Ja, mir san mi’m Panzer da

To Oberhausen and back

Vor über 8 Jahren spielten Sabaton ihre erste ausverkaufte Show außerhalb Schwedens vor uns und weiteren 278 Personen im Duisburger Parkhaus Meiderich. Zu der Zeit hatten sie noch nicht einmal ein eigenes Banner und das Publikum stand buchstäblich fast mit auf der Bühne.
Im Jahre 2017 schaffte die Band es nun, mit der König-Pilsener Arena in Oberhausen eine der größten Hallen des Landes zu füllen und über 10 000 Menschen anzulocken. Mittlerweile ist ein Banner schon überholt, denn was Sabaton mittlerweile auf der Bühne auffahren, ist sensationell. Aber dazu später mehr.

Der sehr ungastlichen Witterung trotzend, schlitterten schon viele Fans um 18 Uhr zur Halle und wurden von der ersten Band „Twilight Force“ auf eine Fantasyreise mitgenommen. Um Sänger Chrileon scharten sich nämlich diverse Orks und/oder Elfen, die mit ihrem „Adventure Metal“ die bereits gut gefüllte Halle beschallten. Bei uns blieb leider nichts hängen, aber die Band freute sich offensichtlich über die positive Resonanz des Publikums.

Nach kurzer Umbaupause starteten die Co-Headliner Accept mit ihrem klassischen „Teutonenmetal“. Mitgegründet von Udo Dirkschneider kann die Band auf eine über 25jährige Geschichte zurückblicken und hat somit einige Klassiker im Gepäck und viele Anhänger in der Halle, denn sie wurden ordentlich abgefeiert. Von unserem Platz aus sah man einige Köpfe rotieren und Fäuste in die Luft recken. Insbesondere bei Hits wie „Balls to the wall“ oder „Princess of the dawn“ kochte die Arena. Zudem zeigte die Band eine hohe Spielfreude und agierte viel mit dem Publikum. Mark Tornillo, seit 2009 Sänger der Band, hielt sich dabei eher im Hintergrund und überließ den Gitarristen das Posing.
Ein sehr kurzweiliger Gig, der einem wirklich Lust machte, sich mehr von der Band anzuhören.

Allmählich wurde die Halle richtig voll und die Anspannung stieg. Das Licht ging aus und die ersten Töne von „In the army now“, in der Coverversion von Sabaton, erklangen. Ein passender Einstieg für eine Band, die die Kriegsthematik in allen Facetten beinhaltet – die Fans sind ihre -immer weiter ansteigende- Armee. Erster Song im Programm ist seit geraumer Zeit „Ghost Division“ und die Band gab von Anfang an Vollgas; allen voran Joakim Broden, der quer über die Bühne rannte und selten still stand.
Die gesamte Halle, was in diesem Fall auch keine Übertreibung ist, ging von Anfang an mit: Sang, Jubelte, Klatschte die gesamten Songs durch. Auch auf den Rängen hielt es niemanden auf den Plätzen. Eine absolute Seltenheit, die aber die mitreißende Wirkung von Sabaton unterstreicht, die immer noch eine unbändige Spielfreude an den Tag legen.

Im Vordergrund standen Songs von ihrem aktuellen Album „The last stand“, wie z.B. das keltisch angehauchte „Blood of Bannockburn“, sowie „Sparta“, bei dem sich nicht nur Joakim das passende Kostüm überwarf: Auch einige Spartaner (man munkelt, es seien die Orks von Twilight Force) unterstützten tatkräftig die fünfköpfige Band auf der Bühne.Wie oben bereits erwähnt, können Sabaton mittlerweile nicht bloß ein Banner aufweisen, nein, sie sind bereits schon eine Ebene darüber. Das Schlagzeug thront auf einem großen Panzer, der gelegentlich schießt und Feuersalven abfeuert. Die Bühnenlandschaft ist mit diversen Kisten ausgestattet und jeden Mikrofonständer ziert ein Kriegshelm. Als Krönung haben sich Sabaton eine große Leinwand gegönnt, mit der jedes Lied thematisch mit passenden Bildern und Videos untermalt wird. Showtechnisch lassen sich Sabaton nicht lumpen, aber es wirkt alles stimmig und nicht „over the top“.

Es wurde Zeit, das neue Bandmitglied vorzustellen: Tommy Johansson, der direkt seine Qualitäten als Bier-Vernichter unter Beweis stellen mußte und tatsächlich Joakim im Wett-Trinken besiegte. Aber nicht nur am Bier, auch an der Gitarre bewies er sein Können und paßte durch seine sympathische Art gut ins Bandgefüge. Auf seinen Wunsch hin, ging es mit „Swedish Pagans“ weiter, was von der Halle euphorisch aufgenommen wurde.
Sabaton griffen in der Setlist auf 6 Alben zurück, und bewiesen die Hitqualitäten und Eingängigkeit ihrer Songs.

Ruhiger wurde es bei einem kurzen akustischen Part, bei der Tommy das Klavier übernahm und Pär Sundström und Chris Rörland ihre elektischen Instrumente gegen akustische tauschten und Drummer Hannes Van Dahl von seinem Panzer hinabstieg und mit einer Standdrum begleitete. Dargeboten wurde „The final Solution“, was in dieser Version natürlich gut klang, aber, und das ist nur meine Meinung, vielleicht nicht die beste Wahl für diesen Teil war. Ich weiß nicht, ob sich Songzeilen wie „lost to the world as they parish in flames“ wirklich für Lagerfeuerromantik eignen. Eine Abwechlung war es aber allemal.

Die unvermeidlichen „Noch ein Bier“- Rufe wurde mit einer umgetexteten Version von „Gott mit uns“ schließlich bedient. Besonders gefreut habe ich mich über „The lost Battalion“ vom neuen Album. Kurz vor den Zugaben gab es noch eine kurze Ansprache von Joakim, der sich für die stete Unterstützung der deutschen Fans seit so vielen Jahren bedankte und sogar besagte Show im Parkhaus erwähnte. In den letzten zehn Jahren ist keiner an den sympathischen Schweden vorbeigekommen. Vom Support und Geheimtipp haben sie sich durch ihr unentwegtes Touren weltweit ein immer größeres Publikum erspielt und am heutigen Abend die größte Menschenmenge in einer Soloshow versammelt. Wahrlich ein Meilenstein, den sie sich absolut verdient haben und dabei sind sie immer noch so sympathisch und auf dem Boden geblieben, dass man ihnen immer noch glaubt, dass sie wieder im Parkhaus spielen würden.

Die Zugaben holten dann nochmals alles aus dem Panzer heraus: Feuersäulen, Explosionen und ein Konfettiregen breitete sich über dem Publikum aus, welches immer noch bis in die letzte Reihe mitklatschte und bangte. „Primo Victoria“, „Shiroyama“ und „To Hell and back“ machten den Abend komplett und entließen glückliche Fans in die Blitzeis-Nacht. Auf jeden Fall war dies nicht „The last Tour“, weder für Sabaton, noch für uns, denn die Schweden werden wir mit Sicherheit wieder besuchen, wenn sie das nächste Mal mit dem Panzer vorfahren.

Photo Division

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