Der Anfang von der Ende

! Nur fur der Menschen, der wissen was passiert, oder es vorab wissen wollen !

Köln 14.03.2014

Am Freitag, als wir uns bei Frühlingswetter Richtung Köln bewegten, kam uns ein Zitat von Ulrich Mayer wieder in den Sinn: „Die Zeit vergeht, auch wenn der Zeiger steht, Herr Tukur.“ Und wie recht er damit hatte, denn als der Familie Popolski letzten Mai der Welt die traurige Mitteilung zukommen ließ, man würde im März 2014 auf Abschiedstour gehen, schien dieser März noch so weit weg zu sein. Wir sind uns sicher, daß der Herbst den Winter übersprungen hat und direkt in den Frühling übergegangen ist. Nur uns hat keiner was gesagt. Wie sonst hätte der Kalender es geschafft jetzt schon seine „März“-Seite zu zeigen!?

Obwohl wir früh waren, standen bereits gefühlte 1000 Menschen in einer langen Reihe auf dem Bürgersteig der Schanzenstraße. Zum Glück wartete diese Menschentraube, die hauptsächlich aus jungen Frauen bestand, nicht auf Janusz, sondern auf den Einlaß im Palladium. Wir eröffneten derweil auf der gegenüberliegenden Seite den Anfang der Schlange vor den Toren des E-Werks. Aufatmend und die kurzzeitig aufgetretenen Schweißperlen wegwischend, beäugten wir amüsiert das Treiben gegenüber und die Schlange vor dem Dixieklo.

Während des Wartens gesellten sich ein paar bekannte Gesichter zu uns und zusammen sicherten wir die erste Reihe, gespannt, was sich der Familie ausgedacht hatte. Die Tour steht unter dem Motto „Der Beste von der Beste“. Und damit sind nicht nur beliebte Lieder gemeint, auch ein paar bekannten Geschichten gehören dazu.
Etwas verspätet eröffnete der Familie mit dem traditionellen „Ras Popolski“ unter dem Jubel des ausverkauften E-Werks. Bei den ersten Töne merkten wir, wie sehr wir der bekloppste Musiker seit September vermisst haben. Eindeutige Zeichen von Polkaentzug.

Wie gewohnt moderierte der älteste Bruder den Abend. Ungewohnt dagegen war die Anwesenheit aller Sänger während eines Konzertes, und schon bei „Born as a Popolski“ teilten sich Bogdan, Andrzej und Dorota den Gesang. Die Stimmung im E-Werk war von Anfang an sehr gut und so hatten es die Drei nicht schwer das Publikum zum mitklatschen und mitsingen zu animieren. Ein Höhepunkt des ersten Teils war Pavels Präsentation eines unterschätzten Musikinstruments, auf den wir im nächsten Bericht näher eingehen werden.
Der Dobrze Horns kamen bei „We will rocka you“ an den Bühnenrand um den Publikum noch mehr einzuheizen, bevor sie bei „Schöne Maid“ einen erotisch aufgeladenen Tanz aufführten. Leider sollte das der einzige Soloteil der eineiigen Zwillinge sein. Wir hatten ein bißchen auf ihr Lied „Wir sind der zwei“ gehofft.
Nachdem Mirek seine Stratocastri zum qualmen brachte, wurde wie üblich mit „I’m outta love“ in die Pause geschunkelt. Einige Nummern gehören halt einfach zu einer Show der Familie, ohne die etwas fehlen würde.

Eröffnet wurde der zweite Teil mit „Insomnia“. In der polnischen Originalversion sehr hörenswert. Wobei ich bekennen muß, daß mir die Stimme von Isidor bei dem Lied und bei dem später im Programm aufgeführten Duett „Crying at the Discotheuqa“ mit Dorota fehlt. So gut Bogdan und Danusz sind, ihren verstorbenen Cousin können sie nicht ersetzen.

Dansuz ergriff bei zwei ruhigeren Lieder das Mikro. Darunter das leiseste Lied des Abend, unterstützt von Mirek. Wenn ich die Mimik richtig gedeutet habe, hatte er sichtlich Mühe, um nicht zu heftig in die Saiten zu greifen. Dorota, ließ  alle Anwesenden wissen, warum sie kein Mann handeln könnte; sie sei zu „Polkalicious“. Was ein weiteres neues Lied an dem Abend war und zusammen mit dem Korsett und den Hotpants, die der Heisseste von der Heisseste trug, die Temperatur in der Halle wieder steigen ließ. Und das Barometer erklomm unermessliche Höhen, als der Botschafter der Liebe zurück auf die Bühne kam. An dieser Stelle wollen wir noch nicht zuviel verraten, dazu haben wir noch Zeit, aber es war der erotische Höhepunkt des zweiten Teils.
Alle drei Sänger waren, wie schon zu Beginn, wieder gemeinsam auf der Bühne und so sangen sie zusammen das Abschlußlied und Motto dieser Tour „Polka’s coming home“. Unter Mithilfe des gesamten Saales versteht sich.

Und das Mitsingen ging direkt in lautstarke Zugabe-Rufe über, denn natürlich ließen die Zuschauer der Familie nicht einfach verschwinden. Als Janusz, der den ganzen Abend schon lebhafter in seinem Schatten gestanden hatte als bei vorangegangenen Touren, sich zielstrebig eine Gitarre schnappte und zum Mikro ging, wollte ihn Pavel davon abhalten. Er mußte sich dem Votum des ihn ausbuhenden Publikums beugen und der trubste Tasse gab bei „Cherry Cherry Lady“ wiedermal alles. Zu meinem Liedwesen wurde der Hüpfteil des Liedes, der früher ein fester Bestandteil war, aber irgendwann einem Megafon weichen mußte, nicht wieder eingeführt. Nass und oben ohne, halfen ihm seine besorgten Onkel nach dem Lied wieder zurück in Hemd und Pullunder um eine Unterkühlung zu vermeiden. Und als wieder die ganze Familie auf ihren Plätzen war, verabschiedeten sie sich musikalisch mit „Ras Popolski“.

Auch zum zweiten Mal vermittelten die Kölner unüberhörbar ihren Wunsch nach mehr. Mehr Musik und mehr Familie. Es blieb den polnischen Künstlern nichts anderes übrig, als nochmals Ihre Instrumente in die Hand zu nehmen um die Masse zu beruhigen/bespielen. Für die letzten beiden Lieder gehörte Andrzej die Bühne, der mit „Sexy Bomba“ zum letzten Mal an dem Abend der Hütte zum Kochen brachte, bevor er sein Heimweh mit dem Lied „Zabrze, ich komm aus dir“ ausdrückte. Nicht nur Janusz hatte da eine Träne im Auge, auch die Zuschauer. Zu schnell waren diese zweieinhalb Stunden Programm vergangen.

Der Ende? Noch nicht, denn nach der Polka ist vor der Polka. :-)

Galeria Fotoski 1

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