Die drei ??? und die große Menschenmenge

Phonophobia – Sinfonie der Angst

Die drei Fragezeichen ist eine Hörspielreihe für Kinder. Das denken viele und das ist auch  richtig. Allerdings sind die Kinder, genauso wie die Sprecher, inzwischen Mitte / Ende Vierzig und haben stellenweise ihre eigenen Kinder dabei. Aber auch Teenies findet man alleine in der Menge, von denen man annehmen könnte, so etwas sei in dem Alter peinlich. Die drei Detektive bewiesen aber erneut, daß sie ein generationsübergreifendes Phänomen sind. Kultstars der Popkultur. Wie sonst läßt sich erklären, daß alle 24 Aufführungen von Phonophobia ausverkauft sind. Und es geht immerhin um Veranstaltungsorte mit 10.000 Zuschauern aufwärts.
Und wie soll man den wenigen Mitmenschen, die den Sandmännchen für Erwachsene nicht verfallen sind, erklären, daß man sich mit tausenden anderen Menschen versammelt hat, um einer Aufführung eines Hörspiels beizuwohnen?

Natürlich bietet „Phonophobia“ auch optisch einiges. Die Bühne besteht aus 42 LED-Monitoren, die nicht nur Ihre Farbe ändern oder als Bildschirm dienen können, sondern sich je nach Situation einzeln drehen und kippen lassen.  Aber die LED-Wand fügte sich wesentlich organischer als Teil der Bühne ein, als die LED-Wand der Vorgängertour.

Wie schon beim letzten Programm, tauchten die Helden des Abends erst nach ein paar Zeilen aus dem Off auf der Bühne auf und die Arena tobte.  Obwohl es nicht die erste Tour ist, merkt man den sympathischen Hörsprechern immer noch das ungläubige Staunen über diese überwältigende Sympathiebekundung an. Als Dank durften die Zuschauer die Lösung eines Falles live erleben. Dabei werden Oliver, Jens und Andreas von zwei Schauspielerinnen, einem Schauspieler, vier Musikern und natürlich Peter Klinkenberg unterstützt, der die Szenen mit seinen Geräuschen untermalt.

Im ersten Teil der Geschichte hatte es die drei Detektive auf ein Hochplateau verschlagen. Dort entdecken sie ein mysteriöses Institut, indem die Sinfonie der Angst vorbereitet wird. Die zweite Hälfte führt zurück in ein Gemäuer, das die drei Fragezeichen nicht zum ersten Mal betreten. Als Bob nachrechnete, daß ihr letzter Besuch 34 Jahre zurück lag, tobte die Halle. Aus der gleichen Zeit stammten die Echos, die ihre Rufe beantworteten. Überhaupt gab es einige Anspielungen auf alte Fälle und auf Menschen, die Hörspiele zum Einschlafen hören. Aus diesem Grund darf es keine Toten in den Geschichten geben, wie Peter seine beiden Kollegen erinnert.

Bot „Der seltsame Wecker – Live and ticking“ noch eine unerwartete musikalische Einlage von Peter und Bob, durften dieses Mal alle drei ihre Tanzkünste unter Beweis stellen, daß eine Zweitkarriere als Boygroup drin gewesen wäre. Natürlich gab es wieder ein paar optische Gags und vergnügliche Zeilen, nur Versprecher gab es kaum. Alle waren entweder sehr konzentriert oder sehr gut vorbereitet. Dabei hatten sie auf der Bühne sichtlich viel Spaß.

War das Ende der letzten Tour in die Länge gezogen, so wirkte die Auflösung von „Phonophobia“ etwas abrupt und unverständlich. Erst die anschließende Erklärung von Justus in der Zentrale, in der Blacky natürlich nicht fehlen durfte, brachten Licht ins Dunkel. Das tat dem anschließenden Abschlußapplaus keinen Abbruch, denn alle Beteiligten wurden von der zufriedenen und begeisterten Zuschauern stehend gefeiert.

Das Geheimnis, warum die drei Fragezeichen und ihre Sprecher so einen großen Anklang finden haben sie bisher noch nicht gelöst. Wahrscheinlich waren und sind sie in unzähligen Kinderzimmern präsent. Dadurch verbinden viele Menschen Erinnerungen an eine unbeschwertere Zeit mit den jugendlichen Detektiven. Vielleicht liegt das Geheimnis an der Langlebigkeit. Welche Konstanten, neben den Rolling Stones, begleiten einen schon den Großteil des Lebens in unserer schnelllebigen Zeit.
Und vielleicht sollten einige Geheimnisse nicht aufgedeckt werden. Ich bin mir sicher, wenn Justus, Peter und Bob sich in fünf Jahren wieder bei der Lösung eines Falles über die Schultern schauen lassen, kommt auch die große Menschenmenge zurück. :-)

Erster Detektiv   Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv  Jens Wawrczeck
Recherchen und Archiv  Andreas Fröhlich
Schauspieler
Traudel Sperber, Tanja Fornaro und Stefan Krause
Musiker
Tilmann Ehrhorn, Jan-Peter Pflug, Dirk Wilhelm und Maria Todtenhaupt
Geräusche
Jörg Klinkenberg
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1 Antwort zu Die drei ??? und die große Menschenmenge

  1. Joerg sagt:

    Sehr treffende Beschreibung der Drei-Fragezeichen-Aufführung in Oberhausen. Die überwältigenden Sympathiebekundungen des Publikums waren während der ganzen Auftritts spürbar. Und alle Sprecher und Musiker waren mit Begeisterung bei der Sache.

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