Familienbande

96 Hours – Taken 2

Regie: Olivier Megaton
mit: Liam Neeson,  Famke Janssen, Maggie Grace, Rade Serbedzija,
Leland Orser, D.B. Sweeney, Jon Gries, Kevork Malikyan und Luke Grimes
92 Min.

Bisher sieht unsere Kinobilanz dieses Jahr ganz gut aus. Zwei Filme haben wir uns fürs Heimkino aufgehoben, aber sonst unsere Liste tapfer abgearbeitet bis jetzt.
Am Sonntag hat uns dann Bryan Mills aus dem warmen Haus gelockt. Bryan Mills ist ein unscheinbarer Name und genauso unscheinbar war der Charakter in der ersten Hälfte von Teil 1. In der zweiten Hälfte hat Liam Neeson dann bewiesen, dass Bryan Mills den Vergleich mit Actionhelden wie Jason Bourne, John McClane und Jack Bauer nicht zu scheuen braucht.

Der zweite Teil setzt da an, wo der Vorgänger aufhört. Die neue Ehe seiner Ex-Frau ist kurz vorm Scheitern und daraufhin lädt er sie und die Tochter zu einem gemeinsamen Urlaub in Istanbul ein.
Nicht nur seine Familie überrascht ihn dort, sondern auch der Vater eines Mannes, der das Zusammentreffen mit ihm in Teil 1 nicht überlebt hat. Er lässt Mills samt Frau entführen. Seine Tochter kann sich diesmal der Entführung widersetzen und unterstützt ihren Vater bei der Flucht. Dabei bleibt seine Frau zurück. Er setzt seine Tochter bei der amerikanischen Botschaft ab und holt sich seine schwarze Lederjacke. Spätestens jetzt ist klar, der Mann meint es ernst. Keine Gefangenen. Alleine zieht er los, rekonstruiert den Weg zum Versteck, wie es Sherlock Holmes in London nicht besser konnte, stellt den Bösewicht und seine Schergen und rettet seine Frau.
An dieser Stelle muß nicht erwähnt werden, daß Bryan Mills dabei wenig zimperlich vorgeht und die Väter für Teil 3 schon Nummern ziehen dürfen. :-)

Mir hat der erste Teil von der Handlung her besser gefallen, aber auch Teil 2 ist gelungene Actionkost. Luc Bessons Filme sind gute Unterhaltung, mit dünnen Geschichten und zweidimensionalen Charakteren. In einer Zeit, in der Handlungen und Figuren immer komplexer werden, wirken die Filme fast altmodisch. Nur der hektische Schnitt macht die Filme zu Produkten ihrer Zeit.
Ich sehe Famke Janssen sehr gerne und war froh, dass die Rolle größer war, aber sie kann aus der passiven Opferrolle nicht viel herausholen. Und auch Rade Serbedzija spielt wieder mal einen typischen, osteuropäischen/russischen Bösewicht. Eine Rolle, auf die er fast festgelegt scheint. Maggie Grace wird in diesem Film vom Opfer zum Helfer, aber einzig Liam Neeson trägt auch Teil 2. Bryan Mills wirkt immer ruhig, konzentriert und hat keine Zeit für dumme Sprüche. Dafür ist die Sache zu ernst.
Die Schießereien und Verfolgungsjagden sind, wie nicht anders zu erwarten bei Besson, gut und spannend in Szene gesetzt. Alles sieht nach echter, altmodischer Handarbeit aus. Nur bei wenigen Szenen sieht man die Hilfe des Computers.
Man darf nicht alles hinterfragen, aber auch dass ist bei Besson normal. Dann kommt man als Actionfan auch beim zweiten Teil auf seine Kosten. Und bei dem überraschenden Erfolg des Filmes werden die Bedenken von Neesson und Besson über eine mögliche Fortsetzung wohl bald durch einen dicken Scheck weggewischt.
Wir wären bei der nächsten Befreiungsaktion auf jeden Fall wieder dabei.

 

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