Solo zu dritt

Du und ich, wir 3

Bereits Mai und noch kein Schleicher-Konzert?
Das gilt es unbedingt zu ändern! Somit machen wir uns an einem sonnigen Donnerstag auf nach Duisburg zum Steinhof, wo wir erst im letzten Dezember eine sympathische Düsseldorferin gesehen hatten. Dieses Mal geht es jedoch nicht in den großen Saal, sondern nach nebenan in den „Raum Kreifeltshof“, denn dort soll ein kleines, aber feines Wohnzimmerkonzert geboten werden.
So fühlt man sich auch in dem behaglichen Raum mit niedriger Decke und ruhigem Ambiente: Wie bei einem gemütlichen Abend zu Hause mit Freunden und Bekannten.
Anders als bei unserem letzten Schleicher-Konzert im November steht heute nicht die komplette Orchester-Besetzung auf der Bühne, sondern „nur“ Kontrabaß, diverse Larson- Hopf- und Bariton-Gitarren, sowie Keyboard, Akkordeon und Cajon. Dennoch schaffen es Andreas Schleicher, Jörg Siebenhaar und Konstantin Wienstroer, den kompletten Raum mit wohligen Klängen zu erfüllen. Zudem entdeckt man in den bekannten Songs immer noch neue Facetten, wenn sie mit weniger Instrumenten dargeboten werden.

Aber von Anfang an:
Kurz vor Acht wird die Spannung aufgebaut. Konstantin und Jörg betreten die Bühne und beginnen mit leisen Tönen. Eine Stimme ertönt, nimmt einen „an die Hand“ und führt einen in den Abend. Der Künstler offenbart in diesem Lied seine Gefühle vor dem Auftritt und man ist gespannt, was noch kommt. Andreas begrüßt wie gewohnt gut gelaunt und charmant die Anwesenden. Er ist bestens bei Stimme und benötigt im kleinen Wohnzimmer im Grunde fast kein Mikrofon, wie man bei „Kurz vor acht“ bemerken kann.

Mit „Nur mit dir“, „Füße in Beton“ und „Bis hier“ gibt es zunächst 3 Stücke vom letzten Album „Mädchen gegen Jungs“ zu hören, die aber in der heutigen Besetzung wieder ganz anders klingen als auf CD oder mit der Acoustic Embassy. Insbesondere Jörg leistet an diesem Abend Schwerstarbeit, da es keine Percussions gibt und der Rhythmus alleine durch sein Cajonspiel vorgegeben wird. Wohlgemerkt während er am Keyboard sitzt – mit dem Akkordeon auf dem Schoß. Alle Hüte ab!
Nicht minder faszinierend ist aber auch das Spiel von Konstantin Wienstroer, der seinem Kontrabaß entweder tiefe Töne, die man noch in der Magengrube spürt, entlockt, oder die Saiten zupft und mit dem Bogen bearbeitet.

Im fünften Song des Abends wird erklärt, was es mit dem Foto am Tablet-Ständer auf sich hat. Es zeigt Buzz Aldrin, den zweiten Mann auf dem Mond, oft fälschlicherweise jedoch mit Neil Armstrong untertitelt. Ein grausames Los: Da ist man schon nur der zweite Mensch auf dem Mond, und wird dann auf dem Foto auch noch verwechselt. Ein Schicksal, mit dem er wohl sein Leben lang gehadert hat, und davon handelt das gleichnamige neue Stück „Buzz Aldrin“. Weltpremiere im Steinbruch – wir freuen uns, unter den ersten zu sein, die den Song hören durften und darauf, ihn zukünftig öfters zu hören, damit mehr vom Text hängenbleibt.

„Genau mein Tag“ wird im Anschluß Geburtstagskind Susanne im Publikum gewidmet. Zusätzlich erhält sie mit einem geschmolzenen Kinder-Country ein schmackhaftes Geburtstagsgeschenk, welches sie nun als Schokoladen-Smoothie schlürfen kann. „Flaschengeist“ ist wie gewohnt der letzte Song vor der Pause und bekommt eine ganz besondere akustische Note. Die bisher gespielte Larson- Gitarre wird gegen eine Framus ausgetauscht, welche perfekt für das orientalisch angehauchte Intro ist. Sofort wird man von diesem Song gepackt, der, auch zu dritt gespielt, seine ganze Kraft entfalten kann.

Der zweite Teil hat ebenfalls neue Songs im Gepäck. „Wurm“ und „Metro“ sind schon etwas bekannter durch die letzten Konzerte im November und groovige Mitgeh-Nummern. Ein neuer Song, „Verkriechen“, bedient jedoch die leiseren Töne und beschreibt anschaulich die Stimmungen, in denen man dies tun möchte. Eine schöne Überleitung zu „Anderer Stern“, der natürlich die nachdenkliche Stimmung aufgreift und noch eine emotionale Schippe drauflegt. Für viele im Publikum bedeutet dieser Song etwas, somit werden prophylaktisch schon die Taschentücher griffbereit gelegt. Ich persönlich bin dankbar für die Emotionen, die beim Hören hochkommen, untrennbar verbunden mit dem Text des Liedes.

Wie im richtigen Leben aber auch, geht es danach wieder positiver weiter und regelmäßige Leser des Blogs und unseren Schleicher-Konzertberichten werden sich gewiß fragen: Was kamen denn diesmal für Vorschläge während des Raps in „Hunger nach Fisch“? Unbestrittener Sieger muß einfach „Rhodinieren“ sein, ein Vorschlag aus der Sonsbecker Ecke, der jedoch erst einmal definiert werden mußte. Was ist das?
Das Aufbringen einer galvanotechnischen Beschichtung auf ein Material mit dem Platinmetall Rhodium.
Ist doch ganz einfach.
In Verbindung mit einem anderen Vorschlag, „polieren“, ergab sich dann die perfekte Kombination und die erste Reihe war für „eine matt, eine glänzend“ und ist somit um einen Insider-Gag reicher. Unwissenden sei hiermit das Lied und der Text zu „Hunger nach Fisch“ ans Herz gelegt.

Viel zu schnell ist es wieder Zeit für den letzten regulären Song im Programm, „Perfekter Song“, aber auf Nachfrage wird das Publikum mit einer großartigen Version von „Stop this train“ bedacht. Wir können es immer wieder betonen: Wer gute Musik mit deutschen Texten, präsentiert von großartigen Musikern unter der Leitung eines offenen, bodenständigen Sängers, zu schätzen weiß, sollte sich www.andreasschleicher.de in seinen Favoriten speichern und unbedingt ein Konzert besuchen!!
Zudem lohnt es sich, die Seite im Blick zu behalten, da wir wohl in Bälde mit neuer, auf CD verewigter Musik rechnen dürfen!

Wohnzimmergalerie

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1 Antwort zu Solo zu dritt

  1. Ivonne sagt:

    Wie immer ein schöner Bericht aber so gekonnt habe ich das Wort „Rhodinieren“ nicht erklärt.? Es war mir immer ein inneres Blumen pflücken diesen Abend mit euch verbracht zu haben?

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