Der Arbeiter der Liebe ist zurück

Ein Abend mit einem Steiffen 

Wir sind am Mittwoch einem Licht nach Köln gefolgt, denn ein Stern am Schlagerhimmel hatte seine Niederkunft im Gloria angekündigt. So daß wir, fast genau ein Jahr nach unserem ersten Konzert, wieder vor den Toren eines deutschen Clubs standen und auf den Steiffen warteten. Und auf den Einlass, der sich leider um fast eine halbe Stunde verzögerte und uns etwas in der Kälte bibbern ließ. Grund könnten technische Probleme sein, denn als wir endlich im Warmen vor der Bühne unseren Platz einnahmen, stand Dr. Haseland, Tastenvirtuose und Hobbyelektriker, hinter dem immens teuren „Ferien vom Rock ’n Roll“-Logo, schraubte, leuchtete und tat, aber leider ohne sichtlichen Erfolg. Das Roll widersetzte sich standhaft allen Versuchen und weigerte sich zu erstrahlen.

Er gab dann irgendwann auf, und die Bühne für Shane Alexander frei. Der Amerikaner betrat mit über zwanzig Minuten Verspätung und einer akustischen Gitarre die Bühne. Schlicht und sympathisch bestritt er mit seinen ruhigen Liedern das Vorspiel. Die Stücke wußten durchaus zu gefallen, aber musikalisch paßten sie nicht zum Hauptact. Was man den verhaltenen Reaktionen und der anhaltenden Unruhe im Gloria anmerkte. Für uns war es ein netter, ruhiger Einstieg in den Abend, aber wahrscheinlich war es einfach der falsche Rahmen, bei dem die Qualitäten von Shane Alexanders Liedern nicht die Aufmerksamkeit bekamen, die sie verdienten. Beim letzten Lied übertrug er den Zuschauern die Verantwortung für ein paar Oh, Oh, Ohs und da sangen alle mit.

Der positive Aspekt einer Vorband, die nur eine akustische Gitarre benötigt, ist der schnelle Bühnenumbau. Daher dauerte es, sehr zur Verzückung des vor Vorfreude platzenden Publikums, nur einen kurzen Moment bis sich das Bernsteinzimmer der guten Musik selber anpries. Er ließ die Zuschauer direkt wissen, wie gut es war, daß er hier war. Der Jubel im ausverkauften Saal schien ihm zuzustimmen. Wenn der Christian kommt, herrscht einfach überall zügellose Freude und eine ekstatische Hochstimmung.
Die Menge hing dem vor Sexappeal strotzenden Sängers vom ersten Ton an den Lippen und sang alle Lieder mit. Auf die Textsicherheit kam es auch bei dem Stück „Du und ich“ vom neuen Album an, denn Christian fragte einige Frauen, ob sie es kannten, weil er eine Duettpartnerin benötigte. Maren durfte dann zum Playback auf die Bühne und den weiblichen Part mimen. Sehr zu Begeisterung des Publikums, das direkt eine Zugabe von der blonden Neuentdeckung einforderte, die Maren aber erst in den Zugaben geben konnte. Wo auch sonst. :- )

Generell ist es immer wieder bewundernswert, wie sympathisch und gekonnt Christian Steiffen mit dem Publikum vor und auf der Bühne umgeht. Neben Maren hat er kurzerhand Sabine auf die Bühne gebeten, die mit ihm tanzen wollte. Das ließ sich der Arbeiter der Liebe natürlich nicht zweimal fragen, denn wenn er eines kann, außer singen, ist es das Tanzbein schwingen, inklusive Überwurf. Daran merkt man seine jahrelangen Erfahrungen auf Tanzflächen und vor allem auf den den Bühnen der Nation und den unterschiedlichsten Leuten davor. Nichts schien den Steiffen aus der Ruhe zu bringen. Er meisterte alles mit Charme und Contenance.

Mit zwei Alben im Gepäck war er nicht mehr auf Stücke von anderen Künstlern angewiesen und stellte die Setlist aus seinen beiden Scheiben zusammen. Ohrwurm folgte auf Ohrwurm und jedes Lied wurde abgefeiert. Wobei viele natürlich auf DEN Steiffen-Hit „Sexualverkehr“ gewartet hatten und entsprechend laut mitgrölten.
Mehrmals am Abend teilten die Zuschauer lautstark ihre Sympathie für den Mann an den Tasten mit. Es ist schwer, gutes Personal zu finden, so daß nicht nur Christian, sondern auch die Fans Dr. Martin Haseland zu schätzen wissen. Wie immer wechselte dieser an dem Abend behende zwischen den Instrumenten, die rechts und links auf der Bühne aufgebaut waren. Was leider ungespielt blieb, war die kleine Trompete, die im Hintergrund lag. Was viele nicht wissen, das Original Haseland Orchester ist nicht nur eine Koryphäe an Keyboard und Orgel, sondern auch eine Kapazität am Blechblasinstrument. Hoffentlich findet sein Können auf diesem Instrument irgendwann wieder den Weg in ein Programm.

 Dafür griff Christian Steiffen sich seine Gitarre und rief Shane Black zum Eiervergleich zurück auf die Bühne. [Keine Angst, es wurde keine schräge Jugendsünde eines bebrillten Musikers nachgestellt. Obwohl man dazu genau drei Männer braucht. ;- )] Die Drei besangen nur „Die dicksten Eier der Welt“. Der Christian kann halt alles: Singen, tanzen, gut aussehen und Gitarre spielen. Und noch viel mehr, denn was uns letztes Jahr schon begeistert hat, ist die unbändige Energie des Steiffen. Vom ersten bis zum letzten Ton ist er unentwegt in Bewegung. Er springt, tanzt, singt und lächelt sich scheinbar mühelos durch seine Konzerte. Ein echter Entertainer der alten Schule, mit neuen Liedern. Meistens zumindest. Eins klingt einem bekannten Wolkenlied sehr ähnlich. Aber kein Grund um in Selbstmitleid zu verfallen, schließlich sind alles andere Eigenkompositionen, die direkt übers Ohr ins Herz gehen.

Eine kleine, persönliche Geschichte leitete das letzte Lied des Abends ein. Mit dem Titelstück des neuen Albums ging das Konzert ruhig und etwas nachdenklich zuende. Natürlich nur musikalisch. Im Gloria gab es kein Halten mehr und die Musiker wurden verdient und laut abgefeiert. Man merkte nicht nur dem Publikum, sondern auch Christian Steiffen die ehrliche Freude über den Zuspruch der anwesenden Zuhörer an. Er fand es sichtlich gut, daß sie hier waren. Lange ist er über Land getingelt und hat sich seine Fans erspielt. Und die Christianisierung ist nicht aufzuhalten, wie das ausverkaufte Gloria bewiesen hat.

Im Zugabenblock zog Christian Steiffen nochmal alle Register. Brachte die Menschen mit „Ich fühl mich Disco“ ins schwitzen, bildete zur „Flasche Bier“ eine Polonaise und schritt mit allen Anwesenden im Rücken durch den Zuschauerraum. Nachfolgend durfte Maren die eingeforderte Zugabe geben und sich den drei Musikern anschließen. Denn, unterstützt von Shane Alexander, wurde zum zweiten Mal an diesem Abend Christians größter Hit gespielt. Neunhundert Menschen teilten erneut lautstarkt ihre Lust auf „Sexualverkehr“ mit. Danach gab es keinen im Gloria, der nicht die Einschätzung des Künstlers teilte. Er war wunderbar. Der Steiffen und der Abend.

Die Jünger der Christianierung wollten ihn aber nicht ohne weitere Zugabe gehen lassen, schließlich forderten sie diese seit dem zweiten Lied ein und so wurde noch „Ein Leben lang“ vom ersten Album angestimmt. Passend zur Jahreszeit folgte als Rausschmeisser dann noch das Lieblingsweihnachtslied des Künstlers: „Leise rieselt der Schnee.“ Nach diesen Zugaben war dann wirklich Schluß und Christian verließ endgültig die Bühne. Die faule Sau.

Vier Konzerte stehen dieses Jahr noch für Christian Steiffen, das Original Haseland Orchester und die Leuchtschrift an. Danach haben die Drei Zeit zum Energie tanken, um im neuen Jahr wieder neu zu erstrahlen, denn im Frühjahr wird die Tour auf bundesdeutschen Bühnen fortgesetzt. Geht hin und laßt Euch in die Arme dieses Ausnahmekünstlers fallen. Ihr werdet es nicht bereuen. Seine Konzerte bieten nicht nur Zuflucht vorm Rock ’n Roll sondern auch Ferien vom Alltag.

Die dicksten Fotos der Welt

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2 Antworten zu Der Arbeiter der Liebe ist zurück

  1. Eva sagt:

    Ein launiger Bericht, ein richtig guter Gute-Laune-Konzertbericht! Scheint ein groooooßer Spaßßßß gewesen zu sein. Und den Fotos nach zu urteilen war der Herr Steiffen mit Kombo und ohne Roll im Gloria genau am richtigen Platz.
    Liebe Grüße an Euch
    Eva

    • Holly sagt:

      Hallo Eva!

      Vielen Dank, freut mich sehr, daß Dir der Bericht gefallen hat.
      Habe mich extra ins Zeug gelegt.

      Ja, wenn man Herrn Steiffen und seine Texte mag, ist es ein großer Spaß. Können wir Dir nur empfehlen, Du fühlst dich Disco und genießt das Selbstmitleid. :- )

      Viele Grüße
      Holly

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