Wunderbar, dabei zu sein

Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt

Kaum hat 2013 begonnen, jagten ein Senior und eine schöne Senorita schon wieder auf der Autobahn ihrem ersten Konzert des Jahres entgegen. Die Fahrt führte uns nicht nur nach Dortmund, sondern in vergangene Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts. Ulrich Tukur hatte wieder einmal mit seinen Rhythmus Boys gerufen, um Musik für schwache Stunden zu präsentieren. Angefixt von den Konzerten des letzten Jahres konnten wir uns dem Ruf nicht erwehren, denn wir sagten bereits im Juni, daß es nicht das letzte Mal war.

Da waren wir also wieder; zwei in einer großen Stadt. Nachdem das Auto sicher im Parkhaus verstaut war, suchten wir unseren Weg zu Fuß durchs Dortmunder Zentrum und ich konnte leider festhalten: „Ich steh im Regen“. Denn es fing leicht an zu nieseln, aber zum Glück war das Konzerthaus nicht weit. Die großen, eleganten Konzerthäuser stehen immer im Kontrast zu den kleinen Clubs, in denen wir üblicherweise der Musik frönen.

Wir hatten uns für das Konzert in diesem Tanzpalast für Plätze auf dem Balkon, rechts neben der Bühne, entschieden. Dadurch hatten wir einen etwas ungewohnten, aber guten Blick auf die Bühne. Es war interessant, die Vorstellung mal aus einer anderen Perspektive zu erleben und so bekamen wir auch mit, daß sich Kalle Mews nach der Pause die Schuhe bringen lassen mußte, in die er nach dem ersten Lied schlüpfte. Dafür ist die Fotoausbeute wieder spärlicher ausgefallen. Man kann halt nicht alles haben.

Aber was wir hatten, war wieder ein sehr unterhaltsamer und witziger Abend. Ich finde es immer schwierig, das Besondere dieser Konzerte zu beschreiben. Viele Leute in meinem Umkreis schauen mich merkwürdig an, wenn davon ich erzähle.
Die Musik hat mich einfach verliebt gemacht, besonders wenn Herr Tukur sie mit seinen Jungs so liebevoll, vergnüglich und charmat vorträgt. Auch, oder gerade weil der Bandleader an dem Abend den einen oder anderen Texthänger hatte und ab und zu in die falsche Tasten griff, war die Stimmung auf der Bühne gut. Die drei Herren hatten sichtlich Spaß und spielten gut gelaunt. Wie üblich trug Ulrich Tukur immer mal wieder ein Gedicht zwischen den Liedern vor, oder erzählte eine kleine Geschichte. Herr Märtens und Herr Mayer nutzten dann die Gelegenheit einen Schluck zu trinken und übergaben Herrn Mews ihre Instrumente. Man muß einfach mal gesehen haben, wie Herr Mews denn Kontrabass seines Mitmusikers hält. :-)

Diese kleinen Nummern, die subtile Gestik und Mimik der Jungs lassen sich nicht beschreiben. Die machen das Programm einfach so unterhaltsam. Dazu gehören natürlich auch wieder die Bauchtanznummer von Herrn Märtens und die Präsentation seiner Bauchrednerpuppe, die so lebensecht einen Kakadu imitieren kann. Herr Mayer durfte mit einigen Soli wieder beweisen, daß er ein Virtuose am Instrument ist, auch wenn der Rücken nicht mehr so mit macht. Und sein philosophischer Monolog durfte selbstverständlich nicht fehlen, denn schließlich hat der Abend auch einen pädagogischen Auftrag. Gefehlt hat dagegen das Lied „Fun on the Titanic“. Dafür boten sie einen japanischen Song in Originalsprache dar, an dem sie lange geprobt hatten.

Die Musik spielte ganz leise, wenn es angebracht war, wenn nicht, wurde richtig in die Saiten gegriffen und das Schlagzeug malträtiert. Langeweile kam bei dem abwechslungsreichen Programm nicht auf. Selbst das Nachgespenst hinter uns, daß sich des Öfteren laut mit ihren Mitbesuchern unterhielt, hatte hörbar Spaß.
Die Pölser, eine dänische Kraftakrobatengruppe, beendeten den ersten Teil und eröffneten den zweiten Teil des Programms. Diese genauso vergnügliche wie sinnlose Nummer, ist besonders amüsant, weil sie im totalen Kontrat zu der seriösen Vorstellung der vier charmanten Männern im Anzug steht. Genauso wie die etwas chaotische Darbietung von „Old McDonald“, bevor sie den Mond von St. Pauli mit einer sehr atmosphärischen Version von „La Paloma“ aufgehen ließen.
Viele Zuschauer verließen schon den Saal, aber die Künstler kamen noch einmal zurück und spielten, ich möchte fast sagen rockten, „Tanzmusik“ als letzte Zugabe, bevor das Saallicht anging und diese zauberhafte Nacht beschloß.

Es war einfach wieder wunderbar dabei zu sein. Wir ließen den Abend dann mit vier Herren und einer netten Dame in einem Restaurant ausklingen, bevor wir zurück zum Parkhaus mußten. Zwar hatten wir kein Heimweh, aber wenn wir unser Auto nicht vor 24 Uhr ausgelöst hätten, hätten wir mit der letzten Straßenbahn fahren müssen.
Was bleibt zurück? Die Gewissheit, daß wir so einen Abend unbedingt wiederholen müssen. Auch wenn wir genau wissen, so wird’s nie wieder sein.

Vogelperspektive

 

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