Lustig, lustig allweare

heut‘ ist Doro-Abend da

Der morgendliche Blick in unsere Nikolausstiefel verriet, daß wir das ganze Jahr über brav waren, denn es befanden sich ein paar Eintrittskarten darin. Wir trafen umgehend alle Vorbereitungen und waren flugs auf dem Weg zu unserer letzten Konzertreise des Jahres. Es ging Richtung Ruhrpott, Fahrziel Zeche, Bochum, dorthin hatte die sympathischste Nikoläusin der Metallandschaft gerufen.
Einem Ruf, dem wir nicht widerstehen konnten.

Wie für uns üblich, standen wir rechtzeitig vor der Halle. Dort trafen wir auf alte und neue Bekannte, mit denen wir uns die Zeit bis zum Einlass vertrieben.
Ein Platz in der ersten Reihe war uns sicher und da in der Zeche keine Absperrungen vor der Bühne aufgebaut waren, standen wir direkt am rechten Bühnenrand, vor Nick Douglas. Mit seinen schwarzen Klamotten, der Mähne und der Körpergröße geht er auch gerne als Knecht Rupprecht durch. Zum Glück hatte er statt der Rute seinen Bass dabei, denn er gehört zu unseren Lieblingsbassern. Oder muß es auf Neudeutsch Lieblingsbuzzern heißen?

An dem Abend konnte also nichts mehr schief gehen, wie die tschechische Vorband Seven bewies. Pünktlich um 20.00 betraten sie die Bühne um den Zuschauern die Kälte auszutreiben. Ob es an den eisigen Temperaturen vor der Halle oder an fehlender Interaktion mit der Menge lag, die ganze Halle brachte sie nicht komplett auf Touren.
Die Bandmitglieder wirkten alle sehr jung, das einzige Gründungsmitglied ist der Gitarrist Honza Kirk Běhunek. Da fehlt wahrscheinlich einfach die Erfahrung. Musikalisch und gesanglich gab es an Seven aber nichts auszusetzen. Abgesehen von der Tatsache, daß auch die Tschechen von den Polen geklaut haben, denn der alte Trick mit der Bohrhammer die Gitarre zu spielen kam uns sehr vertraut vor. :-)
Ansonsten meisterten sie ihre Aufgabe wirklich souverän und wurden bei den letzten Liedern von ihrem Produzenten und Rage-Gitarristen Victor Smolski unterstützt. Als „Highway to Hell“ gespielt wurde, sang dann auch die komplette Zeche lauthals und aufgewärmt mit.

  Eine knappe halbe Stunde wurde auf der der Bühne umgebaut, große Totenköpfe drapiert und Setlisten an strategisch wichtige Stellen geklebt. Direkt vor uns. :-)
Ein erster Blick verriet uns, daß es vier Lieder vom neuen Album ins Set geschafft hatten, unter anderem das Lieblingslied der neuen Platte von mir und der netten Dame aus Plettenberg; „Revenge“. Der Abend sollte zeigen, daß nicht alles stimmt, was schwarz auf weiß steht. Die Reihenfolge wurde getauscht, Lieder ausgelassen und dafür andere gespielt, ohne auf dem Zettel zu stehen. Aber der Anfang stimmte und so betraten Doro und Ihre Mannen zu „Hellraiser“ die Bühne und legten von Null auf Hundert los. Nicht nur Doro, auch Nick, Luca und Bas liefen, sprangen und bangten von der ersten Sekunde an und brachten eine unglaubliche positive Energie und Spielfreude rüber. Dazu hätte auch das Lied „Take no Prisoners“ vom neuen Album gepaßt.

Die Menge zeigte sich von Beginn an begeistert und die ausverkaufte Zeche sang jedes Lied lauthals mit. Bei Doro-Konzerten herrscht immer eine spezielle Stimmung, die kaum zu beschreiben ist. Man spürt einfach die Verbundenheit der Fans mit Doro und der Band, schließlich unterstützen Nick und Johnny die freundliche Blondine schon gute 20 Jahre musikalisch. Deswegen verstehe ich nie die ganzen Rufe nach einer Warlock-Reunion, schließlich spielt sie mit diesen beiden Musikern schon viermal solange zusammen wie mit den Leuten der Band, die sie groß gemacht hat.

 Die Verbundenheit wird von Doro erwidert und das hat sie an dem Abend durch das Lied „You’re my family“ wieder deutlich gemacht. Was bei anderen Musikern vielleicht anbiedernd oder aufgesetzt wirkt, kommt bei ihr einfach nur authentisch und mit viel Herzblut rüber. Leider fiel der Spontaneität „Warrior Soul“ zum Opfer, ein Lied, das ich mag und an dem Abend auch gerne gehört hätte. Aber ein Lied fehlt bei Konzerten ja immer.

Generell haben ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge viele alte Lieder auf der Setlist gesehen . Die gehen ab und rocken, aber das kleine Energiebündel hat so viele gute Lieder nach Warlock geschrieben, daß es schon schade ist, wenn hauptsächlich Lieder aus den Achtzigern Verwendung finden. Meckern auf hohem Niveau halt, denn obwohl die Setlist nach „Beyond the Trees“ nur noch das ausgefallene „Herzblut“ zeigte, kam die Band zu Zugaben raus und Doro fragte die Fans, was sie hören wollten. Die Zugaben auf Zuruf finde ich bei Doro immer super und ich frage mich, wie viele Lieder die Band einstudiert hat. Aufgegriffen wurde dann „Hellbound“. Dann wurde mit „Metal Tango“ und „East meets West“ das Ende eingeläutet. Nachdem alle Anwesenden keine Sekunde der zweistündigen Show stillstanden, sei ihnen das auch gegönnt. Eigentlich unglaublich, daß Doro nächstes Jahr ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. Bei der Energie und Spielfreude sehe ich den nächsten 30 Jahren optimistisch entgegen. :-)

Wir haben dann noch einen obligatorischen Gang am Merchandise-Stand vorbei gemacht, denn mit 23.30 war es noch nicht so spät, wie befürchtet. Und zum Glück mussten wir nicht den ganzen Weg zurück, sondern uns stand nur eine gut halbstündige Fahrt in unser Nachtquartier bevor. Hatten wir doch bei Freunden um Asyl gebeten, um unserem letzten Konzert des Jahres beiwohnen zu können.
Fortsetzung folgt!

Bis dahin könnt ihr Euch die Zeit mit einem Blick in die Nikolaus-Galerie verteiben.

 

 

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3 Antworten zu Lustig, lustig allweare

  1. Dennis sagt:

    Na, das klingt doch nach einer perfekten Nikolausfeier. Schöner kann der Advent doch nicht sein!

    Smolski ist übrigens ein fantastischer Gitarrist (Jaaa, die obligatorische Gitarristen-Fanboy-Zeile darf auch vor Weihnachten nicht fehlen).

  2. Eva sagt:

    Sehr besinnliche Nikolausfeier. ;- )
    Liebe Grüße an Euch
    Eva

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