Winnetou im Sauerland, woll!

Der Abschied des Halbbluts

Jedes Jahr im Sommer steht unser traditioneller Besuch bei den Karl May Spielen in Elspe auf dem Programm. Dargeboten wird in dieser Saison „Der Ölprinz“.  Seit 2009 sind wir regelmäßig dabei und feiern 2013 somit ein 5jähriges Mini-Jubiläum.

Wieder mit Freunden im Gepäck machten wir uns an einem sonnigen Samstagnachmittag auf und über die Grenze ins Sauerland. Abendvorstellungen sind grundsätzlich immer ein besonderes Erlebnis, gerade weil die Feuereffekte noch etwas spektakulärer rüberkommen. Die Verkehrssituation bei „Schichtwechsel“ (= Besucher der Nachmittagsvorstellung, die vom Parkplatz wegfahren vs. Besucher der Abendvorstellung, die wiederum parken möchten), ist allerdings weniger schön und stellt die Helfer der freiwilligen Feuerwehr, die den Verkehr regeln, vor eine Herausforderung. Auch das Gefährt, das uns alle transportierte, hatte darauf keine Lust und muckte auf dem Parkplatzhügel, doch wir erreichten sicher den Hof.

Das Rahmenprogramm bestand wie in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Shows. In der Showhalle gab es wie im letzten Jahr eine Stuntshow, „Fight and fire“, die von Markus Lürick humorvoll moderiert wird, und schon einige Knalleffekte und brennende Menschen beinhaltet. Man hat aus dem vergangenen Jahr wohl gelernt und das Auswählen der Freiwilligen aus dem Publikum etwas zügiger gestaltet. Auch werden sie harmonischer in die Show miteingebunden. Im Anschluß daran ging es direkt weiter mit der Pferdeshow „Teaching Horses“. Hier wird den Zuschauern vermittelt, wie die heimlichen Hauptdarsteller auf vier Hufen auf die Show vorbereitet werden. Laute, unvorbereitete Geräusche können Pferde erschrecken, daher ist es wichtig, sie gut zu trainieren, damit sie nicht ins Publikum rennen, wenn auf der Bühne das Schießen losgeht. Wie perfekt man mit den Tieren umgehen kann, beweist Miloslav Simandl aus der tschechischen Republik. Ohne Hilfsmittel, nur mit einer Gerte, die er zum Führen einsetzt, hat man das Gefühl, er könnte alles mit den Tieren machen.
Die Musicalshow schenkten wir uns allerdings auch in diesem Jahr und gingen stattdessen lieber in Ruhe etwas im Saloon essen, bevor der Einlaß begann.

Hauptattraktion ist natürlich die Karl May Aufführung auf der großen Naturbühne. Immer wieder beeindruckend, durch die enge Gasse den Zuschauerraum zu betreten.


Nachdem dann die dritte Fanfare verklungen ist, weiß jeder: Jetzt geht’s los.  Die Handlung spielt im verschlafenen Dorf St. David. Dieses ist weitgehend verlassen, bis auf einen jungen Mann namens Paddy, der mit den Navajo-Indianern friedlich Handel treibt, aber gelegentlich auch von Banditen heimgesucht wird. Eines Tages kommt eine Gruppe Weißer in die Gegend, angeführt von Grinley, der „Der Ölprinz“ genannt wird. Listig verkauft er an seine Geschäftspartner Ölquellen, die es gar nicht gibt. Grinley wird natürlich wieder von Rolf Schauerte richtig schön fies verkörpert. Zu seiner „Gang“ gehört ein bekanntes Gesicht, das noch im letzten Jahr die Langhaarperücke an den Nagel gehängt hat. Benjamin Armbruster wechselte in diesem Jahr die Seiten und kämpft nun mit genauso viel Elan auf der Seite der Bösen.

Nach 10 Minuten betreten (oder vielmehr „bereiten“) die Navajo- Indianer die Szene. Angeführt werden sie von Meinolf Pape alias Mokaschi. Und seien wir ehrlich: Er ist diese Saison die Hauptperson. Im Grunde spielt Meinolf Pape jedes Jahr den gleichen Charakter mit wechselnden Namen. Eines ist er jedoch immer: Der temperamentvolle Häuptling, der keinen Kampf scheut und Winnetou in Frage stellt. Aber zurück zur Handlung: Der erste Kampf zwischen Indianern und Weißen folgt schnell und die Stuntmen, aber auch die Herren Armbruster und Pape mischen sich gegenseitig ordentlich auf. Geschlichtet wird der Kampf von Sam Hawkens (Marco Schiedt), der in diesem Jahr sehr erheiternd sächselt.

Winnetou wird dieses Jahr dann also auf sächsisch anmoderiert „Do kömmt Winnedou, der Häuptling deo Apötschn“, und kommt von rechts reingeritten. Ich persönlich finde ja, dass Winnetou grundsätzlich seinen ersten Auftritt auf dem höchsten Berg der Bühne haben sollte, wo er heroisch mit seinem Ross erscheint, untermalt von der Winnetou-Musik. So wurde es die meiste Zeit auch gehandhabt. Naja. Nächstes Mal wieder. Jedenfalls gerät auch der Apachenhäuptling, gespielt von Jean-Marc Birkholz, in den Kampf mit den Weißen, unterstützt von seinem Blutsbruder Old Shatterhand (Oliver Bludau) und es gelingt ihnen, sie vorerst in die Flucht zu schlagen.

Ein Planwagen-Treck kommt auf die Bühne. Angeführt wird dieser von Rosalie Ebersbach, einer resoluten Siedlerin. Wer könnte einen solchen Charakter besser verkörpern als Katy Karrenbauer? Jedenfalls spielt sie sehr gut und hat mich mehr überzeugt als Radost Bokel im letzten Jahr. Außerdem fährt im Treck der verschrobene Kantor Hampel (Markus Lürick), der neben Sam Hawkens für die Lacher auf der Bühne sorgt. Stets singend und komponierend will er eine Oper über den Wilden Westen kreieren und läßt dabei auch schonmal die gefangenen Banditen frei, die Old Shatterhand zuvor überwältigt hatte.
Winnetou und Mokaschi sind sich uneins, wie die Indianer gegen die Weißen nun weiter vorgehen sollen. Die Entscheidung soll ein …Trommelwirbel…GOTTESURTEIL bringen. Und das heißt: Kämpfen! Meinolf liegt wieder waagerecht in der Luft und kickt Winnetou über den Rindenmulch. Allerdings muß er seine Niederlage akzeptieren und sich Winnetous Willen, erst einmal in Verhandlungen zu treten, beugen.

Der gerissene Grinley gibt sich gegenüber Mokaschi als Freund aus und schreckt nicht davor zurück, auf seine eigenen Leute zu schießen, um glaubwürdig zu wirken. Er schließt ein Abkommen mit Mokaschi: Wenn die Indianer den Zug stoppen, bekommt er die transportierten Ölfässer, die Indianer die Waffen.  Auch eine Indianerfamilie wird Opfer des Ölprinzen, der jedoch ein Schmuckstück des getöteten Indianers unbemerkt dem Kantor unterjubelt. Die Navajos glauben an die Schuld der Weißen und nehmen die Siedler des Trecks gefangen, um sie an den Marterpfahl zu stellen. Auch Old Shatterhand wird gefangen, der in einem … ihr ahnt es – GOTTESURTEIL gegen Mokaschi für das Leben der Siedler kämpft. Mokaschi muß sich erneut seinem Gegner beugen und saust sogar von der Bühne.  Schließlich wird Grinley von Winnetou als Drahtzieher entlarvt und ersterer flieht auf den Berg zum Ölbohrturm, wo er sich, in die Enge getrieben, selbst in die Luft sprengt. Die Explosion ist gigantisch und selbst einige Meter entfernt weht einem heiße Luft ins Gesicht.

Zusätzlich zur Abendvorstellung besuchten wir dieses Jahr auch eine am Nachmittag. Nicht bloß irgendeine, sondern die letzte der Saison 2013 und die allerletzte Aufführung mit Meinolf Pape. Der Ablauf war natülich genau gleich, nur erschien beim Schlußapplaus Jochen Bludau. um eine kleine Rede zu halten. Er würdigte die Stuntmen und das gesamte Team, das Hauptaugenmerk lag aber beim sichtlich gerührten Meinolf Pape, der von den über 4000 Zuschauern stehende Ovationen bekam und mit den Tränen kämpfte. Ein letztes Mal preschte er mit seinem Pferd Spirit von einem Bühnenausgang zum nächsten und ließ sich verdient bejubeln. Eine weitere Ära geht zu Ende in Elspe und wer auch immer in Zukunft den temperamentvollen Indianer spielt: Er wird sich immer an Meinolf Pape messen lassen müssen.

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5 Antworten zu Winnetou im Sauerland, woll!

  1. Dennis sagt:

    Toller Bericht!
    Ich war bislang nur ein einziges Mal in Elspe, das muss sich unbedingt ändern. Naja, ich werd ja hoffentlich nicht die ganze Zeit hier im außerdeutschen Exil sein! :D Aus der Heimat ist es ja nicht so weit, wie von hier. ;)

    • Karinsche sagt:

      Dankeschön!
      Elspe ist bei uns jedes Jahr Pflichtprogramm. Immer wieder ein schöner Tag. Ich sage dir Bescheid, wann wir wieder fahren nächstes Jahr. ;)

      • Dennis sagt:

        Ja bitte gerne! :D
        Ich muss da wirklich noch mal hin, aber wie mit so vielem, dann will man es, dann klappt es aus diversen Gründen doch nicht – und alleine macht es eh nicht so viel Spaß, wie mit ein paar netten Leuten. :)

  2. Steffen Langenbach sagt:

    Hallo zusammen,

    wieder mal ein sehr gelungener Bericht.
    Beim Lesen kommen einem die ganzen Bilder vom Tag wieder vor Augen.
    Wir freuen uns schon auf’s nächste Mal – dann aber vielleicht doch lieber mit 2 Autos ;- )
    Liebe Grüße aus Duisburg!

    Steffi und Steffen

    • Karinsche sagt:

      Hallo ihr Zwei!
      Danke für die lobenden Worte und wir freuen uns, dass ihr trotz der widrigen Umstände einen zweiten Besuch in Erwägung zieht. Wäre toll, wenn ihr nochmal mitkämt!
      Lieben Gruß
      Karinsche

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