Klassenfahrt ins Bergische Land

Ganz großes (Tisch)Tennis

Manchmal kommen Dinge im Leben zusammen, die einfach vorbestimmt sind. Wir hatten seit Weihnachten Eintrittskarten für Badesalz im Februar; dieser Termin wurde jedoch wegen Krankheit ausgerechnet auf den 19.03.2015 verschoben. Vor wenigen Wochen hieß es dann, dass auch dieser Tag aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sei. Für uns bedeutete diese glückliche Fügung aber: Wir können doch noch nach Wiehl! Das dortige Gastspiel von Andreas Schleicher samt seines großartigen Orchesters hätten wir uns nur ungern entgehen lassen, denn so nah sind sie uns geografisch bislang noch nie entgegengekommen.
Die Mädchen und Jungs hatten sich wieder versammelt, um im März auf eine kleine Frühjahrstour zu gehen. Da solche Termine, bei denen die große „Wohlfühlbesetzung“ gemeinsam musiziert, rar gesät sind, beschlossen wir, so viele davon wahrzunehmen wie möglich. Zumal das letzte Konzert in Schwelm bereits 1 1/2 Jahre zurückliegt.

Los ging es also am Donnerstag in Wiehl, bzw. im schönen Burghaus Bielstein. Bereits kurz nach Einlaß waren schon mehr Leute anwesend, als im Dezember in Bonn, was uns positiv überraschte und für die Künstler freute.
Als Andre Krengel, Jörg Siebenhaar Konstantin Wienstroer und Heiko Braun die Bühne betraten, waren auch fast alle der 120 Stühle besetzt. Zum Einstieg wurde mit „Kurz vor Acht“ ein neues Stück präsentiert, welches „Wirklich wichtig“ ersetzte und inhaltlich perfekt paßt, da es die Gedanken und Erfahrungen eines Künstlers kurz vor dem Auftritt beschreibt. Andreas lief singend durch das Publikum Richtung Bühne und begrüßte nach dem Song sichtlich erfreut die zahlreichen Besucher. Wie bei den anderen Konzerten mit dieser Besetzung bestritten die Jungs die ersten Lieder alleine und die Mädels stießen wie gewohnt erst bei „Wellenklang“ hinzu.

In dieser Formation hatten wir das Indigo Streichquartett bisher noch nicht gesehen; neben Monika Schleicher und Gesa Hangen waren an diesem Abend Heike Haushalter, sowie Sophie Richter mit dabei. Letztere sprang für Gudrun Edelkötter ein und hatte zuvor nicht einmal mit den anderen gemeinsam geprobt. Für uns unfaßbar und faszinierend zugleich, denn man hörte es absolut nicht heraus. Daran erkennt man wohl einen professionellen Musiker.

Nach „Bis hier“ durfte Andre Krengel einen Schwank aus seiner Jugend zum Besten geben. Wiehl war ihm noch aus seiner Schulzeit bekannt, da eine Klassenfahrt ihn dorthin geführt hatte. Obendrein habe er hier eine Tischtennismeisterschaft gewonnen. Ab und zu spiele er heute noch gegen seinen blinden Bandkollegen Jörg Siebenhaar. Dieser gab daraufhin zu, dass er Andre immer gewinnen lasse. Das ist Jörg: Nicht nur ein wunderbarer Musiker, sondern auch humorvoll mit einer großen Portion Selbstironie. Großartiger Mensch.
Es macht große Freude, die Musiker zu beobachten, denn jeder einzelne „lebt“ die Musik, was sich in Mimik und Gestik während des Spielens widerspiegelt und im gleichen Zuge auch das Publikum mitreißt. Die Reaktionen der Wiehler Zuschauer waren von Anfang an euphorisch und es herrschte eine tolle Kommunikation zischen Bühne und Publikum.

Auch der zweite Teil des Abends begann mit einem neuen Stück: „Wurm“. Hiermit ist allerdings weniger das Tier in der Erde gemeint, sondern vielmehr der Ohrwurm, der einen packt und nicht mehr losläßt. Der Song groovt, lädt zum Mitwippen ein und der Refrain bohrt sich mit jedem Mal tatsächlich tiefer und tiefer in den Gehörgang. 🙂 Zudem wurde im Rahmen dieses Stücks ein weiteres Bandmitglied vorgestellt, das sich bislang sehr im Hintergrund gehalten hatte: Jacques, ein freundlich lächelndes Rhythmusgerät, das später im Programm noch groß rauskommen sollte. Gemeinsam mit Heike Haushalter atmete sich Andreas anschließend in das Intro des englischsprachigen Stücks „That’s it“.

Im zweiten Teil spielten die Jungs erneut „Hunger nach Fisch“ und die Mädels hatten kurz Pause und schienen sich zu langweilen. Gesa z.B. entwickelte eine lustig anzusehende Schattenspielchoreographie. Die gute Laune hielt sich bis zum letzten Song vor der Zugabe und erreichte seinen vorübergehenden Höhepunkt in einem Lachanfall, der in der Ecke der Streicherinnen begann und sich dann auf die gesamte Band ausweitete, sodaß sich die musikalische Improvisation während „Perfekter Song“ etwas länger hinzog als geplant.

In der Zugabe „Ab 30″schlug die Stunde von Jacques, der, unterstützt von Heiko Braun, zu Hochform auflief und ein minutenlanges Klackersolo präsentierte. Völlig zu Recht gab es am Ende stehende Ovationen für alle.  Da die von Andreas eigentlich angesagte Aftershowparty mit Schaum anschließend jedoch nicht stattfand, fuhren wir schließlich Richtung Heimat und freuten uns schon auf den nächsten Tag.

 

Der Freitag war dann ein Heimspiel für Andreas, der irgendwo zwischen Remscheid und Wuppertal lebt (in einem kleinem Dorf, umgeben von Römerlagern, das erfolgreich Widerstand leistet). Unsere Anfahrt war im Gegenzug länger, aber entgegenkommenden Arbeitgebern und einer entspannten Verkehrslage sei Dank waren wir letztendlich doch pünktlich um 19 Uhr vor Ort und durften liebe, bekloppste Gesichter begrüßen.

Interessant, dass in Wuppertal anscheinend alle Veranstaltungsräume mit einer Mittelsäule konzipiert sind. Schnell war ersichtlich, dass es auch an diesem Abend sehr voll werden würde, denn es wurden sogar noch zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt. Auf der Bühne hatten die Musiker etwas mehr Platz und bekamen sogar eine sündhaft teure Stehlampe als Deko. Leider stellte sich diese nicht als Schattenspielkompatibel heraus.
Es schienen im Publikum viel Familie und viele Freunde und Bekannte von Andreas und der Band anwesend zu sein, es waren jedoch auch viele „Zugereiste“ dabei, wie sich herausstellte (und Nordenham war tatsächlich nicht die weiteste Entfernung!).

Die Setlist war die gleiche wie am Vortag und der Sound war auch an diesem Abend dank Thomas Naatz großartig. Die leisen Töne und die heiteren Momente wurden genauso wunderbar präsentiert und schafften eine ganz besondere Atmosphäre: Bei „Anderer Stern“ hätte man eine Stecknadel fallen hören können und bei „Children“ mußte man um die Stabilität der Mittelsäule bangen, da das Publikum so tobte.
Einige Mitglieder von Andreas‘ Wuppertaler Chor, die anwesend waren, sorgten bei „That’s it“ für einen ungeprobten Überraschungsmoment und ergänzten den letzten Teil des Stücks mit schönen Harmonien. Wieder ein Bespiel für die stete, lebhafte Kommunikation zwischen Bühne und Zuschauerraum. Wuppertal war restlos begeistert und schneller, als es allen lieb war, wurde schon wieder „Ab 30“ als letzter Song gespielt.

Abschließend eine kleine Anmerkung, die ich gerne sagen möchte: Wir sind in unseren vergangenen Berichten von Andreas‘ Konzerten schon oft inhaltlich auf die Songs eingegangen, dass dies in diesem Bericht nicht so sehr der Fall ist. Es sind aber auch die kleinen Anekdoten und spontanen Situationen, die sich live immer wieder neu ergeben, die ein Merkmal von Schleicher-Konzerten sind. Diese Momente sind besonders, sprechen Emotionen an und daher erachten wir sie als erwähnenswert. Wir sind zudem keine professionellen Journalisten, sondern in erster Linie Musikliebhaber und schätzen die Menschen, die diese Musik machen, zu sehr, um einfach nur nüchtern von einem Konzertabend zu berichten.
Daher haben uns Andreas & Co. auch im Herbst an der Backe, wenn sie die bereits angekündigten Zusatzkonzerte geben. 🙂

Pop.Fotos.Wiehl.

Pop.Fotos.Wuppertal.

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