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Auf den Spuren der Feuerseele

Zum zweiten Mal innerhalb von 2 Wochen machten wir uns auf den Weg in die Ruhrpottmetropole Essen. Dieses Mal jedoch nicht in die Grugahalle, sondern eine Nummer kleiner: Erstmalig in unserer Konzertlaufbahn besuchten wir eine Veranstaltung im Turock. Unscheinbar und ohne große Beschilderung liegt die Halle inmitten einer Fußgängerzone, neben einer Bar mit Geisterbahndekoration, einer Sparkasse und gegenüber einer Kirche. Und das soll man dann auf Anhieb finden. Erschwerend hinzu kam die Tatsache, dass eine Stunde vor Einlaß noch keine Menschenseele sich auch nur ansatzweise in der Nähe der Eingangstür befand. Gerade für ein Metalkonzert an einem Samstag eine kuriose Tatsache. Völlig entspannt begann pünktlich um 19 Uhr der Einlaß und wir fanden uns ganz vorne vor der Bühne wieder.

Brainstorm, die fünf symphatischen Schwaben, hatten für insgesamt 4 besondere Shows eingeladen. Im Rahmen der Veröffentlichung des neuen Albums „Firesoul“ präsentierten sie in vier Städten das komplette Album live (eine ähnliche Aktion wie Selig vor 2 Jahren). Da unser letztes Brainstormkonzert schon fast 6 Jahre zurücklag, mußten wir nicht lange überlegen und besorgten uns Karten für Essen.

Den Einstieg in den Abend bestritt die Kölner Band „Gun Barrel“, die schon einige Anhänger im Publikum zu haben schien und von Anfang an die Menge mitreißen konnte. Auf den ersten Blick wirkte die Band etwas zusammengewürfelt, das Zusammenspiel und Stageacting bewies jedoch, dass eine eingespielte Gruppe auf der Bühne stand. Leider ist mir jedoch kein Song wirklich im Ohr geblieben, was jedoch auch am Sound liegen kann, denn der war den gesamten Abend nicht wirklich gut. Nach 8 Stücken räumten Gun Barrell dann die Bühne für die Schweden von Bloodbound.
Der Platz vor der Bühne wurde bereits deutlich enger, unter anderem zeigten sich Grüppchen, die tatsächlich nur für Bloodbound gekommen waren und dementsprechend ihre Band abfeierten. Vom Stil her spielen die Schweden traditionellen Power Metal (bereits an Titeln wie „In The Name Of Metal“ oder „Metalheads Unite“ zu erkennen). Obwohl der Leadgesang in der ersten Reihe immer noch kaum zu hören war, wußten die Songs und der symphatische Sänger Patrick Johansson zu überzeugen und machten Lust, sich näher mit der Band zu beschäftigen.

In einer kurzen Umbaupause wurde die Bühne letztendlich für Brainstorm vorbereitet. In der ersten Reihe war es mittlerweile richtig kuschlig, alleine durch die geschätzten 37 Fotografen, die sich leider nicht in einem Fotograben bewegen konnten (keine Absperrung weit und breit) und sich, auf der Jagd nach dem besten Motiv, durch die Menge schieben mußten. Bei allem Verständnis dafür: Irgendwann nervte es einfach nur und manche waren definitiv nicht nur während der ersten drei Songs zugange.
Wo wir gerade bei Kameras sind: Dem aufmerksamen Beobachter fielen auch die verschiedenen Kameraleute auf, die vor, auf und hinter der Bühne die Geschehnisse in bewegten Bildern festhielten.

Schließlich erlosch das Saallicht und die mittlerweile richtig angeheizte, feierwütige Menge im Turock bereitete Andy B. Franck, Torsten Ihlenfeld, Milan Loncaric, Antonio Ieva und Dieter Bernert einen gebührenden Empfang. Zum Einstieg gab es drei Brainstorm Klassiker: „Highs Without Lows“, „Shiver“ und „Worlds Are Coming Through“, die vom Mob komplett mitgesungen wurden. Im Anschluß daran verwies Andy auf das neue Album, welches erst am Vortag veröffentlicht wurde, und daß genau dieses nun komplett gespielt werden würde. Die 10 Stücke wurden nicht minder abgefeiert und die Stimmung, die von der ersten Sekunde an gut war, hielt sich durchweg. Alle Bandmitglieder gaben alles und waren bereits nach wenigen Songs komplett durchgeschwitzt, was Herr Franck durch das Auswringen seines Shirts eindrucksvoll bewies.

Zwischendurch erfolgten immer wieder Ansagen seitens Andy, der, ebenso wie der Rest der Band,  von den euphorischen Reaktionen des Publikums begeistert zu sein schien, jedenfalls bekamen alle das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht. Was vorher vermutet wurde, wird schließlich auch bestätigt: Die Kameras sind nicht umsonst anwesend, es wird eine DVD geben! Mit dieser wird in diesem Jahr außerdem das 25jährige Bandjubiläum gefeiert, was das Publikum direkt mit einem spontanen „Happy Birthday“ quittierte.

Nachdem mit „And I wonder“ der letzte Song des neuen Albums verklungen war, forderte die Menge selbstredend noch einige Zugaben ein. Besonders über „Shiva’s Tears“ habe ich mich sehr gefreut, ist der Titel doch einer meiner all-time-favourites von Brainstorm.
Desweiteren hatten die Jungs noch „Temple Of Stone“ und „Fire Walk With Me“ im Gepäck, bevor „All Those Words“ den Abschluß des Abends bildete. Dessen Melodie wurde aus hunderten Kehlen lauthals mitgesungen, auch noch, als die Band sich verbeugte und das Licht wieder anging.  Ein toller Konzertabend ging zu Ende und wir haben uns vorgenommen, zum nächsten Konzert der Schwaben nicht wieder 6 Jahre ins Land gehen zu lassen. Es gibt wohl nur wenige deutsche Bands, die es in Sachen Spielfreude, Sympathie, aber auch Härte gepaart mit tollen Melodien, mit Brainstorm aufnehmen können.

All those pics

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