Lüdenscheid rockt

Spontaner Jahresabschluß

Wir möchten nicht mit Schulden ins neue Jahr starten, daher reichen wir noch schnell einen Konzertbericht nach, zu dem wir bisher nicht gekommen sind. Los geht’s!

Ein blonder Weihnachtsengel hat unsere Pläne im Dezember etwas über den Haufen geschmissen. Nein, in dem Fall ist nicht von Andreas Schleicher die Rede, sondern von der Metal Queen der Herzen.
Wir hatten uns dafür entschieden, Doro Anfang Dezember in Duisburg einen Besuch auf ihrer Wintertour abzustatten, obwohl das Konzert in Lüdenscheid eine Woche später, näher lag. Aber dort sollten so viele Bands spielen und das lange Stehen macht sich in unserem Alter schon bemerkbar. ;- ) Außerdem ließ sich das Konzert im Steinhof mit anderen Besuchen verbinden. Lieb wie Doro aber nunmal ist, hat sie den Besuchern des Duisburger Konzertes ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gemacht und alle nach Lüdenscheid eingeladen. So eine Einladung schlägt man natürlich nicht aus. Daher haben wir uns sieben Tage nach Duisburg spontan auf den Weg ins Sauerland gemacht. Früh genug für die erste Reihe, standen wir dann vor den verschlossenen Toren der Schützenhalle.

Archer:
Dylan Rose Gesang, Gitarre
David Desilva Bass, Gesang
Keyhan Moini Schlagzeug

Archer begannen den Abend pünktlich und versuchten in der noch spärlich gefüllten Halle die Stimmung anzuheizen. Die Kalifornier supporten Doro auf der aktuellen Tour, so daß wir auch sie bereits in der Vorwoche gesehen hatten. Die Musik der Drei ging in Richtung Thrash-Metal, es verwunderte daher nicht, als sie neben ihren eigenen Liedern, ein Lied ihrer Landsleute Megadeth in ihr Set einbauten. Es war unverkennbar, daß dieser Song mehr abgefeiert wurde, als die Eigenkompositionen, weil es einfach bekannter war. Generell haben Archer die undankbare Aufgabe gut gemeistert und die überschaubare Menge auf den Abend eingestimmt. In Lüdenscheid haben sie bei uns einen besseren Eindruck hinterlassen, als noch in der Vorwoche, was sicherlich am besseren Sound lag. Die Band ging danach vor der Absperrung her und schüttelte fleißig einige Hände der ersten Reihen um sich für die Unterstützung zu bedanken. Währendessen wurden die Banner eingerollt und die Bühne umgebaut, denn es ging von Kalifornien in den Ruhrpott.

Mit AXXIS, der Band um Bernhard Weiß, sind wir bisher noch nicht wirklich in Berührung gekommen, obwohl sie schon 25 Jahre aktiv ist. Ich kann mich noch an eine Fernsehwerbung auf Tele 5 von Ende der Achtziger / Anfang der Neunziger erinnern. Eine Freundin, die ungefähr so alt wie die Band selber ist, mag AXXIS sehr gerne, aber das war es schon mit Berührungspunkten. Bewußt gehört oder gesehen hatten wir noch nichts und waren dementsprechend gespannt, was auf uns zukommen würde. Es waren fünf sympathische Herren in schwarz, die der Halle recht ordentlich einheizten. Los ging es mit „Living in a Dream“ und schon nach wenigen Takten fraßen die Zuschauer der Band aus der Hand.
Zu „Touch the Rainbow“ holte Bernhard Weiß den zwölfjährigen Tizian auf die Bühne. Er versprach ihm, es würde nicht peinlich und hielt Wort. Tizian durfte bei der akustischen Präsentation des Liedes den Schellenkranz bedienen und auf ein Tomtom eindreschen. Er ließ es sich nicht zweimal sagen, sich auch die anderen Musiker aus der Nähe anschauen zu können und ging von rechts nach links über die Bühne, als wäre er die Situation gewöhnt. Zum Abschluß gab es noch ein Foto von ihm vor der Menge. Alles andere als peinlich.
Der Auftritt von AXXIS war ebenfalls alles andere als peinlich. Die Band hatte mit ihrem melodischen Hardrock die beachtliche Begeisterung im Publikum redlich verdient. Jedes Lied ging gut ins Ohr und verleitete nicht wenige Arme nach oben, um im Takt mitzugehen. Bernhard Weiß bewegte sich unentwegt, versuchte den Bandnamen zu tanzen und zeigte sich in den Ansagen sichtlich begeistert von der Stimmung in der Halle. Er forderte eine Wiederholung der Metalnacht am gleichen Ort im kommenden Jahr. Die inzwischen gut gefüllte Halle und wir, hätten nichts dagegen. Gerne wieder mit AXXIS, mit denen wir jetzt ein gutes Konzert verbinden. War ein guter Einstieg für die zwei Künstler, wegen denen wir gekommen waren. Als Bonus gab’s AXXIS. :- )

AXXIS – Gallery of the Night

Nach dem Abgang der Band, begann wieder das Herumwuseln auf der Bühne. Das Schlagzeug wurde abgebaut und das nächste hereingerollt. Mittendrin ein britischer Kugelblitz. Blaze Bayley persönlich verteilte die Setlisten für seine Mitmusiker. Dabei handelte es sich nicht um Absolva, die den Briten auf den letzten eigenen Touren musikalisch begleiteten, sondern vier andere Musiker, die ihn nur bei diesem speziellen Iron Maiden Set unterstützten. Blaze wollte den Lüdenscheidern etwas besonderes bieten und Lieder der britischen Metal-Institution darbieten, bei denen er einige Jahre am Mikro gestanden und für die er zwei Alben eingesungen hat. Da Iron Maiden zum Standard-Repertoire der meisten Metaller gehören, fiel es Blaze nicht schwer, die anwesenden Fans mit Hits wie „The Trooper“, „Run to the Hills“ u.a., zum mitsingen und -gehen zu animieren. Dazu fegte er wie gewohnt über die Bühne und poste mit den Musikern. Dadurch fiel nicht auf, daß Blaze vorher nie mit ihnen gespielt hatte. Alle wirkten,  als würden sie schon länger gemeinsam auf der Bühne stehen. Und die Musiker schienen die Stimmung in der Schützenhalle besonders genossen zu haben. Gerade der Bassist stand oft breit grinsend am Bühnenrand.
Das Lied „Fear of the Dark“, von dem wir eigentlich gehofft hatten, Blaze würde es später mit Doro im Duett singen, beendete das kurze aber starke Set des Briten und seiner Mitstreiter. Die Halle war spätestens jetzt auf Betriebstemperatur und fieberte dem Hauptact entgegen.

Blaze Bayley – Fear of the Pics

Vorher folgte der letzte Bühnenumbau des Abends. Der schwarze Vorhang wurde abgehangen und zum Vorschein kam das Backdrop, dessen Motiv das wohl bekannteste Warlock-Cover „Triumph & Agony“ ziert. Nur ersetzte der Name der Sängerin das alte Bandlogo. Wer braucht schon Warlock, wenn Doro eine starke Band im Rücken hat. Und das schon seit Jahrzehnten, so feierte ihr Bassist im Sommer 25-jähriges Jubiläum in der Doro-Band und Nick hat nichts von seinem jugendlichen Charme verloren. Johnny Dee, der zweite Amerikaner im Team, sitzt schon seit beachtlichen 23 Jahren am Schlagzeug und hält ihr die Treue. Der Italiener Luca Princiotta und der dauergrinsende Niederländer Bas Maas an den Gitarren, vervollständigen die internationale Gruppe um die immer freundliche Düsseldorferin.

Wie von Doro und Band nicht anders gewohnt, ging es vom ersten bis zum letzten Ton ab. Selbst in der Vorwoche, als Doro gesundheitlich angeschlagen war, merkte man davon auf der Bühne nichts. Wenn der Begriff Powerfrau auf jemanden zutrifft, dann auf Doro Pesch. Keine Sekunde stillstehen, immer am Bühnenrand, nah an den Fans, so rockte sie auch in Lüdenscheid. Wobei die erste Reihe durch eine Absperrung etwas Abstand halten mußte.
Das Set bestand aus vielen alten Warlock-Titeln, daneben gehört das Titellied vom letzten Studioalbum, „Raise your Fist (in the Air)“, zur aktuellen Setlist, die gerne von Auftritt zu Auftritt variiert. Man glaubt ihr einfach, daß „Rock till Death“ nicht nur ein Lied, sondern ihr Lebensmotto ist. Mit so einer Band im Rücken, kann nichts schiefgehen. Allen voran Nick, der sympathische Amerikaner, der hinter dem Bass zum Tier wird, rennt und springt über die Bühne als gäbe es kein Morgen mehr. Aber auch die beiden Gitarristen feuern die Fans unentwegt an. Eigentlich unnötig, denn die Stimmung war grandios und jeder Song wurde lautstark abgefeiert.

So ließen sich die Musiker nach „All we are“, das den regulären Teil beendete, nicht lange bitten. Luca und Bas lieferten sich ein Gitarrenduell, daß in „Unholy Love“ mündete. Der Zugabenteil bei Doro ist immer ein Wunschkonzert. Es werden die Lieder gespielt, die sich die Fans wünschen. Das ist zwar bei Doro normal, aber schon etwas besonderes, denn normalerweise stehen die Zugaben fest. Nur bei Doro ist es Ehrensache, den Fans noch einige ihrer Lieblingslieder zu spielen. Bei ihrem Backkatalog ist das schon eine beeindruckende Leistung. Fleißig sammelte sie Wünsche aus den ersten Reihen, aber die Zeit reichte nur für eine Zugabe mehr als im Steinhof. „Revenge“ beendete somit nach „Evil“ den gelungenen Abend in Lüdenscheid. Natürlich ließ sie es sich nicht nehmen, direkt im Anschluß von der Bühne zu kommen um mit ihren treuen Fans zu quatschen und Autogramme zu geben. Die Aussage „You’re my Family“ meint sie ernst.

Diese spezielle Verbindung zwischen Fans und Künstlerin machen die Konzerte immer zu etwas Besonderem, das man sich auch gut zweimal innerhalb einer Woche anschauen kann. Und so schlimm war das lange Stehen gar nicht, wenn man so gut unterhalten wird. Die vier Bands haben für einen gelungenen Jahres-Konzertabschluß gesorgt. Doro – Unholy Pics

Doro’s Konzert in Duisburg hat sich nicht groß unterschieden, daher ersparen wir uns einen zweiten Bericht. Möchten euch aber trotzdem ein paar Eindrücke des Konzertes nicht vorenthalten. Here are the Metalpics

Damit können wir schuldenfrei ins neue Jahr gehen. Auch 2016 werden Euch im Plueschblog alte Bekannte und neue Gesichter erwarten. Bis dahin wünschen wir allen Blogbesuchern einen guten Rutsch!

 

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