For Your Ears Only

From Remscheid with Love

Es gibt eine handvoll Lieder, die kennt jeder. Dazu gehört zweifellos das berühmte James Bond Thema von Monty Norman, das seit 1962 weltweit zum Synonym für den britischen Agenten wurde. Zu James Bond gehören nicht nur seine Walther PPK, der Aston Martin und der Martini, sondern vor allem auch die Titellieder. Nicht umsonst haben die letzten beiden Lieder zu „Skyfall“ und „Spectre“ den Oscar gewonnen.

Der Remscheider Musiker Christoph Spengler arrangierte und inszenierte am vergangenen Wochenende zwei exklusive Konzerte, mit 18 Liedern aus dem James Bond-Repertoire. Unterstützt wurde er von der niederländischen Sängerin Nicole Berendsen, mit der er schon mehrere Projekte verwirklichte. Schützenhilfe bekamen die beiden von keinem Geringeren als James Bond höchstpersönlich. Zumindest stimmlich, denn Dietmar Wunder ist die deutsche Synchronstimme von Daniel Craig, dem sechsten* Darsteller des smarten Agenten.

Eine Overtüre öffente die Tür ins musikalisches Bonduniversum, bevor Dietmar Wunder, stilecht im Smoking die Bühne betrat und am rechten Bühnenrand Platz nahm. Das erste Lied des Abends war gleichweg eines der bekanntesten und Nicole Berendsen schritt, passend zu „Goldfinger“, in einem goldenen Paillettenkleid ans Mikro. Nicht nur Dietmar Wunder, auch der Saal war sofort von der sympathischen Niederländerin angetan, die sich beherrschen mußte, zwischen den Liedern nicht zu sprechen. Die Chance dazu hatte sie erst gegen Ende des Programms, als sie sich von dem Moderator die Synchronisationsarbeit erklären ließ. Für sie Neuland, schließlich wird in den Niederlanden kaum synchronisiert.

Was zuerst wie eine Leinwand über der Band aussah, entpuppte sich schnell als kleine Bühne. Auf dieser Bühne, hinter einer angestrahlten Leinwand, tanzten vier Frauen, wie man es aus den Vorspannsequenzen jedes Bondfilms kennt. Gegen Ende hat sich Dietmar Wunder angeschlossen und wurde umtanzt, während er typsiche Bondposen mit Pistole einnahm.

Überraschenderweise wurden zwei eher unbekannte Bond-Themes

dargeboten. Zu „Underneath the Mango Tree“ aus „James Bond jagt Dr. No“, tanzten sich die Bondgirls aus dem Hintergrund in Baströcken auf die Bühne. Und nach „Tomorrow never dies“ folgte „Surrender“. Das eigentlich als Titeltrack gedachte Stück von K.D. Lang, das auf dem Soundtrack unter neuem Namen veröffentlicht wurde. Fand es jetzt nicht so geschickt, zwei Lieder, die „Tomorrow never dies“ im Refrain haben, hintereinander zu spielen, aber darüber läßt sich sicherlich streiten.

Nicht streiten läßt sich darüber, daß es Christoph Spengler eindrucksvoll gelungen ist die Lieder auf die Bühne zu transportieren und den Stil und Charme zu treffen, für den der Gentleman-Agent bekannt ist. Dietmar Wunder vollendete mit seinen lockeren und informativen Moderationen das Gesamtpaket. Egal, ob er Fakten rund um Bond oder persönliche Erinnerungen als Bondfan einfliessen ließ.
Für mich, der seit Kindesbeinen die Filme unzählige Male gesehen, jeden Roman gelesen und die Musik immer griffbereit hat, war es ein besonderes Erlebnis, die Songs live zu erleben. Wenn die Musik den Raum erfüllt, sich Frauen im Hintergrund vorbeitanzen und ein Mann mit Smoking vor einem sitzt, kommt man sich vor, wie im Vorspann einer Mission des Meisterspions.
Nicole Berendsen hat eine tolle Stimme und die Lieder fabelhaft dargeboten, aber wenn man mit den Originalen aufgewachsen ist und im Ohr hat, kann sie nicht ganz mithalten. Was verständlich ist, schließlich kann nicht eine Frau wie Shirley Bassey, Nancy Sinatra, Tina Turner und Adele klingen. Welche Frau vereint schon vier Ausnahmestimmen? :- )

Christoph Spengler hat mit seinen Mitstreitern ein ganz besonderes Konzerterlebnis kreiert, was auf große Gegenliebe gestoßen ist, wie man an den Standing Ovations erkennen konnte. Das ganze Teo Otto Theater stand auf, um sich bei ihm und den anderen Bühnenarbeitern zu bedanken. Bond und die Bondlieder sind halt ein Teil im Leben vieler Menschen und das schon seit über 50 Jahren, bzw. über 60, wenn man die Romane mit einrechnet.

A View To A Pic

*An alle Beckmesser und Erbsenzähler, ja, ich weiß, Bonds ersten Auftritt in „Climax!“ und die vielen Bonds im 1967’er „Casino Royale“ fallen bei der Zählweise unter den Pokertisch. :-)
Dieser Beitrag wurde unter Konzert, Musik abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu For Your Ears Only

  1. Laura sagt:

    Hui, das liest sich als würde ich sowas auch gerne mal miterleben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

14 − 10 =