Wild Animals make some Noise

Abschiedskonzert III aka Der Abschiedskuss

Vor achtundzwanzig Jahren kamen vier Amerikaner in mein Leben, die mich seitdem begleitet haben. In der damaligen Besetzung noch ganz ohne legendäres Make-up und schwarze Kostüme. Fünf Jahre lang habe ich mir die Platten meines Bruders untentwegt angehört und die Cover bewundert, bevor ich 1996 in den Genuß kam, die Originalbesetzung live sehen zu dürfen.

Auf dem Rückweg des Konzerts 1999 in Stuttgart hatte ich immer den Gedanken, daß dies mein letztes KISS Konzert war. Wie falsch ich lag konnte ich damals nicht ahnen. Es war lediglich das letzte Konzert in Original-Line-up. Noch mehrfach durfte ich meine Lieblingsband live sehen, unterstützt von Tommy Thayer und Eric Singer (der schon bei meinem Einstieg in den KISS-Kosmos am Schlagzeug saß). Oftmals stand ich in den ersten Reihen, deswegen schmerzte der Abschied in einem Stadion, weit weg von der Bühne, nicht so sehr.
The Hottest Band in the World spielte dieses Mal leider nur in Stadien und die angekündigten 32° taten ihr Übriges um die Entscheidung für Sitzplätze zu rechtfertigen. Bei den Temperaturen stundenlang auf den Einlass harren mußte nicht sein. Den Abschiedskuss verpassen? Das ging auf keinen Fall.

Der Vorhang mit einem riesigen Bandlogo verdeckte während des Umbaus die Sicht auf die Bühne. Durch einen Spalt konnten wir Gene Simmons sehen, der auf seiner Plattform in Startposition an die Bühnendecke gezogen wurde. Ein Dröhnen drang durch’s Stadion und schon eröffnete die tradionelle Ansage

„Alright Essen! You wanted the Best and you got the Best.
The hotttest Band in the World! KISS!“
 

den Beginn der Rockshow. Der Vorhang wurde abgesprengt und fiel zu Boden, während die vier Musikern auf Plattformen auf die Bühne schwebten. Dabei eröffneten sie den musikalischen Reigen mit „Detroit Rock City“, jubelnd begrüßt von den Zuschauern. Kaum waren die Plattformen am Boden, stolzierten und posten die kostümierten Musiker über die Bühne. Es folgten Lieder aus fast allen Dekaden der Band. Paul Stanley mußte an dem Abend nicht oft auf seine Aufforderung „Wild Animals make some Noise“ zurückgreifen. Die Chöre im Publikum bewiesen, daß sie der Band immer treu geblieben waren, denn egal aus welcher Phase die Lieder stammten, die Fans waren sehr textsicher. Sie feierten „Say Yeah“ vom 2009’er Album „Sonic Boom“ genauso ab, wie „Psycho Circus“ aus dem Jahre 1998, „Heaven’s on Fire“ aus den Achtzigern oder den Klassikern aus den Anfangstagen. Eigentlich sind alle Songs, die KISS für die Abschiedstour ausgesucht haben inzwischen zu Klassikern geworden.

Die Band war sehr gut drauf. Tommy Thayer ist mit seinen 58 der jüngste im Viererbunde, aber das Alter sieht man keinem an. Zum Teil liegt das sicherlich am Make-up, zum anderen Teil aber an der unheimlichen Energie, die die beiden Bandgründer Gene Simmons und Paul Stanley nach wie vor auf die Bühne bringen. Sie stehen in ihren Plateaustiefeln nicht still. Ständig in Bewegung, feixen dabei untereinander und suchen Blickkontakt mit dem Publikum, während die Bühne rund um sie herum immer wieder in Flammen steht. Feuersäulen und Explosionen gehören genauso zu einer echten KISS-Show, wie die beiden Einlagen von Simmons. Natürlich spuckt der Demon erst Feuer und dann Blut. Lediglich der „Flug“ an die Bühnendecke zum obligatorischen „God of Thunder“ war auf der Plattform nicht ganz so cool. Wahrscheinlich reichen seine Fledermausflügelchen nicht mehr aus, um abzuheben. :-)
Seit einigen Jahren übernimmt der Mann am Bass öfter den Gesang und entlastet dadurch Paul Stanley, dessen Stimme im Alter etwas nachgelassen hat. Trotzdem läßt es sich das Starchild nicht nehmen, mit seiner eigenen Seilbahn auf eine kleine Bühne in der Mitte des Stadiums zu fahren und von dort mit „Love Gun“ und „I was made for lovin‘ you“ zwei der größten Hits der Band zum Besten zu geben. Danach ging es für den gewohnten Rausschmeißer „Black Diamond“, bei dem Eric Singer den Gesang übernahm, zurück auf die Hauptbühne für das großen Finale.

Natürlich forderten die Menschen im Stadion ein Zugabe. So schnell läßt man vier Ikonen des Rock nicht abziehen. Ihr Versprechen, von Party die ganze Nacht durch, hielten sie nicht ein, aber selbstredend kamen sie zurück. Den Anfang machte Eric Singer, der nicht hinter seinem Schlagzeug, sondern hinter einem Klavier Platz nahm. Er griff in die Tasten und sang mit „Beth“ eine der wenigen Balladen der Band. Die Zuschauer wußten auch den einzigen ruhigen Punkt zu würdigen. Nach und nach versammelten sich seine drei Mitstreiter ums Klavier. Nachdem dieses, dank der Hilfe einiger Roadies, wieder von der Bühne verschwunden war, wurde es nochmal rockig. Mit „Crazy, Crazy Nights“ und „Rock and Roll all Nite“ zelebrierten KISS, mit den jubelnden Fans in Essen die gemeinsame musikalische Reise der letzten Jahrzehnte. Begleitet von Konfettiregen und Pyros, wie es sich für eine richtige KISS-Show gehört, versteht sich. Damit verabschiedete sich eine der schillernsten Bands der Rockgeschichte.

Wenn man den vier maskierten Musikern zusieht, kann man gar nicht glauben, daß das wirklich das Ende der Straße für KISS sein soll. Alle hatten soviel Energie und sichtlichen Spaß am Konzert. Aber vielleicht ist genau das der Grund aufzuhören, solange sie noch solche Shows spielen können. Es war nicht zu erwarten, daß KISS mit der neuen Show das Rad neu erfinden. Die Bühnendeko und Kostüme sind neu, alles andere wie Setlist, Soloeinlagen etc. blieben von Veränderungen weitestgehend verschont. Kann man bemängeln, man kann sich auch drüber freuen, genau das bekommen zu haben, was man von der Band kennt und erwartet. Der Stimmung im Stadion tat es zumindest keinen Abbruch. Alle Musiker wurden über die gesamte Spielzeit von kanpp über zwei Stunden konstant und verdient abgefeiert. Im Gegenzug boten sie dem Publikum eine typische KISS-Show.
In der fast fünfzigjährigen Bandgeschichte haben sich die Amerikaner weltweit eine beeindruckende Schar an Fans erspielt. Sich von allen zu verabschieden, soll zwei bis drei Jahre dauern, bevor die Schminktöpfe endgültig verschlossen bleiben. Daher gehe ich davon aus, und hoffe es auch ein wenig, daß es die vier Amerikaner nochmal in deutsche Hallen verschlägt. Sollte der Fall nicht eintreffen, war Essen für uns ein gelungener Schlußpunkt. Thank you for the Music!
And the Shows!

Essen Pic City

Veröffentlicht unter Konzert | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Außer der Rand und der Band in der Sauerland

Neulich, in der Polka- City of Olpe

Ja, da waren sie wieder, die beiden polnischen Musiker, die nicht müde werden, die Geschichte der Popmusik zu erzählen. Für sie natürlich auch eine Familienangelegenheit, die Erinnerung an der Oppa aufrecht zu erhalten. Im Mai machten sie in Olpe Station, um die Menschen dort über das größte Mißverständnis in der populären Musik aufzuklären.
Pawel wurde mit tosendem Applaus begrüßt und bedankte sich, wie es die polnische Tradition erfordert, mit einer Portion Wudka fur der Publikum. Da rannte er offene Türen ein, denn die Trinkfreudigkeit eint Polen und Sauerländer.

Die erste Hälfte bestritt Pawel noch alleine. Als Multiinstrumentalist war es aber kein Problem für den trinkfesten Anzugträger, schließlich liegt allen Popolskis die Polka im Blut. Video- und Fotoeinblendungen auf der Leinwand untermalten die Geschichten, die er erzählte, wenn er nicht musizierte oder sich mit dem Publikum unterhielt. Dabei kam sein ganz eigener polnischer Charme zum Tragen.
Als besondere Überraschung hatte Pawel ein sehr unterschätztes Instrument der Popmusik auf der Bühne, welches er feierlich enthüllte. Auf der letzten Familientour hatte er es bereits vorgestellt und jetzt brachte er dieses musikalische Wunderwerk nach Olpe: die Kesselpauke.
Welch liebliche Töne man damit erzeugen kann, führte er den staunenden Zuschauern anhand einer australischen Polka vor. So etwas kannten die Sauerländer nicht, denn das Hauptinstrument der Region ist das Blasinstrument für die Karnevalskapellen. ;-)

In der zweiten Hälfte unterstütze Dorota ihren Cousin, was bei vielen Männern im Publikum zu Schnappsatmung führte. Dorota ist nicht umsonst der Heißeste von der Heißeste. Passend mit einer roten Gitarre im Anschlag spielte sie einige Lieder mit und bewegte sich lasziv im Takt, sofern das Paillettenkleid es zuließ. Sehr zu meiner Freude spielten sie das erste Mal überhaupt die Originalversion von „Nah Ne Nah“. Bisher kannte ich nur die verhunzte Version von Vaya Con Dios, die ich immer mochte, aber natürlich jetzt mit anderen Ohren hören werde.
Zwischen den Liedern erzählten die beiden von ihren Erinnerungen an den früheren Familienalltag in der Plattenbausiedlung von Zabrze. Einige Erinnerungen führten zu Tränchen, die erfolgreich mit einer Portion Wudka behoben wurde. Denn hauptsächlich hat der Oppa Stimmungslieder komponiert und damit brachten die beiden sympathischen Musiker der Publikum in Olpe zum Kochen. 

Das neue Programm war sehr gut und integriert mehr Videos und Bildmaterial und erinnert noch stärker an die Zeiten, in der die ganze Familie zusammen aufgetreten ist. Angereichert wird das Programm durch neue Originalversionen bekannter Lieder.
Der Applaus am Ende zeigte, daß die beiden sympathischen Berufspolen im Sauerland gut angekommen waren. Wie der Programmtitel versprach, waren alle Olper außer der Rand und der Band.
Uns fehlte lediglich bei der Vorstellung der Kesselpauke, irgendwie der Rest der Familie. Was vielleicht daran liegt, daß wir die komplette Familie damals so oft live erleben durften. Diese Vergleiche konnten wenige im Publikum ziehen, denn die Reaktionen verrieten, daß noch nicht alle Anwesenden die wahre Geschichte hinter vielen bekannten Top-Ten-Hits kannten. Pawels Aufklärungsmission ist also noch lange nicht abgeschlossen. Wir freuen uns darauf, uns weiter von Pawel und Dorota die Musikwelt erklären zu lassen. Irgendwie hat uns nämlich der polnische Dialekt etwas gefehlt. Wir werden also auf jeden Fall wiederkommen, denn Pawels neues Programm ist bereits angekündigt. Ob Sieger-, Sauerland oder doch im Hessen, steht noch nicht fest, aber irgendwo werden wir uns die nötige Portion Polka abholen, um dem Vitamin W – Mangel vorzubeugen.

Polkapics

 

 

 

Veröffentlicht unter Kabarett, Konzert | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Der Mitternachtsgeist geht wieder um

Metalfescht!

Zwar waren die fünf Schwobe, die auszogen, um den Metal zu verbreiten, im Januar schon in Essen unterwegs, aber leider konnten wir den Termin nicht wahrnehmen. Umso erfreuter waren wir, daß sie einen Termin ihrer „Midnight Ghost“-Tour in unserer Nähe nachgeschoben haben. Da mußten wir nicht zweimal überlegen und sprangen flux in unser Vehikel, um einer unserer liebsten Metalbands zu lauschen.

Nachdem mit Stormage und Lyra’s Legacy aus dem Umland die anwesenden Metalheads bereits in Stimmung versetzt wurden, erschallte das Intro des Midnight Ghosts. Alle wußten: „Mach Tür uff, jetzt isch soweit“.
Und dann legte auch schon der schwäbische G’sangsverein los und entzündete mit „Devil’s Eye“ den Scheiterhaufen an heißen Hits. Wie nicht anders zu erwarten, lag das Hauptaugenmerk, bzw. der Haupt-Ohrenschmaus auf Stücken vom aktuellen Album.
Andy bewies wieder einmal, was für ein charismatischer Frontmann er ist und hielt das ganze Konzert über Kontakt mit den jubelenden, bangenden und mitsingenden Fans; sei es durch Mimik oder Shake-Hands mit den ersten Reihen.

Aber auch die anderen vier Pfondskerle hatten sichtlich Spaß und kamen beim Spielen oft nach vorne an den Bühnenrand. Als Milan sich an das Mikrofon von Todde verirrte, mußte ein Roadie herbeieilen und das Mikro auf die Größe des Gitarristen anpassen. Lachend griff Milan weiter in die Saiten.
Brainstorm spielten sich durch ihre Discographie und versuchten von allen Alben ein Stück einzubauen. Eine große Veränderung zur gespielten Setlist im vergangenen Herbst gab es nicht. Lediglich „Divine Inner Ghost“ vom aktuellen Album hatte es ins Kultopia geschafft. Der Fluch einer Band mit so vielen hervorragenden Liedern. Aber egal aus welcher Phase, das Publikum war sehr textsicher und unterstützte Andy konstant den ganzen Abend über. Mit „Under Lights“ hauten die Fünf ein letschtes Mal auf de Putz nei. Das Lied setzte an dem Abend den Schlußpunkt hinter einen weiteren abgefeierten Auftritt. Bei dem Zuspruch wunderte es nicht, daß sie versprachen, nach Hagens zurückzukommen.

In Trauer endete das Konzert höchstens, weil die anwesenden Fans der Band noch lange hätten lauschen können. Den Jubel der Zuschauer hörte man in Hagen mit Sicherheit bis in die letschte Gasse. Und weil die Stimmung das ganze Konzert über so groß und ausgiebig war, mußten die Schwaben das Lied „The World to see“ aus dem Zugabenblock streichen.
Pünktlich zur Geisterstunde war der Spuk dann vorbei. Aber ich bin sicher, die Erinnerung an diesen grandiosen Metalabend geistert immer noch durch viele Köpfe.

The Pics to see

Veröffentlicht unter Konzert | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

25 Jahre Selig

Langzeitwirkung

Zur Abwechslung war es kein Abschiedskonzert, was uns über die Autobahnen cruisen ließ. Ein Jubiläum war der Grund, aus dem wir uns vor dem Kölner Stollwerck einfanden. Ein Vierteljahrhundert ist es her, da wurde ich auf die Musik von Selig aufmerksam. In den Neunzigern liefen ihre Videos in Dauerrotation auf M-TV und Viva. Die Hanseaten waren sogar eine der ersten Bands, die ihre deutschen Lieder auf dem damals noch englischsprachigen M-TV darboten. Damals hatte ich nie die Chance, Selig live zu sehen. Zwar habe ich die Eintrittskarte eines kleinen Festivals, auf dem sie auftreten sollten, aber daraus wurde nichts. Leider löste sich die Band nach drei Studioalben und einer sehr intensiven Zeit Ende der Neunziger auf. Näher als diese Eintrittskarte bin ich einem Konzert nie gekommen, bis sich die Musiker 2009 wieder zusammengefunden haben.
Seitdem haben sie fünf weitere Alben veröffentlich, ihren Keyboarder verloren und ich hatte mehrfach das Vergnügen, seligmachenden Konzerten beizuwohnen.
Um den Start meiner ungebrochenen Begeisterung für diese Band zum fünfundzwanzigsten Jubiläum gebührend zu feiern, haben sich Selig bereit erklärt, auf eine Konzertreise durch die Nation zu gehen und ihr erstes Album komplett zu spielen. Gemeinsam haben wir in Köln unsere langjährige Verbindung (von der sie nichts wissen) gefeiert. Die Konzerte stehen unter dem Motto „Selig spielt Selig“, denn das selbstbetitelte Debutalbum wurde zufälligerweise genau vor einem Vierteljahrhundert veröffentlicht.

Nebel strömte auf die Bühne und kündigte den Beginn des Konzerts an. „Sie hat geschrien“, teilten sie den fast sechshundert Besuchern am Anfang mit. Damit geht nicht nur ihre erste Scheibe los, damit startete ebenfalls das erste Konzert ihrer Jubiläumstour. Die Stimmung war von Anfang an ausgelassen. Die Besucher feierten Selig ab. Viele schwelgten bestimmt in Erinnerung, weil diese Band und ihre Musik so lange Teil des eigenen Lebens ist. Wie versprochen wurden alle Lieder des ersten Albums in der Reihenfolge gespielt. Selbst bei selten oder bisher noch gar nicht live gespielten Stücken, wie „Tina“ und „Ja“ bewiesen die Zuschauer ihre Textsicherheit und sangen aus vollen Kehlen mit. 

Auf der Bühne war alles wie immer. Jan stand keine Sekunde still. Immer singend in Bewegung und in Kontakt mit dem Publikum. Leo und Christian rockten auf ihrer Bühnenseite, und manchmal auch zusammen. Stoppel durfte an einer Stelle ein Schlagzugsolo zum Besten geben. Ob es wirklich sein erstes war, wie Herr Plewka angab, lassen wir mal dahingestellt. Zum Jubiläum wäre es schön gewesen, wenn Malte wieder am Kasten mit den Tasten gesessen hätte, aber sie hatten sich eine namenlose Verstärkung geholt. Er stellte sicher, daß die Lieder live so klangen, wie man es kennt und steuerte neben den Orgelklängel ebenfalls den Hintergrundgesang bei. Zwar wurde er vom Sänger  nicht namentlich vorgestellt, hatte aber sichtlich Spaß am Konzert. Alle fünf Musiker hatten den ganzen Abend über ein Lachen im Gesicht. Wie hätte es bei dem ausverkauften und feiernden Saal anders sein können.

Als die Musiker zum vorletzten Lied ansetzten, unterbrach Jan seine Kollegen kurz. Er hatte einen Blackout und mußte erst von Stoppel den Anfang der ersten Strophe souffliert bekommen. Bei „Meinetwegen“ zeigte die Band nochmal, wie man amtlich rockt. Damit fehlte vom Debut lediglich der letzte Track, aber Selig verließen nach siebzig Minuten erst einmal die Bühne. Es dauerte nicht lange, bis die Sprechchöre die Musiker zurückholten. Jan begrüßte die Menge, als würde das Konzert gerade erst anfangen. „Ist es wichtig“ vom zweiten Album fragten sie die Zuschauer. „So richtig wichtig ist es nicht“, schallte es zurück.

Danach folgten mit „Schau Schau“ und „Wir werden uns wiedersehen“ zwei Lieder vom Reunion-Album. Das Liebeslied „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ beendete den Zugabenblock. Falls möglich, steigerte sich die Stimmung bei den vier Liedern nochmal. Spätestens da sang jeder im Raum mit. Auch die neuen Stücke sind bereits Klassiker. Aber, welche Lieder von Selig sind nicht klasse?
Die Hamburger nähten einen musikalischen Bettbezug, aus den Zeiten, die wir alle gemeinsam hatten. Die Zuschauer schienen sich darin sehr wohl zu fühlen. Minutenlang war ein vielstimmiges „Oho-ohohohoo“ im Saal zu vernehmen. „Fadensonnen“ beendet nicht nur das erste Album, sondern nach knapp zwei Stunden ebenfalls das erstklassige Konzert einer spielfreudigen Band vor einem gut aufgelegten Publikum. 
Schöner hätten Selig mein zehntes Konzert und mein fünfundzwanzigstes Jahr nicht feiern können. Auf das nächste Vierteljahrhundert oder die nächsten zehn Konzerte mit Euch. Ich werde ewig mit Euch gehen.

Sie hat geknippst

 

Veröffentlicht unter Konzert | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

und Tschüss, liebe Freunde

Abschiedskonzert I

Wie bereits erwähnt, stehen uns 2019 einige musikalische Abschiede bevor. Der erste davon fand Ende März statt. Eine Legende der deutschen Musik hat seine Karriere (wahrscheinlich) beendet. Der Plueschblog durfte bei dem Abschiedskonzert des bekanntesten Sonnenbrillenträgers der Republik natürlich nicht fehlen. Zumindest, der halbe Blog, denn irgendwo muß die Grenze sein, fand Karinsche :-)
Unser Musikgeschmack ist allerdings grenzenlos, deswegen konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mich in Oberhausen von Heino zu verabschieden.

Auch wenn die Turbinenhalle nicht ausverkauft war, fanden sich gut 1300 Menschen ein, um dem blonden Barden Lebewohl zu sagen und ein letztes Mal seinen Liedern zu lauschen. Das Publikum war ziemlich gemischt. Von sieben bis über siebzig Jahren war alles vertreten. Der Herr auf der Bühne zurück auf achtzig Lebens- und über fünfzig Bühnenjahre, hatte aber noch sichtlich Spaß bei der Arbeit und war immer noch bestens bei Stimme. Unterstützt wurde Heino von drei Backgroundsängern und acht Musikern. Die Stücke wurden nicht so rockig dargeboten, wie noch 2015. Die Band ließ die Lieder trotzdem sehr lebendig und schwungvoll erklingen und trug so zur guten Stimmung in der Halle bei. 

Begann Heino das Konzert noch in schwarzem Ledermantel, brachte ihm während des Konzerts eine Sängerin ein rotes Jackett. Damit war das typische Heinobild vollständig. Im Mittelteil verließ er kurz die Bühne, um seinem Enkel die Bühne zu überlassen. Sebastian Kramm durfte sein Lied, welches er über seinen Großvater geschrieben hat, aufführen. Danach spielte er eine weitere Eigenkomposition. Unterstützt wurde er dabei von einem Freund am Keyboard. Er wurde wohlwollend aufgenommen, schien vor der Menschenmenge aber noch etwas eingeschüchtert. Später durfte er gesanglich mit seinem Opa über sieben Brücken gehen.

Den Zuschauern sah ma an, wer wegen der Volkslieder und wer wegen der Coverversionen gekommen war. Alle hatten sich gemeinsam in der Turbinenhalle versammelt, um einen der bekanntesten deutschen Musikern abzufeiern. Mehrmals wurden an dem Abend „Heino“-Sprechchöre angestimmt, besonders, natürlich, als er die Bühne verließ. Zwei Zugaben gewährte er dem Publikum. Mit der Fahrt, hoch auf dem gelben Wagen, beendete der Düsseldorfer seinen Auftritt in Oberhausen. Die Konzertbesucher hätten ihm gerne noch weiter gelauscht, aber in dem zweistündigen Konzert hatte er eine gute Mischung aus seiner Karriere zusammengestellt, um Fans aus jeder Phase etwas zu bieten. Niemand dürfte die Halle enttäuscht verlassen haben. Höchstens, weil es keine Wiederholung geben wird. Ein würdiger Abschied.

Volksbilder

Veröffentlicht unter Konzert | Verschlagwortet mit , , , , | Schreib einen Kommentar