Eist Örs

Stormriders

Petrus muß ein Metalfan sein. Den Schnee vom Vortag hat er mit einem Orkan davongeweht. Die Straßen waren zum Glück frei, für die Fahrt zu unserem ersten Konzert des Jahres. So standen wir pünktlich vor einer unserer Lieblingslocations: der Bochumer Zeche.

Genauso pünktlich um 21.30 Uhr ging das Hallenlicht aus und das Intro begann. Das Konzert startete mit dem gleichen Lied, mit dem auch das Album eröffnet wird. Nach der „Great Heathen Army“ folgten nahtlos der Klassiker „Burning Times“ und das Titellied vom „Dystopia“-Album. Mit diesem druckvollen Einstand entfesselten die Amerikaner einen Sturm der Begeisterung in der ausverkauften Zeche, der bis zum Ende anhalten sollte. Stu bewies erneut, daß er der perfekte Frontmann für Jon Schaffers Band ist. Problemlos trifft er mit seiner kraftvollen Stimme auch die hohen Töne und ist immer in Bewegung. Dabei wirkt er mit seinem, im Bart versteckten Lächeln, sehr sympathisch. Die  Fans scheinen ihn nicht nur zu akzeptieren, sie fraßen ihm aus der tätowierten Hand. Denn er ist nicht nur ein guter Sänger, er ist einfach ein guter Frontmann, der das Publikum mitzureissen vermag. Etwas, daß sein Vorgänger nicht vermochte. Zumindest uns hat Tim Owens damals live nicht überzeugt. Für Stucifer, wie er laut Namenssschild auf seiner Weste heißt, ist das in Bochum ein besonderes Konzert. Nicht nur, weil die Band von Anfang an in Deutschland große Unterstützung erfuhr, sondern weil sein allererster Auftritt als Sänger von Iced Earth genau auf dieser Bühne in Bochum war, wie er erzählte.

Generell waren Ansagen rar gesät, denn die Band ließ ihre Musik für sich sprechen. Bei dem Backkatalog an großartigen Liedern eine sichere Bank. Mit „Seven Headed Whore“ und „Vengeance is mine“ gaben Iced Earth Vollgas, damit sich die Fans den Winterschlaf aus den Gliedern bangen konnten.  Mit „I died for you“ und „Raven Wing“ zeigten sie ihre gefühlvollere Seite, was der Begeisterung in der Halle keinen Abbruch tat und für Stu keine Schwierigkeit darstellte. Die restliche Band zeigte sich ebenfalls von ihrer besten Seite. Brett Smedley gibt, mit einigen Unterbrechungen, seit mehr als zwanzig Jahren, am Schlagzeug den Rhythmus vor. Jake Dreyer an der Gitarre ist der Neuzugang, der, neben Luke Appleton, der seit sechs Jahren Schaffers Mann am Bass ist, Iced Earth komplettieren. Immer wieder lieferten sie sich oder mit dem Bandboss in der Bühnenmite ein „Instrumenten-Duell“. Bei soviel Druck, den sie den Stücken gaben, war jeder Widerstand zwecklos. Aber Widerstand gab es sowieso nicht. Die großartige Stimmung im Publikum übertrug sich auf die Bühne, denn die Musiker hatten sichtlich Spaß an ihrer Arbeit.

Wie gewohnt trat der Bandboss bei „Stormrider“ ans Mikro in der Bühnenmitte und übernahm den Gesang. Das macht er ganz gut, wenn auch deutlich wird, warum er sich Sänger in die Band holt, die ein größeres Spektrum abdecken und seinen epischen Liedern den richtigen Klang verleihen. Ungewöhnlich war dagegen das Fehlen von „Iced Earth“. Das Stück gehört schon ewig in jede gute Setlist der Amerikaner. Aber wen stört es, dafür haben es sechs der zehn Lieder von „Incorruptible“ ins Programm geschafft und zum zwanzigjährigen Juibläum der Platte ebenfalls die „Something Wicked“-Trilogy. Nach dem bereits erwähnten gefühlvolleren „Raven Wing“, wurden dem Publikum zwei Klassiker vorgesetzt. Zuerst entfesselten sie den „Angels Holocaust“, bevor sie „Travel in Stygian“ anstimmten. Jeder im Saal mobilisierte seine Restkondition und nutzen die Chance, die beiden Lieder und natürlich dia Band verdient abzufeiern. Der Stimmung ging ab durch der Decke, wie man in Polen sagt.

Die Reise auf dem Styx beendete kurzfristig das Konzert, bevor das Intro von „Clear the Way“ aus den Boxen erklang. die Zugabe ankündigte und die fünf Musiker zurück auf die Bühne traten. Das letzte Lied vom neuen Album wurde abgefeiert, als wäre es ein heiß geliebter Klassiker. Ich vermute mal , das wird auch auf den kommenden Touren gespielt werden (müssen).
Damit machten Iced Earth den Weg frei für das letzte Lied des Abends. Bei „Watching over me“ ging es zum Abschluß etwas ruhiger zu und Stu paßte seinen Gesang dementsprechend an. Sofern er überhaupt singen mußte, denn das übernahmen die Zuschauer nur zu gerne. Und so ging mit dem Bochumer Zechen-Chor ein grandioses Konzert zuende, mit dem die Band bewiesen hat, daß sie zu den besten Metalbands auf diesem Planeten gehören. Einziger Wermutstropfen war der Gesang, der ging in den ersten Reihen stellenweise etwas unter. Der Rest war Bombe, wie es auf Neudeutsch heißt. Mit diesem phänomenalen Auftritt haben Iced Earth unser Konzertjahr eindrucksvoll eröffnet.

Knippsed are you

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https://www.youtube.com/watch?v=_ru-io-8LTM
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