Urlaub in Siegen

siDISCO

Es gibt Musiker, die auch nach über 30 Jahren im Musikgeschäft nicht zu altern scheinen und mit ihnen bleiben die Fans jung. Denn nach einem Blick um uns herum schienen wir, mit Ausnahme von ein paar Eltern, mit zu den ältesten Zuschauern zu gehören. Farin Urlaub ist so ein Ausnahmekünstler, der nie alt geworden ist und auch mit über 50 immer noch den Nerv der Jugend trifft, ohne dabei anbiedernd zu wirken. Versprüht er doch immer noch den Charme eines jugendlichen Spitzbuben, der alles wahr aber nicht alles zu ernst nimmt. Zusammen mit seinem Racing Team fiel der Startschuss der neuen Tour in der Krönchenstadt. Und obwohl im Vorfeld mehrfach darauf hingewiesen wurde, daß keine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand, war die Siegerlandhalle nicht ausverkauft.

Punkt 20.00 Uhr fiel der Vorhang und gab den Blick auf die Bühne frei. In der Mitte, wie immer in blond-schwarz der grinsende Berliner, links von ihm die Bassistin Cindia, rechts, Nessie an der Gitarre. Hinter im thronte die Schlagzeugerin Rachel, neben ihr auf der einen Seite vier Sängerinnen und auf der anderen vier Männer mit verschiedenen Blechblasinstrumenten. Kurz: der Familie war vollständig auf der Buhne angetreten. Oh, äh… falsche Band. ;-) Der Racing Team war vollständig angetreten, muß es natürlich heißen. Für Yoko bei den Damen und Christian bei den Herren, bedeutete das Konzert den Liveeinstand.

„Was die Welt jetzt braucht“ vom neuen Album eröffnete das Konzert und das Publikum feierte die Musiker von der ersten Note an ab. Er hat viel über Musik geschrieben, daran kann man seine Relevanz sehen. In seinen Liedtexten verarbeitet Farin Urlaub nicht nur Musik und Liebeskummer, sondern beweist eine gute Beobachtungsgabe. Texte über Alltag, Gesellschaft und Ansichten eines Fans, verpackt er in seinen speziellen Humor. Quasi der Kabarettist des Rock. :-)
Besonders in der Mitte der Halle sollte die Begeisterung den ganzen Abend nicht abklingen. Die Band spielte sich durch sämtliche FU und FURT Alben, streuten ein paar B-Seiten ein.
Egal, ob die Band die Zuhörer an den Strand entführte, mit „Dynamit“ gegen Bausünden vorging, oder bei „Zehn“ zum Hüpfen aufrief. Die Menge war „Immer dabei“ und konnte jedes Lied problemlos mitsingen.

Probleme bereiteten nur ein paar Mit-mach-Aktionen. Die ließ der Bandchef dann solange wiederholen und startete die Lieder so oft von vorne, bis alle in der Halle begriffen hatten, daß bei dem Wort „Stille“ auch in der Halle Stille zu herrschen hat. Spielchen und  Ansagen waren aber an dem Abend sehr rar gesäät, ein Lied folgte dem anderen. Man hätte meinen können, daß dem Blonden die „Worte fehlen“. Die vorderen drei Musiker bewegten sich nur innerhalb eines kleinen Kreises, der vielleicht den großen Lichtinstallationen über ihren Köpfen geschuldet war. Selbst Herr Urlaub verbrachte die meiste Zeit nur vor seinem Mikro; wahlweise mit Gitarre oder Tee.

Lediglich die Männer am Gebläse und die Sängerinnen waren aktiver und begleiteten jedes Lied mit entsprechenden Bewegungen und Choreographien. Die vier Damen setzten dabei noch verschiedene Requisiten, wie Hüte, Sonnenbrillen etc. ein und brachten dadurch etwas Leben auf die Bühne.

Mehr Leben als auf der Bühne herrschte davor, die jungen Menschen waren nicht zu halten. Ständig wurden junge Laiber über die Köpfe des Publikums nach vorne gereicht, wo sie von den Männern der Security in Empfang genommen wurden. Die Security hatte viel zu tun, denn ständig kamen neue Körper nach vorne, die sich dann direkt wieder zum Crowdsurfen anzustellen schienen, denn einige Gesichter kamen mehrmals bei uns vorbeigelaufen. :-)

Die Bühne erstrahlte lange Zeit in der bevorzugten Kleiderfarbe von Herrn Urlaub, bevor dann in riesigen Lettern die Abkürzung des Bandnames leuchte. Bei dem Lied „iDisco“ fielen, stellvertretend für das Gehirn im Liedtext, riesige Lametta-Schlangen von der Decke.

Neunzig Minuten nach dem ersten Ton war „Trotzdem“ Ende. Natürlich kamen die Musiker wieder zurück und versichterten den Siegenern, daß sie „Keine Angst“ haben müssten, daß schon Ende wäre und sie spielten unter Jubel drei weitere Lieder, bevor sie wieder die Bühne verließen. Der nicht verklingen wollende Jubel in der Halle, zusammen mit dem Anspruch, ein Konzert geht mindestens zwei Stunden, griffen sie abermals zu ihren Instrumente.  „Das Traurigste“ kam dann nach dem Abschiedslied, denn das Mit-Mach-Lied „Zehn“ wurde erneut aufgegriffen, um das Publikum zum Abschluss ein letztes Mal zu integrieren.

Nach zwei Stunden verließ das Racing Team endgültig die Bühne und entließ ein begeistertes Publikum in die Siegener Nacht. Der Stimmung in der Siegerlandhalle nach zu urteilen, hätten FURT aber noch lange weiterspielen können. Das Publikum hätte weitere Stücke begeistert und crowdsurfend angenommen. An dem Konzert gibt es nichts zu kritisieren, aber die Faszination hat sich bei uns nicht eingestellt, der Funke der Begeisterung ist nicht übergesprungen. „Wo ist das Problem“, könnte man an dieser Stelle fragen. Vielleicht lag es daran, daß neben Farin, auch die Gitarristin und die Bassistin weitesgehend auf einer Stelle agierten. Vielleicht lag es an den wenigen Ansagen des blonden Diktators. Vielleicht lag es einfach an unserem Alter.  FURT bietet den perfekten Soundtrack zum Pogen und Crowdsurfen und vielleicht geht einfach etwas verloren, wenn man ein FURT-Konzert nur im Stehen genießen will. Vielleicht wollen doch nicht „Alle dasselbe“. ;-)
Das Konzert war wirklich gut, wir bereuen nicht, Zeit und Geld investiert zu haben, aber Wiederholungstäter hat es nicht aus uns gemacht. Fazit: Das war ein ziemlich okayes Rockkonzert.

Urlaubsfotos

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