Ein Männlein steht am Keyboard

und hat manches Mal eine Gitarre um

Kaum ein Jahr nach ihrem Weihnachtsalbum veröffentlichten Erasure im September bereits ihr neues Studioalbum. Letzte Woche kamen sie nach Köln um „The Violet Flame“ dem deutschen Publikum näher zu bringen. Der Plueschbog durfte in Köln selbstverständlich nicht fehlen. Naja, zumindest eine Hälfte des Blogs. Die mit dem guten Musikgeschmack, die nicht kränkelnd im Bett lag. :-)
Im Gegensatz zur vorherigen Tour sollte ich aber nicht alleine hingehen, es gesellte sich Herr B. aus R. zu mir. Wir sicherten uns ziemlich weit vorne einen guten Platz. Erasure’s Popularität scheint in den letzten Jahren wieder zugenommen zu haben. Nicht nur waren vielerorts auf der ganzen Welt die Konzerte schnell ausverkauft, auch in Deutschland war nicht, wie in den letzten Jahren das E-Werk der Austragungsort, sondern das auf der anderen Straßenseite gelegene größere Palladium. Auch diese Halle konnten Erasure mit Menschen und guter Laune füllen. Wenn man mich fragt kein Wunder, denn zum einen ist ihnen mit „The Violet Flame“ ein tolles Album gelungen und zum anderen sind die Konzerte der Beiden immer eine Reise wert. Sie verwandeln jede Halle in eine Disco und die Besucher in tanzende, glückliche Menschen.

Disco war das Motto der Tour. Sind große Bühnenbilder und wechselnde Kostüme meistens wichtige Bestandteile einer Erasure-Show, war die Bühne dieses Mal ziemlich spartanisch. Vor dem schwarzen Backdrop befanden sich nur die Musiker und einige Scheinwerfer. Der freie Platz und die wechselnden Lichter bildeten die Disco samt Tanzfläche. Passend dazu waren einige Hits leicht umarrangiert, um dem Thema gerecht zu werden, aber immer so, daß der Wiedererkennungswert und das laute Mitsingen aus tausender Kehlen nicht behindert wurde. Die Zuschauer nahmen das freudig an und verbreiteten vom ersten Ton an gute Laune in der großen Halle. Mit „Oh, L’Amour“ legten Erasure los. Vince Clarke stand, wie immer eigentlich, im Hintergrund, vor seinem Synthesizern, Keyboards und Computern. Im grauen Anzug und mit dem schwarzen Hut war er fast noch unscheinbarer als sonst. Wettgemacht wird das durch Andy Bell, das Zirkuspferd der Band. Im Paillettenfrack mit goldenem Zylinder und großer Brille stand er vom ersten Ton an am Bühnenrand. Begleitet wurden beide durch die langjährigen Background Sängerinnen Valerie und Emma (inzwischen Whittle) Chalmers.

Andy sprach zwischen den Liedern immer auf Deutsch mit dem Publikum und meinte, er sähe im Frack aus wie ein Buddenbrecht. Die hatte er am Vortag auf Arte gesehen. Das Publikum rief ihm Buddenbrook entgegen. Er nahm es lächelnd zur Kenntnis und sagte das erste neue Lied des Abends an: „Reason“. Den ganzen Abend, tänzelte Andy gut gelaunt über die Bühne, ohne daß seine Stimme darunter gelitten hätte.

Das Kölner Publikum stand ihm in nichts nach und sang jedes Lied mit, egal ob alter Hit oder neue Nummer. Als dann schon nach der Hälfte „Always“ erklang, war ich überrascht, denn ich hatte das Lied in den Zugaben erwartet. Die nächste Überraschung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Erasure schoben direkt „Dead of Night“ hinterher. Bisher hatte das Lied in der Setlist dieser Tour gefehlt. Wahrscheinlich haben sie es extra für mich gespielt, denn „Dead of Night“ ist mein Lieblingslied des neuen Albums. Jeder der es gehört hat, kann die Ohrwurmqualitäten nicht abstreiten. Und ich hatte mich schon damit abgefunden es nicht live hören zu dürfen. Zum Glück wurde ich eines Besseren belehrt. ;-)

Bei einigen Liedern kam Vince hinter seinem Instrumententisch hervor und schnallte sich eine Gitarre um. Dabei blieb er im hinteren Bereich der Bühne stehen und wirkte genauso verloren wie vor dem Keyboard. Diesen Kontrast zwischen den beiden Partnern finde ich immer so faszinierend. Er wirkt nicht wie der musikalische Mastermind, der seit über 30 Jahren die elektronische Musik beeinflusst. Der Stampfer „Love to hate you“ leitete die letzten Lieder des Abends ein. Es sollte noch „A little Respect“ folgen, bevor mit „Chains of Love“ der reguläre Teil unter frenetischem Jubel im Palladium beendet wurde.

Lauthals forderte das Publikum eine Zugabe ein und die Band ließ es nicht lange zappeln. Andy bezog seinen Platz in der Mitte am vorderen Bühnenrand, umgeben von Valerie und Emma. Ich weiß nicht, ob es an der Weihnachtszeit lag, aber „Gaudete“ feierte an diesem Abend seine Livepremiere. Daher hatten alle drei den lateinischen Text noch nicht so verinnerlicht und behalfen sich mit zwei Zetteln vorm Mikro. Es war das einzige Lied von „Snow Globe“, das es in die Show geschafft hat. „Gaudete“ war die zweite große musikalische Überraschung an dem Abend und mein persönlicher Favorit vom Weihnachtsalbum. Als allerletzte Zugabe wurde nochmal zu „Sometimes“ das Tanzbein im Palladium geschwungen. Damit ging ein tolles Konzert nach 90 Minuten zuende, wobei die Kölner Zuschauer noch gerne weitergefeiert und den Heimweg aufgeschoben hätten.

Wie eingangs erwähnt sind Erasure-Konzerte immer eine Reise wert. Sie verbreiten gute Laune und die Beiden haben ein gutes Händchen wenn es um die Auswahl der Setlist geht. Mit „Dead of Night“ und „Gaudete“ haben sie mir zwei musikalische Freuden gemacht, aber alles in allem hat mir die „Tomorrow’s World Tour“ besser gefallen. Nicht nur, weil sie es auf der Tour geschafft haben, meine „Best of“-Liste als Vorlage für die Setlist zu nehmen. :-) Mir gefallen halt die Kostüme und die schönen Bühnenbilder, die sie sonst im Gepäck haben. Genug genörgelt. Ich, nein wir, fühlten uns trotzdem Disco, und werden auf jeden Fall nicht zögern, wenn das Zirkuspferd wieder mit seinem unscheinbaren Jockey in Köln einreitet. ;-)

The Violet Pics

Drei Faktoren sind dafür verantwortlich, daß die spärliche Fotoauswahl dieses Mal nicht so schön und abwechslungsreich ist:
1. Die Blogfotografin fehlte
2. Der Wachhund von der Security hat nach dem dritten Lied jegliches knippsen in den ersten Reihen unterbunden
3. Andy steht einfach nicht still :-)
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3 Kommentare zu Ein Männlein steht am Keyboard

  1. Jörg sagt:

    Eine treffende Beschreibung des tollen Erasure-Events in Köln! Vince Clark und Andy Bell reihten Hit auf Hit hintereinander, das Konzert war insgesamt – wie schon vor Dir beschrieben – sehr disco- bzw. dancelastig. Das Kölner Publikum ging während der ganzen 90 Minuten gut mit. Das war sicher nicht mein letztes Erasure-Konzert :- )

    • Holly sagt:

      Hallo Jörg,
      freut mich, daß der Bericht deine Zustimmung findet und er dir gefällt. Ich wurde etwas zum schreiben „gehetzt“. ;- )
      Mein letztes Erasure-Konzert war es auch nicht. Hoffentlich können wir wieder gemeinsam hin. Karinsche ist zwar wieder gesund, am Musikgeschmack hat sich aber nichts geändert. :- D

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