Nuhr gut

Wieder hier

Dieter Nuhr hat eine besondere Verbindung zu Siegen. Er nutzt ab und zu heimische Gemäuer, wie letztes Jahr das Obere Schloß, um seine Fotos auszustellen, wenn er zuhause mal wieder Platz braucht. Und er testet oft seine Programme in der Krönchenstadt, bevor er damit auf Tour geht. Wahrscheinlich funktionieren die Pointen überall, wenn sogar die Siegener lachen. Man weiß es nicht. Aber man weiß, was er am vergangenen Samstag hier gemacht hat, nämlich sein neues Programm aufgeführt.

Um 20.00 Uhr erlosch das Licht in der ausverkauften Siegerlandhalle und einer von Deutschlands erfolgreichsten Kabarettisten betrat die schlichte Bühne. Wie immer leger, dieses Mal in Jeans und offener Lederjacke, stand er vor einem schwarzen Vorhang. Dieter Nuhr reichen seine Texte aus, um die Zuschauer zu unterhalten. Und nach einem kurzen Exkurs zu aktuellen Themen, ging er nahtlos zu seinem neuen Programm über. Darin ging es wieder um alles, was den modernen Menschen beschäftigt. Muslime, Nazis, Geschlechterfragen, Reliquien, Best-Ager, Blockföte spielende Kinder, den modernen Mann und vieles mehr. Auf seine lockere Art ließ er die Zuschauer an seinen Beobachtungen teilhaben und entlarvte dabei das Verhalten seiner Mitmenschen. Die Schlüsse, die er zog und seine Sichtweisen,  schienen einigen in der Halle aus dem Herzen zu sprechen, wenn der Applaus ein Hinweis darauf war.

Dieter Nuhr, der einst auf Lehramt studiert hat, vertritt natürlich auch pädagogische Ansätze in seinen Programmen. So versuchte er den Zuschauern die Nachvollziehbarkeit der Steuersätze zu erläutern. Eigentlich ganz einfach, warum Kaffee mal als Genuss- und mal als Nahrungsmittel besteuert wird; es liegt am Milchgehalt. Wo man das Heißgetränk genießt spielt ebenfalls eine Rolle. Genauso unterschiedlich werden Weihnachtsbäume besteuert, je nachdem, wo sie gepflanzt und gekauft wurden und ob man sie danach wieder einpflanzen kann. Seit dem Vortrag bringt man mehr Verständnis für die deutsche Steuergesetzgebung auf. Oder schüttelt nur noch mehr den Kopf, weil man sich den Sachverhalt noch nie so klar vor Augen geführt hat, wie es der spitzbübische Kabarettist tat.

Genau das ist aber die Kunst von Dieter Nuhr, der unaufgeregt über das Weltgeschehen, die Gesellschaft(en) und solche Fakten plaudert. Er schafft es, den Alltag, der uns umgibt, in lustige Worte zu kleiden und den Zuhörern vor Augen zu führen. Dabei regt er zum Lachen und Nachdenken an und diese Mischung macht ihn wahrscheinlich so erfolgreich. Er bezieht Stellung, ohne seine Meinung anderen aufzwingen zu wollen und ist dabei wieder etwas bissiger und böser, als in seinen letzten Programmen. Was mir persönlich positiv aufgefallen ist. Er wird halt noch nicht altersmilde.

Als er nach zweieinhalb Stunden den Weg von der Bühne direkt zum Merchandisestand antrat, herrschte im Saal noch klatschende Euphorie über das Dargebotene. Eigentlich wollte Dieter Nuhr aufhören, nachdem er mit seinem letzten Programm die größte Weihe überhaupt erfahren hat: Er wurde auf einem Bushido-Album gedisst. Er hat lange überlegt, ob er weitermachen soll. Danach kann es verständlicherweise nur bergab gehen. Naja, zumindest hat er kurz überlegt. Oder wahrscheinlich gar nicht. Aber wie es sich für einen höflichen Mensch gehört, hat er zurück gedisst. Und der Reaktion des Publikums konnte man entnehmen, daß es über das neue Programm froh war. Wir möchten uns  anschließen, denn wir fanden es auch nur gut.

Nuhr auf wenigen Fotos

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