Wo sollten wir auch sonst hin

Ich kann doch auch nichts dafür

Kaum waren wir aus dem Urlaub zurück, wurde uns mitgeteilt, daß Dieter Hildebrandt am nächsten Wochenende in Burbach auftreten würde. Von dem Theater hatte ich noch nicht gehört, obwohl es hier um die Ecke ist. Aber natürlich kenne ich Dieter Hildebrandt.
Denn ich bin mit dem „Scheibenwischer“ groß geworden. Auch wenn ich die politischen Witze nicht immer verstanden habe / verstehe, habe ich schon von kleinauf den Umgang Hildebrandts mit der deutschen Sprache bewundert. Wer ein bißchen im Blog liest wird schnell feststellen; es ist nichts hängengeblieben.

Natürlich war die Vorstellung schon ausverkauft. Auf Anfrage beim Theater wurde mir mitgeteilt, daß sie mich gerne informieren würden, falls jemand absagt, die Aussicht wäre aber nicht gut. So machten wir uns ohne Karte auf den Weg nach Burbach, mit dem Notfallplan in der Tasche, ansonsten Essen zu gehen. Für uns eine ungewöhnliche Aktion, normalerweise haben wir Monate im voraus die Karten an der Pinnwand hängen. Nur einmal sind wir ohne Karten auf ein Konzert der Familie Popolski gefahren. Da hat uns allerdings die Angst gepackt und wir haben aus dem Ortsnamen Wenden ein Verb gemacht und die Karten doch noch von der Pinnwand geholt. ;-)

Auf halber Strecke klingelte mein Handy. Tatsächlich hatten zwei Leute ihre reservierten Karten abgesagt, die wir haben konnten.  Und so fuhren wir dann im Wissen vor dem Theater vor, den Weg nicht umsonst gemacht zu haben. Das Heimhoftheater ist ein altes, umgebautes Kino mit ca. 200 Sitzplätzen. Also genau die richtige Größe und Atmosphäre um Herrn Hildebrandts Ausführungen zu lauschen. Wesentlich gemütlich als das Siebziger Jahre Dekor, in dem wir die letzte Lesung genossen haben.

Hildebrandt bedankte sich über das zahlreiche Erscheinen, meinte aber nach einem Spaziergang in Burbach: „Wo hätten Sie auch sonst hingehen sollen?“
Auch mit 85 Jahren hat Dieter Hildebrandt immer noch einen Blick auf die (politische) Gesellschaft in unserem Land. Der Reiz, die Welt durch Hildebrandts Brille zu  sehen, ist nach wie vor vorhanden. Vieles wird klarer und vor allem lustiger. Und durch seine sympathische, unaufdringliche Art wirkt das, was er so sagt, nicht so böse.

Trotz des fortgeschrittenen Alters läßt er es sich nicht nehmen, auch auf moderne Trends einzugehen. So holt er einen Gehstock hervor und stampft damit einen Beat zu seinem Rentnerrap.
Nach der Vorstellung, die unter verdienten standing ovations beendet wurde, setzte er sich noch ins Foyer um Bücher zu signieren und sich kurz mit den Besuchern zu unterhalten.
„Mit 90 in die Kurve“ sollte das Programm ursprünglich heißen. Ich finde „85 und kein bißchen leise“ hätte auch gepaßt.
Wir hoffen, daß er noch lange weitermacht. Denn wir fahren wieder hin, ob mit oder ohne Karte.

Das Heimhof-Theater von innen und außen

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