deutschen Fans nicht wieder so lange warten lassen. Bis zum nächsten Mal, Eure Majestät!

Pics for whoever (Köln)

Prettiest Pics (Frankfurt)

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