30 Jahre Doro

Ein klassischer Abend mit Blondine

Man meinte, das große Konzert zum 25jährigen Bühnenjubiläum von Doro sei gerade erst gestern gewesen, dabei sind seitdem wieder mehr als 5 Jahre ins Land gegangen. Die internationale Metal Queen Doro Pesch feierte nun den Höhepunkt ihrer Jubiläumstour mit zwei einmaligen Konzerten in ihrer Heimatstadt Düsseldorf. War das 25jährige noch eine Riesennummer im großen ISS Dome, hatte sich Doro dieses Mal eine etwas kleinere Location ausgesucht: Maximal 3000 Personen faßt die CCD Stadthalle im Messezentrum. Daher organisierten wir uns bereits im letzten Jahr das günstige Kombiticket für beide Shows, welches noch mit einmaligem T-Shirt kam. Auch ein Hotelzimmer in günstiger Lage buchten wir zeitig und somit stand einem Konzertwochenende nichts mehr im Wege.

In Ruhe traten wir die reibungslose Anreise an und bezogen unser gemütliches Hotelzimmer (das erste Mal mit Minibar!!). Gute zwei Stunden vor Einlaß fanden wir uns vor der Halle ein, wo sich bereits eine stattliche Menschentraube versammelt hatte. Trotzdem konnten wir einen Platz in der ersten Reihe, direkt vor dem Kamerakran ergattern. Mehrere Menschen mit Handkameras bezogen ebenfalls vor und auf der Bühne Position, um die Show für die Videoleinwände festzuhalten und es bleibt zu hoffen, dass an den beiden Abenden die Konzerte für eine DVD mitgeschnitten wurden.  Die Location wirkte sehr edel: Teppich und Rolltreppen im Foyer, Holzboden und verspiegelte Decken im Konzertraum. Zu edel für manche, die sich im Internet beschwerten, dies sei nicht der Rahmen für ein Metalkonzert. Ich persönlich fand die Halle sehr schön und dem festlichen Anlaß gerecht. Überhaupt sollte das, was auf der Bühne passiert, im Mittelpunkt stehen und das war mit Sicherheit kein Kaffeekonzert.

Angenehmerweise gab es an diesem Abend keine Vorband und Doro legte, nachdem um 20:15 Uhr der Vorhang fiel, direkt mit „Touch of Evil“ los. Das Bühnenbild, was sich einem bot, war beindruckend: Das Orchester hatte auf zwei übereinanderliegenden Etagen platzgenommen, die Bühne an sich war mit Blumenranken und Totenköpfen geschmückt. Da der Blick auf die Protagonistin noch von geschätzten 37 Fotografen umringt war, ließen wir den Blick über die Bühne schweifen und entdeckten doch tatsächlich bekannte Gesichter auf der obersten Empore. Gudrun Edelkötter und Nonna Perferow, die auch mit Herrn Schleicher zusammen musizieren, waren tatsächlich Teil von Doros Orchester. Witzig, wie sich manchmal musikalische Kreise schließen. Wir scheinen nicht die Einzigen zu sein, die musikalische Blondinen bevorzugen. ;-)

Doro strotzte wie gewohnt voller Energie, war ständig in Bewegung und feuerte die Menge an, die sie erwartungsgemäß begeistert feierte. Aus aller Herren Länder waren Fans angereist und Doro ermunterte sie immer wieder, ihre Flaggen zu erheben (Frankreich, Schweden, Ukraine, Russland, Polen, sogar Brasilien und Japan waren vertreten). Ihre Ansagen waren dementsprechend ein wilder Mix aus Englisch und Deutsch und man merkte ihr deutlich an, dass sie sehr aufgeregt war. Manche Sätze gaben entweder keinen Sinn oder sie hörte mitten im Satz auf und generell wirkte sie etwas unbeholfen beim Sprechen. Wahrscheinlich sorgte die ungewohnte Situation mit dem Orchester im Rücken für Nervosität. Dafür überzeugte ihr Gesang umso mehr.

Natürlich ließen sich einige Gäste die Feierlichkeiten nicht entgehen und schon beim vierten Song stieß der erste hinzu: Blaze Bayley betrat, mit seinem Smartphone filmend, die Bühne und schmetterte gemeinsam mit Doro eine furiose Version von „Fear of the Dark“. Sympathisch wuselte er von einer Seite der Bühne zur anderen und gratulierte der Jubilarin anständig zu 30 Jahren Rock auf der Bühne.
Rockige Nummern wie „Rock Till Death“ und „Night of the Warlock“ wechselten sich ab mit ruhigen Stücken wie „Above the Ashes“ oder „Beyond the trees“, die durch das Orchester veredelt wurden.  Weitere Gäste unterstützten Doro, u.a. Savatage- Gitarrist Chris Caffrey, der bei „Metal Tango“ und „Für immer“ in die Saiten griff. Doro suchte immer wieder den Kontakt zu ihren Fans, schritt die ersten Reihen für Shake-hands ab und ließ sich bei „Für immer“ etwas ganz besonderes einfallen. Sie erklomm die Schultern eines Bergs von Mann mit blonden Locken und auf dessen Rücken konnte sie noch mehrere Hände erreichen und hatte bestimmt einen fantastischen Blick über die ganze Halle. ;-)

Der nächste Gast Udo Dirkschneider rockte die Menge mit einer mitreißenden Version von „Princess of the dawn“. Doro berichtete, wie groß der Einfluß von Accept damals für sie war und daß sie sich noch gut daran erinnern kann, die Band aus der ersten Reihe zu sehen. Ganz in diesem Geiste kam sie mal wieder zur ersten Reihe, setzte sich buchstäblich neben uns auf die Brüstung und verfolgte die ersten Minuten von Udos Auftritt von dort aus. Später gesellte sie sich wieder zu ihm und sang mit ihm gemeinsam die Ballade „Dancing with an Angel“.

Danach wurden die Monster losgelassen: Mr Lordi und Amen, aka „der Gitarrist von Lordi“, betraten die Bühne und schmetterten den Eurovisions Gewinnersong „Hard Rock Hallelujah“. Wir fanden es Weltspitze, allerdings verstummten die niederländischen „die hard“ Doro Fans neben uns und schienen nicht viel damit anfangen zu können. Alleine das Bild vom riesigen Chefmonster neben der zierlichen Doro war das Eintrittsgeld wert und auch die Mumie schien viel Spaß zu haben und wirbelte über die Bühne. Beide sind große Doro Fans, was sich auch nach dieser Show nicht ändern wird, obwohl sich Doro offensichtlich Amens Namen nicht merken konnte. ;-)

Nach den Monstern wurden ausschließlich Kracher wie „Burn it up“, „Breaking the law“ und „All we are“ abgefeuert, bei letzterem stießen auch wieder alle Gäste dazu. Natürlich war Doro noch lange nicht fertig und brachte nach „Love me in Black“ nochmal die Achtziger Jahre mit „True as steel“ und „Metal Racer“ zurück. Marc Storace, Shouter von Krokus, sang gemeinsam mit Frau Pesch eine gelungene Version von „Highway to Hell“, welches die Stimmung zum Siedepunkt brachte, selbst im Orchester wurde fleißig mitgewippt. Da die Fans Doro nicht von der Bühne ließen (und sie selbst schien auch nicht wirklich gehen zu wollen), gab es als letzte Zugabe noch „Revenge“ vom letzten Album. Danach war jedoch, nach immerhin fast 3 Stunden,  endgültig Schluß. Glückliche Gesichter überall verließen die Stadthalle und auch wir machten uns recht schnell auf dem Weg zum Hotel, in froher Erwartung auf den morgigen Abend.
Fortsetzung folgt.

Raise your pics in the air

 

 

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3 Antworten zu 30 Jahre Doro

  1. Eva sagt:

    Die Welt der Musik ist ein Dorf und wer immer auch wieder auf die Nebensächlichkeiten (Bandmitglieder) achtet, der findet manche – noch unbekannte – Perle. ;- )

    Doro ist nicht meine Welt, aber der Bericht liest sich gut und lässt einen wirklich gelungenen Abend für Euch vermuten.

  2. Laura sagt:

    Heieieie. Da hat sie sich aber ordentlich feiern lassen. Verdient, bei 30 Jahren Bühnenerfahrung! Klingt als hättet ihr viel Spaß gehabt. Und sie und alle anderen Anwesenden wohl auch.
    Muss ja toll gewesen sein, dass ein Orchester dabei war! Das macht sicher mehr her als wenn „nur“ die Standartbesatzung auf der Bühne steht. Also ich finde zumindest, dass Orchesterversionen oft besser klingen als das Original.

    „Daher organisierten wir uns bereits im letzten Jahr das günstige Kombiticket für beide Shows, welches noch mit einmaligem T-Shirt kam.“
    Sehr löblich, dass die größten Fans solche Vergünstigungen bekommen!

    • Karinsche sagt:

      Vielen Dank für den Kommentar liebe Laura!
      Doro ist immer ein Garant für eine tolle Show und bei ihr bekommt man für den Eintritt auch gut was geboten.
      Besonders der Orchesterabend hat mir auch sehr gefallen, denn die musikalische Wucht, die einem entgegenkam, war gewaltig. ;)

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