50 und kein bißchen leise

Skyfall

Regie: Sam Mendes
mit: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris,
Ben Whishaw, Albert Finney, Bérénice Marlohe, Ola Rapace u.a.
143 Min.

Da mir zu Ohren gekommen ist, daß die Filmbesprechungen im Blog Anklang finden, werde ich die ereignislosen Tage nutzen und zwei nachreichen.
Nächstes Jahr kann der Doctor auf 50 Jahre in der TARDIS zurückblicken, doch schon 2012 feierte eine britische Ikone goldenes Jubiläum: Bond, James Bond.

Wie schon die beiden Vorgänger fängt auch „Skyfall“ ohne Gunbarrel-Sequenz mitten in einer Mission des MI6 in Istanbul an. James Bond jagt einem Killer nach, der eine Festplatte gestohlen hat, die alle Daten über verdeckte Agenten des Secret Service enthält. Vor dem Vorspann gelingt es ihm nicht diese wiederzubeschaffen. Durch den mißgeglückten Auftrag gerät M unter Beschuß. Einmal im übertragenen Sinne durch Politiker, die sie wegen der Mission in den Ruhestand schicken wollen und wortwörtlich durch den Bösewicht.

Bond trifft in Shanghai abermals auf den Killer aus Istanbul und bekommt mit seiner und der Hilfe Severines heraus, wer hinter dem Diebstahl der Daten und den Angriffen auf M steckt; der ehemalige Agent Raoul Silva.
Bond schafft es seinen Gegenspieler zu überrumpeln und nach London zu bringen. Dort lässt sich Silva aber nicht lange einsperren und liefert sich mit Bond eine Jagd durch London. Daraufhin bringt 007 seine Vorgesetzte in ein Versteck und leitet den Showdown ein. Wer diesen gewinnt ist kein großes Geheimnis, denn auch „Skyfall“ verspricht: James Bond will return.

Ich bin kein großer Fan des Bond-Reboots, das 2006 stattgefunden hat, denn Bond wurde von einem einzigartigen Helden zu einem von vielen. Bei den neuen Filmen ist kein großer Unterschied mehr zu Jason Bourne, Jack Bauer und Konsorten. Waren bei „Ein Quantum Trost“ noch ein paar klassische Bondelemente zu sehen, ist „Skyfall“ noch austauschbarer geworden und die letzten Unterschiede zu Jason Bond, …äh… James Bourne sind weggefallen. Nach wie vor mag ich auch Daniel Craig nicht, er ist nicht (mein) Bond.

Trotzdem hat mir „Skyfall“ gut gefallen. Der beste von Craigs drei Einsätzen, der mit Javier Bardem einen guten Gegenspieler erhält. Bardem scheint sichtlich Spaß an der Rolle gehabt zu haben und war eine Mischung aus Frank N Furter und Bruce Berger [falls jemand „Männerherzen“ kennt ;-)]
„Skyfall“ ist ein guter und sehenswerter Agententhriller, nur kein guter Bondfilm. War der vierzigste Geburtstag vielleicht an manchen Stellen zu ausgefallen geraten, tendiert das diesjährigen Jubiläum zu stark in die andere Richtung. Die Locations sind nicht exotisch genug und die Actionsequenzen zu spärlich. Die Filme standen in der Vergangenheit immer für ausgefallene Stunts und Geheimwaffen, an die man sich erinnert. Geheimwaffen hat Q diesmal keine parat, so dass sich 007 auf seine Walther und seine Fäuste verlassen muß. Und die beste / größte Actionsequenz kommt vor dem Vorspann, danach darf Bond noch mal in Shanghai und Macau sein Können zeigen, bevor die komplette zweite Hälfte des Filmes in England spielt. Verfolgungsjagden in U-Bahnen oder Schiesserein, bei denen Häuser zu Kleinholz zerlegt werden sind nicht besonders originell, auch wenn sie gut und spannend inszeniert sind. Das typische Bondflair der alten Filme will sich nicht einstellen, da helfen auch der Aston Martin oder der neue Q nicht.

Wenn man das Flair oder den „alten“ Bond nicht vermisst und auf gutgemachte Action ohne viel CGI-Zauberei steht, man kann sich „Skyfall“ bedenkenlos anschauen. Die 142 Minuten wissen durchaus zu unterhalten.

! SPOILER !
Wer sich ein paar Überraschungen bewahren will, sollte jetzt nicht weiterlesen.

Judi Dench hat in „Skyfall“ ihren letzten Auftritt als M. Ich persönlich finde das sehr schade, denn die gute Dame Judi war seit 1995 mein Lieblingsbondgirl. Allerdings ist es sehr schön, dass ihre Figur mehr Screentime und einen würdigen Abschied bekommt.
Aber keine Sorge, Bond wird nich arbeistlos, denn das Ende des Films bringt nicht nur Moneypenny zurück sondern zeigt auch Bonds neuen Vorgesetzten.

Jetzt, wo alle vakanten Posten wieder (neu) vergeben wurden, hoffe ich, auf einen bondigeren Einsatz des berühmtesten Geheimagenten der Welt. Auch wenn er immer noch wie Daniel Craig aussehen wird. ;-)

… bevor ich es vergesse, vielleicht findet sich auch endlich wieder ein Editor, der die Gunbarrel-Sequenz an den Anfang schneidet. Da gehört sie hin und macht auch mehr Sinn. :-)

Dieser Beitrag wurde unter Kino abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu 50 und kein bißchen leise

  1. Laura sagt:

    „eine Mischung aus Frank N Furter und Bruce Berger“
    HAHAHA!!!! :D Stimmt irgendwie. Aber über Bruce Berger kommt keiner ;)

    Hab den Film auf englisch gesehen und fand es ziemlich gemein von Daniel Craig, dass er ausgerechnet die Pointen so oft vernuschelt hat („Last rat standing“). Aber das gehört wohl zur Rolle. Dafür ist Judi Dench im Orginalton einfach noch umwerfender!!! Und Ralph Finnes kann auch mehr als „nur“ Voldemort.
    Das Ende des Films hat mir richtig gut gefallen. Eben vor allem, dass Moneypenny und der neue M vorgestellt werden.

    • Holly sagt:

      Freut mich, daß dich mein Vergleich erheitert.
      Bruce ist schon sehr lustig, wobei ich nur den ersten Teil gesehen habe. Dafür lief “Für alle Essen” wochenlang.

      Der Film hatte Pointen? Wurde mir schon berichtet, habe ihn im Kino aber als sehr ernst und unlustig wahrgenommen. Ein Grund mehr, sich den Film nochmal anzuschauen und dann auch im Original.
      Dame Judi ist generell großartig. Bei “Iris” habe ich geheult wie ein Heulschlund. Und Ralph Fiennes ist ebenfalls ein guter Schauspieler, mit einer Karriere vor Harry Potter. Schau ihn dir nur mal in “Brügge, sehen und sterben” an.

      Dir auch einen guten Rutsch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

4 × 4 =