Endlich wieder Kultur. Natürlich Live!

Im Westen nichts Neues

Nach einem Jahr Pause hieß es Ende Juli für uns wieder die Pferde satteln und uns dem Trek zu unserem jährlichen Termin in Elspe anschließen. Die Karl May Festspiele gehören zu einem Pilotprojekt, um zu sehen, ob solche Veranstaltungen unter den derzeitigen Bedingungen durchgeführt werden können.
Die Zuschauerzahl war begrenzt, unter dem großen Zeltdach wurde die Hälfte der Sitzbänke entfernt.
Wenn es die Kosten zulassen, sollte man das beibehalten, denn endlich saß man nicht mehr so eingepfercht, sondern hatte etwas Beinfreiheit. Im Saloon war es ebenfalls positiv: Weniger Tische, dadurch weniger Gäste gleichzeitig, eine angenehmere Geräuschkulisse und zusätzlich war es, trotz der sommerlichen Temperaturen, nicht so heiß. Die große Showhalle blieb geschlossen, die Tiershow wurde in der ehemaligen Stuntarena präsentiert, während die Stuntshow auf der großen Naturbühne stattfand. Die festen Sitzplätze der Hauptvorstellung galten auch dafür. Soviel zu den Änderungen.

Das Stück selber hat sich nicht verändert, es kommt nach wie vor das gleiche Textbuch zum Einsatz, welches scheinbar in den Achtzigern geschrieben wurde, denn einige Ausdrücke verwendet man heute eher selten. Aber im Wilden Westen, dessen Zeit noch weiter zurückliegt, fällt es nicht so auf.

Jean Marc Birkholz schlüpft in das Kostüm des edlen Apachenhäuptlings, Sebastian Kolb scheint inzwischen die feste Besetzung des Gegenspielers zu sein und Marko Kühne gibt den Indianer, der sich erst nach einem Gottesurteil auf Seiten Winnetous stellt. Damit treten die beiden in die großen Fußstapfen von Rolf Schauerte und Meinolf Pape, zwei Urgesteine der Karl May Festspiele. Dadurch, daß jedes Jahr die gleichen Schauspieler in verschiedene Rollen schlüpfen, stellt sich nach und nach wieder dieses familiäre Gefühl ein. Der Applaus am Ende zeigt, daß es nicht nur uns so geht. Das Gleiche gilt natürlich für Markus Lürick, der nicht nur die Stuntshow amüsant präsentiert, sondern seit Jahren sein komisches Talent im Hauptstück einbringt.
Als Old Shatterhand gab dieses Jahr Martin Krah seinen Einstand auf der Naturbühne. Er wirkte noch etwas blass. Fairerweise muß man sagen, daß Old Shatterhand auch nicht soviel zu tun hatte und Kai Noll große Stiefel hinterlassen hat.

Entgegen unserer Befürchtungen, Elspe müsse Einsparungen vornehmen, weil nicht so viele Einnahmen verbucht werden können wie sonst, merkte man davon während des Stückes nichts. Es galoppierten zwanzig wilde Indianer über die Bühne, es wurde geschossen wie eh und je, an Explosionen wurde nicht gespart, genauso wenig wie der brennende Ölprinz, der in sein nasses Grab springt, um den Wasserfall freizusetzen, fehlen durfte.
Das soll nicht negativ klingen, im Gegenteil. Wenn man nach Elspe fährt, weiß man, was einen erwartet. Große Überraschungen bleiben aus, dafür bekommt man actionreiche Live-Unterhaltung geboten. Das war auch in diesem Jahr so. Wir sind froh, daß die Vorstellungen nicht ein weiteres Jahr aussetzen mußten und haben den Tag im Wilden Westen des Sauerlands sehr genossen. Endlich nochmal ein bißchen Normalität in unnormalen Zeiten.

Wir freuen uns jetzt schon auf nächstes Jahr, wenn „Der Schatz im Silbersee“ gehoben wird und es wieder heißt: „Reiten wir.“

Knipsen wir

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