Eroberer aus dem Weltall

Ace Frehley on Lead Guitar

Zwei Wochen nachdem wir KISS in der Hansestadt erleben durften, rief uns der Dritte der vier Originalmitgliederzu sich. Denn Ace Frehley war mit seiner Band und guten Songs im Gepäck in Bochum gelandet, um den Erdlingen eine gehörige Portion Rock um die Nase zu hauen. Genau wie Gene und Paul bewies auch der Space-Ace himself, daß Rock eine Frage der Einstellung und keine des Alters ist.

Der Star des Abends ließ die Zuschauer lange warten. Die Bühne ist nach der Vorband schon eine gefühlte Ewigkeit umgebaut, aber die Band schien den Weg dahin nicht zu finden. Eine gute Stunde dauerte es, bis „Fractured Mirror“, das instrumentale Schlusslied von Ace’s erstem Soloalbum, aus den Boxen ertönte und den Abend eröffnete.

Die Musiker nahmen Stellung und sobald Ace unter aufbrausendem Jubel auf der Bühne erschienen war, wurde mit „Rocket Ride“ losgerockt. Sofort war das lange Warten vergessen. Es folgten zwei Titel von seinem letzten Album. Die Begeisterung im Publikum ließ auch bei den neuen Liedern nicht nach, was man manchmal bei Künstlern, die schon so lange die Bühnen auf der ganzen Welt unsicher machen, beobachten kann. Natürlich wurden Lieder von Ace’s ehemaliger Band, von denen zwei im Anschluß gespielt wurden, lauter abgefeiert. Kein Wunder, denn schaute man sich in der sehr gut gefüllten Zeche um, konnte man die Menschen ohne KISS-Shirt an einer Hand abzählen.

Bei „Love Gun“ übernahm Scot Coogan das erste Mal am Abend den Gesang. Ansonsten trommelte er wie ein wildes Tier, zog Grimassen und erinnert mich ab und zu an Zed aus „Police Academy“. :-) Zusammen mit Chris Wyse am Bass lieferte er den ganzen Abend die solide Basis, auf der sich Ace und Richie mit ihren Gitarren austoben konnten.

Danach durfte Richie Scarlet „Breakout“, einem Lied von Ace‘ Band „Frehleys Comet“ aus den Achtzigern, zum Besten geben. Richie gehörte damals zur Band und Ace hat seinen ehemaligen Mitstreiter letztes Jahr wieder an Bord geholt. Obwohl er wahrscheinlich im gleichen Alter ist, schien er eine unbändige Energie zu haben. Richie war ständig in Bewegung, mal rechts, mal links poste mit der Gitarre, was das Zeug hielt und feuerte die Fans das ganze Konzert über an. Der Duracell-Hase wäre neidisch geworden. Auch an Richie konnte man sehen; Rock ist eine Lebenseinstellung die jung hält. Zu meiner freudigen Überraschung hat er dann später noch bei „2 young 2 die“ das Mikro übernommen. Meinem Lieblingslied vom 89’er „Trouble walkin'“-Album. Ich hätte nicht gedacht, das Lied mal live erleben zu dürfen.

Ace schien gut drauf und die Kommunikation mit dem Publikum durch die Lieder und ein paar Ansagen sichtlich zu genießen. Er bewegte sich, auf seine manchmal etwas behäbige Art, den ganzen Abend über die Bühne um seinen Fans nahe zu sein und poste mit seinen Mitmusikern was das Zeug hielt. Wer nicht geglaubt hat, dem sei versichert „Ace is back and he showed you so“. ;-)
Chris Wyse bekam bei dem schwer groovenden „Strange Ways“ die Möglichkeit, sein Gesangstalent unter Beweis zu stellen. Ironischerweise setzt Ace damit das Prinzip um, das hinter KISS stand: vier gleichberechtigten Musiker, von denen jeder singen sollte.  Während auf der aktuellen KISS Tour davon nicht mehr viel zu sehen ist, zeigte der neue Komet wie es geht. Auch wenn Ace der Star ist, vermitteln die anderen Musiker nicht den Eindruck, nur die Backingband zu sein. Schaute man sich die Ace Frehley Band an, lag die Betonung wirklich auf Band. Zumindest auf der Bühne schienen alle gleichberechtigt und vor allem gut eingespielt zu sein. Und Spaß an ihrer Arbeit zu haben. Während eines Solos von Richie bewarf Ace ihn mit Picks und lachte sich selber darüber kaputt. Die gute Laune übertrug sich unmittelbar auf die Anwesenden im Saal.

An dem Abend wurde bewiesen, daß gute Rocksongs kein großes Brimborium benötigen. Trotzdem dürfen zwei kleine Showeinlagen beim Spaceman nicht fehlen. Bei „New York Groove“ spielte er die Gitarre, die im Rhythmus leuchtet und bei „Shock me“ die Gitarre mit dem Loch. ;-) Wenn Ace beim Solo alleine auf der Bühne steht, fängt die Gitarre an zu leuchten und qualmen. So gehört es sich seit 1977 und so war es auch 2015 in Bochum zu sehen. Ace lief von rechts nach links über die Bühne, zog eine Qualmwolke hinter sich her und gab den Fans in der ersten Reihe die Möglichkeit, die Gitarre zu berühren. Die Zeit scheint still zu stehen, wenn er die Saiten zum glühen bringt. Dann steht da kein älterer Herr mit Sonnenbrille, dann steht da der Gitarrengott vom Planeten Jendell. :-)

„Rip it out“ beendete das Konzert und die Band verließ unter verdient tosendem Applaus die Bühne. Richie Scarlet, der am Bühnenrand stand, lugte immer wieder um die Ecke um zu sehen, wann die Zeit für die Zugaben gekommen war. Zum Glück ließen diese nicht so lange auf sich warten, wie der Beginn des Gigs. Bei den zwei KISS-Liedern, die dann folgten gab es kein Halten mehr.  Die Fans jubelten und feierten, da bin ich mir sicher, die ganze Band ab. Denn die vier spielfreudigen Musiker haben die Ohren und Herzen der Fans mit ihrem druckvollen und rohem Sound wahrlich erobert. Nur schade, daß Kometen sich nicht so häufig sehen lassen.

Photo Invaders

 

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