Der Meister des Alltags

sagt die Wahrheit

Ein frohes neues Jahr wünsche ich allen treuen Lesern des Plueschblogs.

Auch 2015 möchten wir Euch an unseren kulturellen Unternehmungen teilhaben lassen und den Anfang hat vergangenen Samstag ein sympathischer Kabarettist gemacht. Dabei kannten wir vorher gar keine Kabarettnummer von ihm. Klingt komisch, ist aber so. Er ist regelmäßiger Gast in zwei Quizshows, die seit zwei Jahren unser Montagabendritual bilden. Daher sind wir mit keinerlei Erwartungen Richtung LYZ. Und wie Christoph Sieber selber im Programm sagt, ist das Leben ohne Erwartungen schöner.

Die ersten Sätze widmeten sich natürlich den aktuellen und erschütternden Ereignissen in Frankreich. Die Frage, was Satire darf, hält Christoph Sieber für falsch. Auffallend ist die Stille im LYZ, während der Kommentare zu aktuellen Weltgeschehen und Politik, die Christoph Sieber den ganzen Abend immer wieder einfließen läßt. Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine betroffene Stille, sondern um ein interessierte. Die Zuhörer im fast ausverkauften Saal lauschen gespannt den Beobachtungen und klatschen zustimmend. Christoph Siebert fordert mehr Zorn, er will den Wutbürger zurück, damit sich wieder was in der Gesellschaft ändert, die sich stumm zum Konsum hat abrichten lassen. Er sammelt Vorschläge aus dem Publikum, um die in einem wütenden Monolog lauthals für alle rauszulassen. Soviel Aggressivität und Lautstärke hätte man dem freundlichen Mann auf der Bühne gar nicht zugetraut. Sah er doch vor den Türen des LYZ stehend eher aus wie ein Student. Vielleicht wurde ihm deswegen eine Eintrittskarte von einer vorbeikommenden Zuschauerin angeboten. 🙂

Er ist wirklich ein Meister des Alltags, denn seine Beobachtungsgabe richtet sich nicht ausschließlich auf die Politik. Es wurden viele unterschiedliche Themen im Programm aufgegriffen. Technische Entwicklungen, damit man endlich schwimmend seinen Facebook-Status checken kann. Autos, die den Fahrer kontrollieren und einiges mehr stehen an dem Abend im Fokus. Private Erlebnisse teilt er ebenfalls mit den Anwesenden und liest die Geschichte über eine Bahnfahrt mit ungeplantem Stopp vor. Lebhaft schildert er, wie Menschen in Stresssitutationen miteinander umgehen. Nicht immer schmeichelhaft. Seiner Auffassungsgabe bleiben verschiedene Menschentypen nicht verborgen und humorvoll entlarvt er einige Eigenheiten seiner bahnfahrenden Mitmenschen. Sehr zur Begeisterung der anwesenden Besucher.

Aus der aktuellen Politik und privaten Erlebnissen siebt [daher bestimmt der Name 😉 ] er genauso interessante und lustige Geschichten heraus um das Publikum zu unterhalten und vergißt dabei die ernsten Punkte nicht. Die, die zum Nachdenken anregen. Auch wenn er selber zugibt, von der Bühne aus nichts verändern zu können. Diese Mischung kommt kommt nicht nur bei uns, sondern bei allen Zuhörern gut an. Die Stimmung im LYZ war von Anfang an gut und blieb es den ganzen Abend über, während Christoph Sieber mit Worten und Bällen jonglierte, rappte und zum Ende trabte.

In der vom Siegener Publikum laut klatschendend geforderten Zugabe erzählte und spielte er bildlich den Nikolausbesuch im Kindergarten nach. Fast wie Alice Cooper, der seine Zuschauer glücklich aus einem Konzert entlassen will, könnte man meinen, Christoph Sieber möchte sein Publikum ebenfalls lächelnd aus dem Abend kommen sehen. Mit dieser Nummer hat er es geschafft, die Zuschauer die ernsten Punkte des Programms und die düsteren Gesellschaftsprognosen für einen Moment vergessen zu lassen. Alle lachten herzhaft bei dieser gelungenen und äußerst amüsanten Darbietung.

Der verdiente Applaus des Publikums wollte nicht abreissen, aber Christoph Sieber meint, er möchte aufhören, solange es am Besten ist und er kennt die Texte, die noch kommen.

Vielleicht ist auch die Angst seiner Frau vor dem prophezeiten Glatteis der Grund, warum an diesem Punkt wirklich Ende ist. Es stand noch die Rückfahrt nach Köln an. Verkehrte Welt, normalerweise kommen wir aus dem Kölner Raum und der Künstler bleibt da. Auf jeden Fall nimmt das Ende des Programms keiner der Anwesenden krumm. Im Gegenteil, nach dem zweistündigen Vortrag durch Politik und Gesellschaft läßt er alle begeistert zurück. Vielleicht hat er recht und das Leben ist ohne Erwartungen schöner. Dann habt ihr den Fehler gemacht, diesen Bericht zu lesen. 😉
Aber laßt Euch nicht abschrecken, wenn Christoph Sieber in Eurer Nähe spielt. Geht hin. Ihr werdet lachen und nachdenken und was will man mehr von einem guten Kabarettprogramm? Wir werden uns den lustigen Quizonkel auf jeden Fall wieder anschauen, auch wenn wir dann Erwartungen an den Abend knüpfen. 🙂

Fotos aus dem Alltag

 

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