Ambitioniertes Röcheln

Abschiedskonzert IIa

Heute, am 14.09.2019 ist es soweit. Die EAV wird in Wien zu Grabe getragen. Deswegen können wir unsere Eindrücke jetzt veröffentlichen, ohne irgend etwas über die Show zu verraten.Wer die letzte Tour verpaßt hat, dem sei die kommende Veröffentlichung des Abschlußkonzerts ans Herz gelegt, sie erscheint im November.

Mein ganzen Leben begleitet mich schon eine Band aus Österreich. Zwar hatte ich die EAV ein paar Jahre aus den Augen verloren, aber dank einer Freundin aus der Alpenregion habe ich zur ihr zurückgefunden. Vielleicht lag es an dieser Pause, daß ich die Erste Allgemeine Verunsicherung bisher nie live gesehen hatte. Das wollte und mußte ich unbedingt auf der Abschiedstour nachholen. Deswegen haben wir der Band in Frankfurt und Köln kondoliert, als sie ihr Schaffen nochmal haben Revue passieren lassen bevor der Tod kommt.

Den Bollerwagen hatten wir am ersten Mai daheim gelassen. Dafür sind wir mit viel Vorfreude und nicht ganz 300PS, in unserem Vehikel den Weg nach Frankfurt angetreten. Ab jetzt übernimmt meine bezaubernde Mitbloggerin den Bericht, die mit weniger emotionalen Altlasten in die Jahrhunderhalle getreten ist.

Vielen Dank für diese schöne Einleitung, Holly!
Die EAV war mir aus meiner Kinder- und Jugendzeit vor allen Dingen durch Lieder wie „Ding Dong“ oder „Küß‘ die Hand, schöne Frau“ bekannt. Es war für mich musikalisch jedoch lange kein Thema mehr, da sich diese Art von Humor in Liedern nicht weiter verfolgt habe.
Gelegentlich kam ich durch Holly, der mir kurze Soundschnipsel oder vereinzelte Songs auf Jahresmix-CD’s zukommen ließ, mit der Gruppe in Kontakt. Von mir selber aus wäre ich wohl nicht losgezogen und hätte Konzertkarten besorgt, hatte aber nichts dagegen, Holly auf seine kleinen Reise in die Kindheit zu begleiten.

Die bestuhlte Jahrhunderthalle in Frankfurt war ausverkauft und beim Blick umher von sämtlichen Altersgruppen besucht. Sänger Klaus Eberhartinger machte später eine Umfrage, bei der sich herausstellte, dass die überwiegende Besucheranzahl im Bereich 30-59 anzusiedeln war. Allerdings meldete sich ebenso ein nicht geringer Anteil an 60+ durch ambitioniertes Röcheln zu Wort.

Relativ früh wurde mit „Banküberfall“ einer der ganz großen Hits aufgefahren und ließ mich Holly erstaunt zuraunen: „Die rocken ja wie Sau!“ Eine solche musikalische Härte hätte ich der EAV gar nicht zugetraut. Außerdem wußte man fast gar nicht, wo man hinschauen sollte, denn nicht nur die Band staffierte sich bei jedem Lied neu aus, sondern auch im Hintergrund passierte immer etwas. Man fühlte sich weniger in einem Konzert, als vielmehr einem präzise durchgetakteten Bühnenstück. Immer passend zum Lied entweder bunt, verrückt und lustig oder bei den ruhigen Stücken mit Sternenhimmel, Mond oder Straßenlaterne.

Daher war es schön, die Show zweimal, auch aus verschiedenen Persektiven (erste Reihe und Balkon) anzuschauen. Allein aber für die Metal-Version von „Fata Morgana“.
Die EAV hat an diesen Abenden auf jeden Fall bei mir viele Sympathien eingeheimst und es ist schade, dass dies wohl die Abschiedstour ist.
Falls es sich die Gruppe in den kommenden Jahren anders überlegen sollte: Ich und Holly wären wieder dabei!

 

Knipps, Knipps, Knipps (Frankfurt)

Foto Morganas (Köln)

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Unruhestand

Kulturelle Sommerpause

Vorgestern hat ein Mann unsere zweimonatige Konzert-und Kultur-Sommerpause beendet. Dabei ist uns aufgefallen, daß wir die Zeit gar nicht genutzt haben. Irgendwie hat uns die Muse gefehlt, die fehlenden Konzerteindrücke aufzubereiten. Wir versuchen das nachzuholen und fangen mit dem Mann an, der uns schon unsere ganzen Leben begleitet:
ALICE COOPER.

Zuerst möchten wir die zwei wichtigsten Fragen beantworten:
1) Ja, Alice ist ein Mann, auch wenn der Name anderes vermuten läßt.
    (Für Leute die ihn nicht kennen. Unbedingt nachholen.)
    (Banausen!)

2) Ja, er lebt noch und gibt Konzerte. Unentwegt.
    (Für Leute, denen der Name etwas sagt.)

Die Mutigen können uns jetzt folgen, in ein unheimliches Gemäuer, bewohnt von furchteinfößenden Kreaturen und einem charismatischen Schloßherren.

Das reisende Alptraumschloß

Obwohl der Tourtross mit vierstündiger Verspätung in Mannheim eintraf, schafften es alle Beteilitgten, das mobile Gruselschloß rechtzeitig für den abendlichen Auftritt aufzubauen. Der Stehplatzbereich war gut gefüllt, die Ränge ebenfalls. Seit seinen Touren mit den Hollywood Vampires scheinen die Auftrittsorte wieder größer zu werden. Ein Blick im Publikum verrät, daß nicht nur Altrocker gekommen sind, auch viele junge Fans zieht Alice in seinen Bann. Und pünktlich um kurz nach 21.00 Uhr fiel der große Vorhang mit Alice’s Augen und gab den Blick auf ein mittelalterliches Schloß frei. Der Schloßherr wurde frenetisch begrüßt, als er zu den ersten Tönen durch das Tor trat.

Begleitet wird der inzwischen 71-jährige Rockstar von einer eingespielten Band, die die Lieder ordentlich krachen lassen. Glen Sobel (Schlagezug) und Tommy Henriksen (Gitarre) sind ebenfalls Teil der Hollywood Vampires Live Band. Chuck Garric (Bass) und Ryan Roxie (Gitarre) bringen schon seit fast zwanzig Jahren die Saiten zum Schwingen. Die jüngste im Bund ist Nita Strauß, die seit fünf Jahren die dritte Gitarre bedient. Sie machte ihrem Spitznamen „Hurricane Nita“ alle Ehre. Die ganze Show über wirbelt sie über die Bühne, während ihre Finger über ihr Instrument rasen. Wobei es sich alle Musiker unentwegt über die Bühne bewegen und posen, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit dieser Truppe im Rücken muß sich Alice keine Gedanken machen und kann sich ganz auf seine Performance und die Showeinlagen konzentrieren. 

Die weiblichen Charaktere auf der Bühne übernimmt wieder seine Frau Sheryl. Gegenseitig dürfen sie sich öffentlich umbringen. Scheint der Grundstein für die seit über vierzig Jahren funktionierende Ehe zu sein.
Im Gegensatz zu anderen altgedienten Recken, weiß man bei Alice nie genau, was man geboten bekommt. Gut, natürlich eine sehens- und hörenswerte Rockshow, aber er liebt es die Zuschauer zu überraschen. Er mischt Klassiker mit neuen Ideen. Das betrifft sowohl die Songauswahl, wie auch die theatralischen Elemente. Natürlich dürfen Utensilien wie Krücken, Degen, Frank’n’Alice, sowie die Zwangsjacke und die Guillotine nicht fehlen, zusätzlich reichert er die Show mit  neuen Elementen an. (Die wir an dieser Stelle nicht verraten möchten).

Und genauso verhält es sich bei der Setlist. Mit dem Hit „Feed my Frankenstein“ eröffnete er ungewöhnlicherweise die Show und beendete sie mit „Teenage Frankenstein“. Dazwischen überraschte Alice mit seltener gespielten Stücken. Sehr zu meiner Freude fand sich „Roses on White Lace“, ein Lied aus den Achtzigern, in der Liste wieder. Es war großartig, daß dieses vergessene Kleinod zum Leben erweckt wurde. Egal aus welcher Phase, das Publikum kannte alle Lieder und sang lauthals mit und feierte den Schloßherren frenetisch ab. Nachdem Alice (oder Steven?) musikalisch aus dem Alptraumschloss geflüchtet war, gab es noch ein Lied, bevor sich die Musiker verabschiedeten. Traditionell hört jedes Alice Cooper Konzert mit „School’s out“ auf. Mit dieser Tradition wird auf der aktuellen Tour nicht gebrochen. Alle feierten, kurz nach Ende der Sommerferien, das Ende der Schule. Alice verabschiedete sich stilecht mit Zylinder und Jackett von den jubelnden Mannheimern.

Der Mann ist unglaublich. Egal, wie oft er auf der Bühne enthauptet, gehängt oder sonstwie umgebracht wird, Alice ist (zum Glück) nicht totzukriegen. Seit fünfzig Jahren veröffentlicht er unentwegt neue Musik und steht noch länger auf der Bühne. Dabei ist er nicht nur solo unterwegs, sondern nebenher tourt er mit den Hollywood Vampires. Im Juni erschien das zweite Album der Blutsauger, im September erschien eine neue EP von ihm, der im kommenden Jahr sein neues Album folgen soll. Die aktuelle Tour geht bis Mitte Februar des kommenden Jahres, im März ist Alice mit dem „Rock meets Classic“-Projekt“ unterwegs und für Herbst 2020 wird über eine Hollywood Vampires Tour gemunkelt. Bei dem Pensum könnte seine scherzhafte Behauptung in Interviews, er wäre bis 2028 ausgebucht, durchaus stimmen. Wenn er die Energie und den Spaß, den er auf die Bühne hat behält, muß er in ein paar Jahren seinen Hit umdichten. Dann steht er auf der Bühne und rockt „I’m eighty“ herunter. Wir freuen uns drauf. Party on!

Betreten auf eigene Gefahr

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Wild Animals make some Noise

Abschiedskonzert III aka Der Abschiedskuss

Vor achtundzwanzig Jahren kamen vier Amerikaner in mein Leben, die mich seitdem begleitet haben. In der damaligen Besetzung noch ganz ohne legendäres Make-up und schwarze Kostüme. Fünf Jahre lang habe ich mir die Platten meines Bruders untentwegt angehört und die Cover bewundert, bevor ich 1996 in den Genuß kam, die Originalbesetzung live sehen zu dürfen.

Auf dem Rückweg des Konzerts 1999 in Stuttgart hatte ich immer den Gedanken, daß dies mein letztes KISS Konzert war. Wie falsch ich lag konnte ich damals nicht ahnen. Es war lediglich das letzte Konzert in Original-Line-up. Noch mehrfach durfte ich meine Lieblingsband live sehen, unterstützt von Tommy Thayer und Eric Singer (der schon bei meinem Einstieg in den KISS-Kosmos am Schlagzeug saß). Oftmals stand ich in den ersten Reihen, deswegen schmerzte der Abschied in einem Stadion, weit weg von der Bühne, nicht so sehr.
The Hottest Band in the World spielte dieses Mal leider nur in Stadien und die angekündigten 32° taten ihr Übriges um die Entscheidung für Sitzplätze zu rechtfertigen. Bei den Temperaturen stundenlang auf den Einlass harren mußte nicht sein. Den Abschiedskuss verpassen? Das ging auf keinen Fall.

Der Vorhang mit einem riesigen Bandlogo verdeckte während des Umbaus die Sicht auf die Bühne. Durch einen Spalt konnten wir Gene Simmons sehen, der auf seiner Plattform in Startposition an die Bühnendecke gezogen wurde. Ein Dröhnen drang durch’s Stadion und schon eröffnete die tradionelle Ansage

„Alright Essen! You wanted the Best and you got the Best.
The hotttest Band in the World! KISS!“
 

den Beginn der Rockshow. Der Vorhang wurde abgesprengt und fiel zu Boden, während die vier Musikern auf Plattformen auf die Bühne schwebten. Dabei eröffneten sie den musikalischen Reigen mit „Detroit Rock City“, jubelnd begrüßt von den Zuschauern. Kaum waren die Plattformen am Boden, stolzierten und posten die kostümierten Musiker über die Bühne. Es folgten Lieder aus fast allen Dekaden der Band. Paul Stanley mußte an dem Abend nicht oft auf seine Aufforderung „Wild Animals make some Noise“ zurückgreifen. Die Chöre im Publikum bewiesen, daß sie der Band immer treu geblieben waren, denn egal aus welcher Phase die Lieder stammten, die Fans waren sehr textsicher. Sie feierten „Say Yeah“ vom 2009’er Album „Sonic Boom“ genauso ab, wie „Psycho Circus“ aus dem Jahre 1998, „Heaven’s on Fire“ aus den Achtzigern oder den Klassikern aus den Anfangstagen. Eigentlich sind alle Songs, die KISS für die Abschiedstour ausgesucht haben inzwischen zu Klassikern geworden.

Die Band war sehr gut drauf. Tommy Thayer ist mit seinen 58 der jüngste im Viererbunde, aber das Alter sieht man keinem an. Zum Teil liegt das sicherlich am Make-up, zum anderen Teil aber an der unheimlichen Energie, die die beiden Bandgründer Gene Simmons und Paul Stanley nach wie vor auf die Bühne bringen. Sie stehen in ihren Plateaustiefeln nicht still. Ständig in Bewegung, feixen dabei untereinander und suchen Blickkontakt mit dem Publikum, während die Bühne rund um sie herum immer wieder in Flammen steht. Feuersäulen und Explosionen gehören genauso zu einer echten KISS-Show, wie die beiden Einlagen von Simmons. Natürlich spuckt der Demon erst Feuer und dann Blut. Lediglich der „Flug“ an die Bühnendecke zum obligatorischen „God of Thunder“ war auf der Plattform nicht ganz so cool. Wahrscheinlich reichen seine Fledermausflügelchen nicht mehr aus, um abzuheben. :-)
Seit einigen Jahren übernimmt der Mann am Bass öfter den Gesang und entlastet dadurch Paul Stanley, dessen Stimme im Alter etwas nachgelassen hat. Trotzdem läßt es sich das Starchild nicht nehmen, mit seiner eigenen Seilbahn auf eine kleine Bühne in der Mitte des Stadiums zu fahren und von dort mit „Love Gun“ und „I was made for lovin‘ you“ zwei der größten Hits der Band zum Besten zu geben. Danach ging es für den gewohnten Rausschmeißer „Black Diamond“, bei dem Eric Singer den Gesang übernahm, zurück auf die Hauptbühne für das großen Finale.

Natürlich forderten die Menschen im Stadion ein Zugabe. So schnell läßt man vier Ikonen des Rock nicht abziehen. Ihr Versprechen, von Party die ganze Nacht durch, hielten sie nicht ein, aber selbstredend kamen sie zurück. Den Anfang machte Eric Singer, der nicht hinter seinem Schlagzeug, sondern hinter einem Klavier Platz nahm. Er griff in die Tasten und sang mit „Beth“ eine der wenigen Balladen der Band. Die Zuschauer wußten auch den einzigen ruhigen Punkt zu würdigen. Nach und nach versammelten sich seine drei Mitstreiter ums Klavier. Nachdem dieses, dank der Hilfe einiger Roadies, wieder von der Bühne verschwunden war, wurde es nochmal rockig. Mit „Crazy, Crazy Nights“ und „Rock and Roll all Nite“ zelebrierten KISS, mit den jubelnden Fans in Essen die gemeinsame musikalische Reise der letzten Jahrzehnte. Begleitet von Konfettiregen und Pyros, wie es sich für eine richtige KISS-Show gehört, versteht sich. Damit verabschiedete sich eine der schillernsten Bands der Rockgeschichte.

Wenn man den vier maskierten Musikern zusieht, kann man gar nicht glauben, daß das wirklich das Ende der Straße für KISS sein soll. Alle hatten soviel Energie und sichtlichen Spaß am Konzert. Aber vielleicht ist genau das der Grund aufzuhören, solange sie noch solche Shows spielen können. Es war nicht zu erwarten, daß KISS mit der neuen Show das Rad neu erfinden. Die Bühnendeko und Kostüme sind neu, alles andere wie Setlist, Soloeinlagen etc. blieben von Veränderungen weitestgehend verschont. Kann man bemängeln, man kann sich auch drüber freuen, genau das bekommen zu haben, was man von der Band kennt und erwartet. Der Stimmung im Stadion tat es zumindest keinen Abbruch. Alle Musiker wurden über die gesamte Spielzeit von kanpp über zwei Stunden konstant und verdient abgefeiert. Im Gegenzug boten sie dem Publikum eine typische KISS-Show.
In der fast fünfzigjährigen Bandgeschichte haben sich die Amerikaner weltweit eine beeindruckende Schar an Fans erspielt. Sich von allen zu verabschieden, soll zwei bis drei Jahre dauern, bevor die Schminktöpfe endgültig verschlossen bleiben. Daher gehe ich davon aus, und hoffe es auch ein wenig, daß es die vier Amerikaner nochmal in deutsche Hallen verschlägt. Sollte der Fall nicht eintreffen, war Essen für uns ein gelungener Schlußpunkt. Thank you for the Music!
And the Shows!

Essen Pic City

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Außer der Rand und der Band in der Sauerland

Neulich, in der Polka- City of Olpe

Ja, da waren sie wieder, die beiden polnischen Musiker, die nicht müde werden, die Geschichte der Popmusik zu erzählen. Für sie natürlich auch eine Familienangelegenheit, die Erinnerung an der Oppa aufrecht zu erhalten. Im Mai machten sie in Olpe Station, um die Menschen dort über das größte Mißverständnis in der populären Musik aufzuklären.
Pawel wurde mit tosendem Applaus begrüßt und bedankte sich, wie es die polnische Tradition erfordert, mit einer Portion Wudka fur der Publikum. Da rannte er offene Türen ein, denn die Trinkfreudigkeit eint Polen und Sauerländer.

Die erste Hälfte bestritt Pawel noch alleine. Als Multiinstrumentalist war es aber kein Problem für den trinkfesten Anzugträger, schließlich liegt allen Popolskis die Polka im Blut. Video- und Fotoeinblendungen auf der Leinwand untermalten die Geschichten, die er erzählte, wenn er nicht musizierte oder sich mit dem Publikum unterhielt. Dabei kam sein ganz eigener polnischer Charme zum Tragen.
Als besondere Überraschung hatte Pawel ein sehr unterschätztes Instrument der Popmusik auf der Bühne, welches er feierlich enthüllte. Auf der letzten Familientour hatte er es bereits vorgestellt und jetzt brachte er dieses musikalische Wunderwerk nach Olpe: die Kesselpauke.
Welch liebliche Töne man damit erzeugen kann, führte er den staunenden Zuschauern anhand einer australischen Polka vor. So etwas kannten die Sauerländer nicht, denn das Hauptinstrument der Region ist das Blasinstrument für die Karnevalskapellen. ;-)

In der zweiten Hälfte unterstütze Dorota ihren Cousin, was bei vielen Männern im Publikum zu Schnappsatmung führte. Dorota ist nicht umsonst der Heißeste von der Heißeste. Passend mit einer roten Gitarre im Anschlag spielte sie einige Lieder mit und bewegte sich lasziv im Takt, sofern das Paillettenkleid es zuließ. Sehr zu meiner Freude spielten sie das erste Mal überhaupt die Originalversion von „Nah Ne Nah“. Bisher kannte ich nur die verhunzte Version von Vaya Con Dios, die ich immer mochte, aber natürlich jetzt mit anderen Ohren hören werde.
Zwischen den Liedern erzählten die beiden von ihren Erinnerungen an den früheren Familienalltag in der Plattenbausiedlung von Zabrze. Einige Erinnerungen führten zu Tränchen, die erfolgreich mit einer Portion Wudka behoben wurde. Denn hauptsächlich hat der Oppa Stimmungslieder komponiert und damit brachten die beiden sympathischen Musiker der Publikum in Olpe zum Kochen. 

Das neue Programm war sehr gut und integriert mehr Videos und Bildmaterial und erinnert noch stärker an die Zeiten, in der die ganze Familie zusammen aufgetreten ist. Angereichert wird das Programm durch neue Originalversionen bekannter Lieder.
Der Applaus am Ende zeigte, daß die beiden sympathischen Berufspolen im Sauerland gut angekommen waren. Wie der Programmtitel versprach, waren alle Olper außer der Rand und der Band.
Uns fehlte lediglich bei der Vorstellung der Kesselpauke, irgendwie der Rest der Familie. Was vielleicht daran liegt, daß wir die komplette Familie damals so oft live erleben durften. Diese Vergleiche konnten wenige im Publikum ziehen, denn die Reaktionen verrieten, daß noch nicht alle Anwesenden die wahre Geschichte hinter vielen bekannten Top-Ten-Hits kannten. Pawels Aufklärungsmission ist also noch lange nicht abgeschlossen. Wir freuen uns darauf, uns weiter von Pawel und Dorota die Musikwelt erklären zu lassen. Irgendwie hat uns nämlich der polnische Dialekt etwas gefehlt. Wir werden also auf jeden Fall wiederkommen, denn Pawels neues Programm ist bereits angekündigt. Ob Sieger-, Sauerland oder doch im Hessen, steht noch nicht fest, aber irgendwo werden wir uns die nötige Portion Polka abholen, um dem Vitamin W – Mangel vorzubeugen.

Polkapics

 

 

 

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Der Mitternachtsgeist geht wieder um

Metalfescht!

Zwar waren die fünf Schwobe, die auszogen, um den Metal zu verbreiten, im Januar schon in Essen unterwegs, aber leider konnten wir den Termin nicht wahrnehmen. Umso erfreuter waren wir, daß sie einen Termin ihrer „Midnight Ghost“-Tour in unserer Nähe nachgeschoben haben. Da mußten wir nicht zweimal überlegen und sprangen flux in unser Vehikel, um einer unserer liebsten Metalbands zu lauschen.

Nachdem mit Stormage und Lyra’s Legacy aus dem Umland die anwesenden Metalheads bereits in Stimmung versetzt wurden, erschallte das Intro des Midnight Ghosts. Alle wußten: „Mach Tür uff, jetzt isch soweit“.
Und dann legte auch schon der schwäbische G’sangsverein los und entzündete mit „Devil’s Eye“ den Scheiterhaufen an heißen Hits. Wie nicht anders zu erwarten, lag das Hauptaugenmerk, bzw. der Haupt-Ohrenschmaus auf Stücken vom aktuellen Album.
Andy bewies wieder einmal, was für ein charismatischer Frontmann er ist und hielt das ganze Konzert über Kontakt mit den jubelenden, bangenden und mitsingenden Fans; sei es durch Mimik oder Shake-Hands mit den ersten Reihen.

Aber auch die anderen vier Pfondskerle hatten sichtlich Spaß und kamen beim Spielen oft nach vorne an den Bühnenrand. Als Milan sich an das Mikrofon von Todde verirrte, mußte ein Roadie herbeieilen und das Mikro auf die Größe des Gitarristen anpassen. Lachend griff Milan weiter in die Saiten.
Brainstorm spielten sich durch ihre Discographie und versuchten von allen Alben ein Stück einzubauen. Eine große Veränderung zur gespielten Setlist im vergangenen Herbst gab es nicht. Lediglich „Divine Inner Ghost“ vom aktuellen Album hatte es ins Kultopia geschafft. Der Fluch einer Band mit so vielen hervorragenden Liedern. Aber egal aus welcher Phase, das Publikum war sehr textsicher und unterstützte Andy konstant den ganzen Abend über. Mit „Under Lights“ hauten die Fünf ein letschtes Mal auf de Putz nei. Das Lied setzte an dem Abend den Schlußpunkt hinter einen weiteren abgefeierten Auftritt. Bei dem Zuspruch wunderte es nicht, daß sie versprachen, nach Hagens zurückzukommen.

In Trauer endete das Konzert höchstens, weil die anwesenden Fans der Band noch lange hätten lauschen können. Den Jubel der Zuschauer hörte man in Hagen mit Sicherheit bis in die letschte Gasse. Und weil die Stimmung das ganze Konzert über so groß und ausgiebig war, mußten die Schwaben das Lied „The World to see“ aus dem Zugabenblock streichen.
Pünktlich zur Geisterstunde war der Spuk dann vorbei. Aber ich bin sicher, die Erinnerung an diesen grandiosen Metalabend geistert immer noch durch viele Köpfe.

The Pics to see

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