Schokoschaumwaffelhappen in Siegen

Ansichten eines minimalpigmentierten … Eumels 

Der April hielt viele Termine für uns parat und wir kamen mit dem Veröffentlichen nicht nach. Der Mai dagegen ist wesentlich ruhiger und damit sich trotzdem etwas im Blog tut, haben wir uns ein paar Berichte für den neuen Monat aufgespart. Wir begeben uns jetzt auf die Zeitreise, zurück zum 12.04.2013.

Waren wir am Vortag noch zu den finnischen Monstern nach Köln gereist, sollte uns einen Tag später ein Kölner einen Besuch in Siegen abstatten. Seit wir Johann König 2005 nur interessehalber mal live erleben wollten, haben wir jedes Programm von ihm gesehen. Mehrfach.
Wie üblich waren wir überpünktlich vor der ausverkauften Halle und die Schlange wurde zusehends länger. Kurz vor Einlass führte die Menschenmenge vom Eingang des kleineren Gläsersaals an der Halle lang Richtung großem Saal, machte eine 90-Grad-Kurve, ging an der Außenwand der großen Halle entlang, bog dann wieder links ab, bis bestimmt vor den Haupteingang der Siegerlandhalle. Den konnten wir nicht sehen, fanden uns aber in unserem Vorhaben früh zu sein, bestätigt. Es gab nämlich Diskussionen und unserem Begleiter war das zu früh, so daß er nachkommen wollte. Er konnte sich beruhigt Zeit lassen, denn wir konnten ihm einen Platz in der ersten Reihe frei halten.

Im Vorfeld haben wir uns von sämtlichen Schnipseln des neuen Programms ferngehalten und waren gespannt, was sich der Johann in seinem Sabbatjahr, welches er sich als Burnout-Prophylaxe nahm, ausgedacht hatte. Die Bühne sah aus, wie man sie von Johann gewöhnt ist. Rechts standen ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit seinem Gedichtbuch und ein paar Utensilien, links das Keyboard. Allerdings war die Couch der letzten Tour einem kleinen Podest, mit einem großen, felligen Etwas gewichen. Man durfte gespannt sein, was es damit auf sich haben würde.

Pünktlich wurde das Saallicht gedimmt und Johann betrat im hellblauen Hemd und sichtlich ergraut die Bühne. Frau und Kind(er) scheinen ihre Spuren hinterlassen zu haben, obwohl Johann auf seine Gesundheit achtet und im Biosupermarkt einkauft. Wobei sich ihm der Unterschied zwischen Behinderten- und Frauenparkplatz nicht erschließt. Im Laufe der Schilderung seiner Erlebnisse des letzten Einkaufs wies er auf seine eigene Art, durchaus bissig auf einige Ungereimtheiten im Umkreis von Bio und FairTrade-Läden hin.
Die Frau hinter uns hatte auch hörbar Spaß an einigen Ausführungen und lachte sehr individuell und laut. Johann fragte, ob sie den Witz jetzt erste verstanden habe, was dem Lachen keinen Abbruch tat, eher im Gegenteil. Trotz der anhalten Störung machte die depressive Stimmungskanone weiter im Programm.

Er setzte sich auf den Stuhl und erzählte, wie er Hörspiele aus seiner Jugend wiederentdeckt hätte. Er ließ es sich nicht nehmen, dem Publikum ein paar Ausschnitte aus den Fällen der „Fünf Freunde“ vorzuspielen. Bei einigen Stellen brach er ab und fragte, wie es wohl weitergehen würde. Der Punkt erinnerte uns etwas an das Rainald-Grebe-Konzert. Trotzdem wundert man sich heute, was so alles für Jugend geeignet schien. Vor allem Bezeichnungen, wie Neger, die heutzutage aufgrund übermäßiger political correctness aus alten Büchern getilgt werden. Sogar Negerküsse, Mohrenköpfe und Mohrüben bekommen neue Bezeichnungen, damit sich bloß niemand auf die Füße getreten fühlt.
Türken in weiten Pluderhosen dürfen allerdings weiter in Kinderbüchern ihr Unwesen treiben, denn Vorurteile sind gar nicht schlecht und schützen uns vor Löwen in der Wohnung. Oder so ähnlich.

Ein paar Nummern untermalte Johann musikalisch und setzte sich vor sein Keyboard. Später versuchte er sich dann lässig auf seinen übergroßen Fellsack zu setzen, was allerdings ein paar Minuten dauerte, bis er ihn bezwungen hatte. Wobei ihm eine Blick auf seine Uhr verriet, daß er zwanzig Minuten schneller war, als geplant. Die junge Frau hinter uns ließ bei Besteigung der Sitzgelegenheit wieder die gesamte Halle an ihrem Spaß teilhaben. Johann meinte, sie müsse am Ende der Vorstellung sitzen bleiben, damit er sich ein Bild von ihr machen könne. Bisher sei sie nur ein Geräusch für ihn.

Nachdem er den Abstieg geschafft hatte, griff er wieder zu seinem Büchlein und las eine kleine Geschichte vor. Er schilderte seine Begegnung mit einem älteren Ehepaar an der Kasse und übernahm dabei alle drei Rollen. Familienerlebnisse mit seinen zwei Kindern Hein-Mück und Lass-das, sowie der Katze Hektopascal durften natürlich nicht fehlen. Meistens gehen mir Nachwuchsgeschichten von Comedians auf den Keks, aber Johanns Art und Weise, sich dem Thema zu nähern, erheitern mich. Es wirkt nicht so aufgewzungen, sondern genauso abgedreht wie seine anderen Erzählungen.

Auch wenn sich durch das Programm kein roter Faden zieht, kommen am Ende die verschiedensten Elemente in seiner kleinen Abschlussgeschichte wieder zusammen.  Diese Geschichten, die alles wieder aufgreifen mag ich, denn dadurch habe ich das Gefühl, daß sich der Vortrag schließt.  Teile davon waren ziemlich abgedreht, aber genau diese absurden Gedankengänge machen einen Teil von Johann’s Reiz aus. Entweder man mag es, oder nicht. Das Publikum und unser Begleiter schienen es zu mögen, denn unter donnerndem und verdientem Applaus verließ er die Bühne.

Natürlich schaffte er es wieder nicht ins Taxi und sang als Zugabe den Siegenern und Angereisten zwei Lieder. Untermalt mit seinem unnachahmlichen Tanzstil. Zuerst das Lied aus dem letzten Programm „Ich hab burnout“, was seinerzeit schon für Kontroversen in seinem Gästebuch führte. Danach sang er sein neues Lied „Auf der Autobahn“.
Wie er danach ganz privat als René Otzenköttel erzählte, hat das Lied nicht weniger Diskussionen ausgelöst und ihm nicht nur erboste Beschimpfungen von Vegetariern, sondern sogar Briefe von der PETA eingebracht. Die damit einmal mehr bewiesen haben, daß Ironie nicht Jedermanns Sache ist.
Wir fanden nicht nur die Lieder, sondern das gesamte Programm wieder sehr, sehr lustig. Der Zusatztermin im Juni 2014 lachte uns geradezu vom Plakat herunter an. ;-)
Aber ob das blonde „Geräusch“ wirklich wie angeordnet nachsitzen mußte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Johann, Johann, Johann

 

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