Alles auf Anfang

Elspe – The Next Generation

An einem Samstag im Juli war es soweit, unsere jährliche Fahrt zur Natürbühne in Elspe stand auf dem Plan. Im Prinzip war alles wie immer, mit nur kleinen Änderungen der gewohnten Routine. Das Wetter spielte mit und so saßen wir bei Sonnenschein in der Pferdearena, um uns vorführen zu lassen, wie die großen Vierbeiner für die Stuntshow ausgebildet werden. Die Moderation hat dieses Jahr Moritz Brückner von Stephan Kieper übernommen, der Tier und Reiter in den vergangenen Jahren präsentierte. Sein Vorgänger übernahm dafür eine Rolle in der Stuntshow. Moritz Bürkner wirkte sympathisch und die Präsentation war etwas humoriger und lockerer als in den vergangenen Jahren. Also doch nicht alles so, wie immer. 🙂

Die nächste Neuerung waren die neu eingezogenen, gefiederten Bewohner der Westernstadt. Seit diesesm Jahr beherbergt das Gelände eine Vogelshow. Wie unserem Blog zu entnehmen ist, haben wir ein Faible für die Herrscher der Lüfte. [Einige schlagen schon wild mit den Schwingen und werden demnächst hier einfliegen. 🙂 ] Leider war weder auf der Internetseite etwas darüber zu lesen, noch wurde man beim Einlass auf die neue Attraktion hingewiesen. Irgendwann liefen wir zufällig an einem Schild mit den Showzeiten vorbei. Man merkt, daß die Show noch in den Kinderschuhen steckt. Der Platz ist zu klein bemessen, bietet kaum Sitzgelegenheiten und die Show war sehr kurz. Da hat Maike Schmidt mit ihren gefiederten Freunden vor einigen Jahren in der Pferdearena schon mehr zeigen können. Insgesamt aber eine gute Idee, es im Elspe-Programm zu integrieren und es wird bestimmt mit den Jahren wachsen. Im Stück hatte der Adler, als indianisches Omen, Cochise eine kleine Rolle. Die hatte er von einem Geier übernommen, der in „Unter Geiern“ den Boten Cochise spielte. Nicht die einzige Neubesetzung in diesem Jahr.

Um 14.45 Uhr war es endlich soweit, nach der dritten Fanfare begann „Winnetou I“ auf der großen Natürbühne. Das Stück zeigt den Anfang der Freundschaft zwischen dem Apatchenhäuptling und dem weißen Abenteurer aus Deutschland. Die Postkutsche fuhr vor und heraus stieg Karl May, in Form von Jochen Bludau. Er gab eine Einführung in die Welt seiner Westernromane, bevor dann die Geschichte begann. Jochen Bludau auf der Bühne zu sehen, ist für mich immer etwas Besonderes. Als Kind spielte er an der Seite von Pierre Brice desssen Blutsbruder. In den letzten Jahren hat er sich hauptsächlich um Aufgaben hinter der Bühne, wie Bücher und Regie, gekümmert. Daher ist es immer schön, ihn in einem Stück zu sehen. Dabei kann er dem Publikum, dem er den letzten Jahrzehnten unzählige unterhaltsamen Stunden geboten hat, in die Augen schauen und sich den verdiensten Applaus abholen. Obwohl er am Ende gefehlt hat!?

Ich bin aber sicher, neben mir freuen sich noch mehr Zuschauer, Jochen Bludau zu sehen. Gehört er zu den letzten Darstellern der „alten Garde“ der Natürbühne. Jean Marc Birkholz kämpft seit fünf Jahren als Winnetou für Gerechtigkeit im wilden Westen des Sauerlands, mit Kai Noll als Old Shatterhand seit 2015 an seiner Seite. Nach dem Ausscheiden des charismatischen Meinolf Pape vor vier Jahren schlüpfte dieses Jahr Moritz Bürkner in die Mokasins des „bösen“ Indianers Matto Schako.

Hat Meinolf Pape seinerzeit feierlich und groß angekündigt seine letzte Spielzeit bestritten, verschwand das letzte Urgestein völlig leise. Es war das erste Jahr ohne Rolf Schauerte, den traditionellen Bösewicht der Sauerländer Bühne. Ersetzt wurde er von Alexander Hanfland, der einen dynamischeren Antagonisten spielte. Er drückte sogar einer wehrlosen Miranda einen Kuss auf, was zu Rolf Schauerte’s Santer nicht gepaßt hätte.
Das kleine Mädchen hinter uns kommentierte die Szene mit einem „Igitt!“ 🙂

Damit sind alle Rollen mit neuen Darstellern besetzt, die frisches Blut in die Blutsbrüderschaft und auf die Naturbühne bringen. Und hoffentlich noch viele weitere Jahre die Geschichten Karl Mays für ihr dankbares Publikum darbieten. Denn die Geschichten der beiden Westernhelden im Kampf gegen üble Machenschaften scheinen zeitlos. Selbst Kinder, deren Eltern in den Sechzigern noch nicht geboren waren, bereiten Winnetou immer einen herzlichen Empfang, wenn er das erste Mal auf die Bühne reitet.

Der beliebte Apatchenhäuptling trifft auf den deutschen Abenteurer, aus dem im Laufe des Stückes der berühmte Westernheld wird. Während dei beiden Fremden das Vertrauen des anderen gewinnen und zu Freunden werden, gewinnt Old Shatterhand noch das Herz von Winnetous Schwester. Ich hätte mir gewünscht, daß die Beziehung zwischen Ntscho-Tschi und Old Shatterhand etwas vertieft worden wäre. Außerdem fand ich es etwas unglücklich, direkt nach dem Attentat auf Winnetous Familie ins Finale überzugehen. Ein, zwei Szenen der Verfolgung hätten dem Stück gut getan, bevor der Gerechtigkeit genüge getan und Santer brennend von den Wassermassen in die Tiefe gerissen wird.

Aber so ist halt Elspe. An dieser Stelle nicht böse gemeint, aber im Grunde passiert in jedem Stück das Gleiche, als würde eine Checklist abgehakt:
„Saloonschlägerei?“ – „Check!“
„Bahnüberfall?“ – „Check!
„Gottesurteil?“ – „Check!“
„Wasserfall?“ – „Check! 🙂
Man weiß also, was man bekommt, egal wie der aktuelle Titel lautet. So auch dieses Jahr, wenn das Hauptaugenmerk auf Karl Mays Alter Ego und seine Freundschaft mit Winnetou gelegt wird. Nicht überraschend folgen in den nächsten beiden Spielzeiten „Winnetou II“ und „Winnetou III“. Ob der Apatchenhäuptling wirklich am Ende der Trilogie stirbt oder ob man sich des gleichen Kniffs wie 2012 bedient, wird sich 2019 an gleicher Stelle zeigen.

Genauso bleibt abzuwarten, ob Bürkner und Hanfland, neben dem bewährten Team aus Birkholz und Noll, der Stammbesetzung der Festivalbühne erhalten bleiben. Verkehrt wäre es nicht, denn zur familiären Atmosphäre in Elspe gehören neben den liebgewonnenen Figuren, die bekannten Gesichter auf der Bühne.
Am Ende jeder Vorstellung reiten alle Mitwirkenden mehrmals über die Bühne um sich von den Zuschauern zu verabschieden und sich den verdienten Beifall unterm Wasserfall abzuholen. Alle, abgesehen von den Schurken, die werden traditionell von den Zuschauern ausgebuht. Und anhand dieses Zeichens der Anerkennung hat Alexander Hanfland seinen Einstand als Oberbösewicht gut gemeistert. Lachend hob er vor dem buhenden Publikum seinen Hut.

Die Geschichte der bekanntesten Blutsbrüderschaft im Wilden Westen kann weitergehen.
In diesem Sinne, wir freuen uns auf 2018.

Cochise, flieg die Fotos rein

Karl May Festspiele
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