Der doppelte König

The Kings of Rock ’n‘ Roll 

Bis Januar 2012 hatten wir mit Elvis Presley nicht viel am Hut. Doch vor anderthalb Jahren waren wir interessehalber im Nachbarland Hessen, um uns ein Konzert von Oliver Steinhoff, einem ausgezeichneten Elvis Darsteller, anzuschauen und zu hören. Wie viele Konzerte der vergangenen Jahre hatten wir auch dieses der Familie Popolski zu verdanken. Auf jeden Fall hat uns beiden das gebotene Konzert, genaugenommen waren es sogar zwei Konzerte, so gut gefallen, daß wir uns an einem sommerlichen Augustsamstag 2013 wieder auf dem Weg zur Trinkkuranlage in Bad Nauheim befanden.
Dieses Jahr hatte Oliver den Briten Pete Storm eingeladen, derseines Zeichens ebenfalls ein Elvis Imitator ist. Wieder gab es zwei Konzertblöcke, in dem jeder der Herren eine Elvis Show darbot.

Oliver eröffnete die musikalische Reise in vergangene Jahrzehnte mit der 68’er Show und dem Lied „Baby what you want me to do“. Passend zum 68’er Konzert von Elvis betrat er in einem schwarzen Lederoutfit die Bühne. Begleitet wurden beide Elvisse an dem Abend von Olivers Band, zu der auch Ludwig Götz gehört. Keinen Musiker haben wir in unserer Konzertkarriere öfter gesehen als ihn, aber das ist eine andere Geschichte. Zurück nach Bad Nauheim.
Die Stimmung in der mehr als ausverkauften Trinkkuranlage war von Anfang an gut. Viele der anwesenden Damen kamen stilecht im Petticoat. Zwei Damen hatten sogar die Anreise aus Kanada nicht gescheut um an dem Abend dabei zu sein. Und einige Zuschauer haben die Glanzzeiten von Elvis noch selber erlebt. Im Gegensatz zu uns, denn in unser Leben ist er erst vor 18 Monaten getreten. Darum sind wir wirklich überrascht, wie lebendig der King dieser Tage noch ist und wieviele Fans es gibt. Aber so ist es mit jedem „Hobby“. Wenn man nichts damit zu tun hat, unterschätzt man leicht die begeisterte Menge, die dahinter steht.
Er sang in diesem Block u.a. noch „Kentucky Rain“ und „Blue Suede Shows“ und in den Ansagen zwischen den Liedern kam der Oliver nicht mehr so stark raus, wie noch im vergangenen Jahr. Was dem Konzert gut getan hat. So wurde die Illusion nicht ständig unterbrochen. Er sprach Deutsch und bedankte sich bei allen, vorallem bei Elvis und war sichtlich begeistert, wieviele Menschen an dem Tag gekommen waren. Die Nachfrage war so groß und weil sie niemanden wegschicken wollten, mußten einige Besucher mit einem Stehplatz in dem ansonsten bestuhlten Saal vorlieb nehmen. Oliver beendete sein erstes Konzert dann mit „If I can dream“ und wies auf Pete Storm hin, bevor er unter anhaltendem Beifall die Bühne verließ.

Wir waren auf den englischen Elvis gespannt, der sein „That’s the Way it is“-Konzert mit „That’s allright Mama“ und „Walk a mile in my shoes“ begann. Und nicht nur wir, denn einige Fans rollten ein großes „Welcome to Germany“- Banner aus. Pete trug einen weißen Overall und hatte den Saal vom ersten Moment an in seiner Hand. Auch wenn er Bad Nauheim nach Bayern verlegte. Was ihm bei seiner sympathischen Art und der guten Darbietung keiner der Anwesenden übel nahm. Ob Bayern oder Hessen, für uns ist eh beides Ausland. ;-) Die Ähnlichkeit mit Elvis Presley ist verblüffend und seine Art, sich zu bewegen wirkt natürlich und ungekünstelt. Zudem schien er sich sehr zu freuen, sich einem deutschen Publikum zu präsentieren. Mit Hits wie „You’ve lost that lovin’ feeling“ und „In the Ghetto“ hatte er eine ganze Reihe bekannter und beliebter Songs im Gepäck.
Ich hatte wochenlang einen Ohrwurm von „Suspicious Minds“, als ich es das erste mal von Elvek Popolski live gehört habe und mit diesem Lied beendet Pete seine TTWII-Show. Wie schon Oliver zuvor, wurde auch er mit tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Danach wurde der Saal geräumt. Oliver und Pete standen für Autogramme und Fotos zur Verfügung. Wir nahmen das zweite Angebot nicht wahr und stellten uns lieber wieder für die folgenden Shows an. Es war wirklich interessant, die vielen unterschiedlichen Menschen aus allen Altersschichten zu beobachten. Besonders den verbissenen Erbsenzähler, der jeden, der an ihm in der Schlange vorbeiging, an das Ende der Wartenden verwies. Selbst eine Frau mit Krücken. Man kann nur hoffen, daß die ausländischen Besucher ihn nicht als Bild des typischen Deutschen mit in die Heimat nehmen. :-)

Die Sänger hatten die Positionen gewechselt und so begann Pete Storm den zweiten Konzertteil mit seinem „Elvis on Tour“-Programm. Mit Liedern wie „Johnny B. Goode“ nahm der Abend wieder schnell Fahrt auf. Pete trug einen blauen Overall und am Anfang eine Gitarre. Viele Frauen ließen es sich nicht nehmen und gingen mit einem Blumenkranz zur Bühne. Pete ließ sich alle um den Hals hängen und bedankte sich mit einem Bussi bei den erfreuten Damen. Mit „Are you lonesome tonight“ und „Bridge over troubled water“ zeigte er seine gefühlvolle Seite und wußte auch damit zu überzeugen. Kein Wunder, daß Oliver ihn als Verstärkung geholt hat, denn Pete Storm eroberte das Publikum an dem Tag zum zweiten Mal, wie der Name schon nahelegt, im Sturm.
Wie schon sein erstes Set, beendete „Suspicious Minds“ auch die On Tour-Show. Das Set schien etwas kürzer zu sein, aber auch Oliver’s „Aloha from Hawaii“-Show im Anschluß kam uns nicht so lang vor.

Zu den Klängen von „Also sprach Zaratusthra“ kam Oliver im weißen, mit bunten Steinen verziertem, Overall auf die Bühne und startete mit „Burning Love“. Eigentlich kommt das Highlight zum Schluß, nur irgendwie kam der letzte musikalische Teil des Tages für mich nicht in Fahrt. Oliver schien die langsamen und langweiligeren Stücke abbekommen zu haben. Es kann natürlich sein, dass eingefleischte Fans die Setlist toll fanden, da sie Songs zu hören bekamen, die man nicht oft live hört, aber wir als Gelegenheits-Elvis-Hörer konnten mit vielen Liedern nichts anfangen.
Dazu machte er seine Ansagen jetzt mal auf Deutsch, mal auf Englisch und manchmal mischte er beide Sprachen. Noch dazu entschuldigte er sich nach fast jedem Lied, es ginge ihm nicht so gut, er sei so nervös und man solle deshalb nachsichtig sein und ihn heute nicht beurteilen. Das war schon ziemlich penetrant und (zer)störte die lässige Elvis-Performance in meinen Augen. Komischerweise war davon in der ersten Show nie die Rede und man merkte nichts. Zumindest ich nicht. Aber die anderen Zuschauer schien das „Gejammere“ nicht zu stören. Inzwischen hielt es kaum noch jemanden auf den Sitzen nicht nur, um sich einen obligatorischen Schal abzuholen, den er von der Bühne aus verteilte.
Zum letzten Lied gesellte sich Pete Storm, der vorher Olivers Show in zivil durch die Tür verfolgte, in seinem blauen Overall auf die Bühne. Gemeinsam sangen sie „Can’t help falling in Love“ und beschlossen damit die musikalische Zeitreise.

Alles in allem wieder ein starker Konzerttag, der leider mit der schwächsten Darbietung beendet wurde. Aber dafür wußten die anderen drei Shows zu überzeugen. Besonders gefiel uns Pete Storm. Obwohl wir wegen Oliver vor Ort waren, müssen wir gestehen, daß uns der Engländer besser gefallen hat. Er sieht Elvis nicht nur ähnlicher, auch sein Gesang wirkte natürlicher. Im direkten Vergleich merkt man schon, daß Oliver stellenweise ins verkrampfte Knödeln verfällt. (Entschuldige Oli!) Vielleicht war auch einfach die Songsauswahl etwas unglücklich. Wir schließen einen erneuten Besuch eines Konzertes nicht aus. Dafür sind die Musiker einfach zu gut. Kaum zu glauben, wieviele Lieder die Band erst kurz vorher zum ersten Mal geprobt hat. Außerdem will ich endlich mal „Viva Las Vegas“ und „A little less conversation“ live hören.
Vor der Rückfahrt verweilten wir noch und plauderten etwas. Dabei wurden wir unverständlicherweise mit zwei Fans der Schürzenjäger verwechselt. An dem Punkt war für uns Schluß!

Aber genug der Worte, hier die Fotos zum Abend:
Oliver Steinhoff

Pete Storm

Und hier die Darbietung eines entbehrlichen, schwedischen Elvis Doubles, die ich spitze finde. Hoffe, die Showeinlagen gibt es auch das nächste Mal in Bad Nauheim zu sehen. :-) Es geht los bei 1:17

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https://youtu.be/mHtatY7bOUY
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