Das Schunkelschloß

Musikalischer Zwischenstopp

Nach einer erholsamen Nacht in Xanten, machten wir uns mittags mit zwei netten Damen im Schlepptau auf in Richtung Siegerland. Im Gegensatz zum Vortag war die Autobahn frei und wir sind zügig vorangekommen. Allerdings hatten wir für die Rückfahrt eine kleine Pause in Rösrath eingeplant, denn zufälligerweise spielte der Familie am Samstag im dortigen Schloß Eulenbroich. Und wenn so etwas schon am Wegesrand lag, mußten wir es mitnehmen.

Nicht nur der Verkehr auf der Autobahn, auch das Wetter spielte mit. Es war angehm warm und wir trafen sogar noch vor der Band am Veranstaltungsort ein. Nach einer Runde ums Schloß setzten wir uns gemütlich in die angegliederte Gaststätte. Dort plauderten und erfrischten wir uns, sahen uns eine zeitlang das Treiben hinter der Bühne an, um dann aber früh genug die Plätze an der Absperrung einzunehmen. Dabei scheinen wir eine Menge Autorität ausgestrahlt zu haben, denn mehrmals wurden wir um Erlaubnis gefragt, die Absperrung überwinden und ins Schloß zu dürfen.  Das lag bestimmt am fachfraulichen Blick unserer Freundin, die täglich kleine Kinder in die Schranken weist. Den Blick bekommt man dann am Wochenende nicht abgestellt und wirkt wie eine offizielle Absperrungsbeauftragte. :-)

Pünktlich um 18.00 öffneten sich die Burgtore und wir durften alle in den bestuhlten Schloßhof. Alle? Nein, nicht alle, denn die Fotobeauftrage des Plueschblogs wurde aufgehalten. Der Rest der Gruppe hielt brav einen Platz in der ersten Reihe frei, bis die Formalitäten geklärt waren,
Bestuhlung waren wir gewohnt, aber an diesem Abend wurde uns etwas, von der Familie, Ungewöhnliches geboten: eine Vorband. „She’s plugged“ ist eine junge Band aus Rösrath, die radiotauglichen Pop-Rock spielte. Nett und gut aufgelegt, aber auch etwas unsicher, weil sie noch nie vor sovielen Zuschauern aufgetreten waren, spielten sie sich durch ihr Set. Das Interesse im Publikum war verhalten und viele Leuten unterhielten sich währendessen oder versorgten sich mit Speiß und Trank. Das Schicksal aller Vorbands.

Pünktlich wurde nach dem Bühnenabbau der kleine Einleitungsfilm auf der Leinwand gestartet und der Familie betrat gut gelaunt die Bühne. Die Gespräche um uns ebbten ab und die Musiker starteten mit Ras Popolski.
Wie immer ist es eine Freude, die beiden eineiigen Zwillinge Henjek und Stenjek während der gesamten Show zu beobachten, besonders, wenn sie so gut aufgelegt sind wie in Rösrath. Sie schienen eine Menge Spaß zu haben.
Dorota verzauberte die Zuschauer in den alten Mauern und verteilte eifrig Handküsse. Mireks geliebtes Gitarrensolo auf seiner Stratocastri durfte an dem Abend nicht fehlen. Wobei, so geliebt ist es nicht, zwingt ihn doch der Familienältestete immer, ein Solo von Janusz zu spielen. Im Anschluß schwangen die Dobrze Horns nicht nur die Trompeten, sondern auch die Beine und überzeugten das Publikum mit ihrer erstklassigen Tanzperformance, die seinesgleichen sucht.
Wie schon am Vorabend und im letzten Bericht erwähnt, ernteten die fünf verrückten Tupen aus der ersten Reihe verdutzte Blicke, als Pavel eine alte Tradition ankündigte und sie bereits als einzige standen. Es dauerte nicht lange, bis sich die anderen Besucher uns anschlossen, sich verhakten und der ganze Schloßhof zu „I’m outta love“ in die Pause schunkelte.
Pavel ließ es sich nicht nehmen, an diesem Abend einem kleinen Polkageist zu gratulieren. Denn eine Dame suchte der Familie bereits zum hundersten Male heim. Auch wenn sie sich seit 98 Konzerten langweilt, wie Pavel sagte.

Nach der Pause war er da, der Botschafter der Liebe. Andrzej war mitten unter den Zuschauern und verteilte eifrig Flyer für sein Etablissement in Zabrze.  Bogdan war an diesem Abend zwar auch anwesend aber nur in zivil und überließ seinem Cousin Andrzej die Bühne. Wir waren dankbar, bekamen wir an zwei aufeinanderfolgenden Abenden zwei unterschiedliche Programme geboten. Die Abwechslung der verschiedenen Sänger ist einer der großen Faktoren, der uns immer wieder in die Konzerte zieht, denn jedes Konzert ist irgendwie anders.
Das mußten auch Danusz, Mirek und der Dobrze Horns beim Medley am eigenen Leib erfahren. Der Cassettenrecorder war kaputt und spielte die gleiche Stelle in Endlosschleife ab, bis Mirek zu seinem Bruder meinte, er sollte weitermachen.

Mirek tauschte später wieder die akustische Gitarre gegen die Stratocastri, um seinen Cousin Andrzej bei „Verdammt ich lieb mich“ zu unterstützen. Der Familie kann nicht nur Polka, der kann auch Rock und ich muß gestehen, das Solo ist einer meiner Lieblingspunkte im Programm.  Nicht verwunderlich, stehe ich doch auf Ace Frehley, Bruce Kulick, Amen u.w. und weiß ein gutes Gitarrensolo zu schätzen. :-)

Viel zu schnell kam schon mit „Get the Polka started“ das letzte Lied. Zumindest vor der Zugabe, denn Janusz stand noch die PolkaPrüfung bevor. Normalerweise wird immer Pavels PÜV-Ausweis eingeblendet, aber das Dia schien im anderen Anzug gewesen zu sein, denn wir bekamen es bei beiden Konzerten an dem Wochenende nicht zu sehen. So etwas fällt natürlich nur auf, wenn man den „normalen“ Ablauf kennt.
Die Prüfung wurde bestanden und der Familie verbeugte sich zum Abschluß noch einmal gemeinsam vor den begeisterten Zuschauern.

Dadurch, daß das Konzert eine Stunde früher anfing, hatten wir danach noch genug Zeit, mit unseren Bekannten zu plaudern, bevor wir alle die Rückreise in verschiedene Richtungen antraten. Wir hatten an beiden Tagen viel Spaß und freuen uns schon auf das nächste Familientreffen. Die nächste Polka kommt bestimmt. Zumindest noch.

 

PS: Huhu Eva! Wir waren schneller! ;)

Schloßhofgalerie

Dieser Beitrag wurde unter Konzert, Popolski abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Das Schunkelschloß

  1. Eva sagt:

    Huhu Holly, Ihr seid – Monate später – immer noch schneller. Asche über mein Haupt, aber bis heute habe ich noch keine Muße zum Schlosspolka-Nachkarten gefunden. Ist aber wohl auch nicht nötig, wie ich sehe. Ihr habt ja schon alles geschrieben und bebildert … ;- ) Sehr sehr sehr schöner Bericht. Genauso war es.

    Na ja, ein wenig werde ich schon noch dazu schreiben in den nächsten Tagen … ganz sicher … aber anders.

    Liebe Grüße
    Eva
    PS: Und wenn es Euch Zwei das nächste Mal so nah an unserer Haustür vorbei führt, dann könnt Ihr gerne mal bei uns reinschneien. Wäre schön! Eure Plüschgeister sind selbstverständlich auch gerne willkommen.

    • Holly sagt:

      Hello again!

      Wir haben momentan auch noch zwei Termine, die wir nicht dokumentiert haben. Alles mit der Zeit. Schließlich soll bloggen Spaß und keinen Streß machen.

      Danke für die lobenden Worte. Ich bin mir sicher, Du findest auch die richtigen für deinen Bericht. Die sind immer die Messlatte für unseren Blog, aber ich bin noch nicht dran gestoßen. ;- ) Bin sehr gespannt auf Euren Blickwinkel.

      Wie geschrieben, kamen wir aus der anderen Richtung, waren nicht alleine unterwegs und die Begleitung war nicht plüschig. [Die stehen sowieso nicht auf Konzerte. ;- )] Wir Kommen bei Gelegenheit gerne auf die Einladung zurück. Sind gestern wieder zweimal an Overath vorbei. Erst hatten wir’s eilig und dann waren wir müde. :- ) Irgendwann klappt das schon.

      Viele Grüße
      Holly

      • Eva sagt:

        Holly, Du Tiefstapler, stellt mal Eure Lichter nicht unter den Scheffel.

        Mir fehlten dieses Jahr der Enthusiasmus und die richtigen Worte für Blogeinträge. Das sieht jetzt wieder etwas anders aus … fehlt nur noch etwas mehr Zeit, doch mein Antrag auf 48-Stunden-Tage wurde abgelehnt. ;- )

        Man sieht oder liest sich. Beste Grüße
        Eva

  2. Jasna sagt:

    Schöner Bericht!!!! Der Polkageist ist ganz begeistert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

18 − drei =