Auf der Jagd nach Regenbögen

Alles neu macht der Ray

Da isser wieder, der nette Schotte von nebenan. Nicht nur im Blog, auch wieder in der Netpher Sport- und Konzertarena. Die kleine Stadt im Herzen des Siegerlandes hat sich scheinbar zu einem Fixpunkt im Tourplan des sympathischen Musikers gemausert, gastiert er doch alle zwei Jahre in der Georg-Heimann-Halle.
Anfang des Jahres machte die Botschaft die Runde, daß Ray sich von einem Teil seiner festen Band getrennt hat, um etwas an den eingefahrenen Programmen zu ändern. Er spielte Konzerte mit voller Band, oder Akustik-Shows mit kleinerer Besetzung, aber die Setlisten waren größtenteils deckungsgleich, so versprach die Neuausrichtung etwas Überschaubarkeit zurückzubringen.

Den Anfang in der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Halle, machte „No Son of mine“, gefolgt von „That’s all“. Damit waren die Erwartungen, er würde wieder mehr eigene und weniger Genesis-Lieder spielen, dahin.  Ironischerweiser waren es aber meistens genau diese Nummern, die die Stimmung zu steigern wußten. Bei „Congo“ gab es fast kein Halten mehr, so ging die Menge bei dem Song aus dem letzten Genesis-Album mit. Etwas merkwürdig, nicht darauf aufzubauen und direkt danach eine ruhige Nummer einzuschieben. Aber durch die unzähligen Konzerte, die Ray jedes Jahr absolviert, weiß er die Setlist richtig zu mischen. Der allgemeinen Stimmung tat es keinen Abbruch, denn spätestens bei „Land of Confusion“ stand der Saal wieder Kopf und sang lauthals „oho-ho“ mit. Bei „Inside“ griff Ray zur E-Gitarre und sein erster großer Hit mit „Stiltskin“ entließ die Zuschauer mit einer rockigen Note in die Pause.

Genauso rockig begann der zweite Teil mit „Ought to be resting“. Wobei er kurzerhand „Ought to be shaving“ daraus machte und damit den Bassisten meinte, denn Lawrie trug Vollbart. Bei „Jesus he knows me“ sang wieder der ganze Saal mit und verdeutlichte die Begeisterung aller Anwesenden, die immer in der Netpher Halle herrscht, wenn Herr Wilson hier gastiert. Wahrscheinlich einer der Gründe, für seine stets wiederkehrenden Auftritte an diesem Ort und seiner Idee, sechs Wochen Sommerurlaub in der beschauliche Gemeinde verbringen zu wollen. :-)
Danach griff Ray zur Akustikgitarre und begann einen kleinen Akustiksblog …äh… block. Darunter sein Lied „Change“, aber natürlich auch wieder einige Genesis-Nummern. Sehr schön, daß es „Another Day“ vom „Millionairhead“-Album, seines ersten Nach-Genesis-Projektes Cut_, wieder in die Setlist geschafft hat. Einfach ein tolles, melancholiches Lied. Beim anschließenden Flughafen-Lied, das Ray angeblich nicht mag, es dafür aber sehr oft spielt, bekam jedes Bandmitglied einen kurzen Solomoment. Das amüsante Stück hat eine „deutschen“ Mitsing-Passage, was das Publikum natürlich dankbar nutzte.
„Mama“, nein, nicht Rays Mutter, sondern das gleichnamige Lied, beendete dann den regulären Teil des Abends, bei dem sich Ray wieder koboldhaft vor einen Scheinwerfer hockte. Die Studioversion mag ich nicht, aber live ist es eine tolle Nummer, die stimmig mit dem Licht umgesetzt wird. Dadurch bekommt das Lied eine leicht bedrohliche Note.

Die Band war noch nicht von der Bühne, da waren schon die Zugaben-Chöre zu hören. Ray kam alleine raus, hing sich seine Akusitkgitarre um und als er vor dem Mikro stand, verlangte ein Besucher „Chasing Rainbows“. Nicht zum ersten Male an dem Abend. Ray meinte, er habe kein Lied, daß „Chasing Rainbows“ heißt, so daß er nicht wüßte, wie er ihm helfen könne. Als er dann einen anderen Einwurf als „Mamas and Papas“ mißverstand, stimmte er kurz „California dreamin'“ an, hörte aber sofort wieder lachend auf. Es wurde dann „In the Air tonight“, bei dem wieder die Netpher ihre Chance zum Mitsingen bekamen und nutzten. Im Anschluß kam Ali zurück auf die Bühne. Zu zweit spielten sie ein Lied von Rays zweiten Soloalbum und dann ein Pink Floyd Cover. „Wish you were here“ wurde vom ersten Ton an in der Halle begeistert aufgenommen und grandios dargeboten. Nur der Berichtschreiber des Blogs war etwas ratlos, weil er es nicht kannte. Die Gnade der späten Geburt. :-)
Danach kamen die restlichen sechs Musiker zurück, um gemeinsam den Abend mit drei Liedern ausklingen zu lassen. Den Abschluß des zweieinhalbstündigen Konzertes machte der Bob Dylan Klassiker „Knockin‘ on Heaven’s Door“. Und wie jedes Konzert, war auch dieses nach dem letzten Lied zuende. ;-)

Band und Publikum waren sichtlich begeistert und zufrieden mit dem Abend. Die neuen Musiker haben sich bestens in die Band mit den alten Weggefährten eingefügt. Marcin Kajper machte im Hintergrund die meiste Stimmung, denn er steht nicht still und kennt zu jedem Lied die richtigen Bewegungen. Mal bringt er Steffie neben sich zum mitgrooven, dann nutzt er sein Saxofon als Luftgitarrenersatz um eins von Alis Solos zu begleiten. Es ist schön zu sehen, wenn die Musiker auf der Bühne ebenfalls so einen Spaß haben und verbreiten. Nicht ohne Grund gehört der Schotte zu den Musikern, die am häufigsten in unserer Liste besuchter Konzerte auftauchen. Ray mit Band live zu erleben ist halt immer wieder ein lohnenswertes Ereignis, auch wenn der Abend nicht so „neu“ wie angenommen war. Vielleicht tut sich bis zum nächsten Netpher Gastpiel des Schotten etwas an der Setlist. Und wenn nicht, ist es im Grunde auch egal, denn besser geht nicht, nur anders.

Regenbogengalerie

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