Mondschein über Oberhausen

Verfolge deinen Traum

Daran hat sich Tobias Sammet gehalten, als er seinen Traum einer Metal Oper verwirklichte. Für diese hatte der sympathische Mann aus Fulda seine Lieblingsmusiker und – sänger(innen) versammelt. Fast zwanzig Jahre später präsentiert er mit Avantasia das nunmehr siebte Opernalbum „Moonglow“. Um das neue Album live zu präsentieren, versammelte er wieder eine handvoll hochkarätiger Mitstreiter. Auf der „Moonglow“-Weltreise machte der Tross natürlich wieder in Oberhausen Station. Dieses Mal allerdings nicht in der Turbinenhalle, sondern in der benachbarten Arena, die mehr Platz bot. Inzwischen hat sich herumgesprochen, daß nicht nur die Alben spitzenklasse sind, sondern Avantasia für ein unvergleichliches Live-Erlebniss steht.

Kurz nach acht fiel der große Vorhang, auf dem das Bandlogo prangte, zu Boden und die Show wurde mit „Ghost in the Moon“ vom neuen Album eröffnet. Direkt am Anfang versprach Tobias Sammet dem Publikum, sie würden alles spielen: „Neuen Scheiß. Alten Scheiß. Langsamen Scheiß. Schnellen Scheiß. Interessanten Scheiß. Langweiligen Scheiß.“
Tobias Sammet ist einfach der geborene Entertainer. Immer am Bühnenrand, zwischen den Liedern im Kontakt mit dem Publikum und während er singt, immer am posen. Für die Leute in der Halle oder die Fotografen. Lediglich, wenn einer der Gastsänger im Scheinwerferlicht stand, setzte er sich auf die Stufen des Bühnenbilds und beobachte die anderen bei der Arbeit. Er schien es nicht minder zu genießen, wie die über fünftausend Zuschauer im Hallenrund.

Ronnie Atkins war der Erste im Bunde, der den energiegeladenen Bandboss gesanglich unterstützte. Die Wechsel der Sänger waren sehr flüssig eingebunden. Jeder hatte die Zeit, ein paar Worte an die Fans zu richten, bevor er den nächsten Gast präsentierte. Neben Atkins waren gestandene Avantasianer wie Jorn Lande, Eric Martin, Bob Catley dabei, aber auch der Neuzugang Geoff Tate. Der Amerikaner ersetzte Michael Kiske, der auf den letzten Touren dabei war. Aber er fügte sich nahtlos ins Team ein und schien einen großen Spaß zu haben. Obwohl die Musiker aus verschiedenen Ländern kommen, hatte man das Gefühl eine Band und kein Projekt zu sehen. Jeder interagierte mit jedem und war untwegt am lächeln. Man glaubte Tobias ungesehen, daß sie hinter der Bühne noch mehr Spaß hatten.

Nach zwei Stunden meinte der Anführer der musikalischen Rasselband(e), daß jede andere Band das Konzert an dieser Stelle mit einem dreiminütigen Hit beenden würde. Sie dagegen würden mit einer zwölfminütigen Nummer weitermachen und wären auch danach noch nicht am Ende. Es folgte das großartige „Let the Storm descend upon you“ vom Vorgängeralbum, welches Tobi zusammen mit Jorn Lande und Ronnie Atkins vortrug. Nahtlos wurden danach noch weitere Perlen ausgepackt und in verschiedenen Besetzungen dargeboten. Eric Martin sang „Promised Land“ mit Jorn Lande bevor er Geoff Tate bei „Twisted Mind“ unterstütze. Die Backgroundsänger Ina Morgan und Herbie Langhans schlossen sich für „Shelter from the Rain“ Bob Catley an. Als wären nicht schon genug Sänger auf der Bühne, durfte der Gitarrist Oliver Hartmann bei „Reach out for the Light“ den Gesang übernehmen. Er stellte unter Beweis, daß er seine Stimmbänder genauso gut beherrschte, wie seine Saiten. Leider war Amanda Somerville dieses Mal kein Teil des Ensembles, wurde aber von der Amerikanerin Adrienne Cowan würdig vertreten. Adrienne übernahm nicht nur die zweite Stimme bei „Moonlight“, bei „Book of Shallows“ war sie für die aggressiven Growls zuständig. Wer hätte gedacht, was diese Frau alles für Stimmen machen kann.

Sie war es auch, die zusammen mit Tobias, den Zuschauern „Farewell“ zusang. Es war das letzte Lied, bevor beim „Sign of the Cross / The seven Angels“ nochmal alle zusammen auf die Bühne kamen. Zwar gab es an einer Stelle ein kleines Einsatzproblem beim Gesang, welches aber nicht weiter störte.
Die Energie, die der Schöpfer dieser Live-Oper an den Tag legt ist bewundernswert. Die ganze Zeit am singen, am posen und am tun. Dabei läuft er von einer Bühnenseite zur anderen. Der einzige, den wir noch mehr bewundern ist Felix Bohnke. Der Mann am Schlagzeug ist nicht nur professioneller Musiker, sondern auch Profisportler.

Konfettikanonen beendeten einen weiteren grandiosen Avantasia-Abend. Während sich die bunten Papierschnipsel langsam zu Boden bewegten, ließen sich alle auf der Bühne verdient von Oberhausen abfeiern.
Die Zuschauer waren den ganzen Abend in super Stimmung und feierten Interpreten, genauso wie die anspruchsvollen Kompositionen lautstark ab. Auch wenn Tobias mit den Rängen unzufrieden war und sie mit „Glücksrad“-Publikum verglich. Die nicht immer ernstgemeinten Ansagen von Herrn Sammet gehören einfach dazu. Generell hielten sich die Ansprachen aber im Rahmen und uferten nicht aus. Irgendwie mußten die langen Stücke ja auch gespielt werden.
Nach fast dreieinhalb Stunden Konzert kann man nicht meckern. Man könnte höchstens Loblieder anstimmen, käme aber nicht an die Qualität der Sänger heran. Nur Eines kann man Tobias Sammet nach dem Aufritt vorwerfen. Sein Versprechen vom Anfang hat er nicht eingehalten, denn den langweiligen Scheiß hat er dem Publikum vorenthalten.
Passend zum Albumtitel wurden die Zuschauer, als sie aus der Halle strömten, vom glühenden Mond begrüßt. Als wäre es ein Teil der Show.

Pics in the Moon

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Blaze again

Der Trilogie vierter Teil

Eine liebgewonnene Tradition ist das jährliche Konzert von Blaze Bayley im Siegener Vortex. Hat er im vergangenen Jahr den dritten Teil seiner „Infinite Entanglement“-Trilogie vorgestellt, schließt er den Zyklus in diesem Jahr mit Liedern aus den drei Alben ab. Nachdem der Aerosmith Hit „Love in an Elevator“ vom Band verklungen war, eröffnete Blaze sein Set mit „The Dark Side of Black“ und gab sofort Vollgas.

Natürlich wurde er dabei wieder von Dreiviertel der britischen Metalband Absolva unterstützt. Band und Sänger scheinen sich im kleinen, heimischen Club wirklich wohl zu fühlen und lobten Licht und Sound im Surferclub. Sie erzählten, daß sie sich immer genauso auf die Auftritte freuen, wie die Zuschauer. Die hatten sich wieder zahlreich versammelt, um die Lieder des britischen Kugelblitzes abzufeiern. Hauptsächlich aus den letzten drei Alben zusammengestellt, enthielt die Setlist einige Klassiker aus seiner eigenen Discographie und selbstredend drei Stücke aus seiner Zeit bei Iron Maiden. Ganz ohne geht es nicht.

Durch seine ausgiebigen Touren hat Blaze dem Publikum bewiesen, wie gut seine eigenen Songs sind. Als er vor ein paar Jahren das erste Mal in heimatlichen Gefilden spielte, wurden die Maiden-Stücke sichtlich lauter abgefeiert. Inzwischen läßt sich kein Unterschied mehr feststellen. Zwei Stunden lang wird jeder Ton bejubelt und die Band gefeiert und das ließ die Gesichter auf der Bühne erstrahlen. Man nimmt allen Vieren ab, daß es für sie eine Ehre und ein Privileg ist, vor solch einem begeisterten Publikum zu spielen. Das Lied „Calling you Home“ ist also auch den Fans vor Ort gewidmet.

Nach dem Konzert, das keine Wünsche offen ließ, stand Blaze wieder jedem Fan zur Verfügung, der ein Foto, ein Autogramm oder nur ein paar Worte wechseln wollte. Bis nächstes Jahr.

Photos of the Eagle Spirit

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Haben Sie diese Männer gesehen?

Wenn nicht, dann sollten Sie es unbedingt nachholen. Zwei Möglichkeiten bieten sich an:

Fr 12.04.19 // Wuppertal – Kontakthof // 20:00h

Fr 24.05.19 // Bochum – Zeitmaultheater // 19:30h

Zwar haben wir schon oft versucht, das Schaffen der beiden Ausnahmekünstler in Worte zu fassen und in Bildern festzuhalten, aber beides wird ihnen nicht gerecht. Deshalb empfehlen wir unbedingt die Teilnahme an einer Vorstellung um sich ein eigenes Bild zu machen. Für überstrapazierte Zwerchfelle übernehmen wir allerdings keine Gewähr. Speziell ausgebildete Sanitäter stehen für diese Zwecke an jeder Halle parat.

Bilder zur totalen Extase

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Tukur und das Murmeltier

Durch die Nacht

In dem großartigen Tatort „Murot und das Murmeltier“ mußte, der von Ulrich Tukur gespielte Kommissar, einen Tag immer wieder aufs Neue durchleben. Wir sind dagegen letztes Jahr freiwillig ein weiteres Mal zu Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys gegangen um uns das Programm „Grüß mir den Mond“ zum zweiten Mal anzuschauen.

Wie immer, ist kein Konzert exakt wie ein anderes, bei dieser charmanten Kombo. So variierten sie auch am Abend in der Tonhalle das Programm. Was allerdings immer gleich ist, ist das Vergüngen, diesen Herren bei der Arbeit zuzuschauen. Es ist immer wieder amüsant und sehr kurzweilig. Kaum eine Band haben wir in den letzten Jahren so häufig gesehen. Es ist aber immer wieder schön.

Während wir am heutigen Abend das neue Konzertjahr in Frankfurt beginnen, möchten wir die Bilder vom Dezemberabend in Düsseldorf nachreichen. Damit haben wir unsere bebilderten Schulden beglichen.

Beswingte Tonhalle

 

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Night of the Warlock

Fast schließt sich der Kreis

Doro gehört nicht nur zu den sympathischtesten Musikern/Musikerinnen, sondern auch zu den Umtriebigsten. Ständig auf Achse, im Auftrag des Metal. Im vergangenen Dezember spielte sie an zwei Abenden hintereinander in Bochum, um das neue Album „Forever Warriors, Forever United“ vorzustellen. An einem durften wir natürlich nicht fehlen. Sie war offentsichtlich vom Curfew und von der Dezibelbeschränkung nicht begeistert, wie sie mehrmals kundtat. Das Konzert begann daher früher als üblich und Doro, die mit Band über zwei Stunden gerockt und gebangt hat was das Zeug hält, war so schon vor 22.00 Uhr fertig. Für uns praktisch, denn so waren wir ausnahmsweise mal am gleichen Tag wieder zuhause.

Doro, Sweat and Rock ’n‘ Roll

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Dem Konzert tat es aber keinen Abbruch. Die Stimmung in der ausverkauften Zeche war die ganze Zeit über bombastisch. Bis in die hintersten Plätze auf der Empore wurde die sympathische Blondine und ihre Mannschaft abgefeiert.

Eigentlich hätte sich mit dem Abend in Bochum fast ein Kreis geschlossen, denn unser erstes Konzert des Jahres 2018 fand ebenfalls in der Zeche statt. Aber vier charmante Herren hatten etwas dagegen einzuwenden. Dazu in den kommenden Tagen mehr.

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