They came from Planet Claire

Se Bi-pfiftituhs

Ereignisse, in Form von Konzerten, häuften sich in den letzten Tagen, so daß wir mit dem Aufarbeiten momentan nicht nachkommen. Das Konzert vom Wochenende haben wir erst einmal hinten angestellt, reichen es aber, genauso wie den Bericht aus dem Wilden Sauerland [Woll, Steffen! :-)], selbstverständlich nach.

Zuerst möchte ich vom Konzert am vergangenen Montag berichten, das lange Zeit auf der Kippe stand. Nachdem ich die Steine auf der Arbeit aus dem Weg geräumt hatte, versuchte mir die nette Dame beim Kartenverkauf einen neuen vor die Füße zu rollen, denn sie fand unter „fifty“ nichts im Vorverkaufssystem. Auf meinen freundlichen Rat, es mit „B Minus Fünf Zwei S“ zu probieren, warf sie mir einen befremdlichen Blick zu. Ich wiederholte zuversichtlicher, sie solle „B Minus Fünf Zwei S“ eintippen und siehe da, nachdem sie die merkwürdigen Buchstaben-Zahlen-Kombination eingab erschienen tatsächlich Konzerte.
Ich muß ihr zugute halten, daß man natürlich nicht alle Bands kennen kann und es die beste Partyband der Band mit ihren teils skurillen Liedern, zwar zu Weltruhm, aber nicht zu flächendeckender Bekanntheit gebracht hat. Verließ trotzdem amüsiert mit den Karten in Händen den Ticketschalter.

2008 veröffentlichten The B-52s mit „Funplex“ das erste Studioalbum nach sechzehn Jahren. Und damit im Gepäck beehrten sie auch wieder Deutschland. Damals traten sie auf dem Museumplatz in Bonn auf, der leider inzwischen geräumt werden mußte. Mit dem Museumsplatz verbinde ich drei unvergessliche Konzerte und er gehörte zu meinen Lieblinsaustragungsorten. Die Veranstalter sind inzwischen auf den Kunst!Rasen an den Rheinauen umgezogen. Zusätzlich steht noch ein Zelt, der „Kunst!Palast“ auf der Wiese. Und nicht nur in dieses Zelt entführten The B-52s die Zuschauer, sondern mit ihrer Musik und Show direkt in eine andere Welt.

Keith Strickland tourt seit Ende letzten Jahres nicht mehr mit der Band, aber ansonsten hat sich wenig geändert. Kate und Cindy versuchen zu singen, während Fred mit seinem Sprechgesang dazwischengrätscht. :-)
Ist die eigenwillige, aber durchaus eingängige, Musik der Band schon schwer zu beschreiben, wird es bei der Show noch schwieriger.  Im Prinzip versuchen die Bandmitglieder die Lieder nachzutanzen, allen voran Fred und Kate.

Nach einer langen Wartezeit enterten endlich die Musiker die Bühne und die ersten Klänge von „Planet Claire“ eröffneten die Show. Das Publikum begrüßte die Band mit großen Applaus. Kate lief direkt am Bühnenrand auf und ab, zum Greifen nahe, verfolgt von Fred mit einem Gerät, dem er immer den passenden Ton entlockte. Das Ganze ist schon sehr eigen und amüsant, aber deswegen lieben die Leute sie ja.

Zum zweiten Lied, „Mesopotamia“, machten Fred und Kate ihre Ägypterbewegungen. Generell bewegten die beiden sich am meisten. Kate, die in ihren Netzstrümpfen und dem roten Kleid wie die ältere Schwester von Dorota aussah, stand die ganze Zeit nicht still. Tänzelte, hüpfte, ruderte mit den Armen und war, trotz ihres Alters, das Energiebündel der Band. Man verrät nicht das Alter einer Dame, aus diesem Grund sei erwähnt, daß Fred mit seinen 62 Jahren nicht der Älteste ist.
Er hatte sein imaginäres Lasso, daß er 2008 oft schwang, diesmal zuhause gelassen, war aber immer noch sehr aktiv, schlug im Takt auf eine Glocke und entlockte anderen „Instrumenten“ die passenden Töne und Geräusche zu den Liedern. Er schien sichtlich Spaß zu haben. Ansonsten steht er meistens ernst dreinschauend an seinem Mikro und bedient sein Inventar, am Montag schien es, als müßte er sich die ganze Zeit ein Schmunzeln verkneifen.  Auch er tänzelte untentweg in seinem silber-grünen Shirt über die Bretter, machte ständig den Bühnenrand unsicher und übernahm ein paar deutsche Ansagen. Die allerdings nicht immer verstanden wurden, bzw. Sinn ergaben. :-)

Cindy ist die unscheinbare Dritte im Bunde. Ganz in schwarz schaute sie immer amüsiert zu Fred und Kate herüber, als könnte sie es nicht fassen, daß sie nach 36 Jahren immer noch auf der Bühne rumzappeln. Sie bekam mit „Girl from Ipanema goes to Greenland“ ihren Solomoment in der Show, bei dem die beiden anderen verließen. Sie widmete das eher unbekannte Lied ihrem verstorbenen Bruder Ricky, ebenfalls ein Gründungsmitglied der Band. Danach kam Kate zurück und die Damen sangen „Roam“ und „Legal tender“ zusammen. Dabei äffte Cindy mit sichtlichem Vergnügen Kate’s Bewegungen nach und versuchte als Stier das rote Kleid auf die Hörner zu nehmen.
Die beiden haben nach wie vor großartige Stimmen, die genauso jung und frisch wie die Damen selbst wirken.

Fred kam danach aus der Versenkung und der Zukunft zurück um „Love in the Year 3000“ anzustimmen. Dabei bewegten er und Kate sich im abgehakten Robotstyle. Persönlich finde ich, daß es eines der beiden schwächeren Stücke von „Funplex“ ist, die Entschädigung folgte in Form von einem „Good Stuff“-Lied. Auf „Is that you Mo-Dean“ hatte ich mich im Vorfeld am meisten gefreut und das Publikum ging ab und übernahm am Ende des Liedes den „Astral Projector“-Chorteil.

Bestand die Setlist 2008 verständlicherweise aus einigen Liedern des aktuellen Albums, waren dieses Mal einige obskure Lieder im Set. Hat natürlich den Vorteil, daß wir andere Stücke live erleben zu durften. Einige hatte ich mir im Vorfeld zum Einstimmen nochmal genauer vorgenommen. Dazu gehörten ebenfalls die beiden folgenden Lieder „6060-842“ vom ersten Album und „Whammy Kiss“ von „Whammy!“, bevor mit dem größten Hit „Love Shack“ das Konzert viel zu schnell vor begeisterten Zuschauern und -hörern zu Ende ging.

Natürlich ließen es sich The B-52s nicht nehmen, die vom mitgerissene Publikum eingeforderte Zugabe zu geben. Gutgelaunt und winkend kamen alle sieben Musiker zurück und verkündeten, daß die Party etwas aus dem Ruder laufen würde, bevor der „Rock Lobster“ dann endgültig die Show unter großem Jubel beschloß.

Bei anderen Bands würde ich jetzt bemängeln, daß die Show für ca. 75 Minuten ziemlich teuer war. The B-52s genießen bei mir eine gewisse Narrenfreiheit. Sie sind so anders, daß man ihnen einfach nichts übel nehmen kann. Außerdem haben sie das ganze Konzert über, unterstützt von einer tollen Band im Rücken,  gute Laune und Energie verbreitet. Keiner auf der Bühne stand still, das Zelt tobte und wir waren ebenfalls begeistert. Avantasia haben das längste Konzert dieses Jahr gespielt und The B-52s das kürzeste bisher, beides sind unbestreitbar Höhepunkte in unserer Konzerthistorie.

Leider wurden die deutschen Shows nicht mitgeschnitten, so daß ich auf den Mitschnitt aus London warten muß, um diesen Abend musikalisch Revue passiern zu lassen. Kate gab bekannt, daß die Band nach der Tour erst einmal eine Pause einlegen wolle. Nochmal fünf Jahre können die sich eigentlich nicht Zeit nehmen.
Wir sind auf jeden Fall wieder vor Ort, um uns 70 Minuten in andere, fröhliche Spähren beamen zu lassen. :-)

Kunst!Fotos

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