Der Doctor und das liebe Vieh

TIMELASH III – Doctor Who-Convention


Zum dritten Mal habe ich mich an einem Oktoberwochenende auf eine Reise durch Raum und Zeit gemacht. Denn als wir aus dem Auto ausgestiegen sind, waren wir ganz woanders und es war auch viel später. 😉 So geht es dem Doctor auf seinen Reisen doch auch immer, wenn er aus der TARDIS tritt. Wobei ich an dem Wochenende gelernt habe, daß der Doctor gar nicht wirklich durch die Zeit reist, sondern durch Genres. Die These hat Toby Hadoke aufgestellt und entwickelte sich zu einem Running Gag auf der Doctor Who Convention.

Ich muß leider zugeben, daß mir kleinem Murmeltier der große Wortschatz fehlt, um jedes Panel entsprechend zu beschreiben.  Wenn Nüsse meine Worte wären, sähe das sicherlich anders aus, so hoffe ich, daß ihr mir nicht böse seid, wenn ich Euch dieses Jahr nur einen kurzen Gesamtüberblick über die Convention und deren Gäste verschaffe.

Die Organisatoren haben es zum dritten Mal in Folge geschafft, Gäste einzuladen, die dem Doctor in irgendeiner Form beistehen. Rob Ritchie hätte an dem Wochenende eigentlich an der neuen Veröffentlichung einer alten Folge sitzen sollen. Er ist für die Animationen verschollenener Abenteuer des Doctors zuständig. Sein letztes Projekt war die erste Folge des zweiten Doctors „The Power of the Daleks.“ Die neuen Animationen betreffen die fehlenden Stellen von „Shada“, einer Geschichte des vierten Doctors.

Will Brooks erzählte am Sonntag dann von seiner Arbeit an Covern für Doctor Who Comics und wie er sich nebenbei das größte Archiv an Fotos zugelegt hat. Die Suche nach manchen Bildern erwies sich als fast so aufwendig, wie die Suche nach verschollenen Folgen. Er beschrieb auf sympathische Art, was ihn inspiriert und gab ein paar Beispiele, wie die Cover entstehen. Auf dem Endprodukt ist es nicht ersichtlich, aber mit dessen Hilfe hat er den Doctor frankensteinartig aus verschiedenen Fotos zusammengesetzt.
Das sind beides Bereiche, mit denen ich mich vorher nicht beschäftigt habe. Die sympathische Art, mit der die beiden Briten ihre Arbeit näherbrachten, fand ich aber sehr interessant. Das Whoniverse ist halt sehr groß. Bestimmt innen größer als außen.

Wenn man vor seiner Lieblingsserie sitzt vergißt man oft, daß die Menschen dahinter die eigene Begeisterung nicht immer teilen. Für viele ist es ein Job. Heutzutage finden sich viele Fans, die mit dem Doctor aufgewachsen sind, an den Schalthebeln und produzieren oder schreiben Teile der Serie. Oder spielen die Hauptrolle, wie Peter Capaldi. Philip Hinchcliffe dagegen übernahm die Produktion Mitte der Siebziger, als Tom Baker seine siebenjährige Reise in der TARDIS antrat. Für ihn war es nur ein Job und er erzählte, daß ihm erst durch Conventions bewußt wurde, wie viel seine Arbeit den Menschen bedeutet.
Auch Philip Hinchcliffe beantwortete alle Fragen sehr freundlich und steuerte ein paar interessante Geschichten aus seiner Zeit bei.

Genau wie Philipp Hinchcliffe sieht man John Leeson in der Serie nicht, aber man hört ihn, denn er ist die Stimme des Roboterhundes K9, der den vierten Doctor auf vielen Reisen begleitet hat. Da K9 einen Auftritt in der „neuen“ Serie hat, gehört er damit zu den wenigen Personen, die den neuen Doctoren begegnet sind. John Leeson schien seine Zeit sehr zu genießen. Er lachte viel und und erzählte lebhaft von seinen Erlebnissen in der Serie oder amüsante Anekdoten von Conventions. Es schien ihm sichtlich zu gefallen, daß K9 es ihm ermöglicht, durch die Welt zu reisen und Fans zu treffen.24366

Annette Badland und Naoko Mori waren bei der Neuauflage der Serie involviert. Annette Badland spielte die Gegenspielerin des Doctors. Der damalige Produzent war so begeistert, daß er extra eine weitere Folge schrieb, in der sie in die Haut des Slitheen schlüpfen konnte. Naoki Mori verkörperte eine Ärztin, die  Rolle sollte sie später im Spin-off „Torchwood“ wieder aufnehmen und bis heute in Hörspielen sprechen. Die herzliche Japanerin erzählte, sehr zur Belustigung der Anwesenden, daß sie die Serie nicht kannte und nicht wußte, was eine TARDIS ist. Erwähnung fand selbstredend auch das Space Pig, ein Schwein in einem Astronautenanzug, welches in der Folge kurz durchs Bild lief. Finde die Szene sehr unrealistisch. Ein Murmeltier in einem Astronautenanzug wäre glaubhafter gewesen, aber gut. Das nächste Mal.
Daneben erzählte beide Frauen wie es war, als die neuen Folgen entstanden und wie viele Gedanken sich Christopher Eccleston machte, der die britische Ikone wieder zum Leben erwecken sollte. Heute weiß man, daß es gut gegangen ist, denn Weihnachten übernimmt der fünfte Doctor nach ihm die Kontrolle über die berühmte blaue Box.

Eine Frau, die ebenfalls nicht viel vom Doctor wußte, bevor sie mit ihm zusammen spielte, war die Amerikanerin Daphne Ashbrook. Die Schauspielerin spielte den Companion des achten Doctors in seiner einzigen wirklichen Folge, da der Pilotfilm nicht zu einer neuen Serie führte. Eigentlich traf sie auf zwei Doctoren, denn im Film wurde die Regeneration von Doctor Nummer sieben (Sylvester McCoy) zu Doctor Nummer Acht (Paul McGann) gezeigt. Ein historischer Moment, der auf ihre blonde Kappe geht, denn genaugenommen hat sie den siebten Doctor umgebracht.
Daphne erzählte gut gelaunt von ihrem Einstieg in die Welt des Doctors und über witzige Convention-Anekdoten. Daneben sprach sie von ihrer Arbeit als Regisseurin und Sängerin. Nette Person, die, eigentlich wie alle Stars, viel Spaß zu haben schien und gerne mit den anwesenden Fans plauderte.

Toby Hadoke hat die Besucher auf der dritten TimeLash nicht am ersten Abend mit einem Stand-Up-Programm in den Abend entlassen. Den Part hätte locker Kai Owen übernehmen können, aber der macht kein Stand-up. Dafür hat Toby dieses Jahr die Moderation einiger Panels übernommen und Ralph entlastet. Ansonsten hat sich zu den Vorjahren nicht viel verändert. Allerdings scheint es sich herumgesprochen zu haben, daß die Besucher alle gut Englisch können. Keiner der Gäste hatte mehr Bedenken, verstanden zu werden.

Besuchte letztes Jahr Gareth David-Lloyd die TimeLash, hielten dieses Jahr Naoko Mori und Kai Owen die „Torchwood“-Fahne hoch. Die Serie spielte im Doctor Who-Universum. Am Samstag hatten beiden ein gemeinsames Panel, bei dem Naoko die Bühne mit einer Affenmaske betrat und Ralf sie spontan als Gast aus „Planet der Affen“ begrüßte.

Den Vortrag am Sonntag sollte Kai alleine halten, holte sich jedoch die Unterstützung von Scott Handcock, dem Produzenten der „Torchwood“-Hörspiele. Und weil direkt am Anfang Naoko das Panel mit einer lustigen Geräuschebox störte, holte Kai sie neben sich auf die Bühne, um sie besser im Griff zu haben. Was nicht ganz gelang, denn immer wieder hielt sie das Spielzeug ans Mikro. Dafür spielte Kai Owen an seinem Smartphone herum, um das Panel aufzunehmen, was Scott Handcock mit einem „Wie meine Großmutter mit einer Fernbedienung“ kommentierte.

Die Panels mit Kai waren die lebhaftesten. Er machte immer viele Späße, u.a. versuchte er einer Besucherin im Publikum Süßigkeiten in den Mund zu werfen oder bot intime Fotos von John Barrowman zum Kauf an. Die Geschichten, die beide über die Dreharbeiten erzählten, kamen, sehr zur Freude des Publikums, ebenfalls nicht ganz ohne pikante Details des Hauptdarstellers aus. Darüber hinaus  schienen sich alle drei gut zu verstehen und hatten zusammen bei der Serie und in Kassel sichtlich Spaß. 

Im „Doctor Who in Deutschland“-Panel, in dem es hauptsächlich um deutsche Veröffentlichungen, wie Comics, Bücher, DVDs und Hörbücher geht, ging der, für mich, interessanteste Gast leider etwas unter. Aus diesem Grund hoffe ich, daß es gibt nächstes Jahr wieder ein reines Synchron-Panel gibt, damit Herr Schwarzmeier und Kollegen (vielleicht mit Lutz Riedel?) mehr über ihre Arbeit sprechen können. Zwar wirkt ein Synchron-Panel auf einer Convention, auf der fast durchweg Englisch gesprochen wird, etwas widersprüchlich, aber schließlich ist das ein faszinierendes Handwerk, was kaum gewürdigt wird. Und ich schaue sehr gerne Sachen auf Deutsch. Gut, nicht den Doctor, aber allgemein. 😉

Darüber hinaus hat eigentlich nichts geändert. Es stehen viele Requisiten herum, mit denen ich einige Fellfies geschossen habe. Die familiäre Atmosphäre, die diese Convention scheinbar auszeichnet, ist erhalten geblieben und gefällt Besuchern und Gästen gleichermaßen. Nicht die Abfertigung von Fanwünschen steht im Vordergrund, sondern das Miteinander, so hat jeder Gast Zeit für die Fans und ein nettes Gespräch zwischen den Panels. Ich bekomme selten ein Wort raus, aber bei Toby und Rob Shearman habe ich mich getraut, nach einem gemeinsamen Foto zu fragen.

Rob Shearman habe ich nicht nur wegen des Fotos mit ihm ins Herz geschlossen, er ist einfach ein sehr freundlicher und lustiger Zeitgenosse. Auch bei den anderen Fans ist der Autor aufgrund der Geschichten, die er dem Doctor auf den Leib geschrieben hat, sehr beliebt. Zum zweiten Mal besuchte er die TimeLash und erzählte fröhlich von seiner Arbeit. Privates ließ er auch nicht außen vor und berichtete auf amüsante Art und Weise, wie er seine Doctor Who-Abhängigkeit vor seiner Frau verheimlichte und wie er dann aufflog. Als eine Freundin seiner Frau zu Besuch war, die, wie sollte es anders sein, ein Companion des dritten Doctors spielte. Das Whoniverse ist ein Dorf, sagt ja schon der Volksmund. 🙂

Letztes Jahr bestritt er mit Peter Harness ein Panel, dieses Jahr saßen mehr Menschen auf der Bühne und erzählten von ihren Arbeiten an den Big Finish Hörspielen, die die Welt des Doctors erweitern. Dabei kam zum Tragen, daß das wichtigste Mitglied der Big Finish-Familie der Koch Toby ist, in dessen Verantwortung die Verkostung der Mtarbeiter steht. Schwierige Szenen werden daher immer vor der Mittagspause eingesprochen. Sollte dieser Toby mal auf die TimeLash kommen, muß ich ihn fragen, ob er ein gutes Rezept für ein Nussgericht hat.

Ich weiß gar nicht, wie viel fünfzig Jahre in Murmeltierjahren sind, aber so lange ist es her, daß Wendy Padbury und Frazer Hines den zweiten Doctor, Patrick Troughton, auf seinen Abenteuern begleiteten. Für mich zählen der zweite Doctor und Jamie (Hines) zu meinen Lieblings-TARDIS-Teams, daher habe ich mich sehr gefreut, ihn live zu sehen. Während seiner Panels schien es ihm schwer zu fallen, auf dem Stuhl zu bleiben, immer wieder stand er auf und erzählte lebhaft aus seinem Leben in der TARDIS und danach. Er gab sogar eine Imitation von Patrick Troughton zum besten.
Wendy Padbury versuchte ihre Erinnerungen anhand ihrer Schwangerschaften einzuordnen. Beide haben sich ihren jugendlichen Charme und die Energie bewahrt, denn die grauen Haare waren das einzige Merkmal, daß sie schon länger im Whoniverse unterwegs sind. Wobei graue Haare nie aus der Mode kommen, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.

Ian McNeice war für mich eine der Überraschungen des Wochenendes. Der gewichtige Engländer spielte neben Matt Smith Winston Churchill. Eine Rolle, die er zuvor bereits im Theater spielte und die er inzwischen auch bei Big Finish übernommen hat. Eigentlich eine kleine Rolle, aber irgendwie scheint es bei „Doctor Who“ keine kleinen Rollen zu geben. Mir war Ian McNeice vorher kein Begriff und auch neben dem Doctor hat er keinen großen Eindruck hinterlassen, aber trotzdem waren seine Panels sehr sympathisch. Einige Gäste überraschen einen einfach, wie dieser mächtige Brite. Er machte einen sehr netten Eindruck, als er aus seinem langen Berufsleben erzählte und hatte sichtlich Spaß. Er lachte viel auf der Bühne, dabei mußte er an dem Wochenende viele Scherze von Kai Owen aushalten, der die Autogramme von Ian McNeice in bester Marktschreier Manier anpries. Oder am Sonntag, als er mit seinem Scooter zur Bühne für und Kai Owen die Zuschauer aufrief aufzustehen, für Ian McNeice und dabei den Trauermarsch anstimmte. Der schwarze Inselhumor. Köstlich.

Ich hatte mich eigentlich auf Sylvester McCoy gefreut, aber die Veranstalter haben weiter runter gezählt und nach Doctor Nummer Acht und Sechs, Nummer Fünf eingeladen. Wie seine Vorgänger (Nachfolger?) war auch er sehr sympathisch. Am zweiten Tag wirkte er noch gelöster auf der Bühne als am Samstag.
Bevor der die Kontrolle über die TARDIS übernahm, praktizierte er Medizin in der Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“. Im Original „All creatures great and small“. Er hat also viel Erfahrung mit Tieren in allen Größen und Formen, als ich zum Fotoshoot kam. Obwohl ich den Eindruck nicht los wurde, sein erstes Murmeltier gewesen zu sein.
Es drehten sich einige Fragen um diese Serie, die ich nicht kenne. Dazu gab er einige amüsante und interessante Einblicke in die Produktion. Ich möchte nur soviel verraten, nicht alles im Fernsehen ist gestellt. Manchmal haben Schauspieler auch ihre Arme in echten Kühen.
Der Hauptteil der Fragen drehte sich selbstverständlich um seine Rolle als Timelord. So erzählte er, wie er zu der Rolle kam und gab ein paar lustige Anekdoten zum Besten. Zum fünfzigsten Jubiläum von „Doctor Who“ drehte er, zusammen mit den anderen klassischen Doctoren, einen eigenen Beitrag, der sich im Fandom großer Beliebtheit erfreut. Er erzählte, wie aus der nicht ganz ernst gemeinten Bemerkung auf einer Convention, „The Five(ish) Doctors Reboot“ immer größer wurde. Und in Kassel hat er, mehr oder weniger versprochen, zum sechzigsten Jubiläum etwas ähnliches auf die Beine zu stellen. Ich würde mich freuen. Nicht gefreut, habe ich mich, daß seine Biographie so schnell ausverkauft war. Gerne hätte ich mir ein zweites Autogramm geholt. So muß das Bild mit ihm reichen. Drei Doctoren und ein Murmel. 🙂
Bei der Abschlußzeremonie trug er eine Pappmaske von David Tennant, zehnter Doctor und Schwiegersohn von Davison und bedankte sich bei den anwesenden Zuschauern für eine kleine Zeitreise. Die TimeLash erinnerte ihn an die kleinen, familiären Conventions der Achtziger.

Bevor die dritte deutsche Doctor Who-Convention offiziell beendet wurde, gab es, wie im letzten Jahr, ein kleines Spiel. Toby Hadoke versammelte zwei Teams aus verschiedenen Gästen auf der Bühne und stellte ihnen verschiedene Fragen, die immer irgendeinen Zusammenhang zum Doctor hatten. Im Gegensatz zu den Teilnehmern spielte die Technik nicht immer mit. Dafür waren die acht Mitspieler, vor allem bei der Scharade, mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Ein unterhaltsamer Abschluß eines gelungenen Wochenendes. Danach kamen nochmal alle anwesenden Gäste auf die Bühne und bedankten sich unter tosendem Applaus für die zwei tollen Tage in Deutschland. Die Organisatoren ließen es sich natürlich nicht nehmen, auf die TimeLash IV hinzuweisen. Ich bin auf jeden Fall wieder dabei.

Denn mein drittes Wochenende in Kassel hielt wieder viele unterhaltsame Panels und besondere Begegnungen für mich parat. Als ich 2007 in London und Cardiff auf den Spuren des Doctors unterwegs war, hätte ich nie gedacht, daß ich mal mein drittes Foto mit einem echten Doctor in den Pfoten halten könnte. Dafür habe ich mich bei Simone, einer der Organisatoren der Convention, persönlich bedankt. Jetzt heißt es ein Jahr ausharren, bis die Tore des Kulturbahnhof den Weg ins Whoniverse wieder freigeben.

All pictures great and small (Samstag)

The Space Pics (Sonntag)

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