Heavy Metal Wellness

Double Bass im Doppelpack

Anfang des Monats machten wir uns auf nach Siegburg, wo eine unserer Lieblingsbands ihr neues Album vorstellte. Es war unser erster Besuch im Kubana. Ein Gebäude, in dem unter anderem ein Fitness-Studio, ein Restaurant und ein Wellness-Bereich untergebracht sind. Im Live-Club werden den Besuchern die Alltagssorgen durch Musik ausgtrieben. Den musikalischen Aufguss eröffneten an dem Abend die norddeutschen Mob Rules mit einer kleinen Verspätung.

Auch Mob Rules haben erst vor kurzem mit „Beast Reborn“ ein neues Album veröffentlicht. So eröffneten sie den musikalischen Reigen um kurz nach Acht mit „Ghost of a Chance“ von der neuen Platte. Wir kannten die Band nur namentlich, aber sie hatten viele Fans dabei, die sie ab dem ersten Lied lautstark abfeierten. Der Sänger suchte immer wieder Kontakt zum Publikum und schien, wie die restliche Band, an dem Abend ungeheuren Spaß zu haben. Mob Rules waren mehr als eine Vorgruppe, eher ein zweiter Headliner. Musikalisch passte der schnörkelose Metal der Nordmänner sehr gut zum Hauptact. Nach einer guten Stunde Spielzeit beendeten sie ihr Set mit älteren Perlen wie „Hollowed be thy Name“. Ihre Stelle als Anheizer haben sie mit Bravour gemeistert. Die Zuschauer waren auf Betriebstemperatur. Jetzt stieg die Spannung auf Brainstorm.


Die Schwaben machten den Anfang mit „Devil’s Eye“ und nahmen das Publikum im Sturm, obwohl der Song erst seit ein paar Tagen bekannt war. Er eröffnet auch das neue Album „Midnight Ghost“, welches der Grund für die Zusammenkunft im Kubana war. Brainstorm wollten den Fans ihr neues Album näherbringen und spielten an dem Abend fünf Stücke daraus.

Fast jedes Album war an dem Abend mit einem Lied vertreten. Bei der Anzahl an starken Alben im Rücken war es ein Leichtes, die anwesenden Metalheads zufriedenzustellen. „All those Words“ als drittes Stück zu spielen, zeigte, daß sie es nicht nötig haben, sich den Fanfavoriten für den Schluß aufzuheben. Die Fans legten dacnach nochmal eine Schippe drauf und sangen jedes Lied lautstark mit und feierten Brainstorm ab. Was nicht zuletzt an Andy B. Franck, dem charismatischen Frontmann der Schwabenkombo, lag. Er kam den ganzen Abend aus dem Grinsen nicht raus, stand immer am Bühnenrand und suchte den Kontakt zu den Fans. Auch die glücklichen Gesichter seiner vier Mitmusiker sprachen Bände. Die Band präsentierte sich bei dem Konzert wieder einmal als eingespielte Einheit, die ihre Songs druckvoll darbieten und dabei eine große Spielfreude an den Tag legen. Brainstorm ist die perfekte Symbiose aus Härte, Melodie und Symphatie, mit der sie sich in den letzten drei Jahrzehnten ins Herzen vieler Metalfans gespielt haben. Das neue Album wird den Zuhörerkreis bestimmt nochmal vergrößern.

Natürlich ließ es sich Andy nicht nehmen, seine Bandkollegen namentlich vorzustellen. Als er an der Reihe war, sagte Todde einfach: „Am Gesang: Der Sänger“. Was den Sänger laut loslachen ließ.
Die Besucher des Kubanas verdienten sich durch das unentwegte Abfeiern der einnehmenden Scherzbolde ein besonderes Schmankerl. Als allerletztes Lied kamen Brainstorm einem Wunsch aus dem Publikum entgegen. Wobei Andy mehrfach tiefstapelte und erwähnte, daß sie das Lied lange nicht mehr gespielt hätten und er Hilfe von den Zuschauern bräuchte. Die ließen sich das nicht zweimal sagen. Energiegeladen ging der Abend dann mit „Under Lights“ zu Ende. Unter den Lichtern war es wirklich warm und nicht nur die Musiker waren bei der überwältigenden Vorstellung während der zwei Stunden ins Schwitzen gekommen. Gehört zur Heavy Metal Wellness dazu und daß es gut getan hatte, alles rauszuschwitzen, sah man an den glücklichen Gesichtern im Kubana.

Wir können den „Midnight Ghost“ nur jedem ans Herz legen, denn aus unserem Player will der kleine, silberne Geist nicht hinaus. Das Album zündet wie der besungene Scheiterhaufen. Den Schwaben ist wieder einmal ein grandioses Machwerk gelungen. Und wer noch nicht das Glück hatte, Brainstorm live zu erleben, Anfang des Jahres gehen sie auf „richtige“ Tour durch die Republik. Überwindet Eure Angst vor Geistern, denn sympathischer wird nirgends geheadbangt.

 

Midnight Pics

Haben sich eine eigene kleine Galerie an dem Abend redlich erspielt:
Mob Rules – Pics Reborn

 

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Der ungeschminkte Dämon

Carnival of Songs

Das Rocks Magazin hatte am 20. Juli zu seinem Jubiläum geladen und konnte als Höhepunkt Gene Simmons gewinnen, der an dem Abend das einzige Deutschlandkonzert mit seiner Solo Band spielte. Bekannt als singender und Bass spielender Demon kommt er allerdings aus Amerika und nicht aus der Hölle, obwohl die Temperaturen in der Turbinenhalle letzteres vermuten ließen. Drei Vorbands und eine Verlosung lang mußten wir in der Hitze ausharren. Zum Glück hatten die Männer von der Security ein Einsehen und verteilten den ganzen Abend Wasser an die schwitzenden Massen.

Als dann das Intro zu „Radioactive“ erklang, waren die Strapazen des langen, schweißtreibenden Wartens vergessen. Gene betrat mit seiner Band die Bühne und legte mit „Deuce“ los. Erinnerte das Eröffnungslied noch an KISS, war ansonsten alles anders. Gene hatte Kostüm und Make-up genauso zuhause gelassen, wie Pyros oder andere Showelemente. Es gab noch nicht mal einen Backdrop. An dem Abend ging es einfach um den Spaß an Musik. Diesen sah man den Musikern an, die während des Konzerts alle viel lachten. Im Zuschauerraum war es ähnlich, denn die Band wurde den ganzen Abend abgefeiert.

Was auch an den ausgesuchten Liedern lag. Das Hauptaugenmerk lag auf Stücken aus dem KISS-Katalog, den die Band nur selten, wenn überhaupt gespielt live hat. Gene, der den ganzen Abend auf Deutsch mit dem Publikum kommunizierte, spielte sogar ein paar Lieder auf Zuruf. Zwar war er nicht bei allen gewünschten Liedern textsicher, aber daß er sie trotzdem (an-)spielte, unterstrich den Spaßfaktor und spricht für Gene. Wer will es ihm verübeln, wenn er nicht alle Texte aus 50 Jahren auswending kann. Die Fans waren froh, die Stücke überhaupt mal live zu hören. Wir haben uns sehr über „Unholy“ gefreut. Ein Lied, das KISS meines Wissens noch nie live in Deutschland auf einer Tour gespielt haben und zu unseren Lieblingsliedern gehört.
Immer, wenn Gene dann irgendwelche Textzeilen sang, schauten ihn seine Mitmusiker lachend an. Sie lachten ihn genauso an, wenn er mit stolzgeschwellter Brust vor seinem Mikro stand, weil er schwierige Gesangspassagen gemeistert hatte. Mit fast 69 auch keine Selbstverständlichkeit.

Die Band, die Gene zusammengestellt hat, überzeugte ebenfalls durch ihre Spielfreude. Als müßten sie beweisen, daß es sich um ein Rockkonzert handelt, gaben sie richtig Gas und verliehen den Songs einen fetten Sound. Selbst „Charisma“, „I“ und „She’s so european“ bekamen ein rockiges Gewand verpaßt.
Ein anderer Unterschied zu Auftritten mit seiner Hauptband bestand an dem Kontakt mit den Fans. Nicht nur, daß er Leute im Publikum ansprach, u.a. weil sie dem Konzert nicht genug Aufmerksamkeit schenkten, ließ er auch Fanchöre auf die Bühne. Zirka dreißig Menschen aus dem Publikum versammelten sich bei verschiedenen Liedern um die Mikros und durften den Refrain lauthals mitsingen. Eine besondere Ehre wurde Gina zuteil. Die junge Dame, stilecht mit Demon-Make-up, durfte den größten KISS-Hit singen. Stand Gene beim Intro von „I was made for lovin‘ you“ neben ihr am Mikro, trat er sofort einen Schritt zurück und ließ sie alleine singen, als der Text begann. Zwar schaute sie überrascht und im ersten Momten unsicher, erwies sich aber als textsicher. Mit Unterstützung der Band kam sie problemlos durch den Song. Großen Respekt an dieser Stelle.

„Hotter than Hell“ wäre an dem Abend passend gewesen, wurde aber nicht gespielt. Dafür durften Signature-Lieder seines Bühnencharakters wie „I love it loud“ und „War Machine“ natürlich nicht fehlen. Trotz einiger Bedenken in Teilen des Plueschblogs, wußten die Lieder auch maskenfrei zu überzeugen. Der Bogen zu KISS wurde mit dem letzten Lied schlossen. Nach gut hundert Minuten beendete „Rock and Roll all Nite“ die Gene Simmons Band und der Fanchor den Aufritt. Zugaben gab es keine. Trotzem sind die anwesenden Zuschauer zufrieden und lächelnd in die warme Nacht hinaus. Alle waren sich bewußt, Zeuge eines besonderen Live-Events geworden zu sein. Gene spielt erst seit wenigen Jahren mit seiner Solo-Band und war das erste Mal in Europa. Der Demon und seine höllisch guten Mitstreiter haben bewiesen, daß man keine Show braucht, wenn man gute Songs und Spielfreude im Gepäck hat. Außerdem wird das nächste Konzert der Gene Simmons Band sicherlich auf sich warten lassen, denn für 2019 hat er versprochen, seine drei anderen Musiker mitzubringen. Dann natürlich wieder in Dragonboots.

The Photo Vault
(Leider waren Licht und Nebel einer guten Ausbeute nicht gewogen, aber für einen kleinen Eindruck hoffentlich in Ordnung.)

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Murmeltiere auf Helgoland

Deine Spuren im Watt

Bei der Hitze dieser Tage. wäre es schön, wieder am Meer zu verweilen. Leider lassen Wellen und Wind noch etwas auf sich warten. In der Zwischenzeit möchte ich einfach meinen letztjährigen Urlaub an Deutschlands Küste mit Euch Revue passieren lassen. Vielleicht wird mir beim Tippen etwas kühler.


Im vergangenen Sommer hatte ich die Chance, meiner Schwester meinen  Lieblingsurlaubsort zu zeigen. Murmeline war vorher noch nie am Meer und daher sehr gespannt, wie eine Umgebung ohne Berge aussieht. Als wir langsam den Deich hoch sind und sie von oben bis zum Horizont schauen konnte, war sie schon überwältigt. Wir haben uns viel am Strand und damit am Meer aufgehalten. Ihr zu zeigen, wie es unter der Nordsee aussieht und mit den Pfoten durchs Watt zu gehen, hat mich an meinen ersten Urlaub dort erinnert. Ich war am Anfang ebenfalls skeptisch, aber inzwischen kann ich nicht genug davon bekommen. Die Kniffelbären haben die sommerlichen Temperaturen in ihren Liegestühlchen genossen und ihre Sonnenbrillen aufgesetzt.

Natürlich haben wir ihr in der Woche auch die Stadt gezeigt und dabei festgestellt, daß Büsum viel für die Touristik tut. In der Einkaufspassage gibt es die neue Mandelfaktur. Dadurch wird der Ort noch murmeltierfreundlicher und ich kann behaupten, zu den ersten Murmeltieren gehört zu haben. Ich habe den Trend quasi losgetreten.  Bei schlechtem Wetter haben wir einige Experimente im Phänomania gemacht und dort eine Runde Mikado gespielt. Die optischen Täuschungen waren schon verblüffend.

Keine optische Täuschung war Murmelines erste Begegnung mit Seehunden aus nächster Nähe. An Deutschlands größte Raubtiere sind wir auf Helgoland gestoßen. So große Tiere sind für kleine Murmeltiere schon sehr beeindruckend. Zum Glück mußten die Seehunde 30 Meter Abstand halten. Woran sie sich auch gehalten haben. Auf der Hinfahrt zur Hochseeinsel haben wir es uns auf dem Sonnendeck bequem gemacht. Zurück haben wir dann ein Flugzeug genommen. Ich kann es Murmeline nicht verübeln, daß sie vor dem Flug aufgeregt war. Zwar habe ich schon einige Flugstunden hinter mir, aber keine in so einer kleinen Maschine. Irgendwie empfand ich den Flug nicht so spektakulär wie erwartet, aber die zwanzig Minuten Rückreise waren im Vergleich zur zweieinhalb stündigen Schifffahrt schon sehr angenehm. Schnell hatten wir wieder festen Boden unter den Pfoten und es ist niemandem schlecht geworden.


Jetzt freuen wir uns schon alle hier auf unseren nächsten Ausflug an die grüne Küste. Die Kniffelbären putzen ihre Sonnenbrillen und machen ihren Strandkorb urlaubstüchtig. Das Watt rückt näher.

Murmelmania

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Amüsanter Serviervorschlag

Fear and Loathing in Hamburg

Da hat man einen Blog, um seinen Mitmenschen zu erzählen, was man erlebt und wer einen begeistert hat und dann sieht man das Buch vor lauter Worten nicht. In zunehmenden Alter haben sich immer mehr Biographien in unser Bücherregal verirrt. Gerne lasse ich mich auf das Leben bekannter Menschen ein und verfolge ihre Erinnerungen. Die Autobiographie von Günter Märtens hat es mir besonders angetan. Günter, wer? werden sich einige fragen, während der geneigte Plueschblogleser wissend nickt. Denn über den gebürtigen Hamburger und seine drei Freunde haben wir an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Zur Erinnerung, das ist Günter:

Man kennt ihn gemeinhin als meist seriösen und allzeit sympathischen Kontrabassisten der ältesten Boygroup der Welt. Seit nunmehr zwanzig Jahren sind die Rhythmus Boys ein integraler Bestandteil meiner CD-Sammlung und in den letzten Jahren durften wir die vier charmanten Herren mehrfach live erleben. Immer wieder grandios. Ich mußte nicht lange überlegen, ob ich mir Günters Autobiographie zulege. Er hat ihr den Titel „Graupensuppe“ gegeben. Was mich in den Seiten erwartet hat, habe ich nicht erwartet. Wie erwähnt, habe ich Günter Märtens immer als seriösen Herren im feinen Zwirn kennengelernt, aber es war ein langer Weg dahin.

In jungen Jahren war Herr Märtens drogenabhängig. In lockerem Ton erzählt er von Erlebnissen aus der Zeit seines Lebens, das sich zwischen Beschaffung und Rausch bewegte.Wie er versuchte, im Arbeitsleben Fuß zu fassen und sich seinem Hobby, der Musik, zu widmen. Bei James Last konnte er beides vereinen. Erfolg hatte er allerdings keinen, denn die Sucht war stärker als die Vernunft.
Das alles schildert Günter Märtens in amüsanten Worten, ohne die Situationen zu beschönigen und macht es schwer, das Buch wegzulegen. Gerade die unterhaltsamen Schilderungen machen das Erlebte noch erschreckender, denn er schien sich bewußt zu sein, was richtig war und was nicht. Die Sucht ließ ihm aber keine Wahl.

Dabei kommt er in aberwitzige Situationen mit Dealern, der Polizei und findet sich als Drogenschmuggler wieder. Es treten immer wieder Freunde und Bekannte aus der Szene auf, in der er sich bewegte. An deren Beschreibungen kann man ebenfalls die Auswirkungen des Lebenstils ablesen.

Nicht zuletzt erinnerte mich seine Schilderung einer Zugfahrt auf LSD an „Fear and Loathing in Las Vegas“ von Terry Gilliam. Ich sah den Bahnsteig förmlich vor mir schwanken. Die Schilderung mündet in dem witzigsten Zusammentreffen im Buch, aber ich möchte an dieser Stelle nicht spoilern.
Oftmals saß ich kopfschüttelnd und schmunzelnd über dem Buch. Selten hat mich eine Biographie so begeistert wie diese hanseatische „Graupensuppe“. Günter findet immer die richtigen Worte und hat eine sehr unterhaltsame Lektüre geschaffen. Nie kommen die irrwitzigen Abenteuer moraltriefend oder bedauernd daher. Er scheint mit diesem Teil seines Lebens im Reinen, wenn ich seinen lockeren Umgang damit richtig deute.

Wie Alice Cooper in einem Interview sagte, sie seien sie die Generation, die bewiesen hätten, daß Drogen nichts bringen, schließlich wären viele auf der Strecke geblieben. Es bleiben auch in Günters Leben einige auf der Strecke. Nicht alle bekommen nach der Graupensuppe noch einen Nachtisch. Zum Glück hat der sympathische Hamburger den Absprung geschafft und ist seiner Leidenschaft, der Musik, treu gelieben.

Günters Erzählungen enden mit dem Besuch einer Entzugsklinik. Zu gerne hätte ich weitergelesen, wie es ihm dort ergangen ist. Viele Fragen schwirrten mir durch den Kopf. Wie haben die Menschen um ihn herum nach seinem Aufenthalt auf ihn reagiert? Wie hat er es geschafft, clean zu bleiben? Und natürlich, wie aus dem süchtigen Punkliebhaber ein zuverlässiger Rhythmus Boy wurde. Ich hoffe, er kredenzt seinen Lesern einen zweiten Teller. Bis dahin bleibt mir nur übrig, Euch die Graupensuppe ans Herz zu legen und zu wünschen, was mir der Autor gewünscht hat: „Guten Appetit.“

Link zu unserer Rhythmus Seite

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Mumienschanz

Mummiesday (Muttertag)

Durch einen glücklichen Zufall wurden wir Anfang des Jahres auf eine interessante Instagram-Ankündigung aufmerksam.
Amen Ra, seines Zeichens gitarrenspielende Mumie an der Seite von Mr. Lordi, gab einige Europadaten für seine „Guitar Clinic“ bekannt. Man konnte sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen, doch wir stellten erfreut fest, dass Langen noch in unserem Kilometer-Rahmen lag. Relativ schnell sicherten wir uns zwei der limitierten Tickets (insgesamt gab es nur 50, wie wir später erfuhren), bevor der Veranstalter den Ausverkauf meldete.

So fuhren wir also an einem Sonntag im Mai nach Langen, wo wir uns vor dem Öffnen der Türen noch nett mit anwesenden Fans und dem Besitzer des Café Beans unterhielten, welcher erfreut war, dass auch ortsfremde Personen angereist waren.
Das Café Beans ist klein. Sehr klein. Mr. Lordi hätte in dem Raum wahrscheinlich nicht einmal seine Flügel aufspannen können. Dennoch gab es viel an Dekoration zu entdecken, von Autogrammkarten, VIP-Pässen, bis hin zu Gitarren. Es war spürbar, dass Veranstaltungen im Cafe von Musikliebhabern für Musikliebhaber ausgerichtet werden.
Das Publikum war zusammengesetzt aus Fans, sowie wahrscheinlich Stammbesuchern des Cafés, die sich einmal eine musizierende Mumie anschauen wollten. Von denen es weltweit nicht viele gibt.

Diese erschien pünktlich um 20 Uhr und bestieg seine Mini-Bühne, vor der verständlicherweise ein Ventilator postiert war. Wir hatten uns im Vorfeld gefragt, wie der Abend wohl vonstatten gehen würde, denn unter einer „Guitar Clinic“ konnten wir uns wenig vorstellen. Und wie würde Amen agieren? Würde er in seinem Charakter als Mumie treu bleiben und eher einschüchternd auftreten?
Amen selber beantwortete diese Fragen ziemlich direkt. Der „guitar player of LORDI“ (O-Ton Doro Pesch) informierte die Anwesenden (nach kurzer Vorstellung durch Markus Striegl, den Café-Inhaber), dass er an diesem Abend gerne alle möglichen Fragen aus dem Publikum beantworten, einige Anekdoten zum Besten geben und zwischendurch natürlich einige Songs spielen würde.

Dazu ließ er die Stücke über sein Tablet laufen und spielte live dazu Gitarre, was in echt besser funktioniert, als es theoretisch klingt. Zwischendurch suchte Amen immer wieder das Gespräch mit dem überschaubaren Publikum und beantwortete jede Frage sehr nett. Egal ob diese Frage aus dem technischen Bereich stammte („Wie spielst du dieses Riff?“) oder es allgemein um LORDI ging. Interessant war auch die Geschichte, wie es dazu kam, dass der Besitzer des Café Beans so gut mit der Mumie und der finnischen Band befreundet ist.

Nach gut 1 1/2 Stunden beendete Amen seine Guitar Clinic und ging nahtlos dazu über, die anwesenden Fans persönlich zu begrüßen und Autogramme zu geben. Dabei war er stets zu jedem freundlich, herzlich und total umkompliziert. Von der Gitarre bis hin zur kompletten Booklet- Sammlung unterschrieb er alles und posierte geduldig für Fotos.

Jedem, der LORDI nur von Fotos kennt und abgeschreckt ist von den Horror-Masken, sei eine solche Erfahrung ans Herz gelegt. Dass nämlich das Äußere nichts über die freundlichen Personen sagt, die hinter der Maskerade stecken. Die wollen nämlich nur spielen.

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