Musik in Regenbogenfarben

Sowas genau wie das

Wahrscheinlich wären wir nicht auf die Idee gekommen, auf ein Coldplay-Konzert zu gehen. Zwar haben wir ein Album von ihnen im Regal stehen, aber der Kartenpreis und die reine Größe des Konzerts in der Frankfurter Commerzbank-Arena hätten uns wohl schnell abgeschreckt.
Allerdings ergab es sich, dass ich als Begleitperson einer Rollstuhlfahrerin dem Konzert beiwohnen durfte und war sehr angenehm überrascht.

Aufgrund der hohen Nachfrage gab es in Frankfurt ein Zusatzkonzert und wir waren beim zweiten Termin dabei. Das Wetter an diesem Samstag war leider ziemlich bescheiden; zum Glück kann das Stadiondach verschlossen werden. Von der ersten Vorband „Femme Schmidt“ habe ich nichts mitbekommen, bei der zweiten Gruppe „Tove lo“ (von der ich tatsächlich ein Lied kannte: „Stay high“) füllte sich das weite (W E I T E) Rund allmählich, und um 20 Uhr fieberten 45 000 Menschen dem Hauptact entgegen. Dessen Beginn verzögerte sich allerdings bis 21 Uhr. Währenddessen machte sich das Stadion mit beindruckenden La-Ola-Wellen warm.

Als plötzlich die Armbänder, die jeder Besucher beim Einlaß bekommen hatten, kollektiv rot aufleuchteten, war es  Zeit für Coldplay, die nach dem Intro „O mio babbino caro“ von Maria Callas, mit „A head full of dreams“ loslegten. Man kann ohne weiteres sagen, dass Coldplay in Sachen Show von den Großen gelernt haben: Leinwand, Lichtshow und Konfettiexplosionen schon beim ersten Song. Mein persönliches Highlight waren allerdings die Armbänder, die Xylobands, die je nach Song in allen möglichen Farben stimmungsvoll leuchteten.

Chris Martin erwies sich als kompetenter Frontmann, war fast ständig in Bewegung, sogar beim Gitarre spielen oder bei den ruhigeren Stücken am Piano. Die Band gab einen umfangreichen Einblick in ihr Schaffen: Ganze 24 Lieder umfaßte die Setlist, in der ihre großen Hits natürlich nicht fehlen durften: „Paradise“, „Fix you“, „Adventure of a lifetime“, das ruhige „The Scientist“, „A sky full of stars“ oder auch die aktuelle Single „Something just like this“.

Damit jeder Zuschauer die Gelegenheit hatte, die komplette Band, also nicht nur Chris, sondern auch Jonny Buckland (Gitarre), Will Champion (Schlagzeug, Percussion) und Guy Berryman (Bass, Keyboard), etwas näher zu Gesicht zu bekommen, gab es insgesamt 3 Bühnen. Eine war, ausgehend von der großen Hauptbühne, mit einem langen Steg verbunden, eine weitere befand sich sehr weit hinten im letzten Drittel der Halle. Die dort sitzenden/stehenden Fans waren sicht- und hörbar davon angetan, die Gruppe mal nicht nur auf den Leinwänden nah zu sehen.

Selten habe ich so viele Menschen bis in die letzten Ränge mitgehen sehen. Gänsehaut, wenn 45 000 Menschen den Refrain von einem der bekanntesten Songs, „Viva la vida“ mitsingen und synchron alle Armbänder in Regenbogenfarben blinken. Die Stimmung kann man nur als absolut gelungen beschreiben. Dies sah auch Chris Martin so: Er stoppte nach wenigen Takten den Song „Charlie Brown“ und bat das Publikum nur für diesen Song einmal alle Smartphones und Kameras in die Tasche zu stecken, damit er alle beim Mithüpfen sehen kann.

Konfetti in bunten Farben und unterschiedlichen Formen, die Xylobands, Luftballons, Feuersäulen: Coldplay hatten effektetechnisch alles in den Topf geworfen, was möglich war. Dennoch war dies keinerlei Ablenkung, denn die Band versteckte sich nicht dahinter, sondern zeigte sich spielfreudig, energetisch und sehr bodenständig. Die kleine C-Stage im letzten Drittel der Halle war immer noch größer als der erste Proberaum der Band, wie Chris Martin berichtete. Dennoch wirken sie immer noch so, als würden sie ohne Probleme auch gerne noch kleine Hallen spielen.

Ein tolles, beeindruckendes Konzerterlebnis. Dennoch würde ich für KISS oder Alice Cooper nicht gerne in ein Stadion gehen wollen: Dafür ist ein Stadion einfach zu groß, da man nicht die charakteristischen Mimiken sehen kann.

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