Unruhestand

Kulturelle Sommerpause

Vorgestern hat ein Mann unsere zweimonatige Konzert-und Kultur-Sommerpause beendet. Dabei ist uns aufgefallen, daß wir die Zeit gar nicht genutzt haben. Irgendwie hat uns die Muse gefehlt, die fehlenden Konzerteindrücke aufzubereiten. Wir versuchen das nachzuholen und fangen mit dem Mann an, der uns schon unsere ganzen Leben begleitet:
ALICE COOPER.

Zuerst möchten wir die zwei wichtigsten Fragen beantworten:
1) Ja, Alice ist ein Mann, auch wenn der Name anderes vermuten läßt.
    (Für Leute die ihn nicht kennen. Unbedingt nachholen.)
    (Banausen!)

2) Ja, er lebt noch und gibt Konzerte. Unentwegt.
    (Für Leute, denen der Name etwas sagt.)

Die Mutigen können uns jetzt folgen, in ein unheimliches Gemäuer, bewohnt von furchteinfößenden Kreaturen und einem charismatischen Schloßherren.

Das reisende Alptraumschloß

Obwohl der Tourtross mit vierstündiger Verspätung in Mannheim eintraf, schafften es alle Beteilitgten, das mobile Gruselschloß rechtzeitig für den abendlichen Auftritt aufzubauen. Der Stehplatzbereich war gut gefüllt, die Ränge ebenfalls. Seit seinen Touren mit den Hollywood Vampires scheinen die Auftrittsorte wieder größer zu werden. Ein Blick im Publikum verrät, daß nicht nur Altrocker gekommen sind, auch viele junge Fans zieht Alice in seinen Bann. Und pünktlich um kurz nach 21.00 Uhr fiel der große Vorhang mit Alice’s Augen und gab den Blick auf ein mittelalterliches Schloß frei. Der Schloßherr wurde frenetisch begrüßt, als er zu den ersten Tönen durch das Tor trat.

Begleitet wird der inzwischen 71-jährige Rockstar von einer eingespielten Band, die die Lieder ordentlich krachen lassen. Glen Sobel (Schlagezug) und Tommy Henriksen (Gitarre) sind ebenfalls Teil der Hollywood Vampires Live Band. Chuck Garric (Bass) und Ryan Roxie (Gitarre) bringen schon seit fast zwanzig Jahren die Saiten zum Schwingen. Die jüngste im Bund ist Nita Strauß, die seit fünf Jahren die dritte Gitarre bedient. Sie machte ihrem Spitznamen „Hurricane Nita“ alle Ehre. Die ganze Show über wirbelt sie über die Bühne, während ihre Finger über ihr Instrument rasen. Wobei es sich alle Musiker unentwegt über die Bühne bewegen und posen, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit dieser Truppe im Rücken muß sich Alice keine Gedanken machen und kann sich ganz auf seine Performance und die Showeinlagen konzentrieren. 

Die weiblichen Charaktere auf der Bühne übernimmt wieder seine Frau Sheryl. Gegenseitig dürfen sie sich öffentlich umbringen. Scheint der Grundstein für die seit über vierzig Jahren funktionierende Ehe zu sein.
Im Gegensatz zu anderen altgedienten Recken, weiß man bei Alice nie genau, was man geboten bekommt. Gut, natürlich eine sehens- und hörenswerte Rockshow, aber er liebt es die Zuschauer zu überraschen. Er mischt Klassiker mit neuen Ideen. Das betrifft sowohl die Songauswahl, wie auch die theatralischen Elemente. Natürlich dürfen Utensilien wie Krücken, Degen, Frank’n’Alice, sowie die Zwangsjacke und die Guillotine nicht fehlen, zusätzlich reichert er die Show mit  neuen Elementen an. (Die wir an dieser Stelle nicht verraten möchten).

Und genauso verhält es sich bei der Setlist. Mit dem Hit „Feed my Frankenstein“ eröffnete er ungewöhnlicherweise die Show und beendete sie mit „Teenage Frankenstein“. Dazwischen überraschte Alice mit seltener gespielten Stücken. Sehr zu meiner Freude fand sich „Roses on White Lace“, ein Lied aus den Achtzigern, in der Liste wieder. Es war großartig, daß dieses vergessene Kleinod zum Leben erweckt wurde. Egal aus welcher Phase, das Publikum kannte alle Lieder und sang lauthals mit und feierte den Schloßherren frenetisch ab. Nachdem Alice (oder Steven?) musikalisch aus dem Alptraumschloss geflüchtet war, gab es noch ein Lied, bevor sich die Musiker verabschiedeten. Traditionell hört jedes Alice Cooper Konzert mit „School’s out“ auf. Mit dieser Tradition wird auf der aktuellen Tour nicht gebrochen. Alle feierten, kurz nach Ende der Sommerferien, das Ende der Schule. Alice verabschiedete sich stilecht mit Zylinder und Jackett von den jubelnden Mannheimern.

Der Mann ist unglaublich. Egal, wie oft er auf der Bühne enthauptet, gehängt oder sonstwie umgebracht wird, Alice ist (zum Glück) nicht totzukriegen. Seit fünfzig Jahren veröffentlicht er unentwegt neue Musik und steht noch länger auf der Bühne. Dabei ist er nicht nur solo unterwegs, sondern nebenher tourt er mit den Hollywood Vampires. Im Juni erschien das zweite Album der Blutsauger, im September erschien eine neue EP von ihm, der im kommenden Jahr sein neues Album folgen soll. Die aktuelle Tour geht bis Mitte Februar des kommenden Jahres, im März ist Alice mit dem „Rock meets Classic“-Projekt“ unterwegs und für Herbst 2020 wird über eine Hollywood Vampires Tour gemunkelt. Bei dem Pensum könnte seine scherzhafte Behauptung in Interviews, er wäre bis 2028 ausgebucht, durchaus stimmen. Wenn er die Energie und den Spaß, den er auf die Bühne hat behält, muß er in ein paar Jahren seinen Hit umdichten. Dann steht er auf der Bühne und rockt „I’m eighty“ herunter. Wir freuen uns drauf. Party on!

Betreten auf eigene Gefahr

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2 Antworten zu Unruhestand

  1. Steffen sagt:

    Oho, ein neuer Eintrag im Plüschblog,
    pünktlich zum Ende der Sommerpause ;-)
    Schön daß ihr wieder da seid, und wie immer ein sehr toller Artikel mit super Fotos.
    Auch der Bericht vom Karinsche auf Facebook gefällt mir sehr gut.
    Ihr habt es einfach drauf!

    Ganz ganz liebe Grüße,
    Steffen

    • Karinsche sagt:

      Herzlichen Dank, Steffen, du treue Seele! :)
      Es lohnt sich, auch in der kommenden Zeit wieder einen Blick in den Blog zu werfen. ;)
      Liebe Grüße!
      Karinsche

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