Meisenmänner und Teeträger

Multiinstrumentaler Nonsens

Jedes Mal, wenn Helge Schneider in Siegen spielte, haben wir darüber gesprochen, diesen Herren eigentlich mal live unter die Lupe nehmen zu wollen. Letzten Freitag sind wir dann spontan in die Siegerlandhalle aufgebrochen um uns sein neues Programm anzuschauen.

Wir waren sehr gespannt, was uns an dem Abend erwartete. Die erste Überraschung war das Publikum. Ein Zielpublikum war nicht auszumachen, denn die Menschen waren bunt gemischt und entstammen allen Altergruppen. Alle waren gekommen, um diesen Ausnahmekünstler live zu erleben. Obwohl Helge Schneider im Fernsehen nicht so präsent ist, hat er es auch bei diesem Gastspiel in der Krönchenstadt geschafft die große Halle fast auszuverkaufen.
Die zweite Überraschung war die Bühne. Dort waren mehrere Instrumente aufgebaut, was auf eine Band schließen ließ. Der Mülheimer hatte sich also Unterstützung mitgebracht. Pünktlich um 20.00 Uhr ging das Licht im großen Saal aus, die vier Musiker und zwei Teeträger betraten die Bühne. Rechts nahm Sergej Gleithmann Platz. Mit seinem langen grauen Haaren und langem Bart, erinnerte er uns etwas an Leonardo Da Vinci. Von seinem Stuhl aus beobachtete er die ganze Show. Helge gesellte sich dann dazu und begann mit seinem Programm.

Was sich in den nächsten zweieinhalb Stunden abspielte, läßt sich eigentlich kaum in Worte fassen. Helge erzählte lustige, abstruse und völlig sinnfreie Geschichten, die ihm scheinbar in dem Moment eingefallen waren. Dazwischen wurden Lieder aus seinem Repertoire gespielt und auch diese wirkten stellenweise improvisiert. Auf jeden Fall war erkennbar, daß die Band immer angespannt auf den Bandleader achtete und ihn nicht aus dem Augen ließ, weil sie nie wußten, wann er ein Lied anfangen wollte oder was ihm wieder einfiel. Helge griff sich bei jedem Lied ein anderes Instrument und jedes davon beherrschte er. Im zweiten Teil lieferte er sich sogar ein Drum Battle mit seinem Schlagzeuger Willy Ketzer. Sein musikalisches Können wird oftmals von seiner Art und seinem eigenen Humor übersehen.

Die großen Hits wie zum Beispiel „Telefonmann“, Katzeklo“, „Meisenmann“, „Es gibt Reis, Baby“ uv.m., die zwischen den Anekdoten aus seinem Leben dargeboten wurden , durften natürlich nicht fehlen und wurden dankbar vom mitsingenden Publikum abgefeiert. Helge ließ das Hallenlicht wieder einschalten, obwohl er und die Band noch ein Lied ausspielten und schickte die Zuschauer mit musikalischer Begleitung in die Pause. So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Aber so etwas erlebt man wahrscheinlich nur bei Helge Schneider. So sind uns vorher auch noch nie Teeträger bei Konzerten begegnet. Bodo Österling und sein Auszubildender kamen immer mit einem Tablett angerannt, wenn dem Meister der Sinn nach einem Schluck Tee stand. Dabei wurden sie angepflaumt, wenn sie den Chef verdeckten oder wieder einmal den Teppich auf der Bühne in Unordnung brachten. In dem Programm war nichts vorauszusehen, auch nicht die drei Auftritte von Herrn Gleithmann, der verschiedene Lieder durch seinen Ausdruckstanz, Gebärdensprache oder Sportgymnastik untermalte. Nichts an dem Abend machte irgendwie Sinn, aber alles machte wahnsinnig viel Spaß.

Die Zugabe bot Helge alleine mit seiner Akustikgitarre dar. Ein Lied über Siegen. Wie könnte ein Konzert schöner enden, als mit einer Ode an die Stadt der Spielstätte. Die Besucher dieses Programms gingen begeistert, mit einem Lächeln im Gesicht, in die Nacht hinaus und finden sich beim nächsten Gastspiel bestimmt wieder an gleicher Stelle ein. Wie wir.

Es gibt Fotos, Baby

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2 Antworten zu Meisenmänner und Teeträger

  1. Ivonne sagt:

    Ich sag mal das hört sich nach irrsinnig viel Spaß an. Da wäre ich gerne dabei gewesen ?

    • Holly sagt:

      Aber Du warst an dem Abend doch in einer anderen Halle, in der Du auch wahnsinnig viel Spaß hattest. Gut, nicht so nette Gesellschaft, wie Du hier gehabt hättest, aber zumindest Spaß. ;- )

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