Der legendäre Aufstieg
Wie ihr unseren Konzertterminen entnehmen könnt, haben wir 2006 eine kleine schwedische Band als Vorgruppe von Edguy kennengelernt. Im gleichen Jahr waren wir auf Sabatons erstem ausverkauften Konzert außerhalb Schwedens; im kleinen, beschaulichen Duisburger Parkhaus. Was sich seitdem getan hat ist, na, wie soll ich sagen, legendär halt.
In den letzten zwanzig Jahren haben Sabaton unermüdlich an ihrem Erfolg gearbeitet, waren ständig auf immer größer werdenden Touren und haben dabei Alben und EPs veröffentlicht. Vor zwei Jahren durften wir die “kleine” Band bereits in der großen LanxessArena bewundern, da gab es noch zwei Vorbands.
Die Legendary Tour steht ganz im Zeichen Sabatons. Die sympathischen Schweden leisten sich ein dreißigköpfiges Orchester, zusammengestellt mit Musikern aus der ganzen Welt. Das Orchester gibt umarrangierte Songs aus der umfangreichen Discographie zum Besten. Klassischer Metal sozusagen. Angeführt und dirigiert wird The Legendary Orchestra von der israelischen Sängerin Noa Gruman. Prominente Unterstützung erfährt sie u.a. von der Amerikanerin Mia Asano an der Geige und von Paddy Gurdy aus Deutschland an der Drehleier.
Das Orchester eröffnete den Abend, mit Sabatons traditionellen Opener “Ghost Division” und spielte sich durch eine Stunde Material der Band, bevor sie sich nach “Swedish Pagans” unter lautem Jubel von den Zuschauern verabschiedeten. Es würde mich nicht wundern, wenn das Legendary Orchestra nach der Tour eine CD veröffentlicht.
Der Stimmung nach in der Halle, finden sich bestimmt viele Käufer. Die verdiente Begeisterung während der orchestralen Versionen hat mich positiv überrascht. Es wurde mitgeklatscht, mitgesungen, sofern möglich. Das war ein ungewöhnlicher Start eines Metalkonzerts, der aber jubelnd gewürdigt wurde.
Ungewöhnlich war der Konzertbeginn des Hauptacts ebenfalls. Napoleon erschien auf einer kleinen Bühne, im hinteren Teil der LanxessArena. Die Bühne war sicherlich größer als seinerzeit die Hauptbühne im Parkhaus. Stellenweise wurde der französische Herrscher vom kölschen Publikum ausgebuht. Er bekam dann Gesellschaft von Dschinghis Khan und Julius Cäsar, die sich stritten, wer die historisch wichtigste Person ist. Die drei Streithähne wurden von einer Gruppe Templer unterbrochen. Begleitet von vier Rittern wies der ältere Tempelritter die drei “Legenden” in ihre Schranken. Währenddessen wurde ein Steg runtergelassen, der von der kleinen Bühne zur Hauptbühne führte. Als die Templergarde ihre Helme abnahmen, kamen die Bandmitglieder zum Vorschein. Sie griffen zu ihren musikalischen Waffen, eröffneten das Konzert passend mit “Templars” und liegen dabei über den Steg zur großen Bühne auf der gegenüberliegenden Hallenseite.
Den Panzer, auf dem normalerweise das Schlagzeug thront, suchte man auf der Bühen vergebens. Das Stagedesign machte dem Kölner Dom Konkurrenz und zeigte ein altes Gemäuer. Eine große Burg, mit Zinnen und zwei Türmen bot den Schloßhof, auf der sich Kreuzritter und Band austoben konnten. Das Backdrop erstreckte sich über die komplette Rückseite der Halle.
Napoleon und Cäsar traten im Verlauf des Konzerts nochmal auf, um “ihre” Lieder anzukündigen und der Band Zeit zu geben, sich umzuziehen. Vielleicht waren die vielen Geschäfte, in denen man die unterschiedlichsten Kostüme bekommt, auch ein Grund, die Tour in der Rheinmetropole zu beginnen.
Die gefühlt zehn minütige Anfangszene und die Theaterszenen und Monologe der “Legenden” auf der Hauptbühne in der ersten Hälfte nahmen etwas das Tempo raus. Erst in der zweiten Hälfte des Konzerts nahm die Show Fahrt auf, als mehrere Lieder hintereinander gespielt wurden. Wobei die Songs von Anfang an mit Pyros und Feuersäulen untermalt wurden und sich die Band mit Ansagen zurückhielt.
Die Setlist setzte sich, neben vier Liedern aus dem aktuellen “Legends”-Album, aus ihrer kompletten Discographie zusammen. Fast jedes Album wurde berücksichtigt und selbst das Lied “Steel Commanders” vom Computerspiel “World of Tanks” wurde dargeboten.
Ob “Carolus Rex” außerhalb Schwedens in schwedisch erklingen und nicht die englische Version angestimmt werden sollte, ist sicherlich Geschmackssache.
Bei “Attack of the Dead Men” nutzte die Band wieder den Steg übers Publikum. Angeführt vom Sänger gingen sie zur kleinen Bühne, dort ins Publikum und am Rand durch die Menge zurück zu ihrer Burg. Generell gab es wesentlich weniger Videoeinspieler als in der Vergangenheit und mehr Inszenierungen auf der Bühne.
Die “Noch ein Bier”-Chöre aus dem Publikum hielten sich zum Glück in Grenzen. Zweimal trank Joakim ein Bier mit den Kölner Konzertbesuchern. Dabei meinte er, die Deutschen würden das seit zwanzig Jahren machen, he fucking knows how it works.
Die andere Konstante im Line-Up, Pär Sundström richtete ein paar Worte an die Fans. Die Geschichte erzählte er an gleicher Stelle bereits auf der letzten Tour. Ein Kölner Veranstalter hätte ihnen vor zwanzig Jahren gesagt hat, daß die LanxessArena viel zu groß für eine Powermetal-Band wäre, die würden sie nie voll kriegen.
Während er das sagte, schaute er auf abertausende Handylichter in der vollen Arena und fügte hinzu, daß es an dem Abend ihr größtes Konzert wäre. Sicherlich von Festivals abgesehen. Danach bekam die Band vom Chor des Orchestras Unterstützung, um “Christmas Truce” und “Soldier of Heaven” zu spielen.
Das Ende fand ich etwas unspektakulär, weil kein letztes Lied angekündigt wurde und es quasi keine Zugaben gab. Als Schlußlied wurde “Masters of the World” vom allerersten Album ausgewählt. Dabei enterten die Musiker nochmal den Steg um sich von den Zuschauern zu verabschieden, die jedes Lied mitgesungen und die Band auf Händen getragen haben. Was alles meckern auf hohem Niveau ist, möchte ich betonen.
Zurück auf der Hauptbühne, gesellten sich die Mitglieder des Orchesters dazu. Alle Musiker verabschiedeten sich glücklich und sicherlich erleichtert, die erste Show heil und umjubelt geschafft zu haben. Die Kölner Fans feierten die Schweden und die übrigen Musiker mehr als verdient ab. Dabei sind sie nicht auf Nummer sicher gegangen, sondern gaben einige Hits an das Orchester ab und setzen ihre eigene Setlist neu zusammen. Was nicht allen Fans gefiel, wie man im Netz nachlesen kann. Trotzdem wurden genauso viele Stücke gespielt, wie auf der letzten Tour. Egal ob als Kreuzritter, asiatische Schwertkämpfer oder schwedische Leibgarde, die fünf Schweden haben, verstärkt durch das Orchester und ihre Crew natürlich, ihre Burg an dem Novemberabend erfolgreich verteidigt.
Wie weit es die kleine schwedische Band in den zwanzig Jahren geschafft hat, ist einfach unglaublich. Was auf der aktuellen Tour aufgefahren wird ist ein ungewöhnlicher, aber sehr unterhaltsamer Metal-Geschichtsunterricht. Und was für ein gelungener Tourauftakt. Während das Publikum mit einem breiten Grinsen im Gesicht die Halle verlassen hat, packen Sabaton ihre Wanderburg wieder ein und ziehen weiter, um sie erneut gegen Ungläubige und Miesepeter zu verteidigen. Wir haben keinen Zweifel, daß ihnen dieses gelingen wird. Sabaton könnten an der Stelle auch Cäsar zitieren: “Veni, vidi, vici.”
Tills nästa slag/konsert.
The Legendary Orchestra
The Legendary Sabaton