Lila Regen und dunkle Energie

Kugelblitze in der Räucherkammer

Wenn man von BB spricht, denken viele sofort an Brigitte Bardot, einigen kommen Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg in den Sinn, doch dem geneigten Metalfan fällt sofort Blaze Bayley ein. Der quirlige Engländer, der Mitte der Neunziger bei Iron Maiden sang, seit sechzehn Jahren auf Solopfaden wandelt und ein hochwertiges Album nach dem anderen veröffentlicht. Sein neuestes Werk ist das Konzeptalbum „Infinite Entanglement“. Der Beginn einer Trilogie. Auf den kommenenden Alben soll die Science Fiction Geschichte weitererzählt und am Ende als Buch veröffentlich werden.
Dieses Mal stellte er sein neues Album nicht im Weidenauer Vortex vor, wo er die letzten beiden Konzerte in der Region gab, sondern im Herdorfer „Rattenloch“. Einem Veranstaltungsort, den wir noch nicht kannten. Aber das macht nichts, denn es gibt Konzerte, da weiß man im voraus, daß man nicht enttäuscht wird und dafür auch das Unbekannte in Kauf nimmt. In diese Kategorie fallen die Auftritte des Briten.

Die Location machte eigentlich einen netten und besseren Eindruck als erwartet. Das Unbekannte kam allerdings mit jedem Gast. Wir schienen die einzigen Nichtraucher vor Ort zu sein. Mit jedem neuen Besucher nahm auch der Qualm im Raum zu. Was wir als unangenehm empfanden und den veranschlagten Konzertbeginn um 21.30 Uhr herbei sehnten. Der verschob sich auf 22.00 Uhr, wobei an dem Abend noch nicht einmal eine Vorband spielte. Die drei Musiker von Absolva, Blaze’s Begleitband, die er bereits vor zwei Jahren dabei hatte, scheinen sich in Herdorf in den vergangenen Jahren einen Heimvorteil erspielt zu haben. Viele Besucher trugen Absolva-Shirts und Hoodies. Im Vergleich zu Kleidungsstücken mit dem Blaze-Schriftzug waren sie fast in der Überzahl. Die Jungs sind nicht nur sympathisch, sondern auch verdammt gut und legten direkt mit dem Titelstück des neuen Album los.

Blaze war von Anfang wieder voll dabei, wie man ihn kennt. Ein kleiner, energiegeladener Kugelblitz der über die Bühne fegt und seine Lieder mit voller Inbrunst vorträgt. Dabei mit seinen typischen Gesten und Spielchen die gute Stimmung noch anfeuerte. Er stand nur dann still, wenn es ruhige Parts in Liedern erforderten. Während Martin McNee hinter dem Schlagzeug sein Können unter Beweis stellte, standen Chris Appleton und Karl Schramm ihrem Chef in nichts nach. Sie hielten sich immer am Bühnenrand auf, wenn sie nicht singen mußten. Eine Band zum anfassen. Gerade das macht so kleine Konzerte aus, man ist mittendrin und nicht nur dabei. Schade, daß Blaze nicht den Erfolg hat, den ein guter Sänger und Songschreiber wie er verdient, denn im Rattenloch waren nur ca. 100 zahlende Gäste. Auf der anderen Seite genießen wir Konzerte in kleinem Rahmen, weil man den Musikern näher ist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Ausgleich seiner Clubtouren spielt Blaze weltweit auf vielen Festivals vor tausenden Menschen.

Trotz der überschaubaren Besucherzahl war die Stimmung von Anfang an super. Die Menschen feierten die Briten verdient ab, sangen  die neuen Lieder genauso mit wie die alten und besonders bei den Maiden-Songs gab es kein Halten mehr. Natürlich dürfen bei einem Blaze Bayley Konzert die Iron Maiden Lieder nicht fehlen, schließlich stand er einige Jahre für die britische Metal-Institution am Mikro. Seine Lieder stehen denen allerdings in nichts nach.

Wir bevorzugen sogar seine Solo-Scheiben und könnten problemlos auf einige Maiden-Lieder verzichten, wenn wir dadurch mehr Blaze-Material zu hören bekämen. Wie sagt man so schön, meckern auf hohem Niveau. Seine Songs kamen nicht zu kurz. Selbst ein Lied seiner ersten Band, Wolfsbane, fand sich in der Setlist wieder. Nach einer lustigen Ansage wurde „Man Hunt“ angestimmt. Nicht das beste Lied des Abends, aber die amüsanteste Darbietung, denn die Musiker versuchten sich gegenseitig den Platz im Scheinwerferlicht streitig zu machen. Das war eines der Mankos des Rattenlochs, es gab die ganze Show über nur eine Beleuchtung. Keine wechselnden Farben und Lichter. Gut, man besucht gemeinhin ein Konzert der Musikes wegen, aber das Auge hört mit, wie man landläufig sagt.
Zurück zur Musik. Es folgten zwei Maiden-Stücke. „Fear of the Dark“ machte den Anfang. Unzweifelhaft ein starkes Livestück, bei dem das Publikum wieder aus allen Kehlen mitsang. Die Begeisterung hielt sich bei „Man on the Edge“, welches den Weg zu den Zugaben freigab.

Natürlich blieben die verdienten „Zugaben“-Rufe nach dem letzten Lied nicht aus. Die Musiker verließen dafür nicht die Bühne, sondern Blaze feuerte das Publikum sogar noch an. Die erste Zugabe war, wie schon am Vortag in Hamburg, „Purple Rain“. Das Lied mag in der Setlist einer Metalband merkürdig anmuten, zeigt aber, wie groß der Einfluß des kleinen Amerikaners, der überraschend verstarb, auf die gesamte Musikszene war und auch nach seinem Tod ist. So gut Chris Appleton an der Gitarre ist, das berühmte Solo des Liedes haben wir schon mal besser gehört. Nicht wahr, Andreas? ;-)
Danach wurde es mit „Como estais Amigos“ von Blaze Ausflug zu Maiden wieder metallischer. Und mit „Dark Energy 256“ aus dem aktuellen Album gab die Band ein letztes Mal an dem Abend Vollgas. Mit dem Lied endete der Exkurs durch Blazes Discographie, die kaum ein Album ausließ.

Nach fast zwei Stunden verließen die vier sympathischen und erschöpften Musiker unter lautem Jubel die Bühne und gingen direkt zum Merchandisestand. Blaze will für seine Fans da sein. Er will mit ihnen plaudern, Autogramme geben und für Fotos posieren, denn die Fans sind ihm wichtig. Sie ermöglichen ihm und der Band das Leben eines Traumes: von der Musik zu leben und damit Menschen glücklich zu machen. Das betont er immer wieder und man nimmt dem Mann, der beruflich und privat einige Höhen und Tiefen erlebt hat, die Dankbarkeit ab. Es klingt nicht nach den üblichen „Ihr seid die Besten“-Reden, sondern klingt ehrlich und von Herzen kommend. Über seine Facebook-Seite steht er ebenfalls in ständigem Kontakt mit seinen Fans. Deswegen unterstützen wir ihn gerne und können nur jedem Freund härterer Musik seine Alben ans Herz legen. Und natürlich einen Konzertbesuch. Nicht nur, weil wir seinen Auftritten immer entgegenfiebern, sondern weil, wie anfangs erwähnt, Blaze nie enttäuscht.

Wir werden auf jeden Fall wieder vor der Blaze’s Bühne stehen, wenn er den zweiten Teil seiner Entanglement-Trilogie vorstellt. Zumindest hat er versprochen, nächstes Jahr wiederzukommen. Wir würden das Vortex oder eine andere rauchfreie Location bevorzugen, aber vielleicht sind wir schon früher wieder im Rattenloch zu Gast. Im September spielen dort Absolva. Was nimmt man nicht alles für gute Livemusik in Kauf. ;-)

Stare at the Pics

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