Mann, Sieber!

Algorithmus zum nachdenklichen Lachen

Am 9.9. 2017 ging die Sommerpause des Plüschblogs zu Ende. Nicht, dass wir uns selbst eine kulturelle Pause auferlegt hätten, nein, viele Künstler (sei es nun Bands oder Solokünstler) machen in den Monaten Juli und August ihrerseits Pause oder spielen nur große Festivals.
Daher waren wir ganz froh, dass es nun, wo der Herbst langsam Einzug hält, auf der Bühnen der Republik weitergeht.

Den Anfang machte Christoph Sieber, der uns bereits vor 2 Jahren im LYZ mit „Alles ist nie genug“ sehr positiv überrascht hatte, und nun die Stadthalle Kreuztal besuchte. Ich möchte nicht zu sehr vorgreifen, aber Kreuztal wird uns in diesem Jahr noch mehrmals als Gast haben. 😉
„Hoffnungslos optimistisch“ ist tatsächlich bereits das fünfte Soloprogramm des Künstlers, der uns jedoch erst seit ca. 3 Jahren ein Begriff ist, seitdem wir ihn als Mitglied des Rateteams in „Meister des Alltags“ sahen.
Optisch sehr verändert, nämlich mit längerem, ergrautem Haar, betrat Christoph Sieber die Bühne der gut gefüllten Stadthalle. Was Energie und Spielfreude angeht, zeigte er sich jedoch wie gewohnt agil und ständig in Bewegung.

Hört man den Begriff „politisches Kabarett“, denkt man vielleicht an trockene, hochgestochene Pointen, die man nur versteht, wenn man regelmäßig entsprechende Zeitungen liest und Politsendungen verfolgt. Allerdings ist dies bei Christoph Sieber nicht der Fall. Natürlich greift er aktuelle politische Themen auf, denen aber jeder, der gelegentlich aktuelle Nachrichten hört oder liest, folgen kann. Wider Erwarten gab es auch keinen ausführlichen Schwerpunkt für die kommende Bundestagswahl. Jedoch geriet man manchmal ins Grübeln und fragte sich nach manchen Punkten im Programm,was denn das tatsächlich kleinere Übel ist.

Jedoch nicht nur Politik, sondern auch Alltagsbeobachtung ist ein großes Thema im Programm. So z.B. den Umgang mit Handys, bzw. Smartphones. Heutzutage übernimmt z.B. Siri das Auswählen von Restaurants in der Nähe und der Kühlschrank kommuniziert mit der Haustür, wenn die Milch leer ist. Logischer nächster Schritt: Der Kühlschrank schickt die Haustür zu Rewe.

Christoph Sieber steht in den 2 Stunden seines Programms nicht nur im gleichen Outfit vor dem Publikum. Im breitesten Schwäbisch hält er z.B. eine Laudatio in der Vollversammlung der Bäckerei Häberle, streift ein weißes Jackett über und schlüpft in die Rolle eines reichen Firmenchefs, schnappt sich die Gitarre für den Klugscheißer-Song oder rapt den „Deppen-Rap“. Gelegentlich nimmt er ein Buch zur Hand, aus dem er Geschichten vorliest, wie die sehr bildhafte und detaillierte Darstellung einer Imbißbude. Außerdem klärt er das Publikum über das „Goldmann-Sachs-Prinzip“ auf und trifft bei mir einen Nerv, indem er die Nützlichkeit eines großen Latinums in Frage stellt. Sed ubi est Cornelia?

Bei vielen noch ein echter Geheimtipp, aber im Fernsehen oft präsent durch Auftritte in „Mitternachtsspitzen“, „Pufpaff’s Happy Hour“ oder „Die Anstalt“. Nicht zuletzt in seiner eigenen Sendung „Mann, Sieber“, die er zusammen mit Tobias Mann präsentiert. Wer zumindest ein bißchen das aktuelle Weltgeschehen verfolgt, wird keine Probleme haben, bei ihm herzhaft zu lachen. Manchmal bleibt es einem jedoch im Halse stecken, da es oft so schmerzhaft wahr ist. Mit einem sehr nachdenklichen Schlußmonolog, in dem Christoph Sieber alles aufzählt, woran er sich nicht gewöhnen möchte, entläßt er das Publikum in den restlichen Samstagabend und macht noch darauf aufmerksam, dass er im Foyer noch DVDs verkauft, dessen gesamter Erlös an die Flüchtlingshilfe geht.

Et hoc modo in imaginibus

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