Sturm Lords

Lebende Kornkreise

Während sich Orkantief Sabine mit ordentlich Power auf ihrem Trip über Deutschland befand, waren fünf Amerikaner auf ihrem eigenen Powertrip. Monster Magnet machte am stürmischen Montag Station im Dortmunder FZW, um ihr 1998’er Album zu zelebrieren. Für mich ist „Powertrip“ eines der besten Rockalben aller Zeiten und daher konnte ich der Einladung der Band dieses Mal nicht widerstehen.

Viele weitere Rockfans ebenfalls nicht, auch wenn es anfangs in der Halle noch anders aussah. Genau wie die spärliche Bühne, in deren Hintergrund das Bandmaskotchen, der Bullgod, auf einem weißen Backdrop zu sehen war. Als das Instrumentalstück „Goliath and the Vampires“ aus den Boxen dröhnte, war das FZW sehr gut gefüllt. Das Backdrop entpuppte sich als Leinwand, auf der den ganzen Abend über verschiedene Schwarz-Weiß-Filme oder Comicbilder projeziert wurden. Merkwürdiges Konzept, das aber für dezente Bewegung sorgte und irgendwie zu der Band paßte.

Monster Magnet enterten die Bühne und begannen den Abend mit „Atomic Clock“. Jubelnd wurden die Musiker begrüßt und direkt von Beginn, an gab es einen Moshpit vor der Bühne. Dave Wyndorf und seine Mannen schienen gut drauf zu sein und spielten einen Song nach dem nächsten, ohne dazwischen viel Zeit mit Ansprachen zu verlieren. Wie auf dem Album, auf dem ein Song direkt auf den nächsten folgt. Trotzdem merkte man dem Bandkopf die Freude über den Zuspruch in Dortmund an. Mehrmals sah man ihn lachen. Er ging während des Konzerts über die Bühne, suchte den Blickkontakt und zeigte auf Menschen, die mehr auf ihr Handy als auf das Geschehen auf der Bühne achteten.

Zwischen den rockigen Stücken stach „Baby, Götterdämmerung“, mit seinem hypnotischen Sog heraus. Natürlich gehört es zum Album und machte live eine gute Figur zwischen den lauteren Tönen. Die ließen nicht auf sich warten. Nach der kurzen Verschnaufpause wurden die Gitarren wieder aufgedreht. „Bummer“ läutete den Endspurt an, gefolgt vom Titeltrack „Powertrip“. Damit blieb nur noch ein Lied übrig, wahrscheinlich der größte Hit der Band. Davor richtete Dave Wyndorf allerdings mehr Worte an die Fans in der Halle, als er den ganzen Abend gesprochen hatte. Er stimmte sie auf ihren Part beim kommenden „Space Lord“ ein. Die Band gab nochmal richtig Gas, Dave brüllte ins Mikro und das Publikum sang im Refrain lauthals  „Motherfucker“ mit. (Auf dem Album noch zu „Mother, Mother“ zensiert)Nach einer Stunde war damit der Powertrip rum, lediglich „19 Witches“ wurde ausgelassen. Wie erwartet ein kurzes, aber sehr energiegeladenes Konzert.

Monster Magnet ließen die Fans relativ lange nach einer Zugabe rufen, aber die Rufe sollten nicht auf taube Ohren stoßen. Die Band eröffnete mit dem spacigeren „Twin Earth“ den Zugabenblock. Gefolgt von der coolen Coverversion „The Right Stuff“. Ein Song, wie für Monster Magnet gemacht. Danach folgten zwei Stücke vom „Dopes to Infinity“-Album und nach 90 Minuten verließ Mr. Wyndorf die Bühne, während die anderen Musiker das Lied noch zuende spielten. Damit endete ein schnörkelloses Rockkonzert unter lautem Jubel. Wir waren froh, die Band endlich mal live erlebt zu haben. Nicht alleine um zu sehen, daß Dave Wyndorf auch lachen kann. Auf den Bandfotos wirkt er immer wie der Prototyp des coolen Rockstars schlechthin.

Sabine muß ein Herz für Rockmusik gehabt haben. Vielleicht stand sie auch in direktem Kontakt mit dem Bullgod, denn die Rückfahrt verlief windig, aber davon abgesehen, problemlos. Keine 24 Stunden später sah alles ganz anders aus, nämlich weiß. Um es mit Monster Magnet zu sagen: „The White Stuff, Baby, The White Stuff.“ ;-)
Schnee und Eis führten zu einer Sperrung „unserer“ Autobahn. Zum Glück blieb uns das Verkehrschaos erspart. Wir konnten, mit einem tollen Konzerterlebnis im Hinterkopf, in den verdienten Schlaf fallen.

Pics to Infinity

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