The Sound of Ekstase

I was made for laughing you

Gut eine Woche vor Heiligabend bekam die Metropole Remscheid das wohl schönste Weihnachtsgeschenk, das man sich denken kann: Die Ausnahme-Entertainer Bert & Roy beehrten die Stadt mit ihrer Anwesenheit. Die Stadt, die aus Verehrung für Bert Kortheim und Roy Sanders die Initialen von letzterem in ihr Nummernschild aufgenommen hat.
Das ist Hingabe!
Bereits im Mai hatten die beiden im größeren Teo Otto Theater gespielt (aus purer Herzensgüte, damit der Laden endlich mal voll wird). Doch dieser Auftritt im kleinen Kreis des Rotationstheaters war vielmehr ein Exklusivkonzert als Geschenk für die treuen Fans, um die beiden einmal hautnah zu erleben.

Selbst Bert Kortheim schien nicht Herr seiner Sinne und lief zu Beginn rast- und ruhelos vor Aufregung von einer Bühnenseite zur anderen. Anfänger und neue Zuschauer würden dies womöglich als Genervtheit oder gar Unlust interpretieren, aber wie wir alle wissen, ist dies selbstredend völlig aus der Luft gegriffen.
Roy, wie gewohnt selbstbewußt, bestens gelaunt und aussehend, sog die Euphorie des Publikums sichtlich auf, was seine ohnehin en masse vorhandenen Showman-Qualitäten ins Unermeßliche steigerte. Bert versuchte gar nicht erst, damit zu konkurrieren und besann sich zurückhaltend, ja geradezu schüchtern, auf das Spielen diverser Instrumente und sensible Hilfe bei Kostüm- und Instrumentenwechseln seines Kollegen.
Gelegentliche Holperer bei den Übersetzungen von Roys poetischen, tiefgehenden Ansagen („Hit me!“ – „Herr Sanders ist heute noch nicht verprügelt worden“) verzeiht man ihm gerne – denn wer, liebe Leser, könnte bei so viel Charme und Grazie die Contenance bewahren?

Musikalisch wie gewohnt über jeden Zweifel erhaben, präsentierte das Duo Klassiker des englischen Pop („Love is air“, „Still haven’t found what I’m looking for“, „Looking for freedom“, um nur ein paar zu nennen), sowie deutsches Kulturgut, z.B. „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“, „Wahnsinn“ und „Im Wagen vor mir“. Bei letzterem wurde endlich das Geheimnis des Materials der hochwertigen Perücke Berts gelüftet: Es handelt sich um sämtliche Körperbehaarung Roys in Originalfarbe. „So weiches Haar“ halt.

Die Pause war nötig, um Luft für die zweite Hälfte zu holen, die noch einmal eine Schippe drauflegte, da Roy durch seine Fähigkeit, sich traumtänzerisch durch sämtliche Musikgenres zu bewegen, den Zuschauer vollends in seinen Bann zog. Ob Rock, Pop, oder Reggae: Jeder Ton traf den Nagel auf den Kopf und die dazugehörigen Ausdruckstänze faszinierten nicht nur Bert. Selten haben wir „I was made for loving you“ so gelungen interpretiert gehört. Roy hat es wahrlich zu „seinem“ Song gemacht – wer war nochmal Paul Stanley?

Beim Präsentieren des romantischen Duetts „Something stupid“ konnte Bert in seiner Verzückung nicht mehr an sich halten und zog seinen Duettpartner nicht nur mit seinen Blicken aus. Die erotisierende Stimmung ausnutzend, suchte das Duo schließlich den lang ersehnten Kontakt zum Publikum und das Rotationstheater wurde zum Wiener Opernball. Die Menschen wogen sich selig zur Musik und Roy war von der Stimmung so gerührt, dass er durch die Reihen schritt und dem Publikum gewährte, ihn zu berühren („Touch me! TOUCH ME!!“).

Zum Abschluss wurde es besinnlich: In Erwartung der kommenden Festtage gaben die Künstler ein kleines Weihnachtsmedley zum Besten. Bert begeisterte das Volk hierbei mit virtuosem Tubaspiel. Außerdem ist es nur Bert & Roy gestattet, „Last Christmas“ anzustimmen; das Voldemort der Weihnachtszeit. Das Lied, welches nicht genannt, bzw. gesungen werden darf, da sich ansonsten sogar die Weihnachtsgans freiwillig mit Gemüse in den Bräter wirft.
Nur ungern entließ das Remscheider Publikum Bert & Roy von der Bühne und selbst erwachsene Männer brüllten „Roy“ seinen Namen hinterher. Einen solchen Abend kann man nur als „gelungen“ bezeichnen, und läßt einen den nächsten Auftritt im März sehnsüchtig herbeisehnen. Sollte es noch vereinzelt ein paar arme Individuen geben, die noch nicht das Glück hatten, das Duo live zu erleben, seien sie hiermit bedauert und aufgefordert, am 11. März 2017 nach Bochum in den Zauberkasten zu gehen!

Love is air und Merry Christmas wünscht der Plüschblog.

Let’s look it

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