Ferien vom Roll N Roll

Der Christian ist da

Es war Anfang 2014, als wir uns gemütlich auf der Couch das große Special zum 20jährigen Jubiläum von Oliver Kalkofe ansahen. Während dieser Sendung trat ein Musiker auf, den wir zuvor nicht kannten, jedoch sofort ins Herz schlossen. Sehr zur Freude von Herrn Kalkofe gab Christian Steiffen, das Bernsteinzimmer der guten Musik, dort seine Hymne „Sexualverkehr“ zum Besten, und nicht nur Olli mußte sich vor Lachen wegschmeissen. Wir schauten uns an und wußten: Wir haben da etwas ganz Großartiges gesehen und youtubten uns sogleich durch sämtliche Steiffen-Videos. Ähnlich wie 2008 bei Der Familie Popolski war von nun an auch unser näheres Umfeld nicht davor sicher, mit den Links zu Steiffen-Videos zugespamt zu werden – ein sicheres Anzeichen dafür, dass uns ein Künstler sehr gefällt. Die logische Konsequenz war das Geschenk von 2 Konzerttickets zu Hollys Geburtstag. Endlich, 4 Monate später, sollten wir diese einlösen können!

Wenn man das erste Mal auf ein Kozert eines Musikers geht, den man neu für sich entdeckt hat, ist man auf vieles gespannt: Wie ist das Publikum gemischt? Wie wird die Stimmung sein? Und vor allen Dingen: Wie präsentiert sich der Künstler? Das galt es an diesem Abend in Oberhausen herauszufinden. Die Tatsache, dass das Konzert in einen größeren Raum verlegt wurde, ließ den Schluß zu, dass es voll werden würde, daher fanden wir uns zeitig an der Halle ein. Man könnte auch sagen: Wir waren die ersten und so früh, dass noch nicht einmal das rote Absperrband vor dem Eingang gespannt war. Wie wir durch einen Mitarbeiter des Zentrums Altenberg erfuhren, wurden ungefähr 450 Leute erwartet.

Da das Konzert erst 1,5 Stunden nach dem Einlaß begann, hatten wir genug Zeit, das Publikum zu beobachten, welches eines der bunt gemischtesten unserer bisherigen Konzertgängerkarriere war. Eines hatten jedoch alle gemeinsam: Partylaune!
Kaum betraten nämlich Herr Steiffen und sein Haseland-Orchester (bestehend aus einer Person, nämlich Dr. Martin Haseland) die Bühne, brach ohrenbetäubender Jubel aus und das textsichere Publikum sang – in einigen Fällen gröhlte – von Anfang an mit.

Schlager ist normalerweise nicht unsere Welt, aber wie man an unserer Musiksammlung ansieht, hören wir nicht nur Rock und Metal, sondern sind für verschiedene Arten von Musik offen. Wahrscheinlich ist es jedoch vor allem den witzigen Texten von Christian Steiffen zu verdanken, dass seine CD so bei uns eingeschlagen hat. Ja, CD! NICHT Spotify! Wie der Name des Künstlers schon erahnen läßt, drehen sich viele Texte um den intimen zwischenmenschlichen Kontakt, wie z.B. „Sexualverkehr“ oder „Eine Rose“. Mag Herr Steiffen jemanden nicht, wird er dieser Person wohl „Ich hab dir den Mond gekauft“ widmen. In seiner Freizeit hat er „Haschisch probiert“ und schwelgt bei schlechter Stimmung in „Selbstmitleid“. Schlußfolgerung: Manchmal ist das Leben einfach nur „Eine Flasche Bier“.
Christian hat also Lieder für jede Lebenslage im Gepäck, jedesmal von einer gehörigen Portion Selbstironie begleitet.

Während des fast zweistündigen Abends wurde das gesamte Album „Arbeiter der Liebe“ gespielt. Da ein Album alleine jedoch keinen ganzen Konzertabend trägt, warfen Christian Steiffen und das gesamte Haseland-Orchester zwischendurch immer mal neue Stücke des zweiten Albums ein, die allesamt Potential zum Albumtitel haben. Doch auch vor Coverversionen wurde nicht Halt gemacht. Bei „Komm und bedien dich bei mir“,der deutschen Version von Tom Jones‘ „Help yourself“ hatte Herr Dr. Haseland seinen großen Moment im Rampenlicht, denn sein großes Solo auf der goldenen Trompete stand an. Über das ganze Gesicht strahlend, freute er sich sichtlich über die nicht abreißenden „Ha-se-land“ Sprechchöre. Es dauerte allerdings eine Weile, bis er zum Spielen kam, denn im entscheidenden Moment wurde das Instrument leider durch seinen Musikerkollegen hinuntergedrückt. Als es schließlich soweit war, war das, was aus der Trompete herauskam, so grandios vergeigt gespielt, dass wir und unsere Begleitung Tränen lachten.

Die bereits am Anfang erwähnte Bombenstimmung wollte während des fortschreitenden Abends immer noch nicht abreißen und Christian entführte ca. 2/3 des Obenhausener Publikums für eine Polonaise zum „Flasche Bier- Marsch“, die sogar aus der Halle herausführte. Logisch, dass er um mehrere Zugaben nicht herum kam. Das Zentrum Altenberg bebte bis zum letzten verklungenen Ton, auch wenn längst schon klar war, dass die Steiffen-Version von „Leise rieselt der Schnee“ das letzte Stück des Abends blieb.

Was Christian Steiffen auf der Bühne abliefert, ist einfach höchst unterhaltsam. Die Lieder sind eingängig und laden zum Mitsingen -klatschen und -feiern ein. Er selbst hat eine unglaubliche Energie; tanzt, hüpft und ist dauernd in Bewegung und schafft es dabei trotzdem noch, jeden Ton zu treffen und nicht sichtbar zu schwitzen. Dazu kommt ein ständiger, humor- und respektvoller Umgang mit seinem Publikum, was ihn noch symphatischer macht. Dazu noch Dr. Haseland, der virtuos zwischen zwei Keyboards hin und herwirbelt und das beste Einmannorchester der Welt sein dürfte. Es war sicher nicht das letzte Konzert beim „Arbeiter der Liebe“ und wir freuen uns schon auf das nächste Mal.

Ich fühl‘ mich Foto

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6 Antworten zu Ferien vom Roll N Roll

  1. Das war ein Super Abend… Ich bin immer wieder verblüfft wie bunt durchmischt unser Publikum ist. Aber das ich nicht schwitze würde ich nicht sagen – Ich bin jedesmal klitschnass… :)

    Beste Grüsse aus Osnabrück

    • Karinsche sagt:

      Der Christian ist da! :- )
      Sei herzlich gegrüßt und bedankt für die netten Zeilen.
      Made my day, wie man auf neudeutsch sagt!
      Hoffentlich sieht man sich bald nochmal!
      Liebe Grüße!

  2. Laura sagt:

    Habe ja schon von verschiedenen Seiten gehört, dass ihr viel Spaß hattet. Aber das klingt nach einer richtigen Gaudi.
    Außerdem finde ich den Bericht sehr gut geschrieben. Weiter so :)

  3. Steffen sagt:

    Moin moin,

    wieder mal ein sehr schöner Bericht. Wie Ihr auch dürfte ich inzwischen sämtliche Videos vom Bernsteinzimmer der guten Musik durchhaben. Danke nochmal für’s ‚anfixen‘ ;- )

    Liebe Grüße aus Duisburg!

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