Die Plagen von Bochum

und der Meister des Lichts

Nachdem Jan Plewka vor zwei Wochen unser Konzertjahr eröffnete, eröffneten Iced Earth am vergangenen Donnerstag unser Heavy New Year. Im ersten halben Jahr stehen wieder mehr Konzerte der rockigeren und härteren Töne auf dem Programm. Wir müssen uns also doch keine Sorgen machen, im Alter ruhiger zu werden. ;-)

Passend zu unserem Aufbruch rieselten Schnee und Regen vom Himmel und schienen fast, den Namen der Hauptband unterstreichen zu wollen. Zum Glück war es nur ein kleiner Abschnitt auf der Strecke, der uns seine weißen Wiesen zeigte. Trotzdem kamen wir früh und gut in Bochum an. Wie immer so früh, daß wir uns nach Einlass einen guten Platz sichern konnten. Dieses Mal fand man uns aber nicht in Bühnennähe, sondern auf dem Balkon im hinteren Bereich, der einen freien Blick auf die gesamte Bühne und ein paar andere Fotoperspektiven bot.

Um 19.30 begannen die Australier von Elm Street, der noch nicht ganz gefüllten Zeche einzuheizen. Sie spielten typischen, durchschnittlichen Metal, ohne große Ausbrüche nach oben oder unten. Einen guten Endruck hat allerdings der Musikgeschmack des Sängers bei dem weiblichen Teil des Plueschblogs hinterlassen, trug er doch ein Manowar-Shirt und Tattoo. Die Menge ging nur allerdings vereinzelt mit. Das änderte sich nachdem die Kalifornier von Warbringer nach dem Bühnenumbau loslegten. Unter uns füllten inzwischen schon mehr Besucher die Halle, die gut mitgingen und sich in Stimmung für den Hauptact brachten. Unseren Geschmack traf der Thrash-Metal mit den eher geschrieenen als gesungenen Texten nicht.

Die Instrumente der Vorbands wurden abgebaut und die Instrumente der Hauptband gestimmt und in Stellung gebracht. Der Lichttechniker neben uns bereitete sich mit Skelettmaske und Wikingerhelm auf seinen Auftritt vor. Das Saallicht ging aus und der rhythmische Schlagzeugbeat des Titelliedes des aktuellen Albums setzte ein. Kaum legte die Band mit „Plagues of Babylon“ los, war die gut gefüllte Halle auch schon fleißig am mitsingen und reckte Fäuste und Hände in die Höhe. Und erfreuliche wenige Displays. Die ersten vier Lieder stammten von den letzten beiden Alben und damit wurde deutlich, daß Iced Earth mit dem neuen Sänger wieder voll da sind und sich die neuen Stücke nicht vor den Klassikern verstecken brauchen.

Der erste Klassiker des Abends ist eines unserer Lieblingslieder; „The Hunter“. Und was schon auf der Livescheibe klar wurde, Stu’s Stimme paßt auch zu den Klassikern. Es war unser drittes Iced Earth Konzert und das erste mit Stu Block hinterm Mirko, denn wir haben auf jedem Konzert einen anderen Sänger erlebt.
Jon Schaffer hat sich einen würdigen Nachfolger für Matt Barlow ausgesucht, der es auch als Frontmann versteht, die Menge einzubinden und mitzunehmen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Tim Owens, der zwar gesanglich nichts zu wünschen übrig ließ, aber durch seine Sonnenbrille und sein Gehabe etwas distanziert wirkte. Noch dazu schaute er immer auf den Bühnenboden vor sich, als würde er die Texte ablesen. Stu war immer an vorderster Front, machte einen sympathischen und ehrlichen Eindruck und einen verdammt guten Job.

„The Hunter“ war eine Überraschung im Set, denn das Lied, eines unseres Lieblingssongs, wird auf dieser Tour nicht immer gespielt. Die nächste Überraschung folgte direkt im Anschluß. Wie schon auf Platte, steuerte Hansi Kürsch, seines Zeichens Frontmann von Blind Guardian, in der Zeche den Gastgesang zu „Among the living Dead“ bei. Wobei es eher ein Gastgeschrei war, aber immerhin. Das nächste Mal werden wir Hansi wieder als Gast auf der Bühne einer anderen Musikerin sehen, aber dazu im Mai mehr an dieser Stelle. In Bochum ging es unterdessen mit „Burning Times“ von dem „Something wicked…“-Album weiter. Ein Lied, bei dem man einfach mitgehen muß. Das sah die Menge genauso und wurde immer enthusiastischer und feierte die Band die ganze Zeit ab. Für uns war es interessant, von oben einen Blick auf die tobende Masse zu werfen und zu sehen, wo wir sonst stehen.

Aber genauso interessant war es, dem Lichttechniker zuzuschauen, der ab und an unsere Blicke von der Bühne wegzog. Die ganze Zeit über feierte er die Band ab, bangte, hüpfte und machte fast nebenher das Licht auf der Bühne. Zumindest machte es den Eindruck, als wäre es nebenher, aber er wußte genau was er tat. Auch wenn er eher den Anschein eines wahnsinng gewordenen Pianisten erweckte, der mal hier und mal da in die Tasten haute. Der Mann war eine Show für sich und Iced Earth sollten sich überlegen, auf der nächsten Live-DVD eine Bild-in-Bild Funktion einzubauen, die den Techniker zeigt. :-)

Mit „A Question of Heaven“, der weibliche Gesang kam dabei vom Band, beendeten Iced Earth unter Jubel den regulären Teil der Plagues-Setlist.  Natürlich ließ es sich die Band nicht nehmen, für eine Zugabe zurückzukommen. Und die fiel sogar um ein Lied länger aus als üblich, denn vor „Dystopia“ spielten sie „The coming Curse“. Vielleicht als Belohnung für das begeisterte Publikum. Vielleicht, weil Bochum eine spezielle Bedeutung für Stu hat.
Auf jeden Fall stand Hansi die ganzen Zugaben über am Bühnenrand und schaute sich das Treiben an. Bei „Watching over me“ konnte Stu nochmal beweisen, daß ihm auch die ruhigeren Töne liegen, bevor dann das obligatorische „Iced Earth“ den Abend nach fast zwei Stunden Show abschloss.

Die Fahrt hat sich gelohnt. Auch wenn die Zeiten, in denen Iced Earth eine drei Stunden Show ohne Vorbands spielen wie noch 2002, vorbei sind. Wir konnten uns etwas den Winterschlaf aus dem Körper bangen und uns davon überzeugen, daß Iced Earth 2.0 auf Kurs sind. Hoffen wir nur, daß Stu länger bleibt und wir bei unserem vierten Konzert nicht den vierten Sänger sehen werden. ;-)
Jon scheint nicht nur einen Sänger, sondern auch seinen Weg gefunden zu haben, denn live und auf Platte hat die Band lange nicht mehr so gut geklungen. Für uns hieß es danach, auf nach Siegen, aber hier geht’s jetzt nach Babylon. ;-)

Pics of Babylon

 

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https://youtu.be/WaKHyPcbA9Y

 

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2 Antworten zu Die Plagen von Bochum

  1. Eva sagt:

    Aus der Ferne mitgerockt, das kennt man nicht von Euch! Immerhin war der Act am Rande (Lichttechnik) dann noch eine nette Zugabe.

    So, nach Lesen der rockigeren Töne bin ich wieder auf dem Laufenden und verabschiede mich bis bald mal wieder.
    Eva

    • Holly sagt:

      Da hast Du recht, für uns ungewöhnlich, war aber auch mal schön. Irgendwie war uns beiden nicht so nach engem Gewühl in der ersten Reihe an dem Abend. Das ändert sich auch wieder.
      Hoffentlich. ;- )

      Und dann sind bei den nächsten Berichten wieder mehr Großaufnahmen in der Galerie.
      Ach, die Motive knippst Ihr ja auch. :- )

      Bis zum gemeinsamen Schunkeln
      Holly

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