Amtlich geprüftes Dummschwätzen

Sackgasse

Drei Jahre sind seit unserem letzten Treffen mit Heinz Becker vergangenen. Bisher die längste Wartezeit auf einen Liveauftritt in unserern Breiten. Gerd Dudenhöffer ist nicht nur eine Institution in der deutschen, sondern auch in unserer Kabarett-Szene, deswegen sind wir ihm gerne in die Sackgasse gefolgt.

Leider war der Becker Heinz nicht der einzige Dummschwätzer in der Halle, einge hatten sich um unsere Plätze drapiert. Da wurde sich nach jedem Scherz angeschaut, oder man mußte den Gag für seine(n) Partner(in) nochmal kommentieren. In der Pause machte uns eine Bekannte von Karinsche darauf aufmerksam, daß die Plätze neben ihr leer wären. Da zögerten wir nicht lange und zogen in die zweite Reihe Mitte. Von hier konnten wir die Darbietung nicht nur ruhiger verfolgen, auch die Mimik wirkt von Nahem natürlich wesentlich besser.

Die Welt durch die beschränkten Augen von Heinz Becker zu sehen, ist immer sehr lustig. Sein Kosmos besteht nicht nur aus Hilde und Stefan, er kennt sich in der ganzen Welt aus und gibt seine fundierte Meinung dazu ab. Teilweise stolpert er dabei über Fremdworte, verspricht oder verhaspelt sich. Diese Versprecher vom Heinz sind von Gerd genau geplant und so verwundert es nicht, daß einige Worte oder Sätze dadurch eine ganz andere Bedeutung bekommen. Gerade dieses scheinbar unabsichtliche Spiel mit der Sprache zeigt die große Kabarettkunst von Gerd Dudenhöffer. Die stets dazu passende Mimik und Gestik runden das Gesamtbild ab.

Einmal angefangen kommt Heinz Becker von Hölzchen auf Stöckchen. Ob es um Google Street View, Blähungen im ehelichen Schlafzimmer oder Friseure geht, zu allem teilt er seine Meinung mit den Anwesenden. Diese freuen sich und lachen oft und laut, nur wenn wenn Heinz auf Juden, Holocaust oder Selbstmordattentäter zu sprechen kommt, herrscht in der Halle eine merkwürdige Stille. Man spürt förmlich, wie sich die Zuschauer fragen, ob sie das eben Gesagte lustig finden dürfen.
Auch über die Klimaveränderung hat er sich seine eigenen Gedanken gemacht und weiß genau, wo sich Captain Iglu und Onkel Ben auf ihrer Wanderung über unseren Planeten treffen. Wahrscheinlich nur Heinz Becker fragt sich außerdem, wie viele Neger Wolfgang heißen anstatt Lumumba.

Nach tosendem Applaus kam Heinz noch einmal raus, um erst die Geschichte eines tödlichen Unfalls mit der Geschichte seines Unfalls beim Spaghettiessen zu vermischen und dann seinen Einkauf im Sexshop zu schildern. Danach verbeugte sich Gerd Dudenhöffer, erkennbar an der fehlenden Kapp, und beschloß den Abend.

Neben Dieter Nuhr ist Gerd Dudenhöffer immer eine Garantie für einen gelungenen, witzigen Abend. Er hat in den drei Jahren nichts verlernt, im Gegenteil. Denn der zweistündige Einblick in die Weltanschauung von Heinz Becker ist immer neu. Lediglich die Zugaben sind oft alte Nummern, als kleines „Best of“ sozusagen.
Das stört aber überhaupt nicht, denn die Figur des kleinkarierten Spießbürgers funktioniert nach wie vor. Und aus diesem Grund freuen wir uns, daß ab kommenden Jahr nicht nur die Welt näher rückt, sondern mit dem neuen Programm auch wieder Heinz Becker.

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