That’s all

Talfahrt zu Mama

Die letzten drei Jahren beendeten immer der Familie unsere kulturellen Ausflüge, aber sie fuhren dieses Jahr bereits im September zurück in der Heimat nach Zabrze. Schickten uns aus Polen aber Ray Wilson vorbei. Denn nach März hat sich der sympathische Schotte zum zweiten Male in diesem Jahr in unseren Terminkalender geschlichen. In den letzten zehn Jahren hat sich Ray immer näher an uns herangearbeitet; von Kreuztal über Netphen nach Kaan. Wir brauchten im Prinzip nur von unserem Berg runter und standen quasi vor den Toren der Weißtalhalle.  Auf jeden Fall die kürzeste Konzertanfahrt in diesem Jahr.

Wie bei uns üblich, waren wir ziemlich früh vor der ausverkauften Halle. Aufgrund der Temperaturen hatte ein freundlicher Mann ein Einsehen und ließ uns im Vorraum der Halle warten. Dort freundete wir uns mit zwei Damen an, die uns schon in Netphen bemerkt hatten. Zu viert belagerten wir dann nach dem regulären Einlaß die erste Reihe, direkt vor Ray und warteten auf den Beginn des Konzert. Dieser kam pünktlich um 20.00 Uhr, als der freundliche Mann, der uns vorher in die Halle gelassen hatte, mit Gitarre und weiblicher Begleitung an der Geige die Anwesenden begrüßte und den Ablauf des Abends verkündete. Zuerst würden die beiden Musiker eine halbe Stunde spielen und nach Ray würde alles für die Band Quest aufgebaut, die dann die Aftershowparty musikalisch begleiten würden.
Die zwei spielten Folk, teilweise mit irischen / keltischen Einschlägen. Es war ganz nett und paßte ganz gut zum Schotten.  Wir kannten keines der Lieder, aber als der letzte Song angestimmt wurde gingen rechts und links von uns ein paar kleine Fangruppen ab. Insgesamt ein netter Einstieg in den Abend.

Nach einem kurzen Umbau betraten dann Ray Wilson und sein Klassik-Quintett die Bühne. Seit unserem letzten Besuch hat er sein Quartett um einen Saxophon- und Flötenspieler aufgestockt. Los legten sie mit dem Genesis Klassiker „Follow you, follow me“, gefolgt von „Another Day in Paradise“. Die Stimmung in der Halle war gut und auch die Band schien gut aufgelegt zu sein. Selbst Steve’s Verspieler wurde lachend von allen anderen Bandmitgliedern aufgenommen. Ray freute sich natürlich ;-) in Siegen zu sein und fragte das Publikum, ob es eine Konkurrenz zwischen Siegen und Netphen gäbe. Dabei sprach er Netphen fehlerfrei aus. Besser als mancher Deutsche, die mit dem ph nicht klarkommen oder es gerne vor das t stellen.

Die üblichen Verdächtigen dem Genesis- und Genesis-Umfeld-Pool und drei eigenen Liedern wurden im ersten Teil gespielt. Neu war „Take me home“, bei dem Steve Wilson den Gesang übernahm. Natürlich durften auch die beiden Geigerinnen und der neue Saxophonist im Laufe der Show ihr Können präsentieren. Das Saxophon bereichtere einige Stücke, aber vor allem bereicherte der Spieler das gesamte Bühnentreiben. Marcin machte die ganze Zeit Faxen, feixte mit Alicja, Barbara und Darek. Er schien wirklich viel Spaß zu haben und steckte damit nicht nur die Bandkollegen, sondern auch die Zuschauer in der Halle an.
Ray’s „The Airport Song“, sollte das letzte Lied, vor der Pause sein, aber nachdem er nochmal jeden Instrumentalisten auf der Bühne bei dem Lied eingebunden hatte, stimmte er alleine „In the Air tonight“ an. Alleine kann man in dem Fall schlecht sagen, denn er animierte die Halle das bekannte Lied mitzusingen. Eine Aufforderung, die fast alle annahmen.

Nach der Pause mußte mit „That’s all“ wieder ein Genesis-Hit die Stimmung in der Weißtalhalle anheizen. Die Version von „Swing your Bag“, die dann folgte, wurde umarrangiert und die beiden Geigerinnen bereicherten das Stück durch ihren Hintergrundgesang. Die neue Version hat was für sich und spiegelte gut das Bandgefüge wieder. Generall ist uns aufgefallen, daß man der Band die inzwischen jahrelange Zusammenarbeit anmerkt. Alle sind aufeinander eingespielt, jeder bekommt seine Solominuten im Scheinwerferlicht, so daß man wirklich den Eindruck hat, eine richtige Band zu sehen nicht nur Ray Wilson mit Gastmusikern.

Wie schon im März in Netphen stand auch beim Classic-Programm der zweite Teil im Zeichen der Fiedel. So durfte jeweils eine der Damen an den Bühnenrand kommen und „Ripples“, bzw. „Entangled“ zum Besten geben.
Gerade bei den langen Instrumentalstücken fiel allerdings auf, daß man sich in der Provinz voller Banausen befand. Konnte man in Netphen bei den Stücken noch eine Stecknadel fallen hören, wäre hier einer ganzer Amboss unbemerkt zu Boden gegangen. Gerade im hinteren Teil der Halle herrschte eine Unruhe, die einem ungetrübten Genuß der musikalischen Darbietung etwas im Wege stand. Zugegeben, es ist natürlich unmöglich, daß die Musik auf einem Konzert zu laut ist, um sich vernünftig miteinander zu unterhalten. Da muß man einfach lauter werden, sonst versteht der Gegenüber und die restliche Halle nichts.
Jetzt gehören die beiden Sologeigeneinlagen auch nicht zu meinen Höhepunkten des Konzertes, aber trotzdem kann man doch eine gewisse Rücksicht auf seine Mitmenschen verlangen. Scheinbar nicht in Siegen. Selbst Alicja, die den ganzen Abend durchlachte, machte einen leicht verärgerten Eindruck, als sie nach dem Solo wieder ihren Platz einnahm.

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Dann kam „Inside“ und nach wie vor muß ich gestehen, daß diesem Lied das akustische Gewand nicht so gut steht. Es fehlt einfach die Energie einer E-Gitarre. Bei den ruhigeren Liedern sind die Arrangements stimmig, aber aus „Inside“ wird so ein Rocklied, das nicht rockt.
„Invisible Touch“ brachte dann die Halle wieder zum Mitklatschen, bevor Darek das Phil Collins Lied „Against all Odds“ vortragen durfte. Er überraschte, zumindest mich, mit einer tollen Stimme.  Die beiden Peter Gabriel Nummern „Biko“ und „Solsbury Hill“ beendeten dann den reguläre Teil. Natürlich hat der anhaltente Beifall der Siegener dazu beigetragen, daß die Band noch zwei Nummern spielten.

Zu meiner Freude wurde „Not about us“ gespielt. Ein schönes, ruhiges Lied und eines meiner Lieblingslieder vom „Calling all Stations“ Album. „Mama“ beendete dann endgültig das Konzert. Beim „HAHE-HE“ wurde Ray wieder in gelbes Licht getaucht und sein Gesicht könnte man in dem Moment als Halloweenmaske verkaufen. :-)

Wir gingen dann noch mit den beiden freundlichen Damen erfolgreich auf Autogrammjagd, bevor wir uns verabschiedeten und uns auf unseren kurzen Heimweg machten.
Damit ging unser letztes Konzert für dieses Jahr zuende. In den nächsten Monaten wird es folglich etwas ruhiger im Blog. Wir können versichern, daß es 2014 weitergeht. Die ersten sechs Monate sind schon fast ausgebucht. :-) Mehr möchten wir noch nicht verraten.

Ray kündigte am Samstag mehrfach an, nächstes Jahr wieder mit großer Band nach Nephten zu kommen. Zwar konnten wir noch keine offizielle Bekanntmachung finden, wären aber wieder dabei, wenn es zeitlich paßt. Die volle Band, mit Schlagzeug und E-Gitarren liegt uns einfach mehr, als das akustische Programm mit den immer gleichen Genesis-Liedern. Der Mann hat soviel gute, eigene Lieder geschrieben und muß sich nicht hinter Genesis verstecken. Außerdem verschwimmen die Grenzen zwischen seinen beiden Projekten zusehends, denn „Ripples“ und „Entangled“ gehören zur Setlist beider Touren. Etwas klarere Schnitte täten ihm sicherlich gut und wären auch für Außenstehende einfacher auseinander zu halten.
Nichtsdestotrotz gehört er zum festen Inventar unserer Sammlung und des Blogs und werden ihm die Treue halten, in der Hoffnung, daß er irgendwann nochmal den Weg zurück zu „The Mind’s Eye“ und „She“ findet. Zwei der besten Alben in unserem CD-Ständer. Bis dahin viel Spaß mit den Fotos aus der Weißtalhalle.

Klassische Fotogalerie

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3 Antworten zu That’s all

  1. Eva sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    es gibt mich noch und heute werde ich mich mal durch all die verpassten plüschigen Berichte lesen und vielleicht ein paar Zeilchen hie und da dazu schreiben. Fangen wir mal bei diesem hier an:

    Das scheint – bis auf den gefallenen Amboss ;- ) – ein richtig gutes Konzert gewesen sein und mit kurzem Anfahrtsweg macht das noch mehr Spaß. Ray Wilson könnte auch meinen Nerv treffen.

    Ansonsten muss ich aber noch erwähnen, dass ich NIEMALS NIE NICHT Neftfen falsch aussprechen würde … nur falsch schreiben … ;- ) Aber ich habe mit Genugtuung gelesen, dass Du – lieber Holly – Dir bei der Schreibung auch nicht so ganz sicher bist. *ganzbreitesgrins*

    • Holly sagt:

      Hallo liebe Eva,
      schön, daß Du wieder da bist und dich hie und da bemerkbar machst.

      Wenn dir Ray gefallen würde, komm doch einfach nächstes Jahr mit nach Nef…äh… Netphen. :- ) [Ich weiß schon wie man meinen Heimatort fehlerfrei schreibt. Sollte ein kleiner Gag sein.] So weit ist der Anfahrtsweg für Euch doch nicht.

      Viel Spaß mit den plueschigen Berichten
      Holly

      • Eva sagt:

        Zu Ray müsste ich noch meinen Mann überzeugen. Vielleicht helft Ihr mir dabei!? ;- )

        Über Deine unzuverlässigen Schreibungen habe ich mich auch wahrlich köstlich amüsiert … und ich gestehe ja, dass ich jedes Mal aufs Neue überlegen muss, wie sich Euer schöner Heimatort schreibt … *grins*

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